Jesu Gleichnisse

der sämann
Vincent van Gogh – Der Sämann

LEONHARD RAGAZ, Die Gleichnisse Jesu – Seine soziale Botschaft

F.: Warum spricht Jesus in Gleichnissen statt in lehrhafter Prosarede oder in Predigten wie unsere Pfarrer? A.: Er ist eben kein Pfarrer – es ist da ein Unterschied! Es tut sich in der Gleichnisrede die göttliche Volkstümlichkeit des Reiches Gottes kund. Die Pfarrer aber kommen mehr oder weniger vom Dogma und von der Theologie her. Man erkennt schon an dieser einen Tatsache der Gleichnisrede, wie wenig Jesus und das Reich Gottes mit Theologie und Dogma zu tun haben. Das Gleichnis zeigt auch die Weltlichkeit des Reiches Gottes. Es hat nichts mit Religion zu tun, es ist Welt, es ist Natur, und so ist ja auch das Reich Gottes. Er bringt Gottes Wesen, Wollen und Walten den Leuten nahe, aber er drängt es ihnen nicht auf. Die, welche es fassen können, sollen es fassen, die einen mehr, die anderen weniger, alle in Freiheit; die übrigen sollen es eben lassen. Gott drängt sich nicht auf. Im übrigen ist zu bedenken, dass Jesus in seinen Gleichnissen durchgehend Paradoxien wählt und mit pädagogischer Absicht Anstößigkeiten hineinbringt. Das ist der Stachel, womit sie in die Gemüter eingedrungen sind; damit werden sie der ewige Anstoss der Welt, der sie zur Wahrheit aufweckt. Zur Wahrheit, die ja auch paradox und anstössig ist.

Öl ins Feuer

 

 

 

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