Frühsozialisten

fourier

Charles Fourier:
„In der sozialistischen Ordnung muß deshalb die Arbeit soviel Reiz bieten wie heute unsere Festlichkeiten und Schauspiele.“
„Die Heilmittel gegen Faulenzerei und andere Laster, die die Assoziation zerrütten könnten, liegen in der Erforschung und Entdeckung eines anziehenden/attraktiven Produktionssystems, das die Arbeit in ein Vergnügen umwandelt und die Ausdauer des Volkes bei der Arbeit und damit die Ableistung des vorgeschossenen Existenzminimums garantiert.“
(Von Babeuf bis Blanqui, Band II: Texte, S.192, 183, Leipzig 1975).
Übrigens war dieses anziehende Produktionssystem für Fourier eine Frage der sozialen Organisation und Verteilung der Arbeit, überhaupt nicht ihrer Technisierung !

 

cabet2

cabet

Etienne Cabet (REISE NACH IKARIEN):
Jeder Einzelne arbeitet die gleiche Stundenzahl am Tage, nach seinen Fähigkeiten; und genießt den gleichen Antheil an den Erzeugnissen, nach seinem Bedarfe. Warum bekommt der Mann von Talent und Wissen nicht eben deßhalb mehr von den Erzeugnissen zu genießen ? – Darum nicht, weil Talent und Wissen sowohl eine Naturgabe als – und noch mehr – Gesellschaftsgabe ist; ohne die gesellschaftliche Erziehung wäre jener Mann weder wissend noch gebildeten Talents geworden.

Dezamy, Code de la Communaute, Paris 1842
Kindererziehung und Kinderarbeit in der Kommune
(Dezamy, Code de la Communaute, Paris 1842, S. 146-56; vgl. Heß, Handschrift S. 78-84): „Sobald die Kinder (Jungen und Mädchen) einen Schimmer von Intelligenz haben und zu einiger Geschicklichkeit fähig sind, von dem Alter von drei oder vier Jahren an, trägt man Sorge dafür, sie in die verschiedenen Werkstätten, in die Gärten, die Obst- und Gemüsegärten, auf die Felder, in die Pferde- und Viehställe und auf die Geflügelhöfe zu führen, wo sie abwechselnd die verschiedenen organisierten Arbeiten in Augenschein nehmen können. Die Aufsichtspersonen bestehen im wesentlichen aus den Alten beiderlei Geschlechts, denn gerade das Alter sympathisiert am meisten mit den Jüngeren. Man läßt die verschiedenen Fähigkeiten und Neigungen bei diesen kleinen Kindern in Freiheit aufkeimen, wachsen und sich entfalten; sie haben einen solchen Imitationsdrang, daß es – um sie zur Arbeit heranzuziehen – genügt, ihnen Miniaturwerkzeuge für die Gärtnerei, die Industrie, die Künste und Handwerke zu überlassen; alsbald machen sie davon eifrig und leidenschaftlich Gebrauch. Sie versuchen keineswegs zu zertrümmern und zu zerstören; durch das Beispiel der etwas älteren Kinder angeregt, die schon nützliche Arbeiter sind und einen ausgebildeten Organismus sowie größere und solidere Werkzeuge haben, suchen die kleinsten Kinder vielmehr alle Geschicklichkeit, zu der sie imstande sind, auf ihre Arbeiten im Kleinen zu richten. Man macht sich auch eine gewisse dem Menschen angeborene Selbstliebe zunutze, die die kleinsten Kinder ehrgeizig bestrebt sein läßt, an den Arbeiten der Großen teilzunehmen, sich nützlich zu machen, Bedeutung zu bekommen; man macht sie sich zunutze, um ihre Kräfte im jüngsten Alter wirklich zu verwenden. Auf den Feldern und in den Gärten zupfen sie das Unkraut und widmen sich der Arbeit, die Steine zu entfernen; in der Küche drehen sie die kleinen Bratspieße, befreien die Erbsen von den Schoten, reinigen das Gemüse, schälen die Früchte, waschen die Teller etc.; man beschäftigt sie schließlich mit all dem, was nicht eine über ihr Alter hinausgehende Kraft und Geschicklichkeit erfordert, und man sieht, wie alle diese kleinen Kinder, die bereits durch heftige Leidenschaften angetrieben werden, sich mit Vergnügen und Eifer den Arbeiten hingeben, die man ihnen einräumt. Von dem Moment an, wo man sie nutzbringend einsetzt, arbeiten sie in der gleichen Ordnung wie die Bürger…
Entsprechend unserem Mechanismus der industriellen Tätigkeiten hat das Kind stets eine an Kraft und Geschicklichkeit fortgeschrittenere Gruppe vor sich, in die es nur durch eigne Vervollkommnung gelangen kann. Es durchläuft also eine aufeinanderfolgende Anzahl von Gruppen als Zeichen der verschiedenen Phasen der Kindheit und Jugend bis zum Mannesalter. Alsdann wird es die volle und ganze Unabhängigkeit in seinen Arbeiten genießen. Bis dahin wird es niemals gezwungen, sondern es wird geleitet. Es hat die Wahl zwischen den Arbeiten; da diese aber für die Kindheit in verschiedene Grade unterteilt sind, muß es – um von einem einfacheren zu einem höheren Grad aufzusteigen – von seiner Kraft, Geschicklichkeit und ausreichenden Fähigkeiten Beweis ablegen. Wir sehen, wieviele zusammenwirkende Motive die Kinder vom jüngsten Alter an zu den nützlichen Arbeiten treibt. Man weiß, wie stark die Imitationsfähigkeit bei den Kindern ist. Alles, was sie an Verrichtungen sehen, wollen sie versuchen. Man kennt auch ihre unaufhörliche Aktivität, ihr turbulentes und zerstörerisches Gemüt. Daran scheitern die Haushalte; das Kind möchte alles berühren, und dennoch ist nichts in seiner Reichweite; es herrscht ein ständiges Schelten und Schreien gegenüber dem armen Kleinen, das dem Drang seiner Natur folgt, einem wertvollen Drang, der – wenn er richtig geleitet wird – das Kind zur Arbeit treibt; wenn es zerbricht und zerstört, dann liegt das daran, daß man ihm keine Mittel liefert, seine Fähigkeiten auf andre Weise zu betätigen. Das kann man schon in dem gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustand beobachten: wenn ein kleines Mädchen seiner Mutter im Haushalt helfen kann, wenn es für seinen kleinen Bruder sorgen, ihn hüten und wiegen darf; wenn man ihm die Aufgabe anvertraut, die Wäsche auszuwringen, die Früchte einzuernten; wenn man ihm erlaubt, sich in der Küche einzurichten und der Köchin zu helfen, dann wird es sein Bestes tun und von seiner Nützlichkeit begeistert sein. Wenn desgleichen ein kleiner Junge den Boden gießen, umgraben und harken kann, wenn man ihm den Gebrauch von Werkzeugen gestattet, wenn man ihn in irgendeiner Abteilung der nützlichen Arbeiten beschäftigt, dann wird er hierbei alle Sorgfalt und alle Geschicklichkeit aufwenden, deren er fähig ist, er wird Stunden damit zubringen, geduldig Stein auf Stein zu setzen, ein Rad zu drehen, einen Stapel zu ordnen, und dies einzig aus dem Gefühl der Bedeutung seiner Arbeit. Die Kinder haben alle Leidenschaften im Keime; man muß sie nur zu nutzen wissen, um sie zum Guten, Großen, Nützlichen und Edlen zu befähigen. In der Kommune lassen es sich alle ihre Lehrer, alle ihre Führer, alle Bürger angelegen sein, den Kindern von den ersten Anzeichen der Intelligenz an das Gefühl ihrer Nützlichkeit und ihrer Bedeutung einzugeben, sehr zum Unterschied zu unseren gegenwärtigen Erziehern, die in der Mehrzahl bemüht zu sein scheinen, im Kinde das Gefühl der Selbstliebe abzutöten und es sozusagen in seinen eigenen Augen in Verruf zu bringen. Alle Spielzeuge der Kinder sind Werkzeuge und haben ein nützliches Ziel; alle ihre Spiele verwandeln sich in Arbeiten und werden fruchtbringend. Es handelt sich bei ihnen um eine derart angeborene Gewohnheit, daß sie nicht verstehen, wie man bloß die Zeit verschwenden kann. Arbeiten und Vernügungen sind für unsere jungen Gleichen eins; sie wissen nicht, daß man beides trennen kann. Da die Arbeiten und die Werkzeuge stets ihren Kräften und ihrer Geschicklichkeit angemessen sind, verspüren sie weder Mühe, noch Ermüdung. Indem sie gruppenweise und in kurzen Sitzungen (courtes seances) arbeiten, kennen sie weder Langeweile, noch Widerwillen; ganz im Gegenteil sind sie – durch das Beispiel, durch die sich auf sie richtenden Blicke, in Erwartung von Prüfungen, durch den Wunsch des Aufstiegs in eine fortgeschrittenere Abteilung ständig angeregt – voller Eifer und Strebsamkeit. Sie besitzen noch viel mächtigere Triebfedern: die Zuneigung alles dessen, was sie umgibt, das Begehren, diese zu erwidern, zu gefallen, die brüderliche Liebe, den Enthusiasmus.
Nur durch Imitation und nach und nach erfolgende Einführung erlernen die Kinder alle die Arbeiten, von denen sie durch Hang und Neigung angezogen werden. Darin besteht aber nur ein Teil der Erziehung. Es ist der nachahmende, mechanische Teil, welcher im wesentlichen die Muskelkräfte entwickelt; damit muß man in der Kindheit anfangen. Der Körper nimmt die volle Kraft vor dem Geist an; dennoch wurde der Geist nicht völlig vernachlässigt: das Kind hat tausend wissenschaftliche Kenntnisse erworben, es hat zum Teil die Theorie durch die Praxis herausgefunden, es hat viel gesehen, viel gehört, viel gedacht und viel gefühlt. Sein Geist und sein Urteilsvermögen konnten nicht verfälscht werden; sie haben sich von selbst entwickelt; sie haben sich an der Wahrheit und Wirklichkeit der Dinge geschult. Das Herz konnte nicht verdorben werden, weil diese jungen Kinder nur Beispiele der Offenheit, Güte, Eintracht und Brüderlichkeit vor Augen haben.
Unterricht.. In der Communaute ist der Unterricht eine der stärksten Leidenschaften und lebhaftesten Genüsse des Kindes, des Jugendlichen und des Erwachsenen, der Mädchen, der Frauen wie der Männer. Selbst der Alte ist noch Schüler und Lehrer zugleich. Solange er seine Intelligenz bewahrt, hat er den Wunsch, unterrichtet zu werden. Die Kommune bildet eine riesige Schule des gegenseitigen Unterrichts, in der alle zugleich Schüler und Lehrer sind, sich gegenseitig über alle Zweige des Wissens aufklären und gemeinsam ihre Forschungen immer weiter vorantreiben; auf diese Weise wächst die menschliche Intelligenz, die von allen widerwärtigen Sorgen des Haushalts und besonders von jener schrecklichen Furcht vor dem nächsten Tag befreit ist, welche das Denken zerrüttet, in Unordnung bringt, absorbiert, zerstört und den Menschen in den gegenwärtigen Gesellschaften einen so großen Verlust an Zeit und Kräften zufügt, die Intelligenz also wächst in gewaltigem Ausmaße an, während sie gleichzeitig, infolge der immer ausgedehnteren Anwendung der Wissenschaften, die Industrie bis an Grenzen erweitert, die heute keine Einbildungskraft zu erfassen vermag.
Was die Literatur, die Wissenschaften und die Künste angeht, die den Unterricht vervollständigen werden, so ist nichts attraktiver, als der Unterricht darin. Da sie nicht mehr wie heute dem Geiz und der Eitelkeit Nahrung liefern, streifen sie das ab, was nicht für alle wahr und einträglich ist, und tragen mächtig dazu bei, die Bande der allgemeinen Brüderlichkeit zu festigen und die Liebe zur Communaute zu wecken, indem sie mehr und mehr alle Herzen und Geister in dem unaufhörlichen Gefühl der Dankbarkeit, des Wohlwollens, der Liebe und des Glücks vereinigen. Welch ein Unterschied besteht zwischen einer derartigen Erziehung und der, welche unsere heutigen Erzieher und Sophisten vermitteln! Der Unterricht, der in ihren Händen liegt, vergiftet statt zu heilen, tötet statt zu beleben, entzweit statt zu vereinen, verwirrt statt zu leiten, verdirbt statt die Moral zu bilden. Und um das Wissenschaftsmonopol in der Kaste der Bourgeoisie zu verewigen, verkaufen sie die Wissenschaft zu hohem Preis; sie fesseln und töten sie mit ihren Steuer- und Strafgesetzen; als Hohepriester der Wissenschaft scheinen sie ihre Zensoren, ihre Gendarmen, ihre Richter und ihre Kerkermeister eingesetzt zu haben ! Wieviele kostbare Vorteile der Erziehung in der Communaute könnte ich nicht noch aufzählen, wenn ich nicht auf den Umfang des Buches beschränkt wäre. Zusammenfassend sage ich: an Strapazen gewöhnt, geübt in der Landwirtschaft und in den notwendigen Künsten, ausgestattet mit nützlichen und dem Angenehmen dienenden Kenntnissen, werden die jungen Leute unmerklich zur Hoffnung und zum Trost aller Bürger, die von ihnen eine große Unterstützung bei ihren Arbeiten sowie angenehme und ergreifende Unterhaltung bei den öffentlichen Festen empfangen. Die Alten sind ebenfalls keine Belastung in der Kommune. Geliebt, verehrt und geachtet, arbeiten sie und machen sich nützlich, soweit ihre Kräfte es ihnen erlauben, sie erfüllen das Amt des Unterrichts mit all den Vorteilen, die ihnen eine lange Erfahrung und eine umfängliche Praxis verschafft; und wenn sie an ihrem Lebensabend ankommen und sich der frühen Kindheit nähern, dann werden sie deren Führer, Beschützer und Hüter. Es ist ein ergreifendes Schauspiel, eine erhabene Harmonie, wie der Alte und das Kind sich führen, sich Hilfe leisten, sich gegenseitig dabei helfen, daß einer leben und der andere sozusagen sterben kann!

Wilhelm Weitling (Garantien der Harmonie und Freiheit):
Eine vollkommene Gesellschaft hat keine Regierung, sondern eine Verwaltung; keine Gesetze, sondern Pflichten; keine Strafen, sondern Heilmittel.
Luther: Das Gesetz zeigt die Krankheit auf, das Evangelium (Barmherzigkeit im weitesten Sinne) ist die Arznei.

14495385_978817792263353_5911799984678387228_n
Wer eine Regierung über sich hat, wird beaufsichtigt, kontrolliert, bespitzelt, gelenkt, mit Gesetzen überzogen, reglementiert, zum Gegenstand von Akten gemacht, mit Ideologie geimpft, ständig ermahnt, besteuert, gewogen, zensiert, herumkommandiert, und zwar von Männern, die weder ein Recht, noch das Wissen, noch die moralische Sauberkeit dazu haben. Pierre Joseph Proudhon (1809 – 1865), französischer Sozialist und Staatstheoretiker, gehörte zu den Begründern des Anarchismus

Proudhon Idee generale: Ich verwahre mich gegen jedes Gebot, das eine angeblich notwendige Obrigkeit über mich erlässt. Gesetze! man weiss was sie sind und wieviel sie taugen. Sie sind Spinnenweben für die Mächtigen und Reichen, unzerreissbare Ketten für die Armen und Geringen, Fischnetze in den Händen der Regierung..Beschwörst Du dagegen den Vertrag, so gehörst Du zur Gemeinschaft der freien Menschen. Zugleich mit Dir verpflichten sich alle Deine Brüder und versprechen Dir Treue, Freundschaft, Hilfe, Dienstwilligkeit und Verkehr.

Kropotkin: Das sind die politischen Rechte. Pressfreiheit und Vereinigungsfreiheit, Unverletzlichkeit der Wohnung und alle übrigen werden nur solange geachtet als das Volk von ihnen keinen Gebrauch gegen die privilegierten Klassen macht. Aber an dem Tage, an welchem das Volk beginnt, sie zur Untergrabung der Privilegien zu gebrauchen, wirft man alle diese „Rechte“ über Bord.

..was kürzlich ein englischer Minister unter dem Beifall des Parlaments gesagt hat: Ja, meine Herren,mit schwerem Herzen und mit dem tiefsten Widerwillen lassen wir die Briefe öffnen, aber das Vaterland (das heisst Aristokratie und Bourgeoisie) ist in Gefahr!

12991004_480440728817036_5002416231051315026_n

Waltraud Seidel-Höppner Frühsozialistisches Demokratieverständnis
Frauen in der Pariser Kommune

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.