Eigentum

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eigentum

Achtes Gebot: Gib Jedem das Seine!
Die Furcht aller Besitzenden vor den »gefährlichen Klassen« ist umgeschlagen
in deren bloße Verachtung und mediale Verleumdung.

Sozialismus bedeutet genossenschaftliche Ordnung
Es gibt in Israel keinen eigentlichen Adel
Neue Gesetzeslage macht den Weg zum Eigenheim schwer
Grund und Boden
Volker Braun: Das Eigentum
Deutschlands Illusion von Demokratie. Wem gehört Deutschland?
Deutsche belegen beim Vermögen den letzten Platz
Flüchtlinge besser behandelt als Obdachlose – warum?
Ausverkauf in Äthiopien: Saudi-Arabien kauft massiv Ländereien am Horn von Afrika
Bis zur Reformation jedenfalls versorgten sich die Menschen auf der Allmende
Ich habe die Zukunft besucht, in der wir ohne Geld, Steuern und Besitz leben
WIE SOLIDARISCH IST DEUTSCHLAND? | Dokumentation über soziale Ungerechtigkeit
„Gehirnwäsche, die wir seit Anfang der 90er Jahre erleben“ – Stefan Sell
Mark Zuckerberg Sued Native Hawaiians For Their Own Land

Das Eigentum
Da bin ich noch: mein Land geht in den Westen.
KRIEG DEN HÜTTEN FRIEDE DEN PALÄSTEN.
Ich selber habe ihm den Tritt versetzt.
Es wirft sich weg und seine magre Zierde.
Dem Winter folgt der Sommer der Begierde.
Und ich kann bleiben wo der Pfeffer wächst.
Und unverständlich wird mein ganzer Text
Was ich niemals besaß wird mir entrissen.
Was ich nicht lebte, werd ich ewig missen.
Die Hoffnung lag im Weg wie eine Falle.
Mein Eigentum, jetzt habt ihrs auf der Kralle.
Wann sag ich wieder mein und meine alle.

Klaus Kinski
Jesus / Kinski: Ihr könnt nicht der Wahrheit dienen und dem Besitz!

Helmut Gollwitzer: Was ich an Privilegien besitze, soll in Dank an Gott, der sie mir gegeben hat, zum Dienst am Nächsten eingesetzt werden: »Was nicht im Dienst steht, steht im Raub« (Luther)

By god! ich will nichts haben, wovon nicht ein jeder seinen Teil haben kann unter gleichen Bedingungen. Walt Whitman

Das Evangelium verbindet mit dem Reichtum den Begriff des „Truges“ (Mt. 13,22). Aber auch den des Unrechtes („Mammon der Ungerechtigkeit“, Lk 16,9). Und in der Tat gibt es nichts, was so stark Träger des Unrechts der Welt und Verführung dazu wäre, wie der
Besitz. Leonhard Ragaz

ULRICH DUCHROW (Leben ist mehr als Kapital)
Bibel und griechische Philosophie (nicht nur Aristoteles, sondern auch Platon mit seinem Plädoyer für Gemeineigentum in den Klassen der Wächter und Krieger) stehen gemeinsam hinter der differenzierten Lehre der Kirchenväter über das Privateigentum. Diese akzentuieren unterschiedlich – die beiden Pole sind der radikale Chrysostomos auf der einen und der den Reichen gegenüber relativ freundliche Klemens von Alexandrien auf der anderen Seite. Sie haben aber doch einige klare gemeinsame Anschauungen:
1.Die Akkumulation von Eigentum ist Habgier, schwerste Sünde:
„Warum, sage mir, peinigst du dich …jeden Tag, um dir reichere Schätze aufzuhäufen, als es Sand gibt, Acker, Häuser und Bäder zu kaufen, dies häufig sogar durch Raub und Habsucht an dich zu reißen und so das Wort des Propheten zu erfüllen: ´Wehe denen, die Häuser an Häuser fügen und Acker um Acker an sich reißen vom Besitz ihrer Nachbarn!´ (Jes.5,8) und ´Es ist etwas Entsetzliches um die Habsucht …Jeder, der sich dessen schuldig macht, soll aus der Kirche ausgeschlossen werden“. 2.Genießt man die Güter allein, so verliert man sie, man schadet sowohl dem sozialen Ganzen wie sich selbst. Entscheidend ist hier der Gedanke der Nutznießung: Da alles Gott gehört, sind wir nur Nutznießer der vorhandenen Güter, und Privateigentum im strikten rechtlichen Sinne des exklusiven Verfügungsrechts kann es gar nicht geben, da das Verfügungsrecht eingeschränkt, wenn nicht aufgehoben ist durch die normative Verwendungspflicht: „Alles gehört Gott …Weißt du nicht, dass wir zur Rechenschaft gezogen werden, wenn wir einen schlechten Gebrauch davon machen? Weil es uns nicht gehört, sondern dem Herrn, sind wir verpflichtet, es den Mitknechten zuzuwenden …“ 3.Das heißt, wenn überhaupt in dieser von der Sünde geprägten Welt Privateigentum – im Paradies und damit im originalen Naturrecht war alles Gemeineigentum-, dann muss jedenfalls der Gebrauch gemeinsam sein. Das heißt also, dass die Kirchenväter im Prinzip den biblischen Ansatz festgehalten haben: Was nicht ohnehin Gemeineigentum ist, sollte, wenn überhaupt, so Privateigentum relativen Rechts sein, dass es dem Nutzen aller zugute kommt. Auf keinen Fall darf es zur privaten Reichtumsakkumulation missbraucht werden. Auch Thomas von Aquin, obwohl oft zur Legitimation kapitalistischen Privateigentums missbraucht, kennt nur ein Naturrecht auf Nutzung: „Folglich leitet Thomas auch kein spezifisches Eigentum ab, sondern bloß eine Methode seiner Bestimmung: Jenes Eigentum wird als gültig abgeleitet, welches in der Lage ist, das Recht aller auf Nutzung der irdischen Güter wirksam zu sichern. Das ist eine Methode, kein Ergebnis. Das ist tatsächlich eine Methode, die das Eigentumssystem dem Recht auf Nutzung unterordnet und ersteres allein als Vermittlung dieses grundlegenden Rechtes bejaht. Kein Eigentumssystem hat nach Thomas aus sich heraus irgendeine Gültigkeit – Legitimität -, sondern er leitet seine Gültigkeit vom Recht auf Nutzung ab … Thomas kennt also nur ein Naturrecht auf Nutzung, aber kein Naturrecht auf Privateigentum.“ Ebenso vertritt Martin Luther, an der Schwelle des Frühkapitalismus, mit aller Schärfe den Nutzungscharakter des Eigentums gegenüber den großen Handels – und Kapitalgesellschaften wie den Fuggern. Er bekämpft vor allem den Zinseszinsmechanismus und geißelt die Reichtumsakkumulation als Raub und Götzendienst.

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Before our white brothers arrived to make us civilized men, we didn’t have any kind of
prison. Because of this, we had no delinquents. Without a prison, there can be no delinquents. We had no locks nor keys and therefore, among us there were no thieves. When someone was so poor that he couldn’t afford a horse, a tent, or a blanket, he would, in that case, receive it all as a gift. We were too uncivilized to give great importance to civi-
lized property. We didn’t know any kind of money and consequently, the value of a human being was not determined by his wealth. We had no written laws laid down, no lawyers, no politicians, therefore we were not able to cheat and swindle one another. We were really in bad shape before the white men arrived and I don’t know how to explain how we were able to manage these fundamental things that (so they tell us) are so necessary for a
civilized society. John (Fire) Lame Deer Sioux Lakota

KONRAD FARNER – Theologie des Kommunismus

Johannes Chrysostomos (um 345 bis 407)
Sage mir, woher stammt dein Reichtum? Du verdankst ihn einem Anderen? Und dieser Andere, wem verdankt der ihn? Seinem Großvater, sagt man, seinem Vater. Wirst du nun, im Stammbaum weitzurückgehend, den Beweis liefern können, daß dieser Besitz auf gerechtem Wege erworben ist? Das kannst du nicht. Im Gegenteil, der Anfang, die Wurzel desselben liegt notwendigerweise in irgendeinem Unrecht. Warum? Weil Gott von Anfang nicht den einen reich, den anderen arm erschaffen und keine Ausnahme gemacht hat, indem er dem Einen den Weg zu Goldschätzen zeigte und den Anderen hinderte, solche aufzuspüren, sondern Allen dieselbe Erde zum Besitze überlassen hat. Wenn also diese ein Gemeingut Aller ist, woher hast dann du so und so viel Tagwerk davon, dein Nachbar aber keine Scholle Land? …Der Reichtum muß gerecht erworben sein, es darf kein Raub daran kleben. Allerdings, du bist nicht verantwortlich für das, was dein habgieriger Vater zusammengescharrt hat; du besitzest die Frucht des Raubes, doch der Räuber warst du nicht. Aber zugegeben, daß auch dein Vater keinen Raub beging, sondern daß sein Reichtum irgendwo aus dem Boden quoll, wie steht es dann? Macht das den Reichtum zu einem Gut? Durchaus nicht… Ist man nicht habgierig, teilt man den Bedürftigen mit, so ist er nichts Schlechtes; ist das nicht der Fall, so ist er schlecht und ein gefährlich Ding… Wenn also all unser Besitz Gott gehört, gehört er auch unseren Mitbrüdern im Dienste Gottes. Was Gott dem Herrn gehört, ist alles Gemeingut. Oder sehen wir nicht, daß es auch in einem großen Hauswesen so gehalten wird? Zum Beispiel, Alle bekommen das gleiche Quantum Brot; es kommt ja aus den Vorräten des Herrn; das Haus des Herrn steht allen offen. Auch alles königliche Eigentum ist Gemeingut, und Städte, Marktplätze, Arkaden gehören Allen zusammen, Alle haben wir daran teil. Man betrachte einmal den Haushalt Gottes! Er hat gewisse Dinge zu einem Gemeingut gemacht, womit er das Menschengeschlecht beschämt: z.B. Luft, Sonne, Wasser, Erde, Himmel, Licht, Sterne – das verteilt er alles gleichmäßig wie unter Brüder. Allen schuf er dieselben Augen, denselben Körper, dieselbe Seele; es ist bei Allen dasselbe Gebilde… Und man beachte, wie es bei solchem Gemeingut keinen Hader gibt, sondern alles friedlich hergeht. Sowie aber einer etwas an sich zu ziehen sucht und es zu seinem Privateigentum macht, dann hebt der Streit an, gleich als wäre die Natur selbst darüber empört, daß, während Gott uns durch alle möglichen Mittel friedlich beisammenhalten will, wir es auf eine Trennung voneinander absehen, auf Aneignung von Sondergut, daß wir das “Mein und Dein” aussprechen, dieses frostige Wort. Von da an beginnt der Kampf, von da an die Niedertracht. Wo aber dieses Wort nicht ist, da entsteht kein Kampf und Streit. Also die Gütergemeinschaft ist in höherem Maße die angemessene Form unseres Lebens als der Privatbesitz, und sie ist naturgemäß… Wie wäre es denkbar, daß der Reiche ein guter Mensch ist? Das ist unmöglich; gut kann er nur sein, wenn er Anderen von seinem Reichtum mitteilt.

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Rainer Kessler : Arbeit, Eigentum und Freiheit
Nach verbreiteter antiker Auffassung sind Eigentum und Freiheit untrennbar miteinander verbunden. Nur wer Eigentum hat – und das meint weitestgehend: Grundeigentum -, hat auch Freiheitsrechte… Der Verlust des Besitzes führt unmittelbar zum Verlust der Freiheit und hinein in eine Existenz als Sklave oder Sklavin, als besitzloser „Fremdling“, der sich einem ortsansässigen Besitzenden ausliefern, oder als Tagelöhner, der täglich um sein
Existenzminimum kämpfen muß.
Der Prophet Amos, der Mitte des 8. Jh. Für kurze Zeit im Nordreich Israel auftaucht, gilt zu Recht als der sozialkritische Prophet schlechthin. Er kritisiert den Verkauf Überschuldeter in die Schuldsklaverei, den Missbrauch von Schuldsklavinnen und den frivolen Umgang der Reichen mit gepfändeten Gütern (Am 2,6-8). Er denunziert Gewalt und Unterdrückung in Samaria (3,9f). Er klagt den Luxuskonsum der Reichen (3,15) und die Bedrängung und Vernichtung der Geringen und Armen durch die Frauen der Reichen (4,1) an. Und er diagnostiziert den Verfall des Rechtssystems, das die Schwachen eigentlich schützen sollte (5,10;6,12).. Bedroht werden sie von einer Schicht von Leuten, an denen Amos immer wieder ihr Luxusgebaren kritisiert. Sie breiten sich auf Kleidern aus und trinken Wein (2,8). Sie besitzen Winter- und Sommerhäuser und schmücken sie so reich mit dem kostbaren Elfenbein, dass man sie geradezu als „Elfenbeinhäuser“ bezeichnen kann (3,15); nicht aus Holz und Lehmziegeln, sondern aus wertvollen Steinquadern sind ihre Häuser gebaut (5,11). Die Weinberge der Reichen sind „prächtig“ (5,11). Selbst beim Opfer müssen diese Leute sich nicht mit einer Taube oder einem Zicklein begnügen, sondern bringen „Mastkälber“ dar (5,22). Mastvieh verzehren sie aber auch auf ihren Gelagen auf den „Elfenbeinbetten“, wozu Wein und bestes Salböl fließen und
Musik erklingt (6,4-6).
Dieser von Amos scharf denunzierte Luxus beruht offenbar nicht auf eigener Arbeit. Denn nach 2,8 sind die Kleider gepfändet und stammt der Wein aus Zwangsabgaben… Ebenso weisen die Abgaben und Sühnegelder, die nach 5,11f von Geringen und Armen genommen werden, auf eine Umschichtung von Vermögen von den Armen zu den Reichen hin. Natürlich haben die Reichen Grundbesitz – neben den Luxushäusern (3,15;5,11) nennt 5,11 ausdrücklich Weinberge. Aber dieser wird nicht mit eigenen Händen bearbeitet, sondern seine Erträge werden an die Grundbesitzer abgeführt, die sie dann – zu einem Teil zumindest in der Hauptstadt Samaria mit ihren Palästen (3,9-4,3) –im Luxus verzehren. Während die arbeitenden Eigentümer um Eigentum und Freiheit kommen, genießen die müßigen Eigentümer ihre Freiheit im Luxus. Aus alledem folgt für Amos nicht, wie man ihn lange missverstanden hat, die Vernichtung ganz Israels, also der Reichen mitsamt der von Ihnen Ausgebeuteten, der Unterdrücker mitsamt der von ihnen Unterdrückten, der Rechtsbrecher mitsamt ihrer Opfer. „Die Unheilsankündigungen des Amos sind sozial-und schichtenspezifisch ausgerichtet, sie betreffen nicht das Volksganze.“ (Reimer). Am 9,8 kündigt die Vernichtung des „sündigen Königtums“ an und fügt ausdrücklich hinzu, dass dies nicht die Vernichtung des „Hauses Jakob“ einschließt. Die politische Führung soll also – ganz auf der Linie von Am 7,10-17 – ausgeschaltet werden, nicht aber das Volk. Der folgende Vers Am 9,9 drückt den Gedanken der Scheidung eindrücklich im Bild des Siebens aus. So wie beim Sieben nur der feine Sand zu Boden fällt und die Steine im Sieb bleiben, soll, wenn JHWH „das Haus Israel schüttelt“, „kein Steinchen auf die Erde fallen“… Für den Amosschluß und daher für die Amosschrift als ganze ist also klar, dass das auf Ausbeutung und Luxus beruhende Eigentum müßiger Grundbesitzer dem Untergang geweiht ist, dass aber das auf eigener Arbeit beruhende Eigentum der Bauern eine sichere Zukunft haben soll. Es ist nicht abstraktes Eigentum, das Freiheit gewährt. Vielmehr soll müßiges Eigentum beseitigt werden und nur bearbeitetes und auf eigener Arbeit beruhendes Eigentum von Gott gesegnet sein. Wenige Jahrzehnte nach Amos, im letzten Drittel des 8.Jh., tritt im Südreich Juda der Prophet Micha auf. Zwar nimmt die Sozialkritik nicht den breiten Raum ein wie bei Amos. An Schärfe aber steht sie seinem Vorgänger nicht nach (Mi 2,1f):
Wehe, die Unrecht planen
und Böses tun auf ihren Lagern :
Beim Morgenlicht führen sie es aus,
denn es steht in ihrer Hände Macht.
Sie begehren Felder und rauben sie,
Häuser, und nehmen sie.
Sie unterdrücken den Mann und sein Haus,
den Menschen und seinen Erbbesitz.
In aller wünschenswerten Deutlichkeit geht es hier also um die Frage von Eigentum. Aber nicht nur die Männer werden von den reichen Grundbesitzern bedroht, sondern auch die Frauen und Kinder. So heißt es weiter in Mi 2,9f:
Die Frauen meines Volkes vertreibt ihr
aus dem Haus ihrer Wonne,
ihren Kindern nehmt ihr
meine Ehre für immer.
„Auf! Geht!
Denn hier habt ihr keine Ruhestätte mehr“.
Die Worte heben in besonderer Weise hervor, wie eng der Zusammenhang von Eigentum und Freiheit zu sehen ist. Die göttliche „Ehre“, die die Grundbesitzer den Kinder nehmen, dürfte nämlich ihre Freiheit sein, womit der Vers an die Praxis anspielt, bei Überschuldung Kinder in Sklaverei zu nehmen und somit ihrer Freiheit zu berauben (vgl. 2Kön4,1; Ijob 24,9; Neh5,1-5). Besonders verwerflich ist hier, wie der Text hervorhebt, dass dies nicht in die zeitlich befristete Schuldknechtschaft, sondern in Dauersklaverei führt („für immer“).
Jesaja, Jes 5,8
Wehe! die Haus an Haus reihen,
Feld an Feld fügen,
bis kein Platz mehr ist
und ihr allein ansässig seid inmitten des Landes.
Betroffen von dieser Entwicklung sind die Elenden (3,14f;10,2) und Geringen (10,2), also wie bei Amos die von Verarmung bedrohten Kleinbauern. Anders als Amos und Micha nennt Jesaja daneben allerdings auch mit Witwe und Waise die klassischen personae miserae der Antike (Jes 1,17.23; 10,2). Auch Jesaja denunziert, dass von den Armen Besitz zu den Reichen übergeht. So nennt er die Reichen polemisch „Diebe“ (1,23). Den Besitztransfer von arm zu reich metaphorisiert er als „Abweiden des Weinbergs“, und den Reichtum in den Häusern der Reichen bezeichnet er als „Raub des Elenden“ (3,14). Auch vom „Ausplündern der Waisen“ kann er reden (10,2). Wenn er schließlich beklagt, dass die „Witwen ihre Beute werden“ (10,2), dann ist deutlich, dass mit dem Verlust des Eigentums auch der Verlust der Freiheit einhergeht. Für die Zukunft erwartet Jesaja, auch darin Amos und Micha gleich, dass diese Leute ihren Reichtum verlieren werden. Im Denken der Entsprechung von Tat und Tatfolge wird denen, die Häuser u. Felder konzentrieren, deren Verödung angesagt (5,9f):
Führwahr, viele Häuser werden zur Öde,
große und schöne – ohne Bewohner.
Und denen, die Witwen zur Beute nehmen und Waisen ausplündern, wird angedroht, dass sie „am Tag der Heimsuchung und beim Verderben“ – im Hebräischen steht hier „Schoah“ – nicht wissen werden, zu wem sie um Hilfe fliehen und wohin sie ihren Reichtum in
Sicherheit bringen sollen (10,2f).
Welche Zukunft aber haben die Armen? In Jes 1,24-26 ist von einem Läuterungsgericht die Rede. Danach sollen die bestechlichen Beamten Jerusalems, die das Recht von Waise und Witwe beugen (V.23) , durch „Richter wie zur ersten Zeit“ und „Räte wie zu Anfang“ ersetzt werden (V.26)… So beginnt der Spruch 29,17-21 mit einem Bild unvorstellbarer Fruchtbarkeit, indem Libanon und Karmel sich in einen Fruchtgarten und Wald verwandeln werden – dieselbe Zusammenstellung wie auch in Mi 7,14. Aber die Fruchtbarkeit kommt ausschließlich den „Demütigen“ und „Armen“ zugute. Ja es heißt sogar, dass „die Wüste zum Fruchtgarten“ wird (Jes 29,15). In ihr wird das Recht wohnen und im Fruchtgarten Gerechtigkeit, und die wiederum werden Friede („Schalom“) und Sicherheit heraufführen (V.16f). Und in der „Aue des Friedens“ und an „sicheren Wohnplätzen“ wird „mein Volk“ wohnen. Im Zusammenhang des Kapitels ist damit eindeutig gesagt, dass dies die Bauern sein werden, die Felder und Weinberge selbst bearbeiten und die unter der Regierung des Herrschers, der ihnen Recht bringt, die Früchte ihrer Arbeit in Frieden und Sicherheit genießen können. Die „Toren“ und „Schurken“ dagegen werden zum Schweigen gebracht sein. Und von einem Wiederaufbau der Stadt mit Palast, Burg und Befestigungen ist nicht die Rede. Das Alte war die Konzentration von Besitz in den Händen Weniger und die Verfluchung dieses ungerechten Besitzes. Das Neue wird die Aufhebung dieses Fluches sein, wie Jes 65,21f in zum Teil wörtlich mit Am 7,14 übereinstimmender Formulierung sagt:
(21) Sie werden Häuser bauen und sie bewohnen,
werden Weinberge pflanzen und ihre Frucht essen.
(22) Nicht werden sie bauen, und ein anderer bewohnt,
nicht werden sie pflanzen, und ein anderer ißt.
(22b) Was sie mit Händen erarbeitet haben, sollen meine Erwählten verzehren.

Bertolt Brecht
AN DIE NACHGEBORENEN
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.
Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?
Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich satt zu essen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt
Bin ich verloren.)
Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich es dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.
Ich wäre gerne auch weise
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

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