Ostern


Ostern ist da, die Fastenzeit geht zu Ende.
Doch vor das Eiersuchen hat der Herrgott
den Höhepunkt des Fastens gesetzt –
die Karwoche


Die eigentlichen Kartage beginnen
am Donnerstag, dem Gründonnerstag.


Duccio di Buoninsegna
Der Gottesdienst erinnert daran, dass Jesus
beim Abendmahl den Jüngern die Füße wusch.
Petrus lehnte zunächst ab. Da sprach Petrus
zu ihm: „Nimmermehr sollst du mir die Füße
waschen!“ Jesus sagt: „Wenn ich dich nicht
wasche, so hast du kein Teil an mir.“


Leonardo da Vinci, Das Abendmahl
Im Neuen Testament findet am Abend dieses
Tages das letzte Abendmahl statt.


Pascal Dagnan-Bouveret, Das Abendmahl
Dabei teilte Jesus Brot und Wein aus –
seinen Leib und sein Blut, eine Andeutung
seines Opfertods. Zugleich forderte Jesus
die Jünger auf, in Erinnerung an ihn weitere
Abendmahle zu feiern: „Tut dies zu meinem
Gedächtnis!“


Vicente Juan Masip, Das Abendmahl
Die Bezeichnung „Gründonnerstag“ stammt
aus dem 12. Jahrhundert. Das Wort stammt
wahrscheinlich vom Mittelhochdeutschen
„gronan“, („greinen“ – also weinen, klagen,
im Englischen noch erhalten als „groan“).


Fritz von Uhde, Das Abendmahl
Das „Greinen“ spielt vermutlich auf die Tränen
der Büßer an, die an diesem Tag wieder in die
kirchliche Gemeinschaft aufgenommen wurden.


Giotto di Bondone, Gefangennahme
Noch am Abend des Gründonnerstags wurde
Jesus vom Rat der Hohenpriester festgenommen.
Am folgenden Morgen, so berichtet der Evangelist
Markus, wurde er Pilatus vorgeführt.


Antonio Ciseri, Ecce Homo
Die Hohenpriester warfen Jesus Hochverrat vor.
Pilatus erklärte jedoch laut Lukas: „Ich finde
keine Schuld an diesem Menschen. … Darum
will ich ihn schlagen lassen und losgeben.“


Mihály Munkácsy, Christus vor Pilatus
Doch die Hohenpriester überredeten Pilatus,
ihnen Jesus zu übergeben. Matthäus berichtet,
Pilatus habe sich die Hände vor dem Volk
gewaschen und gesagt: „Ich bin unschuldig
an seinem Blut; seht ihr zu!“


El Greco, Jesus trägt das Kreuz
Am folgenden Tag, dem Karfreitag, gedenken
die Christen der Kreuzigung Jesu. Der „stille
Freitag“ leitet die Osterfeierlichkeiten ein.
Für die evangelischen Kirchen ist Karfreitag
der höchste Feiertag im Jahr.


Albrecht Altdorfer, Kreuzigung
Die Bezeichnung „Karfreitag“ kommt aus dem
Althochdeutschen. „Chara“ bedeutete seinerzeit
so viel wie Klage, Trauer. Dem christlichen
Glauben zufolge bringt der Tod Jesu am Kreuz
den Menschen die Erlösung.


Tizian, Adam und Eva
Dies ist die zentrale Botschaft des Christentums:
Jesus – der Erlöser – hat durch seinen Tod am Kreuz
die Schuld der Menschen auf sich genommen.
Im christlichen Verständnis ist der Mensch sündig –
wegen eigener Vergehen, vor allem aber wegen der
Erbsünde.


Raphael, Auferstehung Christi
Drei Tage nach seiner Kreuzigung folgt die
Auferstehung Jesu. Die wird zu Ostern gefeiert,
dem höchsten katholischen Feiertag. Hier gibt
es eine zeitliche und inhaltliche Nähe zum
jüdischen Pessach-Fest; in den meisten
europäischen Sprachen ist diese Nähe spürbar: …


Rubens, Die Auferstehung Christi
… Auf Italienisch heißt Ostern „pasqua“, im
Spanischen ähnlich „pascua“, auf Französisch
„pâques“, im Schwedischen „påskdagen“ und
im Isländischen „páskar“.


Antonio Ca Correggio, Noli me Tangere
Zurück zur biblischen Geschichte: Die Auferstehung
selbst wird im Neuen Testament nicht beschrieben,
Augenzeugen werden nicht zitiert. Erst das von
Maria Magdalena entdeckte leere Grab gibt den
Jüngern einen Hinweis.


Altobello Melone, Auf der Straße nach Emmaus
Am dritten Tag nach seiner Kreuzigung erscheint
Jesus zwei Jüngern, die unterwegs nach Emmaus
sind, einem Dorf in der Nähe von Jerusalem.
Sie erkennen ihn zunächst nicht. Er erklärt
ihnen den Sinn des Opfertods.


Matthias Stomer, Das Abendmahl von Emmaus
In Emmaus laden ihn die beiden zum Abendessen
ein. Da „nahm er das Brot, dankte, brach’s und
gab’s ihnen“, so Lukas. Die beiden Jünger erkennen
ihren Heiland. „Und er verschwand vor ihnen.“
Weitere Auferstehungs-Geschichten gibt es bei
Matthäus und Markus.


Caravaggio, Der ungläubige Thomas
Eine sehr eindrückliche Auferstehungsgeschichte
hat Johannes: Als Jesus den Jüngern erscheint,
ist der Apostel Thomas nicht dabei. Die anderen
erzählen ihm, dass Jesus auferstanden ist, doch
Thomas glaubt ihnen kein Wort. Thomas sagt:
„Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale
sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und
meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht
glauben.“


Martin Schongauer, Der Apostel Thomas
Acht Tage später sind die Jünger wieder versammelt,
dieses Mal ist auch Thomas dabei. Obwohl die Türen
verschlossen sind, steht Jesus mit einem Mal im Raum.
Er geht zu Thomas und sagt: „Reiche deinen Finger her
und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und
lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig,
sondern gläubig!“ Und: „Weil du mich gesehen hast,
Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen
und doch glauben!“


Valentin de Boulogne, Paulus beim Schreiben seiner Briefe
Wie wichtig Ostern für die Christen ist, beschrieb
schon Paulus in einem Brief an die Korinther:
„Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer
Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden;
so sind auch die, die in Christus entschlafen sind,
verloren.“


Wie ein Mensch (Adam) der Menschheit den Tod
gebracht habe, so habe ein Mensch (Jesus) der
Menschheit die Auferstehung gebracht:
„Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden
sie in Christus alle lebendig gemacht werden.“

Er ist nicht hier
Live aus St. Michael in Fürth
Im Dunkel unsrer Nacht
Osterfreude von Paul Winter
Osterkerze für die Ungeborenen
Der letzte Frühling
Keine frohen, sondern blutige Ostern

Ostersonntag Gethsemanekirche Berlin, 21.04.2019
Pfn. Jasmin El-Manhy
Versammlung der Gemeinde um das Taufbecken.
Mit voller Hand Wasserspritzen über unsere Köpfe.
Dazu die Worte: „Du gehörst zu Christus.“

Passionszeit – Zeit der Umkehr von J. Heinrich Arnold
Das Evangelium beginnt mit dem Aufruf zur Buße. Buße bedeutet, dass alles verändert werden muss. Was oben ist, muss erniedrigt werden; was unten ist, muss erhöht werden. Alles muss mit den Augen Gottes gesehen werden. Unser ganzes Wesen muss erneuert
werden, all unser menschliches Denken muss aufhören. Gott muss der Mittelpunkt
unseres Denkens und Fühlens werden.
Buße tun heißt, dass wir unsere Herzen von der Atmosphäre des Reiches Gottes
bewegen lassen…
Erkennen wir, wie dunkel die Sünde ist und wie schrecklich es ist, von Gott getrennt zu sein, dann bekommen wir eine Ahnung davon, was Jesus mit Reue meint.
Aber Reue bedeutet noch mehr als die Erkenntnis unserer Sünde: Reue bedeutet Zuwendung zum Reich Gottes. Reue bedeutet auch die Bereitschaft, bis ans Ende der Welt zu gehen, um all das Böse, das wir getan haben, ungeschehen zu machen, obwohl wir wissen, dass wir nichts ungeschehen machen können. Letztlich bedeutet Reue, sich ihm hinzugeben,
der Vergebung und Freiheit von Sünden schenkt.

Was zeigt uns das durchbohrte Herz Jesu?
…dass der Heiland wirklich tot war und aus Liebe zu uns alles hingab.
Jesus liess Sein Herz mit der Lanze durchbohren zum Zeichen Seines wirklichen Todes und auf dass das Schriftwort erfüllt werde (Zach 12,10). Der Lanzenstoss in die Seite Jesu war nicht soldatischer Übermut, sondern ein Gnadenstoss für den Fall, dass etwa doch noch Leben da wäre. Johannes, der unter dem Kreuze stand, ist uns dafür Zeuge: Sogleich floss Blut und Wasser heraus (Jh 19,34). Jeder Freitag erinnert uns an den blutigen Karfreitag. Jeder Herz-Jesu-Freitag (1. Freitag im Monat) mahnt uns an die unergründliche Liebe Jesu. Deshalb bringen wir gern das Opfer des fleischlosen Tages.

Wovon hat uns Jesus erlöst?
Jesus hat uns von Sünde und Strafe erlöst.
Er hat die unendliche Sünden-Schuld bezahlt. Nun kann sie uns nachgelassen werden in den Sakramenten und durch die Reue. „Sehet das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt“ (Jh 1,19). Christus nahm die Sünde weg, indem Er sie auf sich nahm,
sich selbst zum Sühnopfer machte. Er hat uns auch erlöst aus der Knechtschaft Satans
(Röm 8,1), von der Todesfurcht (Jh 11.25; 1Kor 15,55), vom Druck des Leidens (Röm 8,18), von der Sinnlosigkeit des Daseins (Jh 8,12+14,6).

Ostern – unsere zweite Chance!
Joyce Meyer, Andacht 21.04.2019
„Und nun geht und sagt seinen Jüngern, dass er von den Toten auferstanden ist und ihnen nach Galiläa vorausgeht. Dort werdet ihr ihn sehen. Merkt euch, was ich euch gesagt habe.“ Matthäus 28,7 (NLB)
Als Jesus von den Toten auferstand, hatte alle Trauer ein Ende und sein qualvolles Leiden gehörte der Vergangenheit an. Ab diesem Zeitpunkt waren sowohl der Blick Jesu als auch der Blick der Menschheit auf die Zukunft gerichtet. Die einmalige Botschaft von Ostern lautet, dass uns durch den Tod Jesu am Kreuz eine zweite Chance gewährt wurde.
Wir dürfen unser altes Leben hinter uns lassen und von vorne anfangen. Unser neues Leben gleicht einer makellosen, unbefleckten Leinwand. Es wartet eine grenzenlose Freude auf uns und wir haben nun die Chance, ein Leben zu führen, das Gott ehrt. Hast du Jesus bereits als deinen Herrn und Retter angenommen? Wenn nicht ist Ostern der perfekte Zeitpunkt, um ihn in dein Herz und dein Leben einzuladen. Hör auf, die Vergangenheit immer wieder aufleben zu lassen und dich wegen der Fehler, die du gemacht hast, zu quälen.
All deine Schuld ist vergeben. Jesus liebt dich.
Gebet: Jesus, ich möchte deine Erlösung annehmen. Mach mein Leben neu.
Danke, dass du all meine Schuld vergibst und mir einen Neuanfang schenkst. Amen

Osterfreude von Paul Winter
Wenn wir jetzt auf die Woche vor Ostern zugehen, lasst uns Raum machen, damit es
Ostern in unseren Herzen werden kann. Lasst uns unsere Ehepartner, Kinder, Mitarbeiter, Nachbarn, und Brüder und Schwestern in unseren Gemeinden um Vergebung bitten.
Wenn Groll und Mauern uns entzweien, dann lasst uns das aus unseren Herzen ausräumen, so dass wir den Frieden und die wahre Freude von Ostern erleben können. Paul Winter

„Bin ich es, der sagt, wo Gott sein soll, so werde ich dort immer einen Gott finden, der
mir irgendwie entspricht, gefällig ist, der meinem Wesen zugehörig ist. Ist es aber Gott,
der sagt, wo er sein will, dann wird das wohl ein Ort sein, der meinem Wesen zunächst
gar nicht entsprechend ist, der mir gar nicht gefällig ist. Dieser Ort aber ist das Kreuz Christi. Und wer ihn dort finden will, der muss mit unter dieses Kreuz, wie es die Bergpredigt
fordert. Das entspricht unserer Natur gar nicht, sondern ist ihr völlig zuwider.“
Dietrich Bonhoeffer

Das Ärgernis des Kreuzes Von Pastor Wolfgang Wegert
Das Wort vom Kreuz: Ein Ärgernis – heute!!
Der Rüsttag von Giovanni Papini
Predigttext: „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft; denn es steht geschrieben: ‚Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen‘.
Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Verkündigung diejenigen zu retten, die glauben. Während nämlich die Juden ein Zeichen fordern und die Griechen Weisheit verlangen, verkündigen wir Christus den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, sowohl Juden als auch Griechen, verkündigen wir Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen.“ (1. Korinther 1,18-25)

„Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen,
und zwar nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz des Christus entkräftet wird“
(1. Korinther 1,17).
„Redeweisheit“ oder auch „kluge Worte“, wie einige übersetzen, helfen nicht, wenn wir das Evangelium verkünden. Sie machen eher das Kreuz Christi zunichte, als dass es dadurch groß wird. Viele Prediger – auch wir Arche-Pastoren – sind versucht, dem Evangelium mit überredenden Worten nachzuhelfen, mit überzeugenden Argumenten und rhetorischer Beredsamkeit. Das liegt daran, dass wir doch möchten, dass die Menschen unserer Überzeugung folgen. Wir wollen sie gewinnen, und darum suchen wir die Zuhörer zu beeindrucken. Wir lassen sie gern wissen, dass wir auch Akademiker, Wissenschaftler, hohe Beamte und erfolgreiche Geschäftsleute in der Gemeinde haben – soll heißen: das Evangelium spricht auch kluge Leute an. Und dann machen wir einen auf intellektuell, auf wissenschaftlich, auf gebildet. Die Gefahren heutiger Verkündigung Paulus sagt aber im nächsten Vers, dass das ein falscher Ansatz ist. „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen“ (V.18). Wir können das Wort vom Kreuz so intellektuell wie nur möglich verpacken – es bleibt für Unerrettete doch immer und ausschließlich
eine Torheit, sie halten es für Unsinn. Man kann das Kreuz einfach nicht schönreden.
Niemand kann einem Esel die Sterne erklären. Wenn du es vielleicht sogar geschafft hast, dass er wenigstens mal nach oben schaut, frisst er doch gleich schon wieder Gras, ehe
du anfangen kannst, ihm Sonne und Mond zu erläutern. Du wirst es mit intelligenten und überzeugenden Worten versuchen. „Dann“, so sagst du dir, „wird der Esel besser verstehen.“ Das tut er aber nicht! Ebenso wenig wird ein Verlorener das Evangelium besser verstehen, wenn du es ihm wohlklingender, einleuchtender oder nachvollziehbarer erklärst. Das Problem ist, dass zwischen dem Evangelium und den Gottlosen unüberwindbare Welten liegen. Das zeigt 1. Korinther 2,14 sehr deutlich: „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.“ Darum empfindet jeder Unwiedergeborene das Wort vom Kreuz als Unsinn und Idiotie. Die Konsequenz, die Paulus daraus zog, beschreibt er im nächsten Kapitel:„So bin auch ich, meine Brüder, als ich zu euch kam, nicht gekommen, um euch in hervorragender Rede oder Weisheit das Zeugnis Gottes zu verkündigen. …Und meine Rede und meine Verkündigung bestand nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit,
sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft“ (1. Korinther 2,1+4).

Er setzte nicht auf schöne und beeindruckende Worte, sondern er vertraute der Kraft des schlichten Evangeliums, die die verfinsterten Gehirne der Menschen erleuchtet und umwandelt. Der Apostel versuchte es nicht mit Wortgewandtheit oder menschlicher Logik, auch nicht mit manipulativer, suggestiver Kraft oder sonstigen Kunstgriffen, sondern er verließ sich auf die Kraft des Heiligen Geistes, die das Wort vom Kreuz lebendig macht.
Er predigte es einfach im Vertrauen darauf, dass Gott es auf übernatürliche Weise anwendet und Menschen von der Hölle errettet werden. Heute wird vielfach versucht, die „Torheit“ des Evangeliums wegen ihres Anstoßes und Ärgernisses zu beseitigen. Martin Lloyd-Jones hat gesagt: „Die Tendenz zur Modernität hat die Gemeinde Gottes verdorben und beinahe das Evangelium Gottes zerstört.“ Dass wir nur durch das Blut eines Menschen, das Er am Kreuz vergossen hat, gerettet werden können, ist dem heutigen aufgeklärten Menschen nicht mehr zuzumuten. Das ist ihm zu dumm. Also bringt man das Evangelium in
eine etwas anspruchsvollere und klügere Form. Man verzichtet auf „unsinnige“ Lehren wie die Schöpfungslehre, die Jungfrauengeburt, die Gottheit Christi, Seinen Sühnetod, Seine Auferstehung und versucht auf diese Weise, das Evangelium dem Zeitgeist anzupassen.
Der Apostel Paulus sagt aber, dass wir damit nichts erreichen. Das Einzige, was wir erreichen, ist, dass wir das Wort vom Kreuz zunichtemachen. Durch die künstliche Verschlankung wird aber niemand gerettet.
Soll das Evangelium Kraft behalten, muss es so „töricht“ bleiben, wie es von Anfang war. Darum heißt es in Vers 21: „Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Verkündigung diejenigen zu retten, die glauben.“ Menschenweisheit oder Gottesweisheit? Gott gefällt es, durch die Torheit der
Verkündigung zu retten. Er hat offensichtlich Seine Freude daran, Menschen eine Botschaft zu bringen, die sie in ihrer aufgeblasenen Weisheit nicht verstehen. Von Jesus lesen wir:
„Zu jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der
Erde, dass du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen geoffenbart hast!“ (Matthäus 11,25).
Jesus freut sich, dass der Vater das Evangelium den Weisen und Klugen verborgen hat. Mehr noch: „Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen“ (V.19). Das heißt, wenn jemand zu Christus kommen möchte, muss er all seine Klugheit und vermeintliche Weisheit aufgeben, sie beiseitelegen, sie für nichts achten. Bist du dazu bereit? Bist du bereit, deinen Stolz über dein Wissen, deine Gelehrsamkeit, deine Kenntnis und Klugheit abzulegen und wie ein kleines, unmündiges Kind zu Christus zu kommen? Wenn du aber die Botschaft des Evangeliums weiter an deiner Überlegenheit messen willst, dann gehörst du zu den
Verlorenen und das Kreuz Christi bleibt dir verschlossen, es bleibt dir eine Torheit und
Gott macht dir deine Schläue und Weisheit zunichte. Selbstverständlich haben Menschen bemerkenswerte Entdeckungen gemacht und erstaunliche wissenschaftliche Leistungen vollbracht – in der Technik, Technologie, Medizin usw. Paulus ist nicht bildungsfeindlich. Wir Christen haben auch nicht auf alles eine Antwort, wie z. B. in den Bereichen der Physik, der Mathematik, der Elektronik. Manche Leute sind auf diesen Gebieten viel begabter als mancher Christ. Aber wenn wir Antworten auf das Leben suchen, wenn wir fragen, woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir gehen, dann kann uns menschliches Wissen nicht helfen. Wenn es um die Gottes- und Heilsfrage geht, um unsere wahre Hoffnung, hat menschliche Intelligenz keine Antwort. Und wenn sie mit Hilfe von Philosophie, Ideologie oder Psychologie doch so tut, als wüsste sie, was den Menschen erlöst, dann wird sie vermessen. Diese Vermessenheit der Selbsterlösung verwirft Gott. Die bekämpft Er und macht sie zunichte. Denn das ewige Heil kann nicht errechnet und von Menschen erdacht werden.
Es kann nur durch Offenbarung erfahren werden – niemals durch menschliche Weisheit.
Paulus bezieht den Inhalt des Verses 19 „Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen“ aus Jesaja: „Darum will ich auch
hinfort mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs Wunderlichste und Seltsamste, dass die Weisheit seiner Weisen vergehe und der Verstand seiner Klugen sich verbergen müsse“
(Jesaja 29,14).
Als Jesaja diese Prophetie aussprach, plante Sanherib, der König Assyriens, Juda zu erobern. Der Herr sagte Seinem Propheten, er solle sich aber keine Sorgen machen und brauche sich nicht zu fürchten, denn der Plan des Königs würde fehlschlagen.
Aber dies würde nicht aufgrund der Kraft von Judas Armee oder aufgrund der Strategie von König Hiskia und seinen Ratgebern geschehen, sondern Juda würde einzig durch Gottes Kraft ohne jedes menschliche Zutun gerettet werden. Gott vernichtete 185.000 Mann der Armee Assyriens durch einen einzigen Engel (37,36). Der vollständige Bericht befindet sich in 2. Könige 17-19. Und Gott sagt zu alledem: „Ich will mit diesem Volk hinfort wunderlich umgehen, aufs Wunderlichste und Seltsamste, dass die Weisheit der Weisen vergehe.“
Aus diesem Zusammenhang nimmt Paulus die Worte in unserem Abschnitt. Er will damit sagen: die Rettung kommt allein von Gott durch Jesus Christus, auf dass sich kein Fleisch rühme. So war es mit Paulus selbst. Was hatte er dazu beigetragen, dass er errettet wurde? Nichts! Welche Weisheit, welche Theologie, welche Geschichtskenntnis, welche Kultur, welche Bildung, welchen guten Willen konnte er mit einbringen? Nichts war in ihm, was Gott gebrauchen konnte. Und so können auch wir heute nicht aufgrund unserer eigenen Kraft und Leistung gerettet werden oder durch die Liturgie und Tradition einer Kirche,
sondern Gott macht unsere eigene Weisheit zunichte, damit wir allein durch Seine Kraft
gerettet werden. Er sandte Seinen Sohn Jesus, der der David ist, der stellvertretend für ganz Israel den Riesen Goliath schlug. Jesus allein ist der Retter. „Das Wort vom Kreuz“
ist alternativlos Darum sagt Paulus auch klar, worin die „Torheit“ des Evangeliums besteht, durch die Gott rettet. Es ist das „Wort vom Kreuz“. Liebe Gemeinde, das ist das Zentrum.
In Kapitel 2,2 schreibt der Apostel ähnlich: „Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts
zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten.“
Das heißt, die Lehre vom Sühneopfer Christi, der am Kreuz stellvertretend für uns den Zorn Gottes auf sich genommen hat, ist die wichtigste aller Botschaften in der Bibel. Sie ist die Achse, um die sich alle Schrift dreht. Sie ist die Wahrheit, auf der alle anderen Wahrheiten aufbauen. Und dieses Wort vom Kreuz ist das einzige Wort, das es auf der Welt gibt, durch das Menschen gerettet werden. Und darum müssen wir an der „Torheit“ des Evangeliums festhalten, „denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen“ (V.25). „Oh“, habe ich sogar auch Christen sagen hören, „man kann doch nicht immer vom Kreuz reden. Das wirkt ja langsam abgegriffen, man muss doch auch mal was anderes
predigen!“ Obwohl das Evangelium töricht ist, ist es doch nicht einsilbig oder eintönig.
Es ist wie ein Diamant, den du dir von vielen Seiten anschauen kannst und bei dem du
immer neue Facetten entdeckst, aber es ist immer derselbe Edelstein. Du kannst bezüglich des Kreuzes über die Vergebung sprechen, über die Liebe, über die Gnade, die Erwählung,
die Rechtfertigung, die Versöhnung, die Annahme, die Kindschaft, die Heiligung, die Vollendung, die Auferstehung, die Wiederkunft Jesu und die Herrlichkeit – und doch handelt
es sich immer nur um das eine Wort vom Kreuz. Es ist das Wort vom Kreuz, durch das wir leben: Christus starb für unsere Sünden. Jerry Bridge schrieb: „Das Evangelium ist nicht nur eine wichtige Botschaft, sondern die allein entscheidende Botschaft in der gesamten Menschheitsgeschichte.“ Und trotzdem geht man in der Christenheit ziemlich lax mit dieser Lehre vom Kreuz um. Martin Luther sagte jedoch, dass ihm das Kreuz so real und lebendig war, als wäre Christus erst gestern für ihn gestorben. Es gibt keinen Tag, an dem wir gut genug für Gott waren, sodass wir das Kreuz nicht brauchen würden. Es gibt keinen Tag, an dem wir nicht das Blut Jesu brauchen zur Vergebung. Wir leben durch das Wort vom Kreuz –
allein in dem gekreuzigten Christus liegt unsere Hoffnung, unsere Freude, unser Friede,
unsere Erfüllung. Darum wollen wir uns von nichts und niemand das Evangelium rauben lassen. Das Wort vom Kreuz ist für uns, die wir gerettet werden, Gotteskraft, Lebenskraft – bis an unser Ende. Spurgeon sagte am Ende seines Lebens: „Meine Theologie ist auf vier Worte zusammengeschrumpft, die lauten: ‚Jesus starb für mich!‘“ Wie köstlich muss es sein, wenn man absolut schwach geworden ist und nichts mehr kann, sich dann einfach
ins Kissen fallen zu lassen und in den Worten tiefe Ruhe zu finden: „Jesus starb für mich.“
Das ist genug! Es ist das Wichtigste in unserem Leben, zu lernen, auf das Kreuz zu vertrauen, sich auf den Gekreuzigten zu werfen. Lerne, dich nicht auf dein gutes Leben zu verlassen. Eine TV-Zuschauerin schrieb uns, dass sie immer ehrenwert gelebt habe und dass Gott das doch honorieren müsse. Wir reichen aber niemals an die Forderungen des vollkommenen Gesetzes Gottes heran. Selbst der allerbeste Mensch mit den meisten guten Taten – sozusagen der Weltmeister guter Werke – bleibt meilenweit davon entfernt, der Gerechtigkeit Gottes zu genügen. Darum verlass dich nicht auf dein anständiges Leben, auf deine ehrenamtlichen Tätigkeiten, auf deine Kirchen- oder Gemeindemitgliedschaft – auch nicht auf deine Taufe, sondern setze dein Vertrauen allein auf Jesus Christus, den Gekreuzigten.
Darum ist das „Wort vom Kreuz“ von allerhöchster, ja von entscheidender Bedeutung. Denn je näher das Ende kommt, desto bohrender wird die Frage nach der Ewigkeit:
„Was wird mit mir geschehen, wenn ich sterbe?“ Wie oft habe ich dann aus dem Mund von Christen die ängstliche Frage gehört: „Wird Gott auch mit mir zufrieden sein? Wird es ausreichen?“ Nein, es wird nicht ausreichen. Gott ist nur mit einem Einzigen zufrieden, und das ist Jesus allein. Wenn du dich darauf verlässt, dass Er deine Gerechtigkeit ist, dass Er deine Schuld am Kreuz getragen hat, dann bist du geborgen. Übe diesen Glauben schon in deiner Jugend ein, wache jeden Morgen damit auf und lege dich jeden Abend mit ihm hin. Lebe mit dem Kreuz im Zentrum deines Denkens, „denn das Wort vom Kreuz ist …denen, die gerettet werden, eine Gotteskraft“ (V.18). Darum sagt Paulus: „Denen aber, die berufen sind, … predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (V.24). Amen!

Predigt an Karfreitag (19.04.19) zu Johannes 19,16-30
Jesus von Nazareth, König der Juden. Diese Worte lässt Pilatus auf das Kreuz schreiben.
In hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache. In der Landessprache, der Amts-
sprache und der Weltsprache. Möglichst viele sollen es lesen können. Und viele lasen es:
Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. König der Juden. Bevor sie ihn kreuzigen, verspotten die römischen Soldaten Jesus als König: Die Soldaten führten ihn hinein in den Palast, […] riefen die ganze Kohorte zusammen und zogen ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßet seist du, der Juden König!
Und sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt und spien ihn an und fielen auf die Knie und huldigten ihm. Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an. Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten.
Markus 15,16-20.

Die Hohenpriester der Juden bitten Pilatus, diese Inschrift zu korrigieren: Schreibe:
Er hat gesagt, er sei der König der Juden. Schreibe das so. Nicht, dass er es ist. Jesus von Nazareth, König der Juden. Die Hohenpriester sehen sich ebenso dem Spott ausgesetzt: Der am Kreuz hängt, nackt und ohnmächtig und tot, ist nicht unser König. Die vermutlich älteste Kreuzesdarstellung der Geschichte ist eine Karikatur auf der Wand einer Kaserne auf dem Palatin in Rom. Sie stammt aus dem 1. oder 2. nachchristlichen Jahrhundert.
Die Karikatur verspottet einen offensichtlich christlichen Soldaten ob seines Gekreuzigten Gottes: Am Kreuz hängt ein Esel. Und der Soldat Alexamenos betet diesen Eselsgott an. Was muss Alexamenos selber für ein Esel sein!?
Paulus schrieb über das Kreuz: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft. […]Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die
Menschen sind. 1 Korintherbrief 1,1.22-25.

Paulus predigt von der Torheit des Kreuzes. Er sagt: Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Er hängt am Kreuz und in dieser tiefsten Tiefe zeigt er, wer er wirklich ist: Liebe. Christus geht freiwillig ans Kreuz. Aus Liebe. Es beginnt mit Liebe, der Mutter, der Geburt unter dem Stern, dem Kind in der Krippe, dem Engel, der sagt: Fürchtet euch nicht.
Und es endet mit der Liebe, die schwach ist und wehrlos, wie das Kind in der Krippe und darin mächtig. Es gibt keinen Neuanfang Gottes in der Welt mit Gewalt, sondern: Liebe.
Das ist die Torheit des Kreuzes.
Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Er hängt am Kreuz und in dieser tiefsten Tiefe zeigt er, wer er wirklich ist. Den Spott der antiken Welt zog das Kreuz auf sich. Gott stirbt am Kreuz. Wie anstößig dieser Gedanke auch für ein längst etabliertes Christentum war, zeigt ein Kirchenlied von 1641. Im Gesangbuch EG 80 heißt es in der 2.Strophe: O große Not! Gotts Sohn liegt tot. Am Kreuz ist er gestorben, hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb erworben. Der Dichter Johann Rist schrieb aber:
O große Not! Gott selbst ist tot! Am Kreuz ist er gestorben. Der Text wurde später geändert. Zu anstößig, zu krass: Gott selbst ist tot. Immer wieder hat sich die christliche Theologie
gegen diesen Gedanken gewehrt. Und das Christentum hat eine Geschichte, in der das Kreuz nicht nur ein Zeichen der Ohnmacht und Schwäche ist, sondern auch ein Zeichen der Macht und der Herrschaft. Wenn man das Kreuz umdreht, dann wird es zum Schwert.
Im Roman „Der letzte Gerechte“ von Andre Schwarz Bart, wird erzählt, wie der junge Jude Erni seiner Freundin Golda im besetzten Paris 1942 die Christen erklärt: „O Erni“, sagte Golda, „du kennst sie doch, sag mir, warum sind die Christen so böse auf uns? Dabei sehen sie so nett aus, wenn man sie ohne Stern anschaut.“ Ernst schlang Erni seinen Arm um Goldas Schultern. „Das ist sehr geheimnisvoll“, murmelte er auf jiddisch, „sie wissen es selbst nicht so genau. Ich bin in ihren Kirchen gewesen und habe ihre Evangelien gelesen.
Weißt du, wer Christus war? Ein gewöhnlicher Jude wie dein Vater, eine Art Chassid.“
Golda lächelte sanft. „Du machst dich lustig“, sagte sie. „Doch, doch, glaub mir, und ich wette sogar, dass sie sich alle beide gut verstanden hätten, denn er war wirklich ein guter Jude, weißt du, eine Art vom Baal Schem Tow: ein Barmherziger, ein Sanfter. Die Christen sagen, dass sie ihn lieben, aber ich glaube, sie hassen ihn, ohne es zu wissen. Und deshalb nehmen sie das Kreuz am andern Ende und machen ein Schwert daraus und schlagen uns damit! Verstehst du, Golda“, rief er plötzlich seltsam erregt, „sie nehmen das Kreuz und drehen und drehen es um, mein Gott…“
Gott ist in den Schwachen mächtig. Ich glaube, dieser Gedanke fällt so schwer,
weil der Gedanke an Gott mit Vollkommenheit verbunden ist. Gott ist vollkommen.
Und das Bild des Gekreuzigten widerspricht dem gänzlich. Leiden bildet keine
Vollkommenheit ab, Verletzungen, Risse, Wunden, das alles ist nicht Vollkommenheit.

Es ist gebrochen. Verletzlich.
Aber wenn Gott Liebe ist, und wir Gott radikal als Liebe denken, dann ist diese Liebe
vielleicht gerade darin vollkommen, dass sie all das auf sich nimmt, Verletzungen, Risse, Wunden, um sich dem anderen zuzuwenden. Das ist die Bewegung der Liebe, die sich selbst verlässt, um sich im anderen zu finden. Nichts macht uns so verwundbar wie die Liebe. Jesus wird verraten mit einem Kuss. In der Geschichte des Jesus von Nazareth wendet sich der lebendige Gott dem von ihm entfernten Menschen zu. Er zieht damit
alles Verkehrte, alle Bosheit und Gewalt auf sich. Das ist die Torheit des Kreuzes.
Er hängt am Kreuz und in dieser tiefsten Tiefe zeigt er, wer er wirklich ist: Liebe.

In den 80er Jahren war Desmond Tutu Bischof in Südafrika. Auf vielen Demonstrationen, Predigten und öffentlichen Veranstaltungen prangerte er damals immer wieder das Apartheidssystem, die sogenannte Rassentrennung, an. Einmal, nach einer politischen Großkundgebung hielt er in der St.George Kirche in Kapstadt einen Gottesdienst. Soldaten und Polizisten kamen in die Kathedrale, mit Bajonetten und Gewehren bewaffnet und mit der Absicht den Gottesdienst aufzulösen. Bischof Tutu predigte über die Schrecken der Apartheid, die vielen Toten, die dieses System zu verantworten hat und darüber, dass die Mächtigen, die Autoritäten, die es hervorgebracht haben, bald fallen würden. Dann zeigte er mit dem Finger auf die Soldaten und Polizisten und sagte zu ihnen: Ihr seid vielleicht mächtig, sehr mächtig, aber ihr seid nicht Gott. Und Gott kann nicht verspottet werden.
Ihr habt schon verloren.
Es war vollkommen still in der Kirche. Desmond Tutu kam hinter dem Pult hervor, lächelte sein sanftestes Lächeln, und sagte dann voll Schadenfreude:
Deshalb, weil ihr schon längst verloren habt, laden wir euch ein: Schließt euch den Gewinnern an. Join the winning side! Kommt auf die Gewinnerseite! Die Menschen in der Kathedrale begannen zu jubeln und zu tanzen vor den verblüfften Soldaten und Polizisten.
Ich liebe diese Geschichte, weil sie so kraftvoll von der Torheit, der Verrücktheit, des Kreuzes erzählt. Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Er hängt am Kreuz und in dieser tiefsten Tiefe zeigt er, wer er wirklich ist: Liebe. Und diese Liebe trägt am Ende den Sieg davon, so glauben wir, mit so vielen, die vor uns geglaubt haben. Halten wir fest an dieser Liebe, auch wenn die Welt auseinanderzufallen scheint. Dann glauben wir fest, dass Paulus recht hat. Wenn die Liebe weh tut und der Tod nach uns und unseren Freunden greift. Wenn wir Angst haben vor dem Krieg und der Klimakatastrophe. Wenn wir nicht mehr handeln, nur noch heulen können. Dann halten wir uns fest an der Liebe Gottes und glauben: Der eine wird auferstehen! Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Alle Risse unseres Lebens und das der anderen, Verletzungen, Wunden und Enttäuschungen sind bei Gott aufgehoben. Die Liebe Gottes, die größer ist als all unsere
Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Pfarrerin Jasmin El-Manhy