Goethe und Schiller

goethe schiller

Goethe

Rüdiger Safranski – „Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft“
Rüdiger Safranski Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus
Friedrich Schiller Ueber die ästhetische Erziehung des Menschen
Schillers Blick auf die Frage nach dem Schönen und der Kunst

Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Occident!
Nord- und südliches Gelände
Ruht im Frieden seiner Hände.
Johann Wolfgang von Goethe: West-oestlicher Divan, 1819

Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden. Was wir können und möchten, stellt sich unserer Einbildungskraft außer uns und in der Zukunft dar; wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon im stillen besitzen. So verwandelt ein leidenschaftliches Vorausergreifen das wahrhaft Mögliche in ein erträumtes Wirkliches. Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), deutscher Dichter der Klassik

Goethe, Kunst verlangt den ganzen Menschen
Johann Wolfgang von Goethe: Einleitung, Propyläen, 1. Bd., 1. Stück (1798)
… wir bilden uns nicht, wenn wir das, was in uns liegt, nur mit Leichtigkeit und Bequemlichkeit in Bewegung setzen. Jeder Künstler, wie jeder Mensch, ist nur ein einzelnes Wesen und wird nur immer auf eine Seite hängen. Deswegen hat der Mensch auch das, was seiner Natur entgegengesetzt ist, theoretisch und praktisch, insofern es ihm möglich wird, in sich aufzunehmen. Der Leichte sehe nach Ernst und Strenge sich um, der Strenge habe ein leichtes und bequemes Wesen vor Augen, der Starke die Lieblichkeit, der Liebliche die
Stärke, und jeder wird seine eigne Natur nur desto mehr ausbilden, je mehr er sich von ihr zu entfernen scheint. Jede Kunst verlangt den ganzen Menschen, der höchstmögliche Grad derselben die ganze Menschheit.Wenn wir, sagtest du, die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter. Wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein
sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.
Goethe – Wilhelm Meisters Lehrjahre VIII, 4

Johann Wolfgang von Goethe
Das Veilchen
Ein Veilchen auf der Wiese stand,
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzigs Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin
Mit leichtem Schritt und munterm Sinn
Daher, daher,
Die Wiese her, und sang.
Ach! denkt das Veilchen, wär‘ ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen matt gedrückt!
Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!
Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in acht das Veilchen nahm;
Ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut‘ sich noch:
Und sterb‘ ich denn, so sterb‘ ich doch
Durch sie, durch sie,
Zu ihren Füßen doch.

klein

Willst du dich am Ganzen erquicken, So mußt du das Ganze im Kleinsten erblicken. Johann Wolfgang von Goethe

Friedrich Schiller
Alles wiederholt sich nur im Leben,
ewig jung ist nur die Phantasie:
Was sich nie und nirgends hat begeben,
das allein veraltet nie.

Denn die Kunst ist eine Tochter der Freiheit, und von der Notwendigkeit der Geister,
nicht von der Notdurft der Materie will sie ihre Vorschrift empfangen.

Friedrich Schiller, 1793, Streitschrift: Über die ästhetische Erziehung des Menschen

Und so lang du das nicht hast,
dieses Stirb und Werde,
bist du nur ein trüber Gast
auf der dunklen Erde.
Goethe West-östlicher Divan
Buch des Sängers, Selige Sehnsucht
H. A. Korff Die Lebensidee Goethes
Willst du ins Unendliche schreiten, geh nur im Endlichen nach allen Seiten.
Johann Wolfgang von Goethe
Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.
Friedrich Schiller
Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.
Schiller: Wallensteins Lager 7. (Wachtmeister)

Johann Wolfgang von Goethe
Ein Gleiches
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Eine Ode an die Freiheit anhand von Safranskis Buch über Schiller:
Beschäftigt Euch mit Friedrich Schiller! Lest seine Werke, seine Theaterstücke, Gedichte, Balladen und Briefe mit offenem Herzen und wachem Geist! Ich stellte während des Lesens immer wieder fest, dass Friedrich Schiller heute so aktuell ist wie im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert. Der „Geist Schillers“ wird besonders in seiner Philosophie der Freiheit, in seinen Briefen zur „ästhetischen Erziehung des Menschen“ deutlich, aber auch in seiner „Philosophie der Liebe“ seiner Jugendzeit, in deren Rausch er die
„Ode an die Freude“ verfasste!
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng getheilt,
Bettler werden Fürstenbrüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Seid umschlungen Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.
Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu seyn,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
Was den großen Ring bewohnet,
Huldige der Sympathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte thronet.
Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küße gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod,
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?
Such ihn überm Sternenzelt,
Ueber Sternen muß er wohnen.
Rettung von Tirannenketten,
Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,
Gnade auf dem Hochgericht!
Auch die Toden sollen leben!
Brüder trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben,
und die Hölle nicht mehr seyn.
Eine heitre Abschiedsstunde!
süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder – einen sanften Spruch
Aus des Todtenrichters Munde!
(Ursprüngliche Fassung, die 1785 im „Thalia“ erschien)
Die Essenz seiner Freiheits-Philosophie fasst Rüdiger Safranski zusammen, indem er
Fichtes Auffassung von Freiheit: „Freiheit kann nur im politischen Kampf um sie erlernt
werden“ der Schillers gegenüber stellt, der meint, dass der Mensch die Freiheit: „erst durch die ästhetische Bildung und im Spiel der Freiheit erlernen und verinnerlichen muss, um sie dann in der äußeren politischen Welt errichten zu können.“ Weiter führt Friedrich Schiller aus: „In einer Gesellschaft der Unfreien wird die Macht der Willkür und des Egoismus angebetet. Napoleon kann ein Abgott nur für diejenigen sein, die nicht ihre Freiheit wollen,
sondern die Macht anbeten, die sie selbst nicht haben.“ Was aber Churchill meinte, wenn
er vom „Geist Schillers“ sprach, den er so sehr fürchtete, dass er ihn den Deutschen „austreiben“ wollte, ist deutl. in Schillers „Wilhelm Tell“ ausgesprochen, im Schwur vom Rütli:
„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht,
Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
Wenn unerträglich wird die Last – greift er,
Hinauf getrosten Mutes in den Himmel,
Und holt herunter seine ewgen Rechte,
Die dort oben hangen unveräußerlich
Und unzerbrechlich wie die Sterne selbst –
Der alte Urstand der Natur kehrt wieder.“
Es ist bezeichnend, dass Hitler die Aufführung des „Wilhelm Tell“ verboten hatte!
Weiter geht es mit dem „hochgefährlichen“ Friedrich Schiller, der in seinem Gedicht
„Der Antritt des neuen Jahrhunderts“ (nämlich des neunzehnten) den Frieden v. Lunéville mit Napoleon anprangerte, den er als „Untergang der europäischen Freiheit“ ansah, und in dem er noch einmal seine Philosophie der Freiheit deutlich machte. Die Freiheit Europas sei zur Beute der kontinentalen (Frankreich) und maritimen (England) Hegemonialmächte geworden: „Und das Band der Länder ist gehoben, Und die alten Formen stürzen ein;

Zwo gewaltige Nationen ringen Um der Welt alleinigen Besitz, Aller Länder Freiheit zu
verschlingen, Schwingen sie den Dreizack und den Blitz!“ Friedrich Schiller war es auch, der den Begriff der „Kulturnation“ für das deutsche Volk prägte. Im selben Gedicht fragt er: „Edler Freund! Wo öffnet sich dem Frieden Wo der Freiheit sich ein Zufluchtsort?“ und
antwortet: „In des Herzens heilig stille Räume Mußt du fliehen aus des Lebens Drang.
Freiheit ist nur in dem Reich der Träume Und das Schöne blüht nur im Gesang.“
Er begann an dem Gedicht „Deutsche Größe“ zu arbeiten, dass er unvollendet und unveröffentlicht ließ. In Vorarbeiten zu dem Gedicht heißt es: „Darf der Deutsche sich in diesem Augenblicke, wo er ruhmlos aus seinem tränenvollen Kriege geht… darf er sich seines
Namen rühmen und freu’n? … Ja, er darf’s! Deutsches Reich und deutsche Nation sind zweierlei Dinge. Die Majestät des Deutschen ruhte nie auf dem Haupt seiner Fürsten.
Abgesondert von dem politischen hat der Deutsche sich seinen eigenen Wert gegründet, und wenn auch das Imperium unterginge, so bliebe die deutsche Würde unangefochten. Sie ist eine sittliche Größe, sie wohnt in der Kultur.“ er setzt fort: „endlich muss die Sitte und die Vernunft siegen, die rohe Gewalt der Form erliegen – und das langsamste Volk
wird alle die schnellen flüchtigen einholen.“ „Deutschland wird an dem ewigen Bau der Menschenbildung arbeiten“ „Jedes Volk hat seinen Tag in der Geschichte, doch der Tag
der Deutschen ist die Ernte der ganzen Zeit.“ Friedr. Schiller stellte in seinem „Wilhelm Tell“ künstlerisch dar, dass „Freiheit im Bewahren liegen“ kann. Freiheit muss also nicht unbedingt zu etwas Neuem führen, sondern kann darin bestehen, das Bestehende zu erhalten, wenngleich sich die Bedingungen des Zusammenlebens, die Gesellschaft, die einzelnen Menschen durch den Freiheitskampf gewandelt und erhöht haben. Gottfried Keller schrieb 50 Jahre später zum „Wilhelm Tell“, dass dieses Stück auf vollkommen neue Weise den eigentlichen Beruf der Dichtung erfülle und in einem Gedicht auf Friedrich Schiller formuliert er: „die das Gewordene als edles Spiel verklärt, Das seelenstärkend neuem Werden ruft, …
Diejenigen, die Hitler wegen der Elendswende bewundern, vergessen, wissen nicht oder wollen nicht wissen, dass Hitler dies nur möglich war, weil er durch die Banken der Rothshilds, Warburgs, Schiffs und wie sie alle hießen und noch immer heißen, mit Geld vollgepumpt wurde, von den Konzernen, mit dem ersten transnationalen Konzern IG Farben
an der Spitze, unterstützt wurde, weil er ihnen versprochen hatte: keine lästigen Gewerkschaften, keine lästigen Kommunisten, keine lästigen Wahlen, direkte Diktatur des Kapitals. Nur darum konnte der Schein eines sozialen Staates im Kapitalismus für eine kurze Zeit
erschaffen werden, und zwar als so genanntem Gegenentwurf zum jüdisch-bolschewist. Kommunismus, den es auszurotten galt (und den Faschisten auch noch heute noch gilt!). Das wurde später in der BRD aus genau demselben Grund als so genannte soziale Marktwirtschaft wiederholt.
Den Menschen in der BRD wurde dabei verschwiegen, dass dies durch das Verderben und Ausrauben des afrikanischen Kontinents, das Hungersterben in Afrika geschaffen wurde! Das damals wie heute aus ganz Europa nach Deutschland gepumpte Geld sollte dann als Profite aus den Bodenschätzen und Arbeitssklaven aus der Sowjetunion (heute aus dem Ausrauben der sozialist. Länder, deren billigen, aber dafür hoch qualifizierten Arbeitssklaven, sowie dem Ausrauben, Ausbeuten und Zerstören Russlands) tausendfach zurückfließen. Im Moment erleben wir gerade die groteske Endphase dieses nie aufgebenen Planes der Ausplünderung und Zerstörung Russlands. DAS aber hat seit 800 Jahren (als die Kreuzritter aus Deutschland das erste Mal über Russland herfielen) nie geklappt und es wird nie klappen! Dennoch soll Europa gerade jetzt in den nächsten verheerenden Krieg gestoßen werden.

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