Ohne Vorbehalt
von Edith Stein
Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
leg ich meinen Tag in deine Hand.
Sei mein Heute, sei mein gläubig Morgen,
sei mein Gestern, das ich überwand.
Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen,
bin aus deinem Mosaik ein Stein.
Wirst mich an die rechte Stelle legen.
Deinen Händen bette ich mich ein.
Ein Mut machendes Gedicht zum Neuen Jahr. Edith Stein wurde 1891 in eine jüdisch-orthodoxe Familie geboren und ist 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau umgekommen. Sie ist bekannt als Philosophin, Nonne und Märtyrerin.
Lass blind mich, Herr, die Wege gehen, die deine sind.
🙏❤🙏 Hl. Edith Stein
»lch wage auch von Heiden Entlehntes göttlich zu nennen. Die Wahrheit stammt immer vom heiligen Geist, einerlei, wo und durch wen sie beigebracht wlrd!« Huldrych Zwingli
Es gibt nur zwei Arten von Menschen, die man vernünftig nennen kann: Die einen, die Gott von ganzem Herzen lieben, weil sie ihn kennen, und die anderen, die Gott von ganzem
Herzen suchen, weil sie ihn nicht kennen. Blaise Pascal
»GOTT ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist
und in der Wahrheit anbeten!« Joh.4,24
«Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch
in die ganze Wahrheit führen» Joh 16,13
Der Geist wird euch in die ganze Wahrheit führen
«Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte
des ewigen Lebens.» Joh. 6,68
28 Aphorismen und 2 Gedichte
des Autors Edith Stein
Der Himmel nimmt einem nichts,
ohne es unermeßlich zu vergelten.
Gott erlegt uns keine Prüfungen auf, ohne uns
zugleich die Kraft zu geben, sie zu ertragen.
Je dunkler es hier um uns wird, desto mehr müssen
wir unser Herz öffnen für das Licht von oben.
Wer gesammelt bis in die Tiefe geht, der sieht
auch die kleinen Dinge in großen Zusammenhängen.
Sterben heißt, den Tod am eigenen Leib erfahren.
Uns bleibt die Sehnsucht nach der Fülle des Lebens, bis wir durch
das Tor des Todes eingehen dürfen in das schattenlose Licht.
Edith SteinJüdische Philosophin und Ordensfrau
Edith Stein – Jüdische Philosophin und Ordensfrau
Mein Leben beginnt jeden Morgen neu und endet jeden Abend. Pläne und Absichten
darüber hinaus habe ich keine. Es kann natürlich zum Tagwerk gehören, vorauszudenken, aber eine „Sorge” für den kommenden Tag darf es nie sein.
Übersteigende Sühne
Dazu sei auf einen Gedanken verwiesen, der sich noch einmal Edith Stein verdankt.
Sie wurde 1942 in Auschwitz umgebracht, und doch versuchte sie im Vorhinein eine
Lösung des politisch nicht Lösbaren. Ihr Testament von 9. Juni 1939 spricht von
einer Stellvertretung für andere – von einer Proexistenz für die Gemeinschaft.
Der Schlüsselsatz lautet:
„Schon jetzt nehme ich den Tod, den Gott mir zugedacht hat,
in vollkommener Unterwerfung unter Seinen heiligsten Willen mit Freuden entgegen.
Ich bitte den Herrn, dass Er mein Leben und Sterben annehmen möchte zu Seiner
Ehre und Verherrlichung […]” Nun folgen zwei Bitten für den Karmel und das jüdische Volk, verbunden mit dem Ausdruck „Sühne“, und darauf folgt: „für die Rettung Deutschlands und den Frieden der Welt“, schließlich die Bitte für die Angehörigen.14
Gemeinschaft des Volkes oder der Nation ist in Steins Denken, wie zuvor dargelegt, weit mehr als eine nur zweckmäßige oder formale Sache. Vielmehr: Von der Wir-Gemeinschaft ist jedes Individuum vorgängig getragen und begabt; so verlangt diese Vorgabe sogar im entscheidenden Fall eine Rückgabe. Pro-Existenz wird Folge der Gemeinschaft.
Je tiefer der tragende Sinn der Gemeinschaft empfunden wird, desto tiefer verpflichtend wird das Einstehen für andere. Weit über eine anfänglich sachliche Zugehörigkeit hinaus kann man seine Lebenskraft einsetzen, sogar in einem großen Entschluss Stellvertretung übernehmen – in willentlicher Hingabe. Ein solcher Einsatz bleibt unberechenbar kostbar; er wirkte bei den jungen Menschen der Münchner „Weißen Rose“ 1943, bei den Offizieren des schlesischen „Kreisauer Kreises“ 1944 und vielen bekannten und unbek. Märtyrern
des Regimes15 – sie starben für die Ehre und das „heilige Deutschland“
(so Stauffenberg bei der Hinrichtung).
Auch Edith Stein als neue „Patronin Europas“ (so 1999 ernannt durch Papst Johannes
Paul II.) ist durch Hingabe ihres Lebens zur tragenden Brücke zwischen lange getrennten,
ja feindlichen Fronten geworden – zwischen Deutschen und Polen, zwischen Deutschen und Juden, zwischen Juden und Christen. Sühne ist im Munde Edith Steins kein senti-
mentales Missverständnis, keine überlebte theolog. Vokabel. Sühne ist das unerklärlich
Wirksame im Gewebe des gemeinsamen Daseins. Als Judenchristin war ihr eine Möglichkeit eröffnet, die „die Welt nicht hat“: die Toten zu erreichen, Sühne für die Henker
anzubieten, Heilung für die Opfer zu erbitten. Dank ihrer Proexistenz war noch im Grauen
von Auschwitz Gnade wirksam. Wir Nachgeborenen sind zur dauernden Antwort auf die
Schuld der Vorfahren gezwungen – aber das befleckte Europa ruht auch auf den
Schultern vieler Märtyrer.
Gott schuf den Menschen nach Seinem Bilde. (…)
Wir sollen von diesem Bild so viel in uns aufnehmen, wie wir nur können,
damit es zur inneren Form werde und uns von innen heraus gestalte.
Edith Stein, Bildung und Entfaltung der Individualität, a.a.O., 49.
Was ist die Seele einer Nation? Über Heimat – Nation – Vaterland







