Ordo Virtutum

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Hildegard über den Tod von Ricardis: „Höre! Gott nahm sie so eifersüchtig in Besitz, dass die Lust der Welt sie nicht umgarnen konnte. … Die alte Schlange aber wollte sie trotzdem durch ihre hohe Abkunft abspenstig machen. Doch der höchste Richter zog diese meine Tochter an sich und entzog ihr allen menschlichen Ruhm“.

Hildegard von Bingen – Ordo Virtutum
HILDEGARD VON BINGEN: ORDO VIRTUTUM
Hildegard von Bingen – ORDO VIRTUTUM
Ordo Virtutum Die Ordnung der Kräfte – ein szenisches Konzert

Das Singspiel ORDO VIRTUTUM besteht aus 77 unterschiedlichen Liedern, welche Hildegard von Bingen eigenhändig komponierte. Diese Stücke handeln vom Kampf der menschlichen Seele, die sich zwischen den einzelnen Tugenden und Lastern entscheiden muss. Die einzelnen Tugenden werden von 17 Frauen gesungen und bestehen aus der Demut (Königin der Tugenden), himmlischen Liebe, Verachtung der Welt, Disziplin, Nächstenliebe, Bescheidenheit, Barmherzigkeit, Sieg, Geduld, Keuschheit, Wissen von Gott, Diskretion, Gottesfurcht, Gehorsam und Glaube, Hoffnung und der Unschuld. Der Teufel singt in diesem Stück nicht. Es ist eher als ein lautes Grunzen zu beschreiben, denn Hildegard ist der Meinung, dass ein Teufel nicht singen kann.

ORDO VIRTUTUM SPIEL DER KRÄFTE
H u m i l i t a s:
Ego humilitas, regina virtutum, dico:
Ich, die Schlichtheit und Demut, Königin der Tugendkräfte, sage:
Venite ad me, virtutes, et enutriam vos / Kommet zu mir, ihr Kräfte, und ich will euch innerste Nahrung geben / ad requirendam perditam drachman um wiederzusuchen die verlorene Drachme, das Diadem von Ehre und Würde /
et ad coronandum in perseverantia und um den zu krönen, der in behutsam getragener und ausgehaltener Liebe / felicem in sich zur Wahrheit und fruchtbar geworden.
v i r t u t e s: O gloriosa regina et o suavissima mediatrix, O ruhmvolle Königin und o liebreiche, sanfteste Ärztin und Mittlerin / libenter venimus mit Freuden kommen wir.

ORDO VIRTUTUM SPIEL DER KRÄFTE Hildegardis abatissa:
Ja glaubst du denn, wir würden das Paradies wie ein fertiges Geschenk in den Schoß gelegt bekommen, wir bräuchten uns gleichsam nur hinüberträumen, ohne etwas eigenes zu tun? – Das Paradies, das neue Jerusalem, die neue Erde mit den neuen Menschen, kann nur durch unsere Arbeit und Mitarbeit entstehen. Es ist gleichsam so, als wären wir schwanger, Volmar, als hätten wir ein Kind empfangen. Gott gibt uns die Kraft dazu. Seine Kräfte umwerben und verbinden sich mit uns. Doch austragen und gebähren müssen wir das Kind selber. Du weißt, daß die ganze Schöpfung in Wehen liegt und wartet auf die Herrlichkeit der Kinder Gottes.

ORDO VIRTUTUM SPIEL DER KRÄFTE Hildegardis abatissa:
Du hast recht, Volmar, der Mensch allein ist zu schwach. Er muß sich also der Liebe Gottes öffnen. Nur in seiner Kraft und seiner Liebe kann er das Werk vollbringen und Freiheit und Leben finden. Der Mensch ist zum Hüter des Lebens und zum Hüter der Schöpfung bestellt. Im freien Spiel der Kräfte Gottes findet er sich und das Leben.

wisse

 

 

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