Hildegards Edelsteinheilkunde

Die Edelsteinheilkunde der Hildegard von Bingen
Die 24 Heilsteine nach Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen Das Buch von den Steinen
Michael Gienger Die Heilsteine der Hildegard von Bingen
Die Edelsteinmedizin der Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen Steine
Die Heilkraft der Steine im Werk der Hildegard von Bingen
Schungit – einzigartiger Heilstein
Schungit – der geheimnisvolle Stein
Schungit – Wassersteine

Einen hohen Stellenwert in der Medizin Hildegards besitzen hierbei die Edelsteine, von welchen sie in der Einführung zum „Buch von den Steinen“ schreibt: „Gott (…) ließ weder das Strahlen, noch die Kräfte der Edelsteine vergehen, denn er wollte, dass sie auf Erden geschätzt und gepriesen würden und als Heilmittel dienen.“ Diesem Auftakt folgt eine natur- und heilkundliche Beschreibung von 24 Heilsteinen, die nicht nur mit medizinischen, sondern auch mit mineralogischen Überraschungen aufwartet. So zeigt Hildegard von Bingen Kenntnisse von der Entstehung der Edelsteine, die sie zu ihrer Zeit eigentlich gar nicht haben dürfte. In einer symbolischen Sprache, doch stets treffend, bietet sie Darstellungen von geologischen Vorgängen, die sich jeglicher direkten Anschauung entziehen. Sie beschreibt z.B. magmatisch gebildete Steine als „der Sonnenglut entstammend“, wogegen durch Verwitterung gebildete Steine „ihren Ursprung in der Luft und dem Wasser“ haben – und bei metamorphen Steinen erwähnt sie gar, dass „die Sonne (= Magma) das Gestein eines bereits bestehenden Berges mächtig zum Glühen bringt“. Bessere Bilder von magmatischen, sedimentären und metamorphen Vorgängen hätte Hildegard von Bingen in der mittelalterlichen Terminologie wohl kaum kreieren können! – Und all das 600 Jahre vor der Entstehung der modernen Mineralogie! Fast unglaublich ist hierbei Hildegards Beschreibung der Diamantentstehung. Hier nimmt sie Dinge vorweg, welche die moderne Geologie erst in unserer Zeit entdecken sollte: Bis vor ca. 150 Jahren wußte niemand, wie und wo Diamant gebildet wird. Man fand den Edelstein bis dahin meist in Flüssen, kannte jedoch nicht den Ursprungsort. Erst um 1870 wurden Diamanten in bestimmten Vulkanschloten entdeckt. Das nach dem Fundort Kimberley in Südafrika benannte Vulkangestein Kimberlit wurde fortan als „Ursprungsgestein“ des Diamanten bezeichnet. Diese Betrachtung hielt sich rund hundert Jahre, ist allerdings noch immer in vielen Mineralienbüchern zu finden. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurde klar, dass Diamanten in metamorphen Tiefengesteinen (Peridotit, Eklogit) gebildet werden. Der Vulkanausbruch ist daher nicht Ort der Diamantentstehung, sondern nur der „Aufzug“, der die Diamanten an die Erdoberfläche bringt. Dort übersteht der Diamant den Verwitterungsprozess des Gesteins und findet sich daher unverändert in sekundären Flußablagerungen. Stellen wir diesen wenige Jahrzehnte alten Erkenntnissen einmal Hildegards Beschreibung aus dem Jahr 1150 gegenüber: „Der Diamant ist warm. Er wächst auf bestimmten Bergen im Süden, die eine ähnlich schieferige Natur haben, wie jene, von denen die Steinschindeln [Anm: metamorphes Gestein!] stammen, mit denen die Häuser gedeckt werden. Sie sind schieferig oder glasartig wie Kristalle oder bestimmte Gläser [Anm: Passt zum Aussehen von Peridotit und Eklogit!], und aus eben jenem Gestein kommt manchmal ein übermächtig starkes Getöse wie von einer Posaune. Weil der Diamant, der dort entsteht, stark und hart ist, wenn durch Hochwasser fortgeschwemmt und in andere Gegenden getragen.“

Smaragd
Der Smaragd
Hildegard von Bingen:
Der Smaragd wächst am frühen Morgen bei Sonnenaufgang, wenn die Sonne beherrschend auf ihrer Bahn aufsteigt und sehr kräftig wird, und wenn das Grün der Erde und der Gräser am intensivsten ist. Zu dieser Zeit ist die Luft noch kühl, die Sonne jedoch warm, und die Pflanzen nehmen das Grün so kräftig auf wie ein Lamm, das Milch saugt, so daß die Wärme des Tages kaum ausreicht, die Grünkraft dieses Tages ausreichend zu reifen und zu nähren, damit sie fähig wird, Frucht zu bringen. Aus diesem Grund ist der Smaragd ein gutes Mittel gegen alle Gebrechen und Krankheiten des Menschen, weil die Sonne ihn gebiert und weil seine gesamte Substanz aus der Grüne der Luft stammt.

diamant
Der Diamant
Der Diamant ist warm. Er wächst auf bestimmten Bergen im Süden, die eine ähnlich schieferige Natur haben, wie jene, von denen die Steinschindeln stammen, mit denen die Häuser gedeckt werden. Sie sind schieferig oder glasartig; wie Kristalle übermächtig starkes Getöse wie von einer Posaune. Weil der Diamant, der dort entsteht, stark und hart ist, wenn auch nicht gross, fällt er ins Wasser wie ein Kiesel, wenn das Gestein des Berges um ihn herum gespalten wird. Und was hernach an derselben Stelle dieses Gesteins entsteht, ist wesentlich schwächer als der Diamant zuvor. Jener wird durch Hochwasser fortgeschwemmt und in andere Gegenden getragen. Menschen, die durch ihre Natur und teuflische Einflüsterung zu hämischen, verletzenden Worten neigen, sind oft absichtlich schweigsam, aber wenn sie reden, bekommen sie einen stechenden Blick und geraten manchmal ausser sich, als ob sie wahnsinnig wären, jedoch fassen sie sich sehr rasch wieder. Solche Menschen sollten regelmäßig oder ständig einen Diamanten im Mund haben. Dessen Kraft ist so stark, dass die Boshaftigkeit und das Übel in ihnen erlöscht. Denn der Diamant hat ein starkes, unerbittliches Feuer in sich, das ihm unbezwingbare Härte verleiht. Diese Härte bezwingt die Härte menschlichen Denkens und Sinnens, wenn das heiße Feuer des Steins mit der Wärme des Speichels den Menschen innerlich erwärmt.
Aber auch wer geisteskrank, lügnerisch und jähzornig ist, behalte den Stein immer in seinem Munde, so wird dessen Kraft alle Übel von ihm abwenden. Wer nicht fasten kann, nehme den Stein in seinen Mund, so wird dieser das Hungergefühl vermindern, damit er viel länger fasten kann. Wer an der Gicht erkrankt ist oder einen Schlaganfall hatte, jene Krankheit, die eine Körperhälfte befällt, so dass sich der Mensch nicht mehr bewegen kann, lege den Diamant einen ganzen Tag in Wein oder Wasser und trinke davon. Auf diese Weise wird die Gicht von ihm weichen, auch wenn sie so stark ist, dass seine Glieder zu zerreißen drohen. Und auch die Auswirkung des Schlaganfalls wird gelindert werden. Auch wer die Gelbsucht hat, lege den Stein in Wein oder Wasser und trinke davon, so wird er geheilt. Der Diamant ist von solcher Härte, dass ihm keine andere Härte schaden kann. Aus diesem Grund greift er sogar Eisen an und ritzt es. Weil weder Eisen noch Stahl seine Härte ritzen können, macht er den Stahl so hart, wenn er darin eingelegt ist, dass dieser weder einem anderen Eisen oder Stahl nachgibt noch bricht, wenn er diese durchschneidet. Der Teufel ist diesem kleinen Stein feindlich gesinnt, weil jener der Kraft des Teufels widersteht. Daher ist er dem Teufel bei Tag wie bei Nacht zuwider.

 

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