Ostern


Ostern ist da, die Fastenzeit geht zu Ende.
Doch vor das Eiersuchen hat der Herrgott
den Höhepunkt des Fastens gesetzt –
die Karwoche


Die eigentlichen Kartage beginnen
am Donnerstag, dem Gründonnerstag.


Duccio di Buoninsegna
Der Gottesdienst erinnert daran, dass Jesus
beim Abendmahl den Jüngern die Füße wusch.
Petrus lehnte zunächst ab. Da sprach Petrus
zu ihm: „Nimmermehr sollst du mir die Füße
waschen!“ Jesus sagt: „Wenn ich dich nicht
wasche, so hast du kein Teil an mir.“


Leonardo da Vinci, Das Abendmahl
Im Neuen Testament findet am Abend dieses
Tages das letzte Abendmahl statt.


Pascal Dagnan-Bouveret, Das Abendmahl
Dabei teilte Jesus Brot und Wein aus –
seinen Leib und sein Blut, eine Andeutung
seines Opfertods. Zugleich forderte Jesus
die Jünger auf, in Erinnerung an ihn weitere
Abendmahle zu feiern: „Tut dies zu meinem
Gedächtnis!“


Vicente Juan Masip, Das Abendmahl
Die Bezeichnung „Gründonnerstag“ stammt
aus dem 12. Jahrhundert. Das Wort stammt
wahrscheinlich vom Mittelhochdeutschen
„gronan“, („greinen“ – also weinen, klagen,
im Englischen noch erhalten als „groan“).


Fritz von Uhde, Das Abendmahl
Das „Greinen“ spielt vermutlich auf die Tränen
der Büßer an, die an diesem Tag wieder in die
kirchliche Gemeinschaft aufgenommen wurden.


Giotto di Bondone, Gefangennahme
Noch am Abend des Gründonnerstags wurde
Jesus vom Rat der Hohenpriester festgenommen.
Am folgenden Morgen, so berichtet der Evangelist
Markus, wurde er Pilatus vorgeführt.


Antonio Ciseri, Ecce Homo
Die Hohenpriester warfen Jesus Hochverrat vor.
Pilatus erklärte jedoch laut Lukas: „Ich finde
keine Schuld an diesem Menschen. … Darum
will ich ihn schlagen lassen und losgeben.“


Mihály Munkácsy, Christus vor Pilatus
Doch die Hohenpriester überredeten Pilatus,
ihnen Jesus zu übergeben. Matthäus berichtet,
Pilatus habe sich die Hände vor dem Volk
gewaschen und gesagt: „Ich bin unschuldig
an seinem Blut; seht ihr zu!“


El Greco, Jesus trägt das Kreuz
Am folgenden Tag, dem Karfreitag, gedenken
die Christen der Kreuzigung Jesu. Der „stille
Freitag“ leitet die Osterfeierlichkeiten ein.
Für die evangelischen Kirchen ist Karfreitag
der höchste Feiertag im Jahr.


Albrecht Altdorfer, Kreuzigung
Die Bezeichnung „Karfreitag“ kommt aus dem
Althochdeutschen. „Chara“ bedeutete seinerzeit
so viel wie Klage, Trauer. Dem christlichen
Glauben zufolge bringt der Tod Jesu am Kreuz
den Menschen die Erlösung.


Tizian, Adam und Eva
Dies ist die zentrale Botschaft des Christentums:
Jesus – der Erlöser – hat durch seinen Tod am Kreuz
die Schuld der Menschen auf sich genommen.
Im christlichen Verständnis ist der Mensch sündig –
wegen eigener Vergehen, vor allem aber wegen der
Erbsünde.


Raphael, Auferstehung Christi
Drei Tage nach seiner Kreuzigung folgt die
Auferstehung Jesu. Die wird zu Ostern gefeiert,
dem höchsten katholischen Feiertag. Hier gibt
es eine zeitliche und inhaltliche Nähe zum
jüdischen Pessach-Fest; in den meisten
europäischen Sprachen ist diese Nähe spürbar: …


Rubens, Die Auferstehung Christi
… Auf Italienisch heißt Ostern „pasqua“, im
Spanischen ähnlich „pascua“, auf Französisch
„pâques“, im Schwedischen „påskdagen“ und
im Isländischen „páskar“.


Antonio Ca Correggio, Noli me Tangere
Zurück zur biblischen Geschichte: Die Auferstehung
selbst wird im Neuen Testament nicht beschrieben,
Augenzeugen werden nicht zitiert. Erst das von
Maria Magdalena entdeckte leere Grab gibt den
Jüngern einen Hinweis.


Altobello Melone, Auf der Straße nach Emmaus
Am dritten Tag nach seiner Kreuzigung erscheint
Jesus zwei Jüngern, die unterwegs nach Emmaus
sind, einem Dorf in der Nähe von Jerusalem.
Sie erkennen ihn zunächst nicht. Er erklärt
ihnen den Sinn des Opfertods.


Matthias Stomer, Das Abendmahl von Emmaus
In Emmaus laden ihn die beiden zum Abendessen
ein. Da „nahm er das Brot, dankte, brach’s und
gab’s ihnen“, so Lukas. Die beiden Jünger erkennen
ihren Heiland. „Und er verschwand vor ihnen.“
Weitere Auferstehungs-Geschichten gibt es bei
Matthäus und Markus.


Caravaggio, Der ungläubige Thomas
Eine sehr eindrückliche Auferstehungsgeschichte
hat Johannes: Als Jesus den Jüngern erscheint,
ist der Apostel Thomas nicht dabei. Die anderen
erzählen ihm, dass Jesus auferstanden ist, doch
Thomas glaubt ihnen kein Wort. Thomas sagt:
„Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale
sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und
meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht
glauben.“


Martin Schongauer, Der Apostel Thomas
Acht Tage später sind die Jünger wieder versammelt,
dieses Mal ist auch Thomas dabei. Obwohl die Türen
verschlossen sind, steht Jesus mit einem Mal im Raum.
Er geht zu Thomas und sagt: „Reiche deinen Finger her
und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und
lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig,
sondern gläubig!“ Und: „Weil du mich gesehen hast,
Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen
und doch glauben!“


Valentin de Boulogne, Paulus beim Schreiben seiner Briefe
Wie wichtig Ostern für die Christen ist, beschrieb
schon Paulus in einem Brief an die Korinther:
„Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer
Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden;
so sind auch die, die in Christus entschlafen sind,
verloren.“


Wie ein Mensch (Adam) der Menschheit den Tod
gebracht habe, so habe ein Mensch (Jesus) der
Menschheit die Auferstehung gebracht:
„Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden
sie in Christus alle lebendig gemacht werden.“

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