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getan habt, das habt ihr mir getan! …

Ich wählte zwölf einfache Männer, ungebildet
und unkundig der Heiligen Schrift, arme Fischer.

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Leonhard Ragaz, Die Bibel eine Deutung Jesus
„In jener Stunde begann Jesus und sprach: Ich danke dir, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dieses vor den Weisen und Klugen (den Gebildeten und Intellektuellen) verborgen und es den Naiven (den Ungeschulten) offenbart hast. Ja, Vater, so ist es dein Wohlgefallen gewesen“ (Matth. 11, 25 ff.).
Nicht die Theologie ist der Weg zu Gott, sondern das „reine Herz„, nicht die Mystiker und Theosophen schauen ihn, sondern die Kinder. Gott und das Volk kommen wieder zusammen. Jesus ist die Aufhebung der Theologie, wie er die Aufhebung des Tempels und des Gesetzes ist. Er ist aber auch auf dieser Linie Aufhebung als Erfüllung. Denn in ihm wird, wie Johannes so gewaltig und so einfach zusammenfaßt, das Wort Fleisch. In ihm tritt Gott selbst hervor als Herr und Vater. In ihm wird Gott Mensch und dem Menschen als solchem verständlich. Vor ihm versinkt alle Last des Religionswesens:
„Kommet her, Alle, die ihr [durch Theologie, Kirche, Frömmigkeit und alles Religionswesen] mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11, 28 ff.).
Und nicht nur die dogmatische Theologie ist bei ihm aufgehoben, sondern auch die Schriftgelehrsamkeit in dem schlimmen Sinne, den diese meistens im Evangelium hat.
Die Stellung Jesu zur Bibel d. h. zu den heiligen Schriften des Alten Testamentes wird wenig beachtet und ist doch hochbedeutsam. Jesus zeigt nirgends eine dogmatische Gebundenheit an eine „Schrift“. Sie ist ihm nirgends die Autorität, auf die er sich als letzte Instanz beriefe. Sie ist ihm nirgends „das Wort Gottes“. Er beruft sich auf Moses und die Propheten, aber nie auf den Bibelbuchstaben. Das „Zu den Alten ist gesagt; ich aber sage euch“ bezieht sich auch auf die „Schrift“. Er lebt nicht aus einem heiligen Buch, sondern aus dem lebendigen und gegenwärtigen Gott. Jesus steht in der Freiheit des Sohnes auch über der Bibel.
Und so sollen Alle tun, die durch ihn Söhne Gottes geworden sind.

Die gefälschte Bibel – Die Veränderungen um der Macht willen

Die Erneuerung der Schweiz
Ebensowenig als eine Theokratie im Sinne einer religiösen Zwangsherrschaft ist das was wir wollen eine B i b l i o k r a t i e in dem Sinne, als ob wir die Neugestaltung der Welt aus Gott aus Bibelstellen ableiten und daraus ein Programm machen wollten. Nur aus dem
G e i s t e der Bibel kann das geschehen, der aber ist der Geist des l e b e n d i g e n Gottes und seiner F r e i h e i t.

Wozu wir die Bibel brauchen

Ich spreche dafür, die Bibel zu benutzen, sie miteinander zu lesen, sie miteinander auszulegen, dieses Geschäft nicht allein den Pfarrern zu überlassen, sondern die Bibelexegese endlich zu demokratisieren, so daß wir vielleicht in solche Zustände kommen, wie sie Ernesto Cardenal in seinem Buch »Das Evangelium der Bauern von Solentiname« beschreibt.
Damit möchte ich etwas sagen gegen den herrschenden »Bibel-Relativismus«.
Es gibt ganz viele Leute, die sagen einem: »Ach, wissen Sie, aus der Bibel kann man doch alles beweisen. Da steht doch was drin für den Krieg und gegen den Krieg. Gott war auch zeitweise ein Krieger und ist vorangezogen. Da gibt es Verfluchungen und Haß gegen die Feinde.« Ich möchte ein paar Beispiele bringen, wie akademische Theologie heute mit der Bibel verfährt. Ich habe in einem Gespräch mit einem führenden Theologen zu hören bekommen: »Auf welchen Propheten sollen wir hören, Frau Sölle? Sie kennen sicherlich das Wort des Propheten Joel: >Schmiedet eure Pflugscharen zu Schwertern und eure Rebmesser zu Spießen.< Ich bin dem Dilemma, welchen Weg wir gehen sollen, nicht enthoben.
Unsere eigene Entscheidung wird uns durch solche Zitate doch nicht abgenommen.«
Ich war entsetzt, daß ein ernsthafter Theologe eine solche Bemerkung machen kann, daß er also, vollkommen blind für die Realität, in der wir leben, einfach sagt: »Na ja, da steht dies drin und auch das drin«, also diesem »Bibel-Relativismus« huldigt. Das kann man natürlich nur dann tun, wenn man keine Interessen mit der Bibel hat, also keine Praxis mit ihr verbindet, wenn man sie eigentlich gar nicht braucht, sondern sie als irgendein Forschungsobjekt behandelt, sie in diesem Sinne wissenschaftlich objektiviert. Andere versuchen, die historisch-kritische Methode dazu zu benutzen, die Bergpredigt zu entschärfen. Natürlich sei sie ja gar nicht von Jesus, sie sei erst hinterher zusammengestellt. Das wissen wir alle, aber die Frage ist doch, welchen Gebrauch ich von dieser Einsicht mache. Für viele ist das eine Relativierung, als wollten sie damit sagen: »So ernst kann man sie doch nicht nehmen, wir müssen da erst mal gründlich forschen, und ihr naiven Pazifisten, die ihr einfach die Bergpredigt zitiert, so geht das nicht. Das ist unsere Bergpredigt, die gehört uns, der historisch-kritischen Forschung. Ihr könnt sie nicht einfach in eure dreckigen Hände nehmen und damit irgend etwas Praktisches anfangen, das ginge ja viel zu weit.« Diese Position, die da vertreten wird, wendet sozusagen die historisch-kritischen Einsichten gegen die Sache der Bergpredigt an. Das ist eine unglaubliche Korruption, die mit der Wissenschaft vor sich geht. Diesen Bibel-Relativismus finde ich gefährlich.
Es ist nicht wahr, daß die Bibel alles sagt. Die Bibel hat eine Mitte, die wir immer wieder finden müssen. Luther sagte: »Wir müssen sehen, ob die Bibel Christum treibet«, das heißt, ob sie wirklich Christus bezeugt.
Und ich bin überzeugt davon, daß der Apostel Paulus, als er den korinthischen Frauen empfahl, ihre Haare zu bedecken, nicht gerade Christus trieb, sondern seine patriarchalen Vorstellungen. Aber das bringt mich doch nicht auf den Gedanken, daß man alles mit der Bibel beweisen kann.
Man kann die Notwendigkeit der Aufrüstung nicht mit der Bibel beweisen, aber man kann in der Tat klarmachen, was die Tendenz der Bibel ist, was die Hoffnung der Bibel ist, was das Versprechen, die Offenbarung der Bibel ist, und dazu gehören nicht die Offenbarungen des Patriarchats.
Wir können von den Theologen erwarten, daß sie Klarheit schaffen und nicht irgendein relativistisches Zeug von sich geben. Ich glaube, die Grundschwierigkeit dabei ist der Mangel an Praxis.
Es besteht ein Verhältnis zwischen der Praxis, die wir tun in unserem Leben, und der Bibel. Und wenn dieses Verhältnis gestört ist, dann ist die ganze Sache zerstört. Ich möchte drei Modelle des Umgangs mit der Bibel vorstellen:
Es gibt ein traditionelles Modell
, das wir im Protestantismus oft hören: Wir stellen uns unter das Wort. Das Wort ist also oben, wir sind unten. Dabei ist das Wort Gottes unbefragt, es ist autoritär; wo immer man es aufschlägt, da stimmt es. Das ist ein Modell der Tradition, das ich für erledigt halte, eine absolute biblizistische Gläubigkeit, die aus der Bibel einen Fetisch macht oder, um es mit Paulus zu sagen, den Geist mit dem Buchstaben verwechselt.

Es gibt natürlich Menschen, die das auch heute noch tun; denken Sie an das Wachsen der evangelikalen Gruppen, deren Verhältnis zur Bibel weitgehend biblizistisch ist.
Es gibt ein zweites, modernistisches Modell
, das vielleicht vor zehn Jahren innerhalb der Theologengeneration der sechziger Jahre noch etwas mehr im Schwange war, in der wir über dem Wort standen und die Bibel lediglich zum Beweis herangezogen wurde, aber man brauchte sie nicht wirklich, die gute wirtschaftliche und politische Analyse oder sozialpolitische Analyse tat es eigentlich schon. Man brauchte die Bibel mehr zur Legitimation des Zusammenkommens in einem Kirchenraum. Ich habe sehr viele Konflikte dieser Art erlebt in der Gruppe des Politischen Nachtgebets, in der Leute mit uns zusammengearbeitet haben, die sagten: »Über Indonesien weiß ich gut Bescheid, aber wie ihr das mit der Bibel verbinden wollt, versteh‘ ich nicht. Das könnt ihr allein machen.« Und dann haben wir mit diesen Leuten zu arbeiten versucht, weil wir an eine Ökumene aus Christen und Nicht-Christen glaubten. Wir haben versucht, sie davon zu überzeugen, daß bestimmte Dinge durch den Gebrauch der Bibel klarer werden. Wir haben zum Beispiel ein Gebet vorgeschlagen und gesagt: »Könntest du das öffentlich vorlesen?« Das war eine großartige Erfahrung für uns, weil es immer wieder vorgekommen ist, daß Leute, die der Bibel, dem Christentum und erst recht dem Beten negativ gegenüberstanden, nun sagten: »Das paßt ja genau, das ist genau das, was ich sagen wollte, ja unbedingt!« Es war also für sie ganz erstaunlich, wie die Bibel spricht. Und alles, was ich am Anfang sagte über eine fremde Sprache, die die Dinge etwas anders sagt, so daß wir anders zuhören, daß wir auch anders betroffen sind, kam da zum Tragen. Ich kritisiere hier das modernistische Modell, bei dem die Bibel gelegentlich beliebig herangezogen wird, man aber wesentlich bibelfrei lebt, weil man die Bibel nicht aus ihrer Praxis versteht. Wenn es in dem ersten, autoritären Modell darum geht, daß wir unter dem Wort stehen, und im antiautoritären Modell darum, daß wir über dem Wort stehen, so geht es in dem Modell der Befreiungstheologie, die wir miteinander lernen wollen, darum, daß zwischen der Bibel und uns ein Dialog entsteht. In einem Dialog gibt es keine Autorität, jeder wirkliche Dialog ist herrschaftsfrei. Der Dialog findet so statt, daß unsere Praxis sich an der biblischen Praxis mißt, daß wir dieses Fremde in der Bibel hören, daß wir uns in Frage stellen lassen in unserer Praxis, daß wir die Unerbittlichkeit der biblischen Forderungen hören und zugleich auch die Verlockung, die darin besteht, daß die Bibel ja nicht andauernd sagt: »Du sollst, du mußt«, sondern sie sagt: »Du bist reicher, wenn du mehr Freunde hast, wenn du deine Feinde zu Freunden machst; das Leben ist schöner, wenn
du so lebst, wie Jesus es sagt.« Es ist eine Einladung zum wirklichen Leben.

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