Die pädagogische Revolution

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erziehung

R e v o l u t i o n – P ä d a g o g i k ? P ä d a g o g i k – R e v o l u t i o n ?
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„Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“ – Malala

Unsere Schulen müssten in Biotope des Lernens verwandelt werden, in denen junge Menschen inspiriert und begeistert Neugier entfalten und verantwortungsbewusst ihre Welt gestalten. Lernen muss, befreit von hierarchischem Belehren, zu einem kreativen Austausch unter Lernenden werden. Nicht auswendig gelerntes, sondern selbstständig erworbenes Wissen und Können ist das, worauf es für die Gestalter des 21. Jahrhunderts ankommt. (Prof. Dr. Gerald Hüther, Hirnforscher)

Ragaz will die Bildungsanstalten seiner Zeit hineinnehmen in die Bewegung auf das Reich Gottes und verlangt von daher eine Neuorientierung, die die Wissenschaft und Bildung zum Menschen- und Gottesdienst werden läßt. Es bedarf der pädagogischen Revolution
als Konsequenz der sozialen und religiösen Revolution.
»Der Sinn aller Kultur ist der Mensch. ( … ) Was sie will, ist der Mensch, und zwar der persönliche Mensch, der Mensch in seiner Geistigkeit und Freiheit, der sich und anderen heilig gewordene Mensch. Und nichts anderes kann Bildung wollen.« 1919

Kultur ist nicht Musikschule, Gemäldeausstellung, Laboratorium,
Lehrbücher; Kultur ist Lebensstimmung, Lebensstil, Lebensprägung.

Leonhard Ragaz: Die pädagogische Revolution
Und welches ist nun u n s e r Weg aus Chaos und Katastrophe? Wir müssen wieder die
E i n h e i t suchen, müssen aus der Geist- und Seelenlosigkeit des Lebens, wie aus der babylonischen Sprachverwirrung heraus. Diese Einheit finden wir in einem die Menschen neu ergreifenden umfassenden I d e a l. Wir finden sie in einer religiösen Kultur. Tiefer und schöner gesagt: wir finden sie wieder in der Idee der T h e o k r a t i e, der Gottesherrschaft. Aber zum Unterschied vom Mittelalter muß es eine f r e i e sein, eine, die, alle Zwangsmittel verachtend, sich bloß auf die Macht der Wahrheit stützt und lieber verfolgt als begünstigt sein will. Mit anderen Worten: A n  S t e l l e  d e r  K i r c h e  t r i t t  d a s  R e i c h  G o t t e s. Dieses ist keine religiöse Organisation, die sich vom übrigen Leben abhebt, sondern die Wirklichkeit des lebendigen Gottes selbst, der nicht in einem besonderen Tempel wohnt, sondern die W e l t zum Tempel hat. Es wirkt sich in den Formen des Weltlebens aus, denen es aber einen andern Sinn einhaucht, der freilich nur ihr ursprünglich verloren gegangener und nun wieder gefundener Sinn ist. Es ist die Welt, aber die erlöste und wiedergeborene. Es gibt darin keinen b e s o n d e r e n Gottesdienst, weil a l l e s Tun Gottesdienst sein will… E s  i s t  d a s  k a t h o l i s c h e  I d e a l,  a u f  p r o t e s t a n t i s c h e r  G r u n d l a g e  v e r-
w i r k l i c h t. Neue Einheit in neuer Freiheit, eine die andere tragend, Kunst, Wissenschaft, Sittlichkeit, Staat, Wirtschaftsleben, internationales und nationales Wesen, alles in Freiheit dem Gottesreich dienend – d a s ist das Neue, das vor uns als Ziel und Rettung auftaucht, das ist die neue religiöse Kultur.

Die pädagogische Revolution
Zehn Vorlesungen zur Erneuerung der Kultur von Leonhard Ragaz
Die Universitäten konnten keine geistige Führung geben, weil sie keinen Geist hatten! Es hat Zeiten gegeben, wo die Universitäten einen solchen Geist h a t t e n. Von dieser Art war die m i t t e l a l t e r l i c h e  U n i v e r s i t ä t. Sie besaß ihre innere Einheit in dem religiösen Glauben, auf dem sie ruhte. Alle Wissenschaft hatte nach dem mittelalterlichen Ideal, das ja zugleich das sogenannte katholische Ideal ist, den Sinn, die Ehre Gottes auszudrücken. Sie ruhte auf dem G l a u b e n, der Intuition Gottes, und hatte die Aufgabe, diese zu einem System der Welt- und Gotteserkenntnis auszuarbeiten, das den Glauben bestätigte. Natur – und Geisteswissenschaft (um diese modernen Ausdrücke zu brauchen) hatten gleichermaßen diesen Sinn. Alles Wissen bildete durchaus eine  E i n h e i t. Es war gewissermaßen alles Theologie. Denn Fundament und Giebel dieses ganzen Gebäudes ist eben der Glaube. Damit aber bekommt der gesamte Wissensbetrieb auch einen p r a k t i s c h e n Sínn. Denn die Erkenntnis steht selbstverständlich im Dienste des Tuns, die Theorie soll der Praxis die Fackel vorantragen. Alle Gotteserkenntnis wird Gottesdienst. Es gibt kein für sich seiendes, in der Luft schwebendes, an sich wertvolles Wissen. Alles Wissen ist an den letzten praktischen Zwecken des Menschen befestigt und mit seiner zeitlichen und ewigen Bestimmung im Tiefsten verbunden. Es ist endlich auch eine Erkenntnis, die den, der sie besitzt, nicht von der G e m e i n s c h a f t der Menschen trennt, sondern ihn durchaus mit dieser verbindet. Wir können die Frage wenden, wie wir wollen, immer kommen wir zu dem gleichen Ergebnis: Es fehlt unserer heutigen Hochschule an einer zusammenfassenden Idee, an einer geistigen Einheit, an einer Seele. Sie ist ein Konglomerat von Fächern, die durch den Zufall oder durch irgendein äußerliches Bedürfnis, sehr oft rein technischer Art, zusammengeworfen sind. Es ist kein alles durchleuchtender Sinn vorhanden. Unter der Empfindung dieser Sinnlosigkeit leidet, ohne es zu wissen, der Zögling noch mehr als der Lehrer. Es fehlt ein Telos, eine innere Notwendigkeit; es fehlt, möchte ich zunächst einmal sagen, die
h u m a n e Abzweckung auch alles wissenschaftlichen Tuns, seine Verankerung in einem allbeherrschenden Ideal, einem Absoluten. Es wird Masse, Last. Es fordert darum einen ungeheuren Apparat und viel, viel G e l d. Wo der Geist weicht, da herrscht eben die Materie, bis auch sie schließlich in der Geistlosigkeit zerfällt. Ein ungeheurer Körper, der hybrid angeschwollen ist und aus dem die Seele immer mehr weicht.
D i e s e s  S y s t e m  u n d  P r i n z i p  i s t  n ä m l i c h  d a s  G e g e n t e i l  d e s
c h r i s t l i c h e n  u n d  d e m o k r a t i s c h e n. Das C h r i s t e n t u m, wie ich es verstehe, ist freilich seinem innersten Wesen nach demokratisch, ja das Prinzip aller echten Demokratie. Denn es verlegt den Schwerpunkt der Wahrheitserkenntnis aus dem Wissen in das
G e w i s s e n, also aus etwas, was nur der Besitz Weniger sein kann, in etwas, was jedem zugänglich ist. Es ist durch und durch p e r s ö n l i c h und, bei aller Gemeinschaftstendenz, s u b j e k t i v und individuell. Gott selbst ist keine abstrakte Idee, sondern das Urbild des persönlichen Lebens und in diesem Sinne Persönlichkeit. Ihm entspricht der persönliche M e n s c h. Auf den E i n z e l n e n kommt es dabei an. Jeder Einzelne hat unendlichen Wert, gerade auch der Geringste. Jeder hat vollen Zutritt zur Wahrheit und der Einfachste am meisten. Das ist das demokratische Urprinzip, das im Christentum erscheint und von hier aus die Welt erobert. Es hat neben den politischen und sozialen auch gewaltige Folgen für E r k e n n t n i s und B i l d u n g. Wie es alle geistigen Privilegien aufhebt, so auch den Unterschied zwischen Gebildet und Ungebildet. Es kennt eine Geisteswelt, die Alle umfasst und vor der alle menschlichen Unterschiede nichtig werden. Es ist darum mißtrauisch gegen alle hochfahrenden Ansprüche des Wissens und anerkennt das Privilegium des weltlichen Gelehrten so wenig als das des Schriftgelehrten. Es hat, wo es echt war, gegen jede Klassentrennung protestiert und es duldet sie auf dem Gebiet der geistigen Kultur so wenig als im politischen und sozialen Leben, ja hier noch weniger! Es kennt auch, da es überall auf das P e r s ö n l i c h e abstellt, nicht einen rein objektiven Weg zur Wahrheit, zum mindesten nicht in den Lebensfragen. Die Wahrheit muß persönlich, subjektiv erfaßt werden, nicht durch den Begriff, sondern durch den Entschluß, nicht durch den logischen Beweis, sondern durch den Glauben, der unter Umständen in den Augen der Vernunft Torheit ist. Mit Kierkegaard zu reden: das Christentum denkt nicht intellektualistisch, sondern
e x i s t e n t i e l l. Aus dem Grundübel, dem Manko an Geist, erklärt sich auch eine zweite Erscheinung, die freilich nicht bloß der Hochschule eigen ist, aber auch an ihr hervortritt, ich meine, das, was man die Ü b e r b ü r d u n g zu nennen pflegt. Sie muß notwendig eintreten. Wo der Geist nachläßt, tritt die M a t e r i e die Herrschaft an; wo es sich aber um Materie handelt, da gilt das Q u a n t u m. Das i d e a l i s t i s c h e Bildungsideal ist seiner Herkunft gemäß q u a l i t a t i v. Es kommt ihm nicht darauf an, daß Vieles g e l e r n t, sondern daß der M e n s c h herausgearbeitet werde, dass er zur Klarheit, Freiheit und Tiefe gelange. An diesem Telos ist seine Norm für die Auswahl des Bildungsstoffes gegeben. Dieser hat genau in dem Maße Wert, als er jenem Ziel dient, sonst ist er eben bloßer Stoff. Wenn nun aber diese Norm wegfällt, dann verliert man das Kriterium für die Wahl des Stoffes. Dann drängt das Viele sich von allen Seiten heran und weiß immer ein Recht geltend zu machen. Wenn das ursprüngliche idealistische Ziel durch jenes Ideal einer allgemeinen Bildung ersetzt wird, das wir geschildert haben, dann wächst der Stoff ins Grenzenlose; dann wird Faust, dessen Sehnsucht ist

Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau alle Wirkenskraft und Samen
Und tu’ nicht mehr in Worten kramen“
zum Famulus Wagner, der da spricht:
„Zwar weiß ich viel, doch möcht’ ich alles wissen.

Und wenn endlich das Bildungsziel so vermaterialisiert ist, dass die sogenannten p r a k t i-
s c h e n  B e d ü r f n i s s e aller Art die Orientierung des Studiums bilden, dann ist vollends nicht mehr abzusehen, wo man anfangen und wo aufhören soll. Es kommt aber dazu, daß ein derartiges Wissen a n  s i c h  s c h o n etwas Belastendes hat. Denn es kommt von a u s-
s e n an den Menschen heran, es wird nicht von ihm durch eigene Geistestätigkeit verarbeitet; aber alles, was dem Menschen fremd ist, belastet ihn. In der gleichen Richtung wirkt der Mangel an einer inneren Einheit und daher wahren Geistigkeit dieses Wissens. Was dem Geiste gemäß ist, was seinem innersten Wesen und Verlangen entgegenkommt, das befreit, erhebt und stärkt ihn, gibt ihm das Gefühl der Leichtigkeit und Kraft, das Bunte und Wirre aber drückt und beschwert ihn. Diese befreiende Kraft ist ja ein Hauptteil des Segens echter Wissenschaft, d e r Wissenschaft, die an der Idee teilhat. Sie rettet den Menschen aus dem geistigen Chaos, sie erlöst ihn durch das: „Es werde Licht“.. Und wenn, was bei dieser Auffassung des Wissens und der Bildung natürlich ist, noch dazu die Meinung sich gesellt, daß es gelte, den Zögling in einer bestimmten Zeit mit seiner Bildung f e r t i g
w e r d e n zu lassen, während diese doch in sich unendlich ist und es sich in einem recht orientierten Bildungssystem bloß darum handeln könnte, ihn zur geistigen Selbstbildung tauglich zu machen, dann ist die Herrschaft des Materialismus in Gestalt der quantitativen Bildung vollendet. Dann beginnt das Markten und Streiten um das Wieviel, das kein Ende nimmt. Dann wird der Lehrplan zum Schultyrannen und das Examen zum Damoklesschwert, das über dem Hörsaal aufgehängt ist, so gut wie über dem Schulzimmer. Die Folgen sind auch hier deutlich genug. Die Belastung erzeugt M ü d i g k e i t. Der Intellektualismus ist eine Denkweise, die die Wahrheit in einem wohlgeordneten System von Begriffen zu haben glaubt. Dieses System ist an sich gültig. Es ist eine absolute Wahrheit. Es gilt ganz unabhängig von allem, was in der bunten Wirklichkeit der Dinge durch einander gärt; ja, seine Wahrheit tritt um so reiner hervor, je weniger es sich mit dieser einlässt.. Diese Denkweise beherrscht aber, wie wir gezeigt haben, auch unsere Hochschule, wie ihre Vorstufe, die Mittelschule. Zu ihrem großen Schaden! Denn sie verstößt gegen die große Wahrheit,
d a ß  e s  k e i n e  r i c h t i g e  E r k e n n t n i s  g i b t,  a u ß e r  i m  Z u s a m m e n h a n g
m i t  e i n e m  T u n,  s a g e n  w i r:  m i t  d e r  Arbeit  i m  w e i t e s t e n  S i n n e  d e s
W o r t e s. Wir können dabei am besten wieder an die für das heutige Hochschulwesen so typische Rolle des Vorlesungssystems anknüpfen.. Es ruht nämlich auf der Voraussetzung, dass die beste Form der Wahrheitsmitteilung die s y s t e m a t i s c h e sei, daß die Wahrheit eine o b j e k t i v e Gegebenheit sei, die als solche ohne weiteres aus dem Geiste des Einen in den des Andern übertragen werden könne. Dabei wird aber jene große Wahrheit vergessen, deren Prophet Kierkegaard gewesen ist: daß die S u b j e k t i v i t ä t die Wahrheit ist. Nicht das ist für den Menschen wahr – wenigstens in den eigentlichen L e b e n s f r a g e n, den Fragen des geistig – p e r s ö n l i c h e n Lebens – was an ihn mit Gründen und Beweisen objektiv evident herangebracht worden ist, möge ihm dies auch noch so einleuchtend geworden sein, sondern nur das, was ihm s u b j e k t i v wahr geworden ist. Dies gilt aber nur von dem, was mit seiner ganzen E x i s t e n z zusammenhängt, was sich auf seinen persönlichen Kampf, seine persönliche Not bezieht, was also im Grunde einen E n t s c h l u ß, eine T a t bedeutet. Wahrheit im intensiven Sinne des Wortes gewinnt der Mensch also nur da, wo er von seinen höchst individuellen Voraussetzungen her zum Denken kommt; alles
e c h t e Denken ist e x i s t e n t i e l l e s Denken. Das ist das A r b e i t s p r i n z i p in seiner höchsten Formulierung. „Jeder weiß nur soviel er tut.“ Und nun bedenken Sie, daß das Arbeitssystem der Universität auf dem entgegengesetzten Prinzip beruht. Es wird der ganze Umkreis der Wahrheit in objektiver Weise an den Jüngling gebracht, ohne dass irgend darnach gefragt wird, welche Voraussetzungen er mitbringt. Das S e m i n a r soll freilich dieses Prinzip ergänzen, aber es bleibt ein Anbau eines Gebäudes, das einen ganz andern Stil und Plan hat. Dieser Umstand hat eine verhängnisvolle Tragweite. Einmal wird dadurch dem geistigen Leben viel von seinem E r n s t e genommen. Die Probleme werden nicht persönlich, sie rücken dem Individuum nicht auf den Leib. Alles bleibt in der Höhe der Objektivität. Es bleibt T h e o r i e. Man interessiert sich dafür, man vergleicht die sich widerstreitenden Ansichten und treibt das ein bißchen als Sport. Aber er bleibt alles „akademisch“. Wieder stoßen wir also auf den bedenklichen Nebensinn dieses Wortes. Akademisch sein heißt, n i c h t  e r n s t g e n o m m e n  w e r de n, heißt, eine Sache als interessantes Gedankenspiel behandeln. Akademisch sein, heißt, geistige Dinge denkend behandeln, nicht weil sie b r e n n e n d sind, weil sie nach Licht und Lösung schreien, sondern weil es zum
M e t i e r gehört, es heißt sogar, Dinge n i c h t behandeln, g e r a d e  w e i l sie brennend sind, heißt vergangene, abgelebte Dinge behandeln.

Satt werden an Leib und Seele

Erlebte Theologie
„Herr, laß Dein Angesicht über uns leuchten“ (Psalm 4,7), so beten viele Menschen seit über 2000 Jahren. Jetzt, da wir unsere Kinder strahlen sahen, wenn wir uns über sie beugten, sie fütterten oder vom Schlafen aufnahmen, wurde mir dies Gebet plötzlich lebendig und immer wichtiger. Es war wie eine Verheißung. Wie herrlich muß dieses Angesicht Gottes sein, wenn schon das unsere eine solche Leuchtkraft auf unsere Kinder hat. Vor allem in diesen ersten Monaten, in denen ein Baby beim Stillen die Mutter konzentriert, fast möchte man sagen: andächtig betrachtet, mußte ich immer wieder an diesen Gebetsruf „Herr, laß Dein Angesicht über uns leuchten, dann ist uns geholfen“ denken (Psalm 80, 4.8.20).
Im Wechselspiel der Augen zwischen Mutter und Kind, das beim Stillen wiederum nur dem Menschen möglich ist, erkennt das Kind sich langsam selbst. Dies ist wohl der tiefste Grund, warum ein kleiner Mensch seine Mutter so aufmerksam betrachtet, als ob es ihre Gesichtszüge auswendig lernen und diese „Augen-Blicke“ der Liebe für sein ganzes Leben speichern wollte. So ist es ja auch: In ihrem Angesicht erkennt es sich selbst als ein geliebtes, folglich liebenswertes und bejahtes Wesen. Es gibt eine wunderschöne Stelle im ersten Teil der Heiligen Schrift, im Alten Testament. Dort spricht Gott: „Weil Du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe“ (Jesaja 43,4). Diese Worte beschreiben genau die Liebe von Eltern zu ihren so kleinen Kindern. Wir lieben sie nicht wegen bestimmter Eigenschaften, etwa weil sie eines fernen Tages gut in der Schule, tolle Sportler, besonders hübsch oder Spitzenverdiener wären. Nein, ganz einfach: weil sie in unseren Augen teuer und wertvoll sind. Nur so, ganz ohne Vorbedingung. „Entzögest du mir Dein Antlitz, so könnte ich in keiner Weise sein.“ Der berühmte Philosoph und Mystiker Nikolaus von
Kues spricht hier zu Gott. Er spricht von seinem persönlichen Verhältnis zu Gott, aber auch vom Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer. Der Blick auf das Baby läßt diesen Satz in zweifacher Weise lebendig werden. Zum einen spricht jedes Kleinkind in seinem Bedürfnis nach Bindung genau diesen Satz: „Entzögest Du mir Dein Antlitz, so könnte ich in keiner Weise sein.“ Der Mensch ist auf Liebe hin angelegt: Zu seiner Menschwerdung braucht es die Liebe. Wo sie gänzlich fehlt, wird der Mensch zum Unmensch. Im Bild vom Paradies, in dem die Menschheitsgeschichte ihren Anfang nahm, sieht die Psychologin
Marie Winn auch ein Symbol für den Sinn der Kindheit. Am Anfang eines jeden Menschenleben muß es so etwas wie den Garten Eden geben, „einen Ort, wo jedes Bedürfnis gestillt und für alles Notwendige gesorgt wird“. Einen Ort, an dem der kleine Mensch satt werden darf, an Leib und Seele. Der Mensch will lieben und geliebt werden. Kein Wunder: Kinder ähneln ihren Eltern und „Gott ist die Liebe“ (1. Johannesbrief 4,8). Zum anderen verrät der Satz des Nikolaus von Kues und das Strahlen des Kindes beim Anblick seiner Eltern auch etwas über unsere tiefste Bestimmung. Auch wir Erwachsenen wollen satt werden an Leib und Seele. „Entzögest Du mir Dein Antlitz, so könnte ich in keiner Weise sein.“ Ob die Freudlosigkeit und Unruhe vieler Menschen nicht auch damit zu tun haben, daß so viele blind für Gottes Angesicht geworden sind? „Unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in Dir“ so sagt der heilige Augustinus. Wie viel Sicherheit und Zuversicht hat der, der beten kann: „Laß Dein Angesicht über mir leuchten, dann ist mir geholfen“. Um dieser Freude und Geborgenheit willen, sollten alle Eltern versuchen, sich und ihre Kinder nicht „um Gott zu betrügen“, so der Titel eines sehr hilfreichen Buches von Alfred Biesinger, zum Thema Glaubenserziehung. Sie sollten sich mit ihnen auf den Weg machen, ihn für sich (wieder) zu entdecken. Wer zu den Glücklichen gehört, die Gottes hilfreiche Gegenwart in ihrem Leben schon erfahren haben, der weiß, wie schön es ist, den Kindern von diesem leuchtenden Angesicht erzählen und ihnen so zu einem geradezu himmlischem Urvertrauen verhelfen zu können.

Dezamy, Code de la Communaute, Paris 1842
Kindererziehung und Kinderarbeit in der Kommune
(Dezamy, Code de la Communaute, Paris 1842, S. 146-56; vgl. Heß, Handschrift S. 78-84): “Sobald die Kinder (Jungen und Mädchen) einen Schimmer von Intelligenz haben und zu einiger Geschicklichkeit fähig sind, von dem Alter von drei oder vier Jahren an, trägt man Sorge dafür, sie in die verschiedenen Werkstätten, in die Gärten, die Obst- und Gemüsegärten, auf die Felder, in die Pferde- und Viehställe und auf die Geflügelhöfe zu führen, wo sie abwechselnd die verschiedenen organisierten Arbeiten in Augenschein nehmen können. Die Aufsichtspersonen bestehen im wesentlichen aus den Alten beiderlei Geschlechts, denn gerade das Alter sympathisiert am meisten mit den Jüngeren. Man läßt die verschiedenen Fähigkeiten und Neigungen bei diesen kleinen Kindern in Freiheit aufkeimen, wachsen und sich entfalten; sie haben einen solchen Imitationsdrang, daß es – um sie zur Arbeit heranzuziehen – genügt, ihnen Miniaturwerkzeuge für die Gärtnerei, die Industrie, die Künste und Handwerke zu überlassen; alsbald machen sie davon eifrig und leidenschaftlich Gebrauch. Sie versuchen keineswegs zu zertrümmern und zu zerstören; durch das Beispiel der etwas älteren Kinder angeregt, die schon nützliche Arbeiter sind und einen ausgebildeten Organismus sowie größere und solidere Werkzeuge haben, suchen die kleinsten Kinder vielmehr alle Geschicklichkeit, zu der sie imstande sind, auf ihre Arbeiten im Kleinen zu richten. Man macht sich auch eine gewisse dem Menschen angeborene Selbstliebe zunutze, die die kleinsten Kinder ehrgeizig bestrebt sein läßt, an den Arbeiten der Großen teilzunehmen, sich nützlich zu machen, Bedeutung zu bekommen; man macht sie sich zunutze, um ihre Kräfte im jüngsten Alter wirklich zu verwenden. Auf den Feldern und in den Gärten zupfen sie das Unkraut und widmen sich der Arbeit, die Steine zu entfernen; in der Küche drehen sie die kleinen Bratspieße, befreien die Erbsen von den Schoten, reinigen das Gemüse, schälen die Früchte, waschen die Teller etc.; man beschäftigt sie schließlich mit all dem, was nicht eine über ihr Alter hinausgehende Kraft und Geschicklichkeit erfordert, und man sieht, wie alle diese kleinen Kinder, die bereits durch heftige Leidenschaften angetrieben werden, sich mit Vergnügen und Eifer den Arbeiten hingeben, die man ihnen einräumt. Von dem Moment an, wo man sie nutzbringend einsetzt, arbeiten sie in der gleichen Ordnung wie die Bürger… Entsprechend unserem Mechanismus der industriellen Tätigkeiten hat das Kind stets eine an Kraft und Geschicklichkeit fortgeschrittenere Gruppe vor sich, in die es nur durch eigne Vervollkommnung gelangen kann. Es durchläuft also eine aufeinanderfolgende Anzahl von Gruppen als Zeichen der verschiedenen Phasen der Kindheit und Jugend bis zum Mannesalter. Alsdann wird es die volle und ganze Unabhängigkeit in seinen Arbeiten genießen. Bis dahin wird es niemals gezwungen, sondern es wird geleitet. Es hat die Wahl zwischen den Arbeiten; da diese aber für die Kindheit in verschiedene Grade unterteilt sind, muß es – um von einem einfacheren zu einem höheren Grad aufzusteigen – von seiner Kraft, Geschicklichkeit und ausreichenden Fähigkeiten Beweis ablegen. Wir sehen, wieviele zusammenwirkende Motive die Kinder vom jüngsten Alter an zu den nützlichen Arbeiten treibt. Man weiß, wie stark die Imitationsfähigkeit bei den Kindern ist. Alles, was sie an Verrichtungen sehen, wollen sie versuchen. Man kennt auch ihre unaufhörliche Aktivität, ihr turbulentes und zerstörerisches Gemüt. Daran scheitern die Haushalte; das Kind möchte alles berühren, und dennoch ist nichts in seiner Reichweite; es herrscht ein ständiges Schelten und Schreien gegenüber dem armen Kleinen, das dem Drang seiner Natur folgt, einem wertvollen Drang, der – wenn er richtig geleitet wird – das Kind zur Arbeit treibt; wenn es zerbricht und zerstört, dann liegt das daran, daß man ihm keine Mittel liefert, seine Fähigkeiten auf andre Weise zu betätigen. Das kann man schon in dem gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustand beobachten: wenn ein kleines Mädchen seiner Mutter im Haushalt helfen kann, wenn es für seinen kleinen Bruder sorgen, ihn hüten und wiegen darf; wenn man ihm die Aufgabe anvertraut, die Wäsche auszuwringen, die Früchte einzuernten; wenn man ihm erlaubt, sich in der Küche einzurichten und der Köchin zu helfen, dann wird es sein Bestes tun und von seiner Nützlichkeit begeistert sein. Wenn desgleichen ein kleiner Junge den Boden gießen, umgraben und harken kann, wenn man ihm den Gebrauch von Werkzeugen gestattet, wenn man ihn in irgendeiner Abteilung der nützlichen Arbeiten beschäftigt, dann wird er hierbei alle Sorgfalt und alle Geschicklichkeit aufwenden, deren er fähig ist, er wird Stunden damit zubringen, geduldig Stein auf Stein zu setzen, ein Rad zu drehen, einen Stapel zu ordnen, und dies einzig aus dem Gefühl der Bedeutung seiner Arbeit. Die Kinder haben alle Leidenschaften im Keime; man muß sie nur zu nutzen wissen, um sie zum Guten, Großen, Nützlichen und Edlen zu befähigen. In der Kommune lassen es sich alle ihre Lehrer, alle ihre Führer, alle Bürger angelegen sein, den Kindern von den ersten Anzeichen der Intelligenz an das Gefühl ihrer Nützlichkeit und ihrer Bedeutung einzugeben, sehr zum Unterschied zu unseren gegenwärtigen Erziehern, die in der Mehrzahl bemüht zu sein scheinen, im Kinde das Gefühl der Selbstliebe abzutöten und es sozusagen in seinen eigenen Augen in Verruf zu bringen. Alle Spielzeuge der Kinder sind Werkzeuge und haben ein nützliches Ziel; alle ihre Spiele verwandeln sich in Arbeiten und werden fruchtbringend. Es handelt sich bei ihnen um eine derart angeborene Gewohnheit, daß sie nicht verstehen, wie man bloß die Zeit verschwenden kann. Arbeiten und Vernügungen sind für unsere jungen Gleichen eins; sie wissen nicht, daß man beides trennen kann. Da die Arbeiten und die Werkzeuge stets ihren Kräften und ihrer Geschicklichkeit angemessen sind, verspüren sie weder Mühe, noch Ermüdung. Indem sie gruppenweise und in kurzen Sitzungen (courtes seances) arbeiten, kennen sie weder Langeweile, noch Widerwillen; ganz im Gegenteil sind sie – durch das Beispiel, durch die sich auf sie richtenden Blicke, in Erwartung von Prüfungen, durch den Wunsch des Aufstiegs in eine fortgeschrittenere Abteilung ständig angeregt – voller Eifer und Strebsamkeit. Sie besitzen noch viel mächtigere Triebfedern: die Zuneigung alles dessen, was sie umgibt, das Begehren, diese zu erwidern, zu gefallen, die brüderliche Liebe, den Enthusiasmus. Nur durch Imitation und nach und nach erfolgende Einführung erlernen die Kinder alle die Arbeiten, von denen sie durch Hang und Neigung angezogen werden. Darin besteht aber nur ein Teil der Erziehung. Es ist der nachahmende, mechanische Teil, welcher im wesentlichen die Muskelkräfte entwickelt; damit muß man in der Kindheit anfangen. Der Körper nimmt die volle Kraft vor dem Geist an; dennoch wurde der Geist nicht völlig vernachlässigt: das Kind hat tausend wissenschaftliche Kenntnisse erworben, es hat zum Teil die Theorie durch die Praxis herausgefunden, es hat viel gesehen, viel gehört, viel gedacht und viel gefühlt. Sein Geist und sein Urteilsvermögen konnten nicht verfälscht werden; sie haben sich von selbst entwickelt; sie haben sich an der Wahrheit und Wirklichkeit der Dinge geschult. Das Herz konnte nicht verdorben werden, weil diese jungen Kinder nur Beispiele der Offenheit, Güte, Eintracht und Brüderlichkeit vor Augen haben.
Unterricht.. In der Communaute ist der Unterricht eine der stärksten Leidenschaften und lebhaftesten Genüsse des Kindes, des Jugendlichen und des Erwachsenen, der Mädchen, der Frauen wie der Männer. Selbst der Alte ist noch Schüler und Lehrer zugleich. Solange er seine Intelligenz bewahrt, hat er den Wunsch, unterrichtet zu werden. Die Kommune bildet eine riesige Schule des gegenseitigen Unterrichts, in der alle zugleich Schüler und Lehrer sind, sich gegenseitig über alle Zweige des Wissens aufklären und gemeinsam ihre Forschungen immer weiter vorantreiben; auf diese Weise wächst die menschliche Intelligenz, die von allen widerwärtigen Sorgen des Haushalts und besonders von jener schrecklichen Furcht vor dem nächsten Tag befreit ist, welche das Denken zerrüttet, in Unordnung bringt, absorbiert, zerstört und den Menschen in den gegenwärtigen Gesellschaften einen so großen Verlust an Zeit und Kräften zufügt, die Intelligenz also wächst in gewaltigem Ausmaße an, während sie gleichzeitig, infolge der immer ausgedehnteren Anwendung der Wissenschaften, die Industrie bis an Grenzen erweitert, die heute keine Einbildungskraft zu erfassen vermag. Was die Literatur, die Wissenschaften und die Künste angeht, die den Unterricht vervollständigen werden, so ist nichts attraktiver, als der Unterricht darin. Da sie nicht mehr wie heute dem Geiz und der Eitelkeit Nahrung liefern, streifen sie das ab, was nicht für alle wahr und einträglich ist, und tragen mächtig dazu bei, die Bande der allgemeinen Brüderlichkeit zu festigen und die Liebe zur Communaute zu wecken, indem sie mehr und mehr alle Herzen und Geister in dem unaufhörlichen Gefühl der Dankbarkeit, des Wohlwollens, der Liebe und des Glücks vereinigen.
Welch ein Unterschied besteht zwischen einer derartigen Erziehung und der, welche unsere heutigen Erzieher und Sophisten vermitteln! Der Unterricht, der in ihren Händen liegt, vergiftet statt zu heilen, tötet statt zu beleben, entzweit statt zu vereinen, verwirrt statt zu leiten, verdirbt statt die Moral zu bilden. Und um das Wissenschaftsmonopol in der Kaste der Bourgeoisie zu verewigen, verkaufen sie die Wissenschaft zu hohem Preis; sie fesseln und töten sie mit ihren Steuer- und Strafgesetzen; als Hohepriester der Wissenschaft scheinen sie ihre Zensoren, ihre Gendarmen, ihre Richter und ihre Kerkermeister eingesetzt zu haben ! Wieviele kostbare Vorteile der Erziehung in der Communaute könnte ich nicht noch aufzählen, wenn ich nicht auf den Umfang des Buches beschränkt wäre. Zusammenfassend sage ich: an Strapazen gewöhnt, geübt in der Landwirtschaft und in den notwendigen Künsten, ausgestattet mit nützlichen und dem Angenehmen dienenden Kenntnissen, werden die jungen Leute unmerklich zur Hoffnung und zum Trost aller Bürger, die von ihnen eine große Unterstützung bei ihren Arbeiten sowie angenehme und ergreifende Unterhaltung bei den öffentlichen Festen empfangen. Die Alten sind ebenfalls keine Belastung in der Kommune. Geliebt, verehrt und geachtet, arbeiten sie und machen sich nützlich, soweit ihre Kräfte es ihnen erlauben, sie erfüllen das Amt des Unterrichts mit all den Vorteilen, die ihnen eine lange Erfahrung und eine umfängliche Praxis verschafft; und wenn sie an ihrem Lebensabend ankommen und sich der frühen Kindheit nähern, dann werden sie deren Führer, Beschützer und Hüter. Es ist ein ergreifendes Schauspiel, eine erhabene Harmonie, wie der Alte und das Kind sich führen, sich Hilfe leisten, sich gegenseitig dabei helfen, daß einer leben und der andere sozusagen sterben kann!

Mahatma Gandhi, Sieben Todsünden der modernen Gesellschaft
• Reichtum ohne Arbeit
• Genuss ohne Gewissen
• Wissen ohne Charakter
• Geschäft ohne Moral
• Wissenschaft ohne Menschlichkeit
• Religion ohne Opferbereitschaft

• Politik ohne Prinzipien

Ihr Name ist Heute Auszüge von Johann Christoph Arnold 
Ihr Name ist Heute Auszüge von Johann Christoph Arnold
Vieles von dem, was wir brauchen, kann warten. Das Kind nicht.
Genau jetzt ist der Zeitpunkt, an dem seine Knochen geformt werden,
sein Blut gebildet wird und seine Sinne sich ausbilden.

Zu ihm können wir nicht sagen: „Morgen“. Sein Name ist „Heute“.
GABRIELA MISTRAL Nobelpreisträgerin

Die Welt braucht Kinder
Wenn wir nicht mehr mit Kindern reden, werden wir zu bloßen Maschinen zum Essen und Geld verdienen. John Updike
Das Schreien von Neugeborenen ist herzergreifend. Es drückt aus, „Hab mich lieb. Hilf mir. Beschütze mich.“ Als Erwachsene sehen wir uns selbst in der Rolle der Helfer und Beschützer. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto überzeugter bin ich, dass wir Kinder mehr brauchen, als sie uns. Kinder verlangen Ehrlichkeit und Einfachheit. Sie erwarten, dass Worten die entsprechenden Taten folgen. Kinder können schnell wütend werden, aber genauso schnell verzeihen sie auch. Damit machen sie anderen das Geschenk einer zweiten Chance. Kinder haben ein starkes Empfinden für Gerechtigkeit und Fairness. Sie betrachten alles mit neuen Augen und weisen uns so auf die unglaubliche Schönheit der Welt um uns herum hin.

Spielen ist die Arbeit des Kindes
Das Spiel ist der höchste Ausdruck menschlicher Entwicklung während der Kindheit, denn nur dieses ist ein freier Ausdruck der kindlichen Seele. Friedrich Fröbel
Wahre Bildung kann niemals erzwungen werden – ein Kind muss lernen wollen.. Wir müssen Kindern ermöglichen, solange wie möglich Kind zu bleiben. Sie brauchen Zeit, um ein- und auszuatmen. Sie müssen spielen können. Friedrich Fröbel, der das Konzept des Kindergartens erfand, war ein deutscher Pädagoge, dessen größte Gabe vielleicht war, dass er das Leben durch Kinderaugen betrachten konnte. Deshalb klingt seine Bildungsphilosophie auch heute noch, fast zweihundert Jahre später, für jeden sinnvoll, der Kinder mag. Mit dem Begriff „Kindergarten“ meinte er buchstäblich einen „Garten für Kinder“ – einen geschüzten Ort, an dem jedes Kind mit der gleichen Liebe und Hingabe aufgezogen wird wie ein Setzling. Fröbel erkannte, dass Menschen im Kern kreative und leidenschaftliche Wesen sind und dass Bildung stets der Entwicklung dieser Wesenszüge dienen sollte. Fröbel betonte oft, wie wichtig das Spiel von Kindern sei: „Ein Kind, welches tüchtig, selbsttätig, still, ausdauernd bis zur körperlichen Ermüdung spielt, wird gewiss ein tüchtiger, stiller, ausdauernder, Fremd- und Eigenwohl mit Aufopferung befördernder Mensch.“
In Froebel’s Educational Laws for All Teachers gewinnt James Hughes viele Erkenntnisse aus Keilhau und drückt sie in Gedanken aus, die noch heute einfach zu verstehen sind: Fröbel lehnte jedes System ab, das Wissen auf Kosten des Kindes forderte. Sein ganzes Leben war ein Protest gegen das „Prägen und Formen“ von Kindern durch Lehrer, die die Unantastbarkeit der Individualität von Kindern nicht begriffen hatten. Fröbel schätzte nicht Macht, sondern schöpferische Kraft. Er wollte mehr aus seinen Schülern machen als bloße „Maschinen“ und sie damit in seinen Worten zu „freien, denkenden, selbsttätigen Menschen“ heranwachsen lassen.ii Heute findet man überall Befürworter von kindlichem Spielen und Entdecken. Alle guten Lehrer wissen, dass das Spiel um seiner selbst willen unersetzlich im Leben eines Kindes ist. Spielen ist nicht nur die beste Methode frühkindlicher Bildung, sondern auch ein entscheidender Bestandteil für das Reifen des kindlichen Geists. Gewissermaßen sollte Spielen keinerlei weiterer Verteidigung bedürfen; Spielen bestimmt die Kindheit. In Die Menschenerziehung schreibt Fröbel: Bewahrt die heraufwachsende Jugend vor leerer Nichtigkeit, vor Arbeitsscheu, vor Grübeleien ohne Tat und vor mechanischem Handeln ohne Nachdenken. Führt sie dadurch zurück von dem unseligen Hang nach Äußerlichkeit und der verderblichen Zerstreuungsflucht. . . . Ich will Menschen bilden, die mit ihren Füßen in Gottes Erde, in die Natur eingewurzelt stehen, deren Haupt bis in den Himmel ragt, und in demselben schauend liest, deren Herz beides, Erde und Himmel, das gestaltenreiche Leben der Erde und Natur und die Klarheit und den Frieden des Himmels, Gottes Erde und Gottes Himmel eint.“Jedes Kind ist anders. Jedes Kind bringt eigene Fähigkeiten mit sich, die für einen bestimmten Zweck geschaffen wurden. Kinder lernen am besten beim Spielen. Außerdem bietet Spielen Freude, Zufriedenheit und eine Loslösung von den Sorgen des Tages. In unserer hektischen und durchgeplanten Kultur sollte jedes Kind ein Recht auf Spielen haben.

Große Erwartungen
Ich habe stets bedauert, dass ich nicht so weise war wie am Tag meiner Geburt.
Henry David Thoreau
In einem Zeitschriftenartikel habe ich von einer kenianischen Schule gelesen, deren Unterricht draußen unter Schatten spendenden Bäumen stattfand. Der Direktor der Schule, der die Bäume als Kind selbst gepflanzt hatte, erinnerte sich an ein afrikanisches Sprichwort: „Wenn du einen Baum pflanzt, pflanze niemals nur einen. Pflanze drei – einen für seinen Schatten, einen für seine Früchte und einen für seine Schönheit.“ Auf einem Kontinent, auf dem Hitze und Dürre jeden Baum wertvoll machen, ist das ein weiser Rat. Es ist aber gleichermaßen eine pädagogische Erkenntnis für Zeiten wie unsere, in der viele Kinder durch einen einseitigen Erziehungsanspruch gefährdet werden. Erziehung soll in den Kindern vor allem „Früchte tragen“ – das heißt, Kinder sollen „leisten“ und „Erfolg haben“. Dieser Druck zerstört Kindheit wie nie zuvor. Die Kindertherapeutin Katie Hurley schreibt dazu: Kinder verlieren Kindheit, weil man ihnen nicht das Geschenk macht, spielen zu dürfen. Dieser kulturelle Wandel – das Bedürfnis, kompetente und erfolgreiche Menschen heranzuziehen – sind wir nicht alle ein Stück weit dafür verantwortlich? Als Land müssen wir vor dem zunehmenden Stress, den Kinder heutzutage haben, die Augen öffnen. Wir müssen lernen, herunterzuschalten. Wenn wir glückliche Kinder erziehen wollen, müssen wir damit anfangen, ihnen die Kindheit zurückzugeben.“ … Die Welt sollte kein großes, furchterregendes Unbekanntes sein – weder für uns noch für unsere Kinder. Nehmen wir uns Zeit, die Welt gemeinsam zu erkunden. Ob im Stadtpark oder einem Wald in der Nähe, dort findet wahres Lernen statt, dort können Kinder Selbstsicherheit aufbauen. Wie die bekannte Naturforscherin Rachel Carson schrieb: „Wenn ein Kind seinen angeborenen Sinn für das Staunen behalten soll, braucht es zumindest einen Erwachsenen als Gefährten, der mit ihm die Freude, die Aufregung und das Geheimnisvolle unserer Welt neu entdeckt.“ …
Jugendliche haben sich immer schon an der Autorität ihrer Eltern gerieben und so wird es auch immer sein. Wenn diese Rebellion aber zu einem Lebensstil wird, lässt sie sich nicht mehr einfach so abschütteln. Wir müssen ein bisschen tiefer blicken. Gegen was rebellieren Kinder heute so vehement – und warum? Für mich ist die Antwort ganz einfach: Heuchelei. Das ist ein hartes Wort. Es mag ungerecht klingen, Eltern vorzuwerfen, sie würden ihren Kindern bestimmtes Verhalten beibringen wollen, während sie selbst das genaue
Gegenteil tun.

Leitfaden zum Erwachsenwerden
Bevor ich Kinder hatte, hatte ich sechs Theorien zur Kindererziehung, jetzt habe ich
sechs Kinder und keine Theorien.
John Wilmot , Earl of Rochester
Disziplin ist wahrscheinlich das am häufigsten missverstandene Wort bei der Erziehung in der Familie und in der Schule. Es geht dabei nicht um Kontrolle, Unterdrückung oder Zwang – das wäre vielmehr das genaue Gegenteil von Disziplin. Aber was ist Disziplin dann? Letztendlich bedeutet es nicht mehr, als die Kinder anzuleiten, richtig statt falsch zu handeln. Dazu gehören auch Konsequenzen, aber Disziplin darf nie Grausamkeit oder körperliche Strafen mit sich bringen. Jedes Kind braucht Grenzen und muss wieder und wieder in diese Grenzen zurückgeführt werden. Das ist eine lohnenswerte Aufgabe, denn das Ergebnis sind reife und zuverlässige Erwachsene. Wahre Disziplin ist ein Akt der Liebe, nicht der Wut. Sie beachtet das innere Wesen des Kindes. Wie mein Großvater zu sagen pflegte: „Kinder zu erziehen bedeutet, ihnen zu helfen, das zu werden, was sie im Geiste Gottes bereits sind.“ Wenn man ein Kind diszipliniert, führen überhastete Aktionen oft dazu, dass man sie später bereut. Man sollte sich die Zeit nehmen und darüber nachdenken: Es geht um viel. Fragen Sie sich, wie Sie das Herz Ihres Kindes erreichen, sodass es seinen Fehler einsieht. Wenn Sie das schaffen, ist die Schlacht gewonnen und der Lohn ist umso größer. Die Familientherapeutin und Autorin Dorothy Law Nolte drückt es treffend aus: Wenn Kinder mit Kritik leben, lernen sie, zu verachten. Wenn Kinder mit Feindseligkeit leben, lernen sie, zu kämpfen. Wenn Kinder mit Spott leben, lernen sie, schüchtern zu werden. Wenn Kinder mit Scham leben, lernen sie, sich schuldig zu fühlen. Wenn Kinder mit Bestärkung leben, lernen sie Selbstbewusstsein. Wenn Kinder mit Toleranz leben, lernen sie, geduldig zu sein. Wenn Kinder mit Lob leben, lernen sie, Dinge wertzuschätzen. Wenn Kinder mit Akzeptanz leben, lernen sie, zu lieben. Wenn Kinder mit Anerkennung leben, lernen sie, sich selbst zu mögen. Wenn Kinder mit Ehrlichkeit leben, lernen sie Aufrichtigkeit. Wenn Kinder mit Sicherheit leben, lernen sie, sich und anderen zu vertrauen. Wenn Kinder mit Freundlichkeit leben, lernen sie, dass die Welt ein freundlicher Ort sein kann.“

Ein Hoch auf schwierige Kinder
Das verlorene Kind weint, aber fängt doch Glühwürmchen. Yoshida Ryusui
Noch nie war die Kindheit für so viele Kinder eine derart einsame, freudlose Reise. Man könnte fast sagen, dass oft die Kindheit selbst als Phase der menschlichen Entwicklung in Frage gestellt wird. Kinder aller Altersstufen werden auf dem Spielplatz oder in der Klasse getadelt, nur weil sie das tun, was Kinder tun sollten. Kindern werden vielfach „Probleme“ diagnostiziert, die früher als ganz normale Eigenschaften von Kindern begriffen wurden – Impulsivität und Ausgelassenheit, Spontaneität und Wagemut. Millionen von Kindern wird Hyperaktivität bescheinigt und sie werden mit starken Medikamenten gefügig gemacht. Wenn wir dem Irrglauben aufsitzen, dass destruktives Verhalten zwangsläufig auf eine Krankheit zurückzuführen sei, und Kindern potenziell schädliche Medikamente verabreichen, dann machen wir es uns zu leicht. Stattdessen sollten wir uns Familien und Schulen anschauen und erkennen, wie häufig unser Beschäftigtsein und Materialismus verhindern, dass Kinder innere Ruhe und emotionale Stabilität finden. Sara Barnett, eine Sozialarbeiterin, erzählte folgende Geschichte: Als ich in einer ambulanten Klinik gearbeitet habe, kamen Eltern oft wegen allgemeiner Beschwerden wie „er befolgt keine Anweisungen“ oder „er hat zu viele Wutausbrüche“ mit ihren Kindern zu uns. Es gibt diese Bezeichnung für Kinder namens „Disruptive Verhaltensstörung“ (Disruptive Behavior Disorder), die nichts anderes besagt, als dass Kinder stören oder sich nicht an Anweisungen halten. Gemäß der heutigen Diagnosekriterien würde bei Genies wie Mozart, Tesla und Einstein vermutlich sämtlich eine Form von Autismus diagnostiziert. Schließlich hat Einstein nicht gesprochen, bis er drei war. Anstatt Kinder ruhigzustellen, weil uns ihr Verhalten unangenehm ist, anstatt gegen die Kinder vorzugehen, die anders sind, anstatt Kinder mit Schwierigkeiten zu analysieren und Schlüsse über ihre delinquente Zukunft zu ziehen, müssen wir sie so annehmen, wie sie sind. Indem Sie uns zeigen, wie begrenzt unsere Vorstellung von erwünschtem Verhalten sind und wie langweilig Uniformität ist, bringen sie uns bei, dass bei der Erziehung und Bildung wie bei allen anderen Dingen gilt: Man erreicht nichts Gutes ohne Mühe.

Morgen kommt früh genug
Es gibt nur zwei bleibende Vermächtnisse, die wir unseren Kindern mitgeben können. Das eine sind Wurzeln; das andere, Flügel. Henry Ward Beecher
Es gibt keine grössere Freude, als Kinder heranwachsen zu sehen, zu erleben, wie sich ihre Persönlichkeiten entwickeln und sich zu fragen, zu was für einem Menschen sie werden. Aber solange Kinder unserer Fürsorge anvertraut sind, dürfen wir nicht vergessen, dass wir auf ihre Bedürfnisse in der Gegenwart eingehen müssen. Ihr Name ist heute. Was Kinder an Anleitung, Sicherheit und Liebe brauchen, brauchen sie jetzt. Denn schon bald wird es Zeit, dass sie das Nest verlassen, und man kann sie nicht daran hindern. Wenn uns wirklich daran gelegen ist, Kinder zu Individuen zu erziehen – zu jungen Frauen und Männern mit der Stärke, beliebten Meinungen und Ansichten zu trotzen – müssen wir an sie glauben. Die Kinder, die die meisten Fragen stellen, sind am weitesten. Und wir können es ihnen gleichtun und fragen: „Warum? Warum sind die Dinge so, wie sie sind – und wie können wir sie ändern?“ Wir können Kindern helfen, eine Sache zu finden, der sie ihre Energie widmen möchten. Indem wir ihnen die Chance geben, etwas von sich selbst zu geben und über sich hinauszuwachsen, erkennen Kinder, dass sie tatsächlich etwas beizutragen haben. Ihnen wird klar – wie Victor Frankl es ausdrückt – dass die entscheidende Frage nicht lautet, „Was ist der Sinn meines Lebens?“, sondern „Was verlangt das Leben von mir?“ Die Welt braucht den Wandel, den Kinder bringen können, dringend. Wenn nur ein Teil von uns bereit ist, unsere Energie und Zeit aufzuwenden, um einem gefährdeten Kind zu helfen, können viele gerettet werden. Wie jeder Akt der Liebe ist auch die kleinste, unbedeutendste Geste nie vergeblich.  So klein, wie sie für sich genommen sein mag – gemeinsam mit anderen hat sie die Macht, die Welt zu verändern. Was immer Kindheit ausmachen mag, eines ist sicher: Die Kindheit ist der Ort der ersten und unauslöschlichen Erinnerungen – der unveränderliche Rahmen für alle Erfahrungen, die uns im Leben begleiten. Somit ist die Aufgabe, ein Kind großzuziehen, letztendlich weniger als eine Frage effektiver Erziehung und noch weniger eine Frage von Bildung, Erkenntnissen, Theorien oder Idealen. Es ist zuallererst eine Frage der Liebe, die wir Kindern schenken, denn diese Liebe hat die Macht, weitere Liebe hervorzubringen, selbst viele Jahre später. Wie Dostojewski uns auf den letzten Seiten seines Romans Die Brüder Karamasow erinnert: Wissen Sie also, dass es nichts gibt, was höher, stärker, gesünder und für das bevorstehende Leben nützlicher wäre als irgendeine gute Erinnerung, und besonders eine, die noch aus der Kindheit, aus dem Elternhaus herrührt. Man erzählt Ihnen viel von Ihrer Erziehung, aber eine schöne, heilige Erinnerung, die man sich aus der Kindheit bewahrt hat, ist vielleicht die allerbeste Erziehung. Und selbst wenn sich nur eine einzige gute Erinnerung in unserem Herzen erhält, so kann auch die uns einmal zur Rettung dienen. . . . Wer viele solche Erinnerungen mit ins Leben nimmt,
ist fürs ganze Leben gerettet.“

Friedrich Fröbel Die Menschenerziehung (Keilhau, 1826), 69
James Hughes, Froebel’s Educational Laws for All Teachers (New York: D. Appleton and Co., 1897), 102
Friedrich Froebel, The Education of Man (New York: D. Appleton and Co., 1900), 55
Katie Hurley, “Stressed Out in America: Five Reasons to Let Your Kids Play,” Huffington Post, February 28, 2014
Marcy Musgrave, “Generation Has Some Questions,” Dallas Morning News, May 2, 1999
Dorothy Law Nolte, Children Learn What They Live: Parenting to Inspire Values (Workman Publishing, 1998)
Viktor Frankl, The Doctor and the Soul: from Psychotherapy to Logotherapy (Vintage, 1986)
Fyodor Dostoyevsky, The Brothers Karamazov (New York: Random House, 1950), 938

Jetzt ist Ewigkeit v. Christoph Blumhardt
Jeder Mensch verkommt, auch in irdischen Dingen, wenn er nicht tätig ist als Glied eines Ganzen mit höheren Zielen; und jeder gedeiht schon in irdischen Verhältnissen, der mit Lust und Liebe für etwas arbeitet, das größer ist als er selbst. Und die Menschheit verkommt in ihrem ganzen Lebenswert, leiblich und geistig, wenn wir nicht etwas zu schaffen haben als Menschen für das Leben der Erde, für die Schöpfung, für Gott.
Christoph Blumhardt

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Die Bethlehem-Geschichte von der Geburt
des Jesus von Nazareth

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Die erste Öko-Utopie

Der technische Fortschritt nimmt kein Ende, aber es herrscht „Vollbeschäftigung“, denn die tägliche Arbeitszeit für alle – Manager wie Müllwerker – ist auf vier Stunden herabgesetzt. Exzellente Schulen statten die jungen Menschen mit beruflichen Kenntnissen aus, aber auch mit sozialen, wissenschaftlichen und musischen Fähigkeiten, damit sie die arbeitsfreie Zeit kreativ gestalten können.

Die Infrastrukturen der Produktion sind in Gemeinbesitz. Die soziale Sicherheit fördert postmaterielle Werte: Es wird mehr gesungen, getanzt, gespielt, geliebt. Statussymbole sind unbekannt. Die erweiterte Großfamilie erzieht die Kinder, die Alten dämmern nicht in Hospizen ihrem Ende entgegen. Im Staatswappen prangt die Sonne, deren Energie treibt die Industrie und Landwirtschaft des Gemeinwesens an. Unter dem Dach einer Art pantheistischen Verehrung von Sonne und Erde leben die Angehörigen einer Vielzahl von Religionen friedlich miteinander.

Das Ganze steht nicht in einem Grundsatz-Papier rot-grüner Utopisten, sondern im Bericht von der „Sonnenstadt“ auf der Insel Tapobrane, den der kalabrische Mönch Tomaso de Campanella 1602 aufgeschrieben hat. Die „Sonnenstadt“, das ist die dritte große Sozial –
utopie in der beginnenden Neuzeit, neben Thomas Morus Utopia und Francis Bacons
Nova Atlantis.

Abgesehen von gewissen klösterlichen Zügen ist sie sehr modern. Die polytechnische Erziehung verknüpft montessori-modern Arbeit, Spiel und Bildung: Auf die Mauern der Stadt sind mathematische Figuren, Alphabete, Fauna und Flora, Maschinen gemalt, so dass schon die Kleinsten im Vorübergehen lernen, wenn sie nicht gerade in den Werkstätten der Schreiner, Schmiede und Bäcker spielen.

Zeitreichtum und Bildung haben dazu geführt, dass die Bürger häufig die Tätigkeiten wechseln und alle an der Ordnung der öffentlichen Angelegenheiten mitwirken. Selbst für die Nöte der Sexualität gibt es Abhilfe: Eine Art astrologische Matching-Agentur führt blutleeren Wissenschaftlern feurige Frauen und Handwerkern durchgeistigte Schönheiten zu, und bestimmt dazu noch den günstigsten Zeugungszeitpunkt – damit die Menschheit schöner und klüger werde.

Campanella saß für seinen Vorstoß ins sozialistische Solarzeitalter zwei Jahrzehnte in vatikanischen Kerkern, vor allem natürlich wegen der Ketzerei mit der Sonne.

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