Sabine Böhm / Barbara Stühlmeyer
In einem Meer von Licht
Heilende Gesänge der
Hildegard von Bingen
O choruscans lux stellarum –
Blitzendes Licht der Sterne
O blitzendes Licht der Sterne,
o edelste Frau,
vertraut mit dem Brautgemach des Königs,
funkelnder Siegelring!
Du bist geschmückt in jener hohen Frau,
deren Wesen nicht mit Finsternis übergossen ist.
Du bist sogar Gefährtin der Engel
und Mitbürgerin der Heiligen.
Fliehe, fliehe die Höhle des alten Verderbers
und komm, komm zurück in den Palast des Königs.
O ignis spiritus – Du Tröster Geist
O Feuer, Geist, Tröster,
Leben des Lebens aller Welt,
heilig bist Du, Du belebst die Geschöpfe.
Heilig bist Du, Du salbst die gefährlich Geschwächten,
heilig bist du, Du reinigst die stinkenden Wunden.
Belebender Raum der Heiligkeit,
Feuer der Liebe,
stärkster aller Wege, der alles durchdringt,
in den höchsten Höhen, auf der Erde und in allen Tiefen.
Du vereinigst alles.
Durch Dich ergießen sich die Wolken, fliegt die Luft,
haben die Steine Feuchtigkeit, bildet das Wasser Bäche
und bringt die Erde lebendiges Grün hervor.
Du erziehst auch die Gelehrten und machst sie glücklich
durch weise Inspiration.
Darum sei Dir Lob,
der Du der Klang des Lobes bist und die Freude des Lebens
und die Hoffnung und große Ehre.
Du bist die Gaben des Lichtes.
Jerusalem
O Jerusalem, goldene Stadt,
geschmückt mit dem Purpur des Königs,
o Bauwerk höchster Güte, du bist Licht, das nie dunkel wird.
O glückliche Kindheit, du leuchtest im Morgenrot auf
und lobwürdige Jugend, du brennst in der Sonne.
Denn du, Rupert, den wir kennen,
leuchtest darin auf wie ein Edelstein.
Du kannst nicht verborgen bleiben vor den Menschen,
so wie der Berg vom Tal nicht verdeckt wird.
Deine Fenster, Jerusalem,
sind mit Topas und Saphir wunderbar geschmückt.
In ihnen leuchtest du, Rupert,
und kannst den verkommenen Lebensformen
nicht verborgen bleiben, so wie der Berg nicht dem Tal,
wenn er geschmückt mit Rosen,
Lilien und Purpur sich offen zeigt.
O zarte Blume des Feldes und Lebenskraft der süßen Frucht
und leichte Last, die die Herzen nicht in Schuld beugt.
In dir klingt der Heilige Geist, weil du Gemeinschaft hast mit
den Chören der Engel, und weil du im Sohn Gottes
geschmückt bist, bist du makellos schön.
Schindlers List Ending – Jerusalem of Gold
Schindler’s List Jerusalem of Gold Yerushalayim Shel Zahav
Jerusalem of Gold – Yerushalayim shel Zahav -Ofra Haza- with English Lyrics
Shuli Natan „Yerushalayim Shel Zahav“ (Jerusalem of Gold)
Yerushalayim Shel Zahav – Ofra Haza (Live)
Shuly Nathan – Yerushalayim shel zahav (live in France, 1968)
Raumsonde „Solar Orbiter“ auf Mission zur Sonne
Lesen im Buch der Natur
Caritas –Liebe
Die Liebe überflutet alles
von den Tiefen bis zu den höchsten Sternen
und sie ist voller Liebe zu allen,
weil sie dem höchsten König
den Kuss des Friedens gab.
Spiritus – Geist
Heiliger Geist,
Leben spendendes Leben,
alles bewegend ist er die Wurzel aller Schöpfung,
er reinigt alles von Schmutz,
sühnt die Verbrechen und salbt die Wunden
und so ist er leuchtendes und rühmenswertes Leben,
aufrichtend und wieder erweckend alles.

Symphonia
Gedichte und Gesänge
Lateinisch und Deutsch
O pulchrae facies
O pulchrae facies deum aspicientes
et in aurora edificantes,
o beate virgines, quam nobiles estis!
In quibus rex se consideravit,
cum in vobis omnia celestia ornamenta
presignavit. Ubi etiam suavissimus hortus estis
in omnibus ornamentis redolentes.
Ihr Schönen ihr
Ihr Schönen ihr, wie strahlt euer Antlitz
die ihr euch im Frührot erhebt, um Gott zu schaun!
O glückselige Jungfraun, wie so edel seid ihr!
In euch erschaute der König sich selber,
Er, der eingesiegelt hat, in euer Wesen
alle Schönheit des Himmels.
Ein köstlicher Garten seid ihr, voll Lieblichkeit,
duftend und widerduftend im Schmucke lebendiger Schöne!
Schöne Gesichter
O schöne Gesichter, ihr schaut Gott und baut im Morgenrot,
o glückliche Jungfrauen, wie kennbar seid ihr.
In euch hat der König sich selbst betrachtet,
weil er alle Schönheit des Himmels in euch vorgezeichnet hat,
deshalb seid ihr der angenehmste Garten, duftend in aller Schönheit.
Renaissance Instrumental Music (Josquin)
Jesuskind mit sich fortgetragen hätten können.
-hl.Pfarrer von Ars
Das Firmament ist der Thron aller Schönheit, wie auch der Mensch seinen Thron hat,
die Erde nämlich.
Die Ewigkeit gleicht einem Rad, das weder Anfang noch Ende hat.
Gott kann nicht geschaut werden, sondern wird durch die Schöpfung erkannt.
Jedes Geschöpf ist mit einem anderen verbunden, und jedes Wesen wird durch ein
anderes gehalten.
Die Liebe hat den Menschen erschaffen, die Demut hat ihn erlöst.
Gott hat bei der Bildung des Menschen Seine verborgenen Geheimnisse in ihn verschlüsselt, da der Mensch im Wissen, im Denken und im Wirken zum Gleichbild Gottes gemacht wurde.
Der Mensch sollte alle seine Werke zunächst einmal in seinem Herzen erwägen, bevor er
sie ausführt.
Die Gräslein können den Acker nicht begreifen, aus dem sie sprießen.
Durch das Wort, das der Lebensquell selber ist, kam die umarmende Mutterliebe Gottes hernieder. Sie nährte uns zum Leben. Sie steht bei uns in der Gefahr.
Als das Wort Gottes erklang, da erschien dieses Wort in jeder Kreatur, und dieser Laut war das Leben in jedem Geschöpf.
Im Herzen wird das Denken des Menschen geordnet und der Wille großgezogen.
Drei Pfade hat der Mensch in sich, in denen sich sein Leben tätigt: die Seele, den Leib
und die Sinne.
Wenn der Mensch das Rechte ergreift, verlässt er sich selbst, kostet die Tugend und trinkt. Er wird davon gestärkt, wie die Adern eines Trinkenden voll Wein werden.
Alles, was durch die Weisheit hervorgegangen ist, lebt in ihr wie ein reiner und einzig
schöner Schmuck und strahlt im lautersten Glanz seines Wesens.
Jedwede Kreatur hat einen Urtrieb nach liebender Umarmung.
Mitten im Weltenbau steht der Mensch. An Statur ist er zwar klein, an Kraft seiner Seele
jedoch gewaltig.
Hüte dich, o Mensch, höher emporzusteigen, als deine Kraft dich zu tragen vermag.
Die Seele spricht: Ich bin berufen, die Genossin der Engel zu sein, weil ich der lebendige Hauch bin, den Gott in den trockenen Lehm entsandte.
Wenn die Sonne ihre Strahlen verbirgt, zieht auch die Welt ihre Freude zurück.
Denn der Seele Freude ist es, im Leibe wirksam zu sein.
Der Mensch hat nicht die Macht, von Gott zu sprechen wie von der Natur des Menschen
und wie von der Farbe eines von Menschenhand geschaffenen Werkes.
Der Mensch weiß wohl um das Gute, auch wenn er es nicht tut.
Dein Schöpfer hat dir den besten Schatz gegeben, einen lebendigen Schatz:
deinen Verstand.
Ich sitze mit größter Sehnsucht am Throne Gottes und umarme in Treue alle Seine Werke. Ich vollende alle guten Taten und ziehe die ganze Welt an mich, so spricht die Hoffnung.
Die Liebe und die Vorsehung Gottes stimmen ganz und gar überein.
Wer seinem Gott vertraut, wird auch den Bestand der Welt ehren … Einen anderen Halt hat der Mensch nicht.
Ein jeder spürte, dass hinter der Natur und in der Natur ein Geheimnis steht – Gott.
Die meisten hatten Gott nicht erlebt oder ihn durch den Kriegsrausch verloren.
Wenn wir in der Natur zusammen waren, spürten wir etwas von einem wahren Suchen nach dem unbekannten Gott und eine große Ehrfurcht vor ihm. Emmy Arnold (1884 – 1980)
„Als aber Gott den Menschen anblickte, gefiel er ihm sehr, weil er ihn nach dem Gewand seines Abbilds und nach seinem Gleichnis geschaffen hatte, damit er mit dem vollen Ton seiner vernünftigen Stimme alle Wunderwerke Gottes verkünde. Der Mensch ist nämlich das vollkommene Wunderwerk Gottes, weil Gott durch ihn erkannt wird und weil Gott alle Geschöpfe seinetwegen erschaffen hat. Ihm hat er mit dem Kuss der wahren Liebe gestattet, durch seine Vernunft ihn zu preisen und zu loben.“
Hl.Hildegard v. Bingen
«Oh, wie schön ist die geistige Welt! Sie ist so wirklich, dass im Vergleich dazu
das äußerliche Leben nichts ist als leere Illusion und Ohnmacht» ❤
Hl. Faustyna (TB. Nr. 884)!“
Aufstehen hat seine Zeit
Aufzeichnungen aus der Werkstatt
von Sr. Christamaria Schröter
„… ihn setzte man täglich vor die Tür des Tempels“
Apostelgeschichte 3,1–26
„Um die neunte Stunde zur Gebetszeit“ wird ein Gelähmter herbeigetragen. Hat er schon im Mutterleib das Sterben gelernt? An die Erde gebunden, ins Betteln verkrümmt – in Abhängigkeiten ohne eigenes Lebensrecht – ist er angewiesen auf Rechte, die ihm andere
zugestehen.
Der ganze Mensch: ein verformter Fuß, der nicht gehen kann. Seine Hilflosigkeit steht im krassen Gegensatz zu der „Tür des Tempels, die da heißt die Schöne“.
Gott handelt behutsam an diesem täglich Ausgesetzten. Er kennt die Zeit seiner Heilung. Ein warmer Regen umfasst die elende Gestalt. Verstehende Blicke. Gelähmtes kann allmählich aufgebogen werden im Licht jener Tür, die Gott ihm durch Menschen öffnen will.
Im Aufschauen beginnt Heilung.
Im Wegsehen von Tatsachen, die das Dasein erstarren lassen.
Im Sich-Anbinden an den Namen, der über alle Namen ist: Jesus Christus. In diesem Namen bricht für den Gelähmten die Zeit des Gehens an. Er wird zum strahlenden Zeugen dessen, der zum Leben erweckt.
J. Kirk Richards, Winged Figure, Papier, Latexfarbe,
Acrylicfarbe, Kaffee, Holzleim, Eisen und Rost, 2021.
Über Engel
Ein mittelalterlicher Heiliger und ein Jesuiten Märtyrer erinnern uns daran,
dass unsere unsichtbaren Beschützer immer in unserer Nähe sind.
von Alfred Delp und Bernard of Clairvaux
Wenn ich in meiner Zelle auf und ab gehe, drei Schritte hin und drei Schritte her, die Hände in Eisen, vor mir das ungewisse Schicksal, dann verstehe ich ganz anders als sonst die alten Verheißungen vom kommenden Herrn, der erlösen und befreien wird. Und immer kommt mir dabei in die Erinnerung der Engel, den mir vor zwei Jahren zum Advent ein guter Mensch schenkte. Er trug das Spruchband: Freut euch, denn der Herr ist nahe.
Den Engel hat die Bombe zerstört. Den guten Menschen hat die Bombe getötet und ich spüre oft, daß er mir Engelsdienste tut. Der Schrecken dieser Zeit wäre nicht auszuhalten – wie überhaupt der Schrecken, den uns unsere Erdensituation bereitet, wenn wir sie
begreifen -, wenn nicht dieses andere Wissen uns immer wieder ermunterte u. aufrichtete, das Wissen von den Verheißungen, die mitten im Schrecken gesprochen werden und
gelten. Und das Wissen von den leisen Engeln der Verkündigung, die ihre Segensbotschaft sprechen in die Not hinein und ihre Saat des Segens ausstreuen, die einmal aufgehen wird mitten in der Nacht. Es sind noch nicht die lauten Engel des Jubels und der Öffentlichkeit und der Erfüllung, die Engel des Advent. Still und unbemerkt kommen sie in die Kammern und vor die Herzen wie damals. Still bringen sie die Fragen Gottes und künden uns die Wunder Gottes, bei dem kein Ding unmöglich..
Aufzeichnungen aus dem Gefängnis, Gesammelte Schriften, Band 4,
(Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau, 1994, 2019), 151f
Sei achtsam (Eph. 5:15); Engel sind überall in deiner Nähe, wie Gott ihnen aufgetragen hat, auf all deinen Wegen. Wo du auch sein magst, hab Ehrfurcht vor deinem Engel.
Würdest du es wagen, in der Gegenwart eines Engels etwas zu tun, was du in meiner
Gegenwart nicht tun würdest? Zweifelst du an der Gegenwart des Engels, den du nicht siehst? Was wäre, wenn du ihn hören würdest? Was wäre, wenn du ihn berühren würdest? Was wäre, wenn du ihn riechen würdest? Beachte, dass die Anwesenheit von etwas nicht nur auf der Grundlage des Sehens festgestellt wird. Nicht einmal alle körperlichen Dinge sind dem Sehen unterworfen. Wie weit sind dann spirituelle Dinge, die mit spirituellen
Sinnen aufgespürt werden müssen, von allen körperlichen Sinnen entfernt?
Wenn du über den Glauben nachdenkst, findest du eine positive Zustimmung
zur Anwesenheit von Engeln, einen Beweis dafür, dass sie niemals abwesend sind.
Ich bereue es nicht zu sagen, dass der Glaube die Existenz von Engeln mit Zustimmung
betrachtet, da der Apostel den Glauben als „die Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht“ definiert (Hebr. 11,1). Sie sind also anwesend, und zwar nicht nur bei dir, sondern auch für dich. Sie sind zugegen, um dich zu beschützen; sie sind zugegen, um dir zu nützen.
Angelic Spirituality: Medieval Perspectives on the Ways of Angels, translated and introduced by Steven Chase (Paulist Press, 2002), 117–119. Übers. aus dem Engl.
Ангел, милый, прилетай.
Ты мне сказку почитай.
Мне поведай, что Добро
Победило в мире зло.
Расскажи мне о любви
Без предательств.
Вопреки.
Подари Душе покой.
От обид меня укрой.
Светлых снов мне пожелай.
Я прошу – не улетай,
Ты меня не покидай…
Анна Лакруа
Художник Виктор Низовцев
Engel Baby, flieg rein.
Du hast mir ein Märchen vorgelesen.
Sag mir, dass es gut ist
Das Böse hat die Welt erobert.
Erzähl mir von Liebe
Ohne Verrat.
Trotzdem.
Gib deiner Seele Ruhe.
Halte mich vor Schmerzen.
Wünsche mir süße Träume.
Ich flehe dich an, flieg nicht weg
Verlass mich nicht…
Anna Lacroix
Künstler Viktor Nizowtsev
Мороз и солнце
Art credit / Simeon Nijenhuis
Nicht mehr lange… bald wird es wieder warm!
Was es bedeutet ein Sohn Gottes zu sein
Thomas Traherne möchte, dass Sie die Welt genießen.
Centuries of Meditations
von Grace Hamman
„O was für ein Schatz ist jeder Sand, wenn man ihn wirklich versteht!
Wer kann etwas, das Gott geschaffen hat, zu sehr lieben?“
Details von vier Buntglasfenstern von Thomas
Denny (2007) für die Kathedrale von Hereford,
die das Leben von Thomas Traherne würdigen.
Auf der Suche nach Glück bleiben wir von einer tiefsitzenden Unzufriedenheit geplagt.
Viele haben unser Unwohlsein als Folge eines Übermaßes an Begierden diagnostiziert,
insbesondere im Konsumverhalten. Wir wollen und wollen; wir verschlingen andere
und unsere Begierden verschlingen uns. In Centuries ermutigt Traherne zur Begierde:
„Du musst wie ein Gott begehren, damit du wie Gott zufrieden sein kannst.“
Erstaunlich genug! Aber er führt weiter aus: „Unersättlichkeit ist gut, aber nicht Undankbarkeit.“ Könnte es sein, dass unsere Freude an Gott und seiner Welt ebenso lau ist wie oft unser Gebet und unsere Reue? Traherne argumentiert, dass wir entgegen unserer wahren Natur zu kümmerlichen Liebhabern der Schöpfung geworden sind. Da wir nach dem Bild Gottes geschaffen sind, der die Welt allein aus Liebe erschaffen hat, wird uns keine endliche Liebe genügen. Wir müssen wieder lernen, uns an Gott und seiner Schöpfung zu
erfreuen. Hören wir auf, uns mit armseligen Ambitionen und billigen Spielzeugen zu
beschäftigen. Lernen wir, wie ein Gott zu begehren und uns wie eine Gottheit zu
erfreuen.
Die Freude des jungen Traherne an der Welt begann schon früh. Er schreibt von
einer verzückenden Vision, die er hatte, als er vom Stadttor aus in die Ferne blickte.
„Der Staub und die Steine der Straße waren so kostbar wie Gold“, schreibt er; die Bäume „entrückten und verzückten“ ihn mit ihrer „Süße“. Junge Männer waren „glitzernde und funkelnde Engel“, Mägde „seltsame seraphische Stücke des Lebens und der Schönheit“, und die herumtollenden Kinder auf den Straßen „waren bewegliche Juwelen“.
In Centuries verband der erwachsene Traherne die Freude der Kinder in Gottes
Universum mit dem Gebot Christi umzukehren und wie kleine Kinder zu werden,
um so das Reich Gottes zu erlangen (vgl. Mt 18,3).
Doch diese Sichtweise hielt nicht an. Traherne beschreibt, wie er mit zunehmendem
Alter lernte, Schätze zu suchen, die Adam und Eva ursprünglich unbekannt waren:
soziale Unterschiede, irdische Macht, Gold und Silber. Traherne bezeichnet diese Zeit
als seine „Apostasie“. Die gute menschliche Unersättlichkeit, die durch solche „spärlichen
und rohen, unzureichenden … kleinen, unbeständigen und nutzlosen Schätze“
nicht gestillt werden kann, wird zur Last. Alle Menschen lernen, diese
„Last der erfundenen Wünsche“ mit sich herumzuschleppen.
Im Alter von 15 Jahren trat Traherne in das Brasenose College in Oxford ein.
Durch das Lernen kehrte seine Freude zurück. In Geometrie und Astronomie, in Metaphysik und Theologie „erkannte ich, dass es in dieser Welt Dinge gab, von denen ich nie geträumt hatte; herrliche Geheimnisse und herrl. Gestalten, die jede Vorstellungskraft überstiegen“. Diese Schätze brachten dem jungen Mann eine neue Erkenntnis:
Wahres Glück, die Kunst, Gott und die Menschheit zu lieben, erfordert sorgfältige
Aufmerksamkeit für das, was existiert. Die mühelose Wertschätzung eines Kindes
für die Welt muss in eine freudvolle Kunst und Lehre verwandelt werden.
Traherne wurde ein Schüler des Glücks: „Ich werde zunächst viel Zeit damit verbringen, das Glück zu suchen, und dann noch viel mehr Zeit damit, es zu genießen.“ Er lehrt, dass alle Christen dazu berufen sind, „göttliche Philosophen“ zu werden, die aktiv das wahre Glück des Lebens in Gott suchen.
Detail aus einem Glasfenster von Thomas Denny,
über das Leben von Thomas Traherne,
Hereford Cathedral, 2007.
Traherne selbst hörte nie auf zu staunen. Er erwarb seinen Bachelor of Arts und wurde
zum Priester der Church of England geweiht. Im Jahr 1661 wurde er Pfarrer der Gemeinde Credenhill außerhalb von Hereford. Nach acht Jahren verließ er die Gemeinde, um Privatkaplan von Sir Orlando Bridgeman, Lord Keeper of the Great Seal, zu werden. Zu dieser Zeit begann er mit der Arbeit an seinen Centuries, einem Liebesbrief und spirituellen Leitfaden für diejenigen, die er zurückließ. Traherne schrieb Gedichte und Gebete, veröffentlichte
seine Universitätsstudien, verfasste eine Christian Ethicks (Christliche Ethik) u. unternahm weitere Projekte. Aber es sind die Centuries, die uns am meisten ansprechen.
Eine gefallene Welt um ihrer selbst willen zu genießen, ist ein Akt der Absicht und Aufmerksamkeit. Traherne argumentiert in The Fourth Century, dass das Wissen darüber, was einen Menschen in einem Zustand perfekter Gesundheit u. stabiler Regierung glücklich machen würde, nutzlos ist. Alle müssen lernen, das zu schätzen, was hier und jetzt vorhanden ist. Die einzigen dauerhaften Prinzipien sind diejenigen, „die einen Menschen nicht nur in
Frieden, sondern auch im Blut glücklich machen“. Notwendige Worte für ein Volk, das
sich noch immer von einem Bürgerkrieg erholte – und für uns. Wie können wir uns
inmitten von Leid und Verlust wie Kinder freuen?
Traherne schreibt über den Körper als Tor zur Ewigkeit: jetzt, nicht erst in unserem Tod. Durch unseren Körper empfangen wir die Gaben der geschaffenen Welt. Wenn wir den Duft einer Bienenwachskerze riechen, frisch gebackenes Brot schmecken, den Boden unter
unseren Füßen spüren, während wir gehen, begegnen wir greifbar einer unendlichen
Liebe, die die Freiheit und Fähigkeit zur Liebe in uns weckt.
Da wir nach dem Bild Gottes geschaffen sind, der die Welt allein
aus Liebe erschaffen hat, wird uns keine endliche Liebe genügen.
Gott liebt niemals abstrakt, erinnert uns Traherne. Er liebt das Besondere. Er freut
sich über die aufgebrachte Kanadagans, der ich heute Morgen begegnet bin; er liebt Sie.
Thomas Traherne starb 1674 im Alter von 37 Jahren. Er hatte den Vorsatz verwirklicht,
den er in The Third Century geschrieben hatte: „Ich werde alles schätzen, was ich habe:
Und nichts soll mir weniger wert sein, weil es sehr gut ist. Eine tägliche Freude wird mir mehr Freude bereiten, weil sie beständig ist. Eine gewöhnliche Freude ist mir mehr ein Vergnügen, weil sie gewöhnlich ist. Denn alle Menschen sind meine Freunde. Und alles wird bereichert, wenn ich ihnen diene.“
Über die göttliche Natur
Ein Kirchenvater und ein irischer Priester helfen uns,
das Heilige um uns herum zu erkennen.
von Herbert McCabe und Augustinus von Hippo
Herbert McCabe
Die erstaunliche Lehre des Christentums ist jedoch, dass Gott sozusagen das Nächstbeste getan hat. Er konnte den Menschen nicht von Natur aus göttlich machen, aber er hat ihm die Göttlichkeit als Geschenk gegeben. Das nennen wir Gnade. Wir haben tatsächlich Anteil an der göttlichen Natur, wir verhalten uns tatsächlich wie Gott, aber nicht von Natur aus. Wir können tun, was Gott tut, aber bei Gott ist das natürlich, bei uns nicht – wir nennen
es übernatürlich.
So wie es für ein Pferd übernatürlich wäre, ein Gedicht zu schreiben, so ist es für einen Menschen übernatürlich, sich wie Gott zu verhalten. Das bedeutet, dass unsere Göttlichkeit immer eine Überraschung bleiben muss, etwas ewig Erstaunliches. Wir würden uns
niemals daran gewöhnen und sagen können: „Nun, das ist doch ganz natürlich.“
Dies sind die größten Wunder, dies sind die wunderbaren Zeichen. Wenn wir weiterhin
diese Zeichen wirken, werden wir selbst dadurch zu großen und bewundernswerten
Menschen werden, alle Bösen zur Tugend bekehren und das kommende Leben genießen;
mögen wir alle dies erreichen durch die Gnade und Menschenliebe unseres Herrn
Jesus Christus, dem Ehre und Macht sei in alle Ewigkeit.
Faith Within Reason, herausgegeben und mit einer Einleitung
von Brian Davies OP (Continuum, 2007), 20–21. Übers. aus dem Engl.
J. Kirk Richards, Miracle at Cana, Paper, Latexfarbe,
Acrylfarbe, Kaffee, Holzleim, Eisen und Rost, 2021.
Augustine of Hippo
Das Wunder unseres Herrn Jesu Christi, wodurch er aus Wasser Wein machte, ist für jene nicht erstaunlich, welche wissen, dass Gott es wirkte. Der nämlich machte an jenem Tage bei der Hochzeit den Wein in sechs Krügen, die er mit Wasser zu füllen befahl, der dies
jedes Jahr in den Weinstöcken tut. Denn wie das, was die Diener in die Krüge gossen, in
Wein verwandelt wurde durch das Tun des Herrn, so wird auch, was die Wolken ausgießen, in Wein verwandelt durch das Tun desselben Herrn. Darüber aber wundern wir uns nicht, weil es alljährlich geschieht; durch die stete Wiederholung ist es nicht mehr auffallend. Denn es findet auch eine vielseitigere Aufmerksamkeit als das, was in den Krügen aus
dem Wasser geworden ist. Denn wer kann die Werke Gottes, durch welche diese ganze
Welt geleitet und verwaltet wird, betrachten und muß nicht staunen u. von den Wundern gleichsam überwältigt werden? Wenn er die Kraft eines einzigen Kornes betrachtet, eines beliebigen Samens, es ist etwas Großes, ein Gegenstand des Erstaunens für den Betrachtenden. Allein weil die Menschen, auf anderes bedacht, die Aufmerksamkeit auf die Werke Gottes verloren haben, in der sie täglich den Schöpfer preisen sollten, so hat sich Gott
vorbehalten, gewisse außerordentliche Dinge zu tun, um die gleichsam schlafenden
Menschen zu seiner Verehrung in auffallenderer Weise zu regen.
Ein Toter ist aufgestanden, die Menschen haben sich verwundert; so viele werden täglich geboren, und niemand wundert sich. Wenn wir genauer darüber nachdenken, so ist es
ein größeres Wunder, daß einer, der nicht war, ist, als daß einer, der war, auflebt.
Derselbe Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, tut jedoch durch sein Wort dies alles, und der es erschaffen hat, leitet es auch. Die früheren Wunder hat Gott getan durch sein Wort, das Gott ist bei ihm; die späteren Wunder hat er durch eben dieses sein Wort getan, das Fleisch angenommen und unsertwegen Mensch geworden ist. Wie wir bewundern,
was durch den Menschen Jesus geschehen ist, so wollen wir bewundern, was durch den Gott Jesus geschehen ist. Durch den Gott Jesus ist geworden der Himmel und die Erde,
das Meer und aller Schmuck des Himmels, der Reichtum der Erde, die Fruchtbarkeit des Meeres; all das, was vor Augen liegt, ist durch den Gott Jesus geworden. Wir sehen das,
und wenn in uns sein Geist ist, gefällt es uns so, daß wir den Künstler loben, aber nicht
daß wir, zu den Werken gewendet, von dem Künstler uns abwenden und, das Gesicht
gewissermaßen hinrichtend zu den Werken, den Rücken gg. den Werkmeister kehren.
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