Friedrich Fröbel


Kugel, Walze, Würfel – Fröbel macht mobil!

Friedrich Wilhelm August Fröbel Die Menschenerziehung Keilhau 1826
Durchgreifende, dem deutschen Charakter erschöpfend genügende Erziehung
ist das Grund- und Quellbedürf- nis des deutschen Volkes

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FRÖBELPÄDAGOGIK (1) Zitate
Henriette Schrader-Breymann Ihr Leben und ihr Werk
Friedrich Fröbels Konzeption einer Pädagogik der frühen Kindheit
Interview über die Fröbel-Pädagogik mit Heidrun Lachnit
Der Menschenerzieher: Friedrich Wilhelm August Fröbel

Am 27. September 1808 reiste Fröbel mit drei der vier Söhne der Familie Holzhausen erneut zu Pestalozzi. 1810 kam es zu tief greifenden Konflikten zwischen Pestalozzi und Fröbel. In der Auseinandersetzung mit Pestalozzi klärte sich Fröbels eigenes Streben nach „einer Philosophie der Entwicklung des Menschen vom Absoluten her“.
„Ich erkannte klar den Unterschied zwischen Pestalozzi und mir, daß Pestalozzi den Menschen nehme, wie er auf der Erde erscheine, in seiner Erscheinung als nur daseiend – ich aber den Menschen in seinem ewigen Wesen, in seinem ewigen Sein (…)“.

Das Kinderparadies und die Spielgaben
Fröbels Erziehungslehre konzentrierte sich auf die Aspekte der Selbstentfaltung, Entwicklung der eigenen Art und innerste Wesenfreiheit. Seine geduldige Beobachtung von Kindern führte ihn zu der Einsicht, dass es einen natürlichen, kindlichen Darstellungs-, Tätigkeits- und Gestaltungsdrang des Nachahmens- und Spieltriebes gibt und dass das Greifen dem Begreifen vorausgeht. Die Selbstentfaltung wird nur durch Selbsttätigkeit erreicht. Das ursprüngliche Wesen des Kindes zeigt sich in seinem Bedürfnis, schöpferisch tätig zu sein. Im spielerischen Umgang mit den Dingen, durch die einfachen Formen der Spielgaben und durch das Beschäftigungsmaterial können sich die Gestaltungskräfte entfalten. Die Ausbildung der inneren Wesenheit und der Freiheitsbegriff bedeuten bei Fröbel nicht Unbändigkeit, sondern die freiwillige Anpassung an feste Formen und Gesetze. Das Kind sollte unmerklich geführt werden.
„Deshalb sollte die Erziehung, Unterricht und Lehre ursprünglich und in ihren ersten Grundzügen notwendig leidend, nachgehend (nur behütend, schützend), nicht vorschreibend, bestimmend, eingreifend sein.“
Die Entfaltung des Gemütslebens sollte durch Vorlesen, Bildbetrachtung, Singen, Lernen von Versen, Fingerspiele und Falt- und Flechtarbeiten bestimmt sein.
„Spielen, Spiel ist die höchste Stufe der Kindesentwicklung, der Menschenentwicklung dieser Zeit; denn es ist freitätige Darstellung des Inneren aus Notwendigkeit und Bedürfnis des Inneren selbst, was auch das Wort Spiel selbst sagt. Spiel ist das reinste geistige Erzeugnis des Menschen auf dieser Stufe, und ist zugleich das Vorbild und Nachbild des gesamten Menschenlebens (…)“

Zwischen 1835/36 konzentrierte sich Fröbel vermehrt auf die Erziehung des
Kleinkindes sowie die Erneuerung der Familie. Die „bewusste Erziehung“ vollzieht
sich im Kindergarten – auch wenn dieser bewusst gewählte Begriff bei Fröbel erst um 1840 auftaucht. Der Name ist jedoch Programm: Der Kindergarten soll ein
Gartenparadies in Anlehnung an den biblischen Garten Eden sein.

„Denn wie in einem Garten unter Gottes Schutz und unter Sorgfalt erfahrener einsichtiger Gärtner im Einklang mit der Natur die Gewächse gepflegt werden, so sollen hier die edelsten Gewächse, Menschen, Kinder als Keime und Glieder der Menschheit, in Übereinstimmung mit sich, mit Gott und Natur erzogen und zu einer solchen Erziehung soll der Weg allgemein gezeigt und angebahnt werden.“
Die Kinder sollte nicht „bewahrt“ oder „belehrt“ werden, sondern wie Blumen im Sonnenlicht wachsen, verwurzelt im mütterlichen Erdreich, gepflegt und betreut vom sorgenden Sinn des Gärtners. In Fröbels Kindergarten ist die Erziehung an bestimmte Materialien, sog. Gaben, gebunden. Die Spielmaterialien bzw. Gaben (heute Fröbel-Material genannt) sind für den autodidaktischen Gebrauch, d.h. das Kind entwickelt, bildet und belehrt sich selbst. Im Spielen und Bauen zeigt sich nach Fröbel der Gestaltungstrieb des Kindes. Zu diesem Zweck entwickelte und produzierte er die „Gaben“: Ball, Kugel, Walze, Würfel, mehrfach geteilte Würfel, Legetäfelchen, Stäbchen, Papiere zum Falten, Flechten und Ausschneiden. Die hohen Anforderungen, die Fröbel an die Familie stellt, verbunden mit dem Anspruch einer gesteigerten Eigeninitiative kommen in seinen Worten zum Ausdruck: „Die Glieder einer Familie müssen sich über den höchsten Zweck der Erziehung und die Mittel zur Erreichung desselben verstehen und sich gegenseitig helfen, ihre Kräfte zur Erreichung diese Zieles zu entwickeln.“
In der Schrift von 1836 „Die Erneuerung des Lebens“ fokussiere Fröbel sein Anliegen der Familienbildung mit dem Satz: „Sie (die Familie, d.V.) kann nur dann ihre Bestimmung für die neue Stufe der Menschheitsentwicklung erreichen, wenn sie sich als Glied eines höheren Ganzen, als Glied-Ganzes erfasst.“

Friedrich Wilhelm August Fröbel Die Menschenerziehung Keilhau 1826
Der Zweck der Erziehung ist Darstellung eines berufstreuen, reinen, unverletzten und
darum heiligen Lebens.
Die Erziehung soll und muss den Menschen zur Klarheit über sich und in sich, zum Frieden mit der Natur und zur Einigung mit Gott leiten und führen; darum soll sie den Menschen zur Erkenntnis seiner selbst und des Menschen, zur Erkenntnis Gottes und der Natur und zu dem dadurch bedingten reinen und heiligen Leben erheben.
Darum beginnt eigentlich die rein bestimmende, fordernde und vorschreibende Erziehungsweise des Menschen erst bei dem beginnenden Klarwerden über sich, bei dem beginnenden Geeintleben zwischen Gott und Mensch, nach begonnenem Einverständnis und Gemeinleben zwischen Vater und Sohn, Jünger und Meister, weil dann die Wahrheit aus dem Wesen des Ganzen und der Natur des Einzelnen abgeleitet und erkannt werden kann.

Durchgreifende, dem deutschen Charakter erschöpfend genügende Erziehung
ist das Grund- und Quellbedürfnis des deutschen Volkes, Erfurt 1821
Jede Erziehung, soll sie Frucht bringen, muß sich auf Religion gründen.
Alle Erziehung, die sich nicht auf Religion gründet, ist fruchtlos.
Alle Erziehung, die sich auf Religion gründet, ist notwendig, ist schlechthin wirkend, erzeugend, schaffend (produktiv).
Religion ist das wirkende, erzeugende, schaffende (produktive) Wechselverhältnis des Menschen zu Gott.