Martin Luther

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Reden
2017 – 500 Jahre nach Luther
„Fürchtet Gott und ehrt den König!“
Klassische Kirchenlieder – Ein feste Burg ist unser Gott –
Reformation.Macht.Politik
Luthers Vorrede zum Römerbrief
Die Giftanschläge
History Live Martin Luther – Rebel wider Willen?
Katharina Luther – die Reformatorin
Martin Luther, der Vater des Arbeitsfetischs
aspekte vom 7. April 2017

Rede, was wahr ist, trink, was klar ist, iss, was gar (fertig gekocht) ist.Birlinger, 1165.
Rede wenig, rede wahr, zehre wenig, zahle baar, fürchte Gott und sei verschwiegen, was nicht dein ist, das lass liegen.Simrock, 8258.
Es ist kein Mensch so böse, daß nicht etwas an ihm zu loben wäre.

Gottes Wort I
In Treue und in Ernst bitte und ermahne ich jeden echten Christen, daß er sich ja nicht ärgere oder stoße an den einfältigen Reden und Geschichten, die in der Bibel stehen; und außerdem soll er nicht an ihnen zweifeln. So schlicht und einfach sie sich auch immer ansehen lassen, sind sie doch lauter Worte, Werke, Geschichten und Gerichte der hohen göttlichen Majestät, Macht und Weisheit. Denn Christus sagt: Dies ist das Buch, das alle Weisen und Klugen zu Narren macht – und allein von den Einfachen und Einfältigen verstanden werden kann. Darum laß deine Einbildung und deine falschen Gefühle fahren und halte viel von diesem Buch. Es ist das allerhöchste, edelste Heiligtum – und die allerreichste Fundgrube, die nie genug ergründet und erschöpft werden kann. Wenn du dich so verhältst, wirst du in ihr die göttliche Weisheit finden, die uns Gott – gerade in der Bibel – so schlicht und einfach vorlegt, auf daß er den Hochmut aller Eingebildeten dämpfe und zuschanden mache. Daß wir uns durch Arbeit und allerlei andere Dinge so bedenkenlos und leicht vom Wort abhalten lassen, ist des Teufels Kunststück und Tücke. Wir meinen, es sei viel mehr an anderem gelegen als daran, Gottes Wort – das doch unser zeitliches Wohl und unsere ewige Seligkeit enthält – zu hören, zu lesen und zu betrachten. Manchmal allerdings geschieht es auch aus lauter Unwissenheit, daß wir seine Bedeutung einfach nicht zu schätzen wissen. Die Welt ist sehr selbstsicher und selbstklug geworden und verläßt sich auf ihre Bücher, die sie jetzt hat, und meint, wenn die Leute diese lesen, so wissen und können sie alles. Fast hat der Teufel auch mich dahin gebracht, daß ich so selbstsicher und nachlässig geworden wäre; um zu denken: Hier habe ich Bücher, wenn ich die lese, weiß und kann ich genug. Gegen solche Selbstsicherheit und Torheit bete ich sehr, sehr oft. Außerdem bete ich täglich, daß mich Gott bei seinem heiligen, reinen Wort erhalte und ich es ja nicht überdrüssig werde – oder mir einbilde, ich hätte es ausstudiert.

Gebet I
Das Wörtchen »amen« ist hebräisch und heißt auf deutsch »fürwahr« oder »wahrlich« – und es ist sehr zu bedenken, daß es den Glauben ausdrückt, den man bei allem Bitten haben soll. Christus sagt: »Wenn ihr betet, so glaubt fest, daß ihr’s erlangen werdet; dann geschieht es gewiß!« Oder: »Alles, was ihr bittet, glaubt nur, so werdet ihr es empfangen! « Eben in dieser Weise bekam die heidnische Frau, worum sie bat, weil sie nicht abließ und fest glaubte, so daß auch Jesus zu ihr sprach: »O Frau, wie groß ist dein Glaube; dir geschehe, wie du willst und du gebeten hast!« Darum sagt ein weiser Mann: »Das Ende des Gebetes ist besser als sein Anfang.« Denn am Ende, wenn du mit herzlicher Zuversicht und mit Glauben »amen« sagst, ist das Gebet gewiß befestigt und erhört. Wo dagegen dieses Ende nicht ist, da ist weder der Anfang noch die Mitte des Gebetes etwas nütze. Darum sollte ein Mensch, der beten will, sich prüfen und erforschen, ob er es auch glaubt oder ob er zweifelt, daß er erhört wird. Zweifelt er an der Erhörung oder wagt es auf gut Glück, so ist das Gebet nichts; denn er hält sein Herz nicht still, sondern schwankt hin und her. Darum kann auch Gott nichts Gewisses darauf geben, ebensowenig wie man einem Menschen etwas geben kann, der die Hand nicht stillhält. Bedenke doch: Wie würde es dir gefallen, wenn dich jemand dringend um etwas gebeten hätte, und am Ende würde er zu dir sagen: »Ich glaube aber nicht, daß du es mir gibst«, obwohl du es ihm doch gewiß versprochen hast. Du würdest die Bitte für einen Spott halten und alles widerrufen, was du versprochen hast, und vielleicht ihn noch bestrafen. Wie kann es dann Gott gefallen, der uns für unser Gebet gewiß zusagt, daß er uns erhören will – wenn wir ihn aber dann durch unseren Zweifel Lügen strafen und gerade im Gebet gegen das Gebet handeln und seine Wahrhaftigkeit beleidigen, der wir doch in unserem Gebet zu vertrauen vorgeben? Darum heißt das Wörtchen amen »wahrlich, fürwahr, gewiß« und ist ein Wort des festen, herzlichen Glaubens. Es ist, als ob du sprechen würdest: »O Gott und Vater, ich zweifle nicht, daß die Dinge, die ich erbeten habe, ernst gemeint sind und geschehen werden – und zwar nicht darum, weil ich sie erbeten habe, sondern weil du sie hast bitten heißen und mit Gewißheit zugesagt. Ich bin gewiß, daß du, Gott, wahrhaftig bist und nicht lügen kannst. Und so ist es nicht meines Gebetes Würdigkeit, sondern deiner Wahrheit Gewißheit, daß ich fest glaube und kein Zweifel in mir ist, daß ein Amen daraus wird.« Darum achte darauf: Nicht das Gebet ist gut und recht, das häufig, andächtig und lang ist, um zeitliches oder ewiges Gut, sondern das, das fest darauf baut und vertraut, daß es erhört wird, obwohl es in sich selbst gering und unwürdig sein mag. Gottes Wort und Verheißung machen dein Gebet gut, nicht deine Andacht! Der Glaube, auf seine Worte gegründet, ist die rechte Andacht, ohne welche alle andere Andacht lauter Trug und Irrtum ist.

Gebet II
Was für eine große Sache ist es um ein rechtschaffenes Gebet! Es hat eine solche Bedeutung vor Gott, daß jeder, der es übt, wissen darf: obwohl ich ein armer Mensch bin, darf ich doch, ohne zu erschrecken, mit der hohen Majestät im Himmel reden; ja, um Jesu Christi, seines lieben Sohnes und unseres Herrn und Heilandes willen, lacht mich Gott freundlich an. Bei dieser Lage der Dinge braucht unser Herz und Gewissen wegen seiner Unwürdigkeit weder im Zweifel stehen, noch sich abschrecken lassen, noch von Gott weglaufen. Darum haben die Alten das Gebet sehr fein und gut ein Aufsteigen des Herzen zu Gott genannt. Das Herz erhebt sich – und seufzt zu Gott.
Deshalb: Betet im Herzen, und wenn es möglich ist, auch mit dem Mund; denn, so wahr Gott lebt, das Gebet erhält und bewahrt die Welt. Es würde sonst noch ganz anders darin aussehen. Paulus sagt: »Wenn unser Gebet Gott angenehm ist, gedenkt er mehr und Höheres zu tun, als wir begreifen und wünschen können.« Trotzdem stellt er sich oft so, daß es uns scheint, er will es böse mit uns machen. Dadurch kommen wir in eine Lage, in der wir manchmal nicht wissen, was wir beten sollen. Doch er als treuer Vater weiß es und tut nicht nach unserem Bitten, sondern nach seinem Wissen und Willen.
Selbst ein irdischer Vater muß oft seinem Kind gegenüber so handeln. Er darf ihm nicht tun, wie es bittet, sondern so, wie es nach des Vaters Wissen und Willen bitten sollte. Und wenn das Kind auch weint, schadet das nichts. Seine Bitte ist deshalb dem Vater nicht weniger angenehm – auch wenn er ihm seinen Wunsch nicht direkt erfüllen kann. Auch ein Arzt darf oft nicht tun, wie oder was der Kranke will. Trotzdem hat er ihn gern, will ihm helfen, hört ihn an – und nimmt ihm seine ungeschickten Bitten nicht für übel. Wir sehen: Niemand kann sich vorstellen, wie wirksam das Gebet ist und was es vermag, außer der, der es erprobt und erfahren hat. Es ist eine große Sache, wenn jemand in bedrängender Not seine Zuflucht zum Gebet nehmen kann. Das weiß ich: Sooft ich mit ganzem Ernst betete, bin ich reich erhört worden und habe mehr erlangt, als ich je zu hoffen wagte. Wohl hat Gott zuweilen gezögert, aber es ist dennoch gekommen.

Gebet und Vertrauen
Wo man ohne Glauben und Zuversicht betet, ist das Gebet tot und nichts anderes als eine schwere Mühe und Arbeit. Ein rechter Beter zweifelt nicht daran, daß sein Gebet Gott angenehm ist und erhört wird, auch wenn ihm nicht gerade das gegeben wird, um was er bittet. Man soll Gott im Gebet die Not vorlegen, aber ihm nicht Maß, Weise, Zeit oder Ort der Erhörung vorschreiben, sondern ihm ganz überlassen, ob er uns Besseres oder Anderes geben will, als wir es wünschen, denn – oft wissen wir nicht, was wir bitten.
Daß unser Gebet Gott angenehm ist und von ihm erhört wird, darüber darf es bei uns keinen Zweifel geben; nur die Art und Weise der Erhörung müssen wir ihm frei lassen. Er wird es gewiß so machen, wie es sein soll und muß. Das sind die rechten Anbeter, die Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die, die nicht glauben, daß sie erhört werden, sündigen auf der linken Seite – und entfernen sich durch ihren Unglauben zu weit von Gott, der doch das Gebet befohlen hat. Die anderen aber, die Gott die Art und Weise der Erhörung vorschreiben, sündigen auf der rechten Seite – und treten Gott zu nahe, indem sie ihn versuchen. Darum – beides hat Gott verboten. Man weiche von Gottes Gebot weder durch Unglauben zur linken, noch durch Versuchen zur rechten Hand ab, sondern bleibe mit einfältigem Glauben auf dem richtigen Weg: Man vertraue ihm, mache ihm aber keinerlei Vorschriften über die Erhörung. – Nicht an Geld und Gut zu hängen, nicht geizig zu sein, dieses gute Werk lehrt der Glaube aus sich selbst. Wenn sich unser Herz auf Gott verläßt und allein mit seiner Güte rechnet, wie ist’s dann möglich, daß wir geizig und besorgt sind? Wir müssen ohne allen Zweifel gewiß sein, daß Gott sich unser annimmt. Darum kleben und hängen wir nicht am Geld. Wir gebrauchen es mit fröhlicher Mildtätigkeit zum Nutzen unseres Nächsten. Dabei sind wir gewiß: Je mehr wir weitergeben, desto mehr werden wir selber genügend haben. Denn unser Gott, auf den wir vertrauen, wird uns nicht belügen noch verlassen. Deshalb nennt Paulus keine andere Sünde Abgötterei als allein den Geiz; denn er zeigt aufs gröbste und deutlichste, daß wir Gott nicht vertrauen – und mehr Gutes von unserem Geld als von Gott erwarten. Wahrhaftig, an dieser Sache kann man am klarsten erkennen, daß alle guten Werke nur im Glauben geschehen können – und daß sie ihn einschließen müssen. Hier empfindet jeder unmißverständlich: Die Ursache des Geizes ist Mißtrauen, die Ursache der Mildtätigkeit dagegen ist der Glaube. Wenn wir Gott vertrauen, sind wir mildtätig – und zweifeln nicht daran, daß wir immer haben, was wir brauchen. Umgekehrt: Wenn wir geizig und voll Sorge sind, ist das ein Zeichen dafür, daß wir Gott nicht vertrauen.

Gute Werke I
Zuallererst muß man wissen und beachten, daß es keine guten Werke gibt außer denen, die Gott geboten hat. Und zwar ebenso, wie es keine Sünden gibt außer allein denen, die Gott verboten hat. Wer deshalb wissen will, was gute Werke sind, und will sie tun, braucht nichts anderes als Gottes Gebot zu wissen. So sagt Christus: »Willst du selig werden, so halte die Gebote.« Und als der Jüngling ihn fragte, was er tun soll, um selig zu werden, hielt ihm Jesus nichts anderes als die Zehn Gebote vor. Also, wir müssen die guten Werke nach den Geboten Gottes zu beurteilen lernen – und nicht nach dem Schein, der Größe, der Menge; auch nicht nach der Meinung der Menschen oder der menschlichen Gesetze und Ordnungen. Das erste, höchste und edelste gute Werk ist der Glaube an Christus. Als die Juden Jesus fragten: »Was sollen wir tun, daß wir gute göttliche Werke vollbringen?«, antwortete er: »Das ist das göttliche gute Werk, daß ihr an den glaubt, den Gott gesandt hat.« Aber – wenn wir diese Wahrheit hören oder gar verkündigen, gehen wir trotzdem oft über sie hinweg, achten sie für gering und meinen, sie sei leicht zu tun. Doch sollten wir gerade hier lange stehen bleiben und gründlich darüber nachdenken. Denn in dieses Werk müssen alle anderen Werke eingeschlossen sein – und außerdem von ihm ihre Gültigkeit erhalten. Das müssen wir deutlich sagen, damit es begriffen wird. Es gibt sehr viele, die beten, fasten, stiften, dies und jenes tun und ein scheinbar gutes Leben vor den Menschen führen; wenn du sie aber fragst, ob sie auch gewiß sind, daß Gott wohl gefällt, was sie tun, so verneinen sie. Sie wissen es nicht – oder zweifeln daran. Alle diese Werke geschehen außerhalb des Glaubens, und deshalb sind sie nichts und völlig tot. Nur so, wie das Gewissen gegenüber Gott steht und glaubt, so sind auch die Werke. Wo kein Glaube ist und kein gutes Gewissen vor Gott, ist den Werken der Kopf ab, und all ihr Leben und ihre Güte ist nichts. Im Glauben werden alle Werke gleich, eins wie das andere, aller Unterschied fällt weg, sie seien nun groß, klein, kurz, lang, viel oder wenig. Denn die Werke sind nicht ihrer selbst wegen angenehm, sondern nur um des Glaubens willen, der allein und ohne Unterschied in allen Werken ist, wirkt und lebt, ganz gleich, wie zahlreich und verschieden sie auch sein mögen. Es ist wie bei einem Leib. Alle Glieder leben vom Haupt, wirken durch es und tragen seinen Namen. Ohne das Haupt kann kein Glied leben, wirken oder einen Namen haben.

Gute Werke II
Vor allen guten Werken muß zuerst der Mensch gut und gerecht sein; denn wirklich gute Werke gehen nur von einem gerechten und guten Menschen aus.
Man soll die Werke eines Christen, der durch seinen Glauben und aus lauter Gnade Gottes ohne eigene Leistung gerechtfertigt und selig geworden ist, nur so ansehen, wie die Werke Adams im Paradies vor dem Sündenfall, – nicht anders. Es steht geschrieben, daß Gott den Menschen ins Paradies setzte, um es zu bebauen und zu bewahren. Nun war aber doch Adam von Gott gerecht und gut geschaffen, ohne Sünde, so daß er durch sein Tun und Wirken nicht erst gerecht werden mußte. Doch damit er nicht untätig war, gab ihm Gott etwas zu tun. Nun – das waren tatsächlich lauter freie Werke, die er für nichts anderes tat, als allein um Gott zu gefallen, und nicht, um damit Gerechtigkeit zu erlangen; denn diese hatte er ja schon zuvor, – und ohne Sündenfall wäre sie auch uns allen natürlich angeboren. Genauso bedarf auch ein glaubender Mensch, der gewissermaßen durch seinen Glauben wieder ins Paradies gesetzt ist und von neuem geschaffen wurde, keiner Werke, um gerecht zu werden; sondern: Werke sind ihm nur deshalb zu tun befohlen, um Gott zu ehren – und damit er nicht untätig ist, sondern sein Leibesleben ernährt und bewahrt. Deshalb: »Gute, fromme Werke machen nie und nimmer einen guten, frommen Menschen; sondern ein guter, frommer Mensch tut gute, fromme Werke.« Umgekehrt: »Böse Werke machen nie einen bösen Menschen; sondern ein böser Mensch tut böse Werke.«

Gute Werke III
Wie es mit dem Menschen im Glauben oder Unglauben steht, so sind seine Werke – entweder gut oder böse, nicht umgekehrt. Ebenso wie die Werke nicht gläubig machen, machen sie auch nicht gerecht; aber der Glaube, ebenso wie er gerecht macht, schafft auch gute Werke. Der Mensch lebt nicht allein für sich, sondern auch unter anderen Menschen auf Erden. Diesen gegenüber kann er nicht ohne Werke sein. Er muß mit ihnen reden und umgehen. Trotzdem hat er keines dieser Werke zur Gerechtigkeit und Seligkeit nötig. Deshalb soll seine Meinung im Blick auf alle Werke nur dahin gerichtet sein, daß er andern Menschen damit dient und nützlich ist. Jeder hat für sich an seinem Glauben vor Gott völlig genug, so daß alle seine Werke und sein Leben ihm übrig sind, seinem Nächsten damit aus freier Liebe zu dienen.

Gesetzeswerke oder Gesetzeserfüllung I
Zuallererst müssen wir wissen, was Paulus meint mit den Worten: Gesetz, Sünde, Gnade, Glaube, Gerechtigkeit, Fleisch, Geist und dergleichen. Verstehen wir sie nicht, nützt uns alles nicht; wir kommen nicht weiter. Das Wort »Gesetz« darfst du hier nicht nach menschlichem Gebrauch verstehen. Es ist nicht eine staatliche, irdische Verordnung, die uns sagt, was wir zu tun und zu lassen haben, wie das bei menschlichen Gesetzen der Fall ist – und wo man dem Gesetz mit äußerlichem Verhalten nachkommt, obgleich wir es innerlich widerwillig tun: ohne die Beteiligung unseres Herzens. Sondern: Gott richtet nach des Herzens Grund! Und deshalb fordert auch sein Gesetz des Herzens Grund. Es gibt sich nicht mit bloßen Werken zufrieden. Im Gegenteil: Es straft sogar die Werke, die nicht von Herzensgrund getan werden. Es nennt sie Heuchelei und Lüge. Deshalb heißen in Psalm 116 alle Menschen Lügner, weil keiner echt von Herzens Grund das Gesetz Gottes hält noch halten kann. Denn jedermann findet bei sich selbst Unlust zum Guten und Lust zum Bösen. Wo nun keine freie Lust zum Guten vorhanden ist, da ist auch des Herzens Grund nicht beim Gesetz Gottes. Deshalb ist da unweigerlich auf unserer Seite Sünde, auf Gottes Seite Zorn – selbst wenn nach außenhin viele guten Werke getan werden und ein ehrbares Leben den besten Eindruck macht. Darum sagt Paulus: »Das Gesetz ist geistlich.« Was heißt das? Wenn das Gesetz leiblich, irdisch oder menschlich wäre, wäre es mit bloßen Werken zufriedenzustellen, auch wenn sie widerwillig geschehen würden, also nicht von Herzens Grund. Nun ist aber das Gesetz geistlich. Und deshalb vermag ihm niemand genugzutun, außer er kann alles von Herzens Grund, das heißt willig und mit Liebe, tun. Doch – ein solches Herz gibt niemand als allein Gottes Geist. Dieser macht den Menschen dem Gesetz gleich, so daß er von Herzen Lust zu ihm gewinnt – und hinfort nicht aus Furcht oder Zwang alles tut, sondern aus freiem Herzen. In dieser Weise ist das Gesetz geistlich und will mit ebensolchem Herzen geliebt und erfüllt sein. Zugleich erfordert es einen solchen Geist. Er ist nötig. Denn wo er nicht im Herzen ist, da bleiben Sünde, Unlust und Feindschaft gegen das Gesetz, das doch nur gut, gerecht und heilig ist.

Gesetzeswerke oder Gesetzeserfüllung II
Begreife, daß ein ganz großer Unterschied besteht zwischen Gesetzeswerk und Gesetzeserfüllung. Gesetzeswerk ist alles, was der Mensch aus seinem freien Willen und mit seinen eigenen Kräften im Blick auf das Gesetz tut und tun kann. Weil aber bei solchem Tun im tiefsten Herzen doch Unlust und Zwang gegenüber dem Gesetz bleiben, sind solche Werke alle verloren und zu nichts nütze. Genau das meint Paulus, wenn er sagt: »Durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch vor Gott gerecht.« Da siehst du, daß alle diejenigen Verführer sind, die uns lehren wollen, man müsse zuerst Werke tun, um die Gnade zu erlangen. Wie kann jemand durch Werke gut werden, wenn er nicht einmal in der Lage ist, ohne Unlust und Unwillen im Herzen ein gutes Werk zu tun? Und wie sollte Gott an einem solchen Werk Gefallen haben, das von einem unlustigen und widerwilligen Herzen ausgeht? Dagegen das Gesetz erfüllen ist etwas ganz anderes. Es heißt: Mit Lust und Liebe seinen Willen tun und frei – ohne des Gesetzes Zwang, göttlich und heilig leben, als gäbe es weder Gesetz noch Strafe. Doch – solche Lust zu völlig freiwilliger Liebe gibt allein der Heilige Geist in unser Herz. Der Geist aber wird allein in, mit und durch den Glauben an Jesus Christus gegeben. Und der Glaube kommt nicht anders als allein durch Gottes Wort oder Evangelium, durch das Christus gepredigt wird; und zwar, wie er Gottes Sohn und Mensch ist: gestorben und auferstanden um unseretwillen. Die Folge von all dem ist, daß nie und nimmer das Gesetz gerecht macht, sondern allein der Glaube; denn er bringt – durch Christi Verdienst – den Geist. Der Geist aber schafft ein williges und freies Herz, gerade so, wie es das Gesetz fordert. Und auf diese Weise kommt es zu den guten Werken, nämlich – durch den Glauben!

Rechtes Sterben I
Die enge Pforte zum Tode ist die Ursache, daß uns das irdische Leben weit, das ewige Leben dagegen eng erscheint. Deshalb muß man glauben – und an der Geburt eines Kindes lernen. Christus spricht: »Eine Frau, wenn sie gebiert, leidet Angst; wenn sie aber genesen ist, gedenkt sie der Angst nicht mehr, weil ein Mensch von ihr in die Welt geboren ist.« In gleicher Weise muß man sich auch im Sterben der Angst erwehren – und wissen, daß danach großer Raum und Freude sein werden. Je gründlicher der Tod betrachtet und angesehen wird, desto schwerer und gefährlicher ist das Sterben. Mit dem Gedanken des Todes soll man sich im Leben üben und ihn bedenken, wenn er uns noch nicht bedrängt. Im Sterben aber, wenn er sowieso schon da ist, ist dieses Verhalten gefährlich und nützt nichts. Da muß man sich die schreckhafte Vorstellung von ihm aus dem Sinn schlagen und ihr ganz bewußt aus dem Weg gehen. Denn der Tod hat seine Kraft und Stärke in der Ängstlichkeit unserer Natur und darin, daß wir ihn zur Unzeit zuviel ansehen und betrachten. Mit der Sünde ist es ebenso. Auch sie wird dadurch groß, daß man sie zuviel ansieht und zu eindringlich bedenkt. Außerdem hilft dazu noch die Verzagtheit unseres Gewissens, das sich vor Gott schämt und uns deshalb schrecklich verdammt. Und so hat der Tod eine Möglichkeit gefunden, wo er uns bedrängen kann. Er macht die Sünden so zahlreich und groß, daß der Mensch verzagt, eine schreckliche Angst vor dem Sterben bekommt und kein Ja zu ihm finden kann. Auf diese Weise rückt ihm Gott ferne – und er wird für ungehorsam befunden bis in seinen Tod. Besonders geschieht das, weil der Mensch meint, jetzt sei die rechte Zeit, die Sünde zu betrachten und sich mit ihr zu befassen. Kein Wunder, daß er sich dann fürs Sterben so ungeschickt und unvorbereitet findet, ja daß auch selbst alle seine guten Werke zu lauter Sünden werden. Daraus muß natürlicherweise ein unwilliges, ängstliches Sterben folgen – außerdem Ungehorsam gegen Gottes Willen und ein ewiges Verdammen. Beim Sterben die Sünden zu betrachten, ist nicht die rechte Zeit. Das muß in der Zeit unseres Lebens geschehen. Wir sehen: In dieser Weise verdreht uns der Böse alle Dinge im Leben: Wo wir das rechte Bild des Todes, der Sünde, der Hölle ständig vor Augen haben sollten, da tut er uns die Augen zu und verbirgt uns dieses Bild. Im Tod aber, wo wir nur das Leben, die Gnade und Seligkeit vor Augen haben sollten, tut er uns in falscher Weise die Augen auf – und ängstigt uns mit Sünde und Verdammnis. Und dadurch sehen wir die wahrhaftige, selige Wirklichkeit nicht.

Rechtes Sterben II
Wer mit den Gedanken des Todes recht fechten und sie austreiben will, dem wird es nicht genügen, daß er sich mit ihnen zerre, herumschlage oder mit ihnen ringe; denn sie sind ihm zu stark – und es wird mit ihm immer schlimmer. Die rechte Kunst heißt hier, diese Gedanken ganz und gar fallen zu lassen und nicht mit ihnen umzugehen. Wie aber geht das zu? Ganz einfach: Du mußt den Tod im Leben, die Sünde in der Gnade, die Hölle im Himmel ansehen. Und du darfst dich dabei durch nichts irremachen lassen. Du darfst den Tod weder an sich, noch in dir, noch in der Natur, noch in denen, die durch Gottes Zorn getötet wurden und die der Tod überwunden hat, ansehen oder betrachten – sonst bist du verloren und wirst wie sie überwunden werden. Sondern du mußt deine Augen, deines Herzens Gedanken und alle deine Sinne gewaltsam wegwenden von diesem Schreckbild – und den Tod fest und entschlossen nur in denen ansehen, die in Gottes Gnade gestorben sind und den Tod überwunden haben, besonders in Christus, dann in allen seinen Glaubenden. Sieh, in diesen Bildern wird dir der Tod nicht schrecklich noch grauenhaft erscheinen, ja er wird verachtet und getötet und schon im Leben erwürgt und überwunden. Denn Christus ist nichts als lauter Leben, ebenso seine Glaubenden. Je fester und eindringlicher du dir dieses Bild ansiehst und einprägst, desto mehr fällt das Schreckbild des Todes ab und verschwindet von selbst – und zwar ohne alles Zerren und Streiten. Und dein Herz hat Frieden und kann mit Christus und in Christus ruhig sterben. So steht es in der Offenbarung: »Selig sind die Toten, die in dem Herrn Christus sterben.« – Die wirklich Glaubenden sind weise. Sie verstehen es, wozu der göttliche Wille – gemeint ist gerade allerlei Unglück gut ist. Sie wissen, wie sie sich helfen können und darin verhalten sollen. Es ist ihnen bekannt, daß noch nie ein Feind von einem Flüchtigen verjagt worden ist. Ebenso kann auch kein Leiden, keine Bedrängnis, keine Pein oder gar der Tod mit Ungeduld und Flucht oder mit Suchen nach falschem Trost überwunden werden, sondern allein damit, daß man entschlossen stillsteht und beharrlich aushält, ja dem Unglück und dem Tod getrost entgegengeht. Das Sprichwort ist wahr: »Wer sich vor der Hölle fürchtet, kommt hinein.«
Das heißt: Wer sich vor dem Tod fürchtet, den verschlingt er auf ewig. Wer sich vor Leiden fürchtet, wird überwunden. Furcht bewirkt nichts Gutes. Deshalb muß man in allen diesen Dingen frei und keck sein – und feststehen.

Wenn unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: »Tut Buße«, so will er, daß das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete Buße sein soll.
Gott vergibt keinem die Schuld, den er nicht zugleich ganz und gar demütig macht. Ein jeder Christ, der über seine Sünden wahre Reue empfindet, hat vollkommene Vergebung von Strafe und Schuld zu erwarten. Ein jeder wahrhaftige Christ, er sei lebendig oder tot, ist teilhaftig aller geistlichen Güter Christi und der Kirche durch Gottes Geschenk. Der wahre Schatz der Kirche ist das heilige Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.

Martin Luther, Lob des irdischen Friedens
84 Das rote Meer haben wir überwunden, ei, so wollen wir diesen Haufen der Philister, Edomiter, Moabiter und Kananiter auch schlagen und überwinden. 0 hilf, daß wir es bald tun, und tue du es; denn du bist allein mächtig. Du hast neulich den Pharao und die Ägypter im roten Meer ersäuft, darum hoffen wir, du werdest andere Völker mehr vor uns her vertilgen, und uns in das gelobte Land bringen. Wie soll er es aber tun? Nimm ihnen das Herz! Denn diese Kunst hat Gott, er hauet einem nicht eine Faust oder Bein ab, sondern er nimmt die Mannheit und den Mut, daß einem das Herz entfällt, daß kein Mut oder Mannheit da ist. [ … ] Wenn der Mut hinweg ist, dann steht man wie ein Narr, ja, es kann einer kaum auf den Beinen stehen, Arme und Beine werden zitternd und machtlos, daß einer da liegt wie ein Klotz, läßt auf sich hauen und stechen, als auf einen Klotz oder Holz. Ein Knabe kann einen Mann erwürgen. Also läßt unser Herr Gott einem die Fäuste ganz, den Harnisch und Spieß und das Messer unentzogen. Aber er gibt ein verzagt Herz, wenn man mit dem Feinde schlagen soll. Darum liegt es nicht an der Faust, noch am Schwerte, sondern der Mut, der tut es. Wenn einer ein Ding in Sinn nimmt; daß er es tun darf, so ist es schon halb geschehen. Denn hüte dich vor dem, der dich mit Ernst meint; denn wenn es im Sinne also beschlossen ist, so geht die Faust bald hernach.

 

 

 

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