Ragaz Gedanken

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Der christliche Sozialauftrag im Neuen Testament
Die goldene Regel – Leonhard Ragaz
Neue Wege – alte Botschaft
Leonard Ragaz: Theosophie oder Reich Gottes?
Leonhard Ragaz Theosophie oder Reich Gottes?

Leonhard Ragaz: Gedanken, 1938

WO IST GOTT ?

Gott ist dort, wo seine Wirklichkeit ist. Aber die Wirklichkeit Gottes ist nicht durch Tempel, Kultus, Credos verbürgt, bei weitem nicht. Die Wirklichkeit Gottes ist ohne Zweifel dort, wo Gerechtigkeit gesucht wird, die ja im Grunde immer seine Gerechtigkeit ist; wo man eine neue Welt erstrebt, was man im Grunde nie tun kann, wenn man nicht etwas kennt, was mehr ist als die Welt. 1933

Gott ist da, wo er im Menschen erscheint, immer gleichbedeutend mit einfach menschlicher Sittlichkeit, mit Güte, Demut, Freiheit, Herzensreinheit, vor allem mit Selbstverleugnung. Und umgekehrt: wo diese da sind, da ist er, mag sein Name auch nicht genannt werden; wo sie aber nicht sind, da ist er nicht, mag auch sein Name von allen Wänden tönen. 1917

Siehe: Vom Werte des Reiches Gottes / Jesu Gleichnisse
Es ist bedeutsam, dass die beiden Männer, die im Gleichnis das Reich finden, es nicht auf religiösem Boden und in religiösem Tun finden, sondern auf weltlichem Boden und in weltlichem Tun. Nach der Weise der Religion findet man Gott oder glaubt ihn zu finden im Tempel, das heißt: in frommen Gedanken, frommen Gefühlen, frommen Übungen, oder auch in der Bibel, im Bekenntnis, im Kultus, in einer besonders gestalteten, besonders markierten Sphäre; nach der Weise des Reiches findet man ihn in der Welt und damit im Alltag … man findet ihn in den Aufgaben der Welt. Damit wird er der wirkliche und lebendige Gott, während der Gott der Religion ein unwirklicher Gott bleibt. Darum tritt uns auch in Jesus Gott mitten aus der Welt entgegen. Darum erzählt er seine Gleichnisse weder im Tempel, dem offiziellen, noch in der Synagoge, und darum nimmt er auch die Gleichnisse selbst mitten aus der Welt und dem Weltleben und nur eins aus dem Tempel, dieses aber gegen ihn.

Es gilt nicht Religion, sondern Reich Gottes. Der Gott, den wir aus der Bibel und aus seiner lebendigen Wirklichkeit kennen, ist der Gott der Gerechtigkeit seines Reiches. Dort fordert er Dienst und dort ist er zu finden. Die Babelstürme von Theologie, Kirchenwesen und privater Erbauung aber werden so gut im Gericht stürzen, wie die Babelstürme der Welt. 1937

Christus will heute in die Welt und in die Hölle hinein, wir aber sollen ihm dorthin folgen. 1930

Was Jesus will, ist ein aus Gott geborener Weltzustand, keine Religion. 1917

Die Welt ist der Ort, wo man Gott dient, die Erde sein Tempel und der Alltag die Form, worin man seinen Willen erfüllt. 1930

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REICH GOTTES

Im Gottesreiche wird alles Leben Gottesdienst. Keine heiligen Orte, aber jeder Ort heilig; keine heiligen Sachen, aber alle Dinge heilig, Geist wie Materie; keine heiligen Handlungen, aber alles Tun ein Sakrament; keine heiligen Personen, aber jeder Mensch heilig; keine heiligen Zeiten, aber jeder Augenblick geweiht und jeder Tag ein Tag des Herrn. 1919

Das Reich Gottes ist nicht in einem fernen Himmel, sondern es will auf die Erde kommen. Es kommt als eine Welt, in der Gerechtigkeit, Reinheit und Güte wohnt. Es wird nicht dargestellt in einem Tempel, in einer symbolischen heiligen Welt, die von der Alltagswelt getrennt wäre, es wirkt sich vielmehr aus in den sittlichen Ordnungen der Menschen, in den politischen und sozialen Zuständen. Es weiht nicht die Welt, sondern verwandelt und richtet sie. 1919

Das Reich Gottes bedeutet die völlige Umkehrung der Masstäbe der Welt und das völlige Gegenteil des natürlichen Wollens und Tuns des Menschen; womit ja nicht ausgeschlossen, worin vielmehr eingeschlossen ist, dass es im Grunde doch nur die Wiederherstellung dessen darstellt, was der ursprünglichen Natur, wie sie aus Gottes Willen stammt, entspricht. 1927

Das Reich Gottes ist wunderbare Natürlichkeit. Aber es ist e r l ö s t e Natur. 1921

Die Erlösung ist in keiner Beziehung bloss individuell, sie ist überall sozial, das heisst sich nicht bloss auf den Einzelnen beschränkend, sondern sich auf die Welt, die Gesamtheit, die Gemeinschaft erstreckend. 1922

Gott sucht die Welt. Gottes Herrschaft ist das Ziel, nicht egoistische Seligkeit und Heiligkeit. 1921

Die in Christus erschienene Wahrheit muß die Ordnung der Welt werden. 1929

Die Sache Gottes steht oft im A u g e n b l i c k. Im Augenblick muss die Entscheidung fallen. Im Augenblick muss der Entschluss gefasst werden. J e t z t öffnet sich ein neuer Weg. J e t z t kann er betreten werden. Wenn man aber jetzt zaudert, wenn man jetzt zuwarten will, dann geht dieser entscheidende Augenblick vorüber. Das ist die ungeheure Bedeutung der Zeit und Stunde im Reiche Gottes. Zweifler und Zauderer haben noch nie das Reich Gottes vorwärts gebracht. 1935

Es gibt Dinge des Gottesreiches, die heute noch nicht reif sind.
Aber sie werden gerade dadurch reif, dass wir die heutigen Möglichkeiten verwirklichen. 1919

RELIGION

Bei Jesus ist gar keine besondere Zubereitung zur Frömmigkeit. Sein Leben mit dem Vater besitzt eine solche Selbstverständlichkeit, dass es gar nicht mehr besonders hervortritt. Darum ist es so natürlich, wie das tägliche Brot, wie der Sonnenschein und der Schlag des Herzens. Es gibt keine besondere religiöse Form mehr, weil alles Leben mit dem Vater gelebt wird. Die Religion wird aufgehoben, weil sie erfüllt ist. Nichts ist mehr besonders heilig, weil alles heilig ist. Gottes Wirklichkeit hebt die Religion auf. Das Religiöse ist das vollkommen Menschliche geworden. 1913

Gott kann sein, wo keine Religion ist, wie er fehlen kann, wo Religion ist. 1936

Mann kann sehr viel Religion haben und fern von Gott, ja recht eigentlich gottlos sein. 1917

Es gilt nicht eine Religion zu haben, sondern eine Sache zu haben, nämlich Gottes und des Menschen Sache. 1917

Religion verlangen die Götter, – Gott verlangt, dass sein Wille auf Erden geschehe zum Heil der Menschen. 1917

Es gilt nicht Religion, sondern Reich Gottes. Der Gott, den wir aus der Bibel und seiner lebendigen Wirklichkeit kennen, ist der Gott der Gerechtigkeit seines Reiches. Dort fordert er Dienst und dort ist er zu finden. Die Babelstürme von Theologie, Kirchenwesen und privater Erbauung aber werden so gut im Gericht stürzen, wie die Babelstürme der Welt. 1937

Gott will nicht eine heilige Institution, sondern ein lebendiges Volk, das Träger seines Willens ist, und dieser Wille soll mitten im Weltwesen geschehen. 1930

Kirche ist eine Institution, die eine Lehre hütet, die „Religion“ pflegt und darin sich selbst sucht; Gemeinde ist da, wo Menschen, und seien es nur zwei oder drei, die Sache Christi, welche das Reich Gottes ist, aufnehmen und sich ihr zur Verfügung stellen. 1937

Die Religion hält es mit den herrschenden Mächten, das Reich Gottes geht zu den Zöllnern und Sündern. 1917

Die Bibel – Jesus, die Propheten und Apostel – wollen nicht eine Religion, wollen nicht das Christentum, sie wollen eine neue Welt, sie wollen die Herrschaft Gottes über alle Wirklichkeit. 1921

Die Religion ist die stärkste Macht der Reaktion. Aber wir fügen hinzu, dass das Reich Gottes die stärkste Triebkraft und die innerste Lebensunruhe der Geschichte ist. 1917

Jesus Christus ist das Ende der Religion. 1917

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Heinz Rudolf Kunze – Jeder bete für sich allein

THEOLOGIE

Die Theologie bedeutet eine grossartige Geistesarbeit, und eine solche kann nie ganz wertlos sein. Es ist in den Früchten dieser Arbeit eine Welt von Wahrheit und Tiefsinn enthalten, die wir nicht missen möchten. 1907

Es gibt keinen Panzer, der fester und undurchdringlicher gegen Gott selbst schützt, als gerade die Theologie. 1930

Die Theologen haben Gott monopolisiert. Gott ist nicht mehr die Hauptangelegenheit jeder Menschenseele, sondern eine Sache für Fachmänner. 1907

Es ist gefährlich, die Religion zur Profession zu machen. Man kommt mit dem Heiligen leicht in eine falsche Vertraulichkeit. Man wird Fachmann, und wir wissen, dass Fachmann in göttlichen Dingen sein, eine verhängnisvolle Sache ist. Man gewöhnt sich, alle Probleme und Erlebnisse unter dem Gesichtspunkt der amtlichen Wirksamkeit und Verwertbarkeit zu betrachten. So wird es schwierig, Gott als Kind und Laie gegenüberzutreten, was ihm gegenüber doch das einzig Mögliche ist. 1917

SOZIALISMUS

Mit dem Gottesreich müssen wir notwendigerweise den Sozialismus verbinden, denn es ist unmöglich, das Wohnen Gottes unter den Menschen mit den heutigen wirtschaftlichen Ordnungen zusammenzudenken. 1917

Der religiöse Sozialismus, im weitesten Sinne verstanden, wird nicht nur das letzte Wort des Sozialismus, sondern auch dessen Rettung sein. 1932

Der Sozialismus lebt von dem, was grösser ist als er selbst. 1936

Es muss mehr als Sozialismus geben, damit Sozialismus sein kann.

Das Christentum hat den neuen Himmel verkündigt, aber die neue Erde vergessen; der Sozialismus hat die neue Erde verkündigt, aber den neuen Himmel vergessen. 1929

Ein Sozialist wird sich mit allem, was er besitzt, den Mitmenschen verbunden und verantwortlich fühlen und die Pflicht empfinden, ihnen damit zu dienen. Er hat in diesem Sinne kein Privateigentum. Hier, nicht im theoretischen Credo, scheiden sich zwei Welten; hier gehen Bürgerlich und Sozialistisch auseinander. 1929

Sozialismus ist Verantwortlichkeit des Menschen gegen den Menschen und Dienst des Menschen am Menschen mit allem, was er ist und hat. 1929

Der Sozialismus will die volle Menschwerdung nicht bloss einiger Weniger, sondern aller. 1918

Die Seele der neuen Gemeinschaft ist eine neue Arbeit, eine aus Lohndienst und Profitdienst wie aus quälender Unsicherheit und Sinnlosigkeit befreite Arbeit. Es käme auf diese Weise in die Arbeit wieder das Bewusstsein eines wirklichen Schaffens, wie das eines Dienstes an der Gemeinschaft. Die Arbeit würde wieder im tiefsten Sinne Beruf und Werk. 1933

Nichts ist unsicherer als wissenschaftliche Theorien, nichts gewisser, als die ewigen Tatsachen der sittlichen Welt. Der Glaube an sie ist der Fels, auf dem der Sozialismus bauen darf und muss. 1919

Wo Gewalt herrscht, da herrscht nicht Sozialismus, das heisst: freie, brüderliche Gemeinschaft. 1917

Leonhard Ragaz: „Gott kann also sehr wohl bei den Sozialisten sein, die ihn leugnen, und kann bei den Christen, die ihn bekennen, nicht sein. Gott ist da, wo seine Gerechtigkeit ist, wo seine Sache vertreten wird, nicht da, wo man ihm Tempel baut und Gottesdienste feiert.“ (NW 2/1936, 63)

Leonhard Ragaz: Wir sind im Sozialismus Protestanten, denn wir gehen aus nicht von der Autorität, sondern vom Gewissen. Wir wollen, wie im “religiösen” Leben keine “Kirche”, so im sozialen keinen “Staat”. Wir wollen die freie Genossenschaft.

Den Sozialismus auf Materialismus, Egoismus und Atheismus bauen, heisst ein Haus in den Sumpf bauen. 1929

Jeder Sozialismus, dessen Grenze enger ist als Gott und der Mensch, ist uns zu wenig.

Leonhard Ragaz: Von Christus zu Marx – von Marx zu Christus
V e r b ü r g e r l i c h u n g  d e s  S o z i a l i s m u s : Das Ziel einer großen Masse von Sozialisten ist nicht etwa, in ihrer Lebensführung immer mehr sozialistisch, sondern so rasch als möglich bürgerlich zu werden. Der wirkliche Proletarier kennt keine höhere Sehnsucht, als möglichst rasch ein Kleinbürger zu werden. Nicht Besitzlosigkeit ist sein Streben, davon hat er genug, sondern Besitz. Wenn wir Sozialisten sind, so sollten wir auch entsprechend leben, sollten sozialistisch leben. Wir fügen nicht dem Sozialismus eine Kultur hinzu, sondern unser ganzer Sozialismus soll eben eine neue Kultur sein. Der Sozialismus will ein neuer Stil des ganzen Lebens sein. Ein Sozialist, möchte ich antworten, wird sich mit allem, was er besitzt, den Mitmenschen verbunden und verantwortlich fühlen. Er wird sich verpflichtet fühlen, ihnen damit zu dienen. Noch schärfer ausgedrückt: ein Sozialist wird seinen Besitz nicht als eigenen betrachten, sondern als etwas, was allen gehört. Ein Sozialist hat, in diesem Sinne, kein Privateigentum. Ein Sozialist, der diesen Namen verdient, ist ein Mensch, der vor allem seiner sozialen Verpflichtung und Verantwortung eingedenk ist und sie durch sein ganzes Verhalten zu erfüllen sucht. Man kann den Neuen Himmel gar nicht recht verkündigen, wenn man nicht auch die Neue Erde verkündigt. Diese Neue Erde verkündigt der Sozialismus. Es ist klar, dass die Botschaft vom Reiche Gottes mehr ist als bloß Sozialismus. Sie verkündigt die neue Gotteswelt, verkündigt Sieg über Schicksal, Schuld und Tod, auch über Krankheit und Sünde. Wie hoch man auch vom Sozialismus denke, so wird man doch nie behaupten können, dass er dies versprechen könne.

Der Sozialismus muss unterscheiden lernen zwischen der Religion als Ideologie einer herrschenden Gesellschaft und der Religion als dem letzten Hort aller geistigen Werte. Er muss seine Anhänger Ehrfurcht vor diesem Zentrum des menschlichen Wesens lehren. 1919

Unser Sozialismus ist ganz und gar ein Sozialismus der Freiwilligkeit. 1917

Christentum und Sozialismus sind ursprünglich e i n e Wahrheit. Diese ist in zwei Hälften zerbrochen worden, von denen jede sich für das Ganze hält und mit der anderen streitet. Die ganze Wahrheit wäre die Rettung der Welt, die Teilung wird ihr zum Verderben. 1929

Das Christentum ist durch seine religiöse Botschaft von Anfang an die stärkste Kraft sozialer Umgestaltung gewesen. Es hat der Welt eine völlig neue Orientierung gegeben und ist ihre ewige Revolution geworden. Es hat vor allem jenen Fatalismus zerbrochen, der auf der antiken Welt lag und alle ihre Ordnungen zu göttlichen machte. Es hat den Ausblick auf ein kommendes Reich der Gerechtigkeit eröffnet und in seinem Namen dem Weltreich Cäsars den Kampf angesagt. Es hat den unendlichen Wert jeder Seele in den Mittelpunkt aller sittlichen Empfindung gerückt und damit ein geistiges Dynamit in die Welt gelegt, das all ihre Ordnungen nach und nach zersprengen musste. 1929

Das Evangelium verbindet mit dem Reichtum den Begriff des „Truges“ (Mt. 13,22). Aber auch den des Unrechtes („Mammon der Ungerechtigkeit“, Lk 16,9). Und in der Tat gibt es nichts, was so stark Träger des Unrechts der Welt und Verführung dazu wäre, wie der
Besitz.

DEMOKRATIE

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Freiheit, Demokratie und alles, was damit zusammenhängt, sind zerfallen, weil die Gottesherrschaft über die Seelen gewichen ist. Nur aus Theokratie stammt Demokratie, nur aus Gott strömt Freiheit. 1935

Die demokratischen Gedanken und Einrichtungen sind letzten Endes heiliges Gut aus dem Erbe Christi; sie sind Folgerungen aus der gleichen Gotteskindschaft aller Menschen. 1933

Demokratie bedeutet die Anerkennung des unbedingten Wertes der Persönlichkeit, des heiligen Rechtes, das auf dem Einzelnen wie auf der gottgeschaffenen Gemeinschaft ruht. 1933

Gemeinschaft setzt Demokratie voraus. 1917

Demokratie ist die Gleichheit in der Gemeinschaft. Gleichheit bedeutet aber nicht
Ignorierung der natürlichen und wirklich gottgegebenen Unterschiede zwischen Mensch und Mensch, sondern im Gegenteil gerade das Recht aller auf freie und individuelle Entfaltung und zwar sowohl der Gemeinschaften als der Einzelnen. 1933

Es gibt keine wahre Freiheit ohne Gleichheit
und keine wahre Gleichheit ohne Freiheit. 1918

Die Demokratie ist eine Schöpferin und Erzieherin reichen, freien Menschentums,
allerdings nur, wenn sie getragen wird von frischen, sittlichen Kräften. 1908

Demokratie ist das Prinzip möglichster Adelung aller Menschen durch grosse Zumutungen an sie, grossen Glauben an sie und durch möglichste Beteiligung aller an Freiheit, Bildung und Gemeinschaft. 1917

Demokratie ist nicht Verpöbelung, sondern Aristokratisierung Aller. 1918

Die Demokratie kann nur bestehen, wenn sie zugleich Auslese der Tüchtigsten ist.
Zur Demokratie gehört Aristokratie. Nur soll es eine f r e i e Aristokratie sein, eine
Aristokratie, die a l l e erfassen möchte. 1933

Die Vielen haben die Wenigen nötig. 1922

Demokratie ist grundsätzlich für alle die wertvollste politische Form, oder sie ist es für
niemand. Denn sie ist der Ausdruck des unbedingten Wertes, der in jedem Menschen liegt. 1933

Demokratie ist die Verkörperung einer geistigen Wahrheit. Sie ist unbedingte Ehrfurcht
vor dem Heiligtum der persönlichen Freiheit. Diese geistige Wahrheit wird zu einer entsprechenden Ordnung. Denn die Freiheit des Einzelnen muss sich in den politischen,
sozialen, kulturellen Lebensformen der Gesellschaft ausdrücken. Es muss darin überall
der Wert und die Heiligkeit der Persönlichkeit zur Geltung kommen. 1927

Die Methode der Demagogie ist die Agitation. An dem Ton einer lauten, aber gemachten Leidenschaft kann man den Demagogen erkennen. Er kann nicht reden, er muss schreien, vor allem, damit er sich selbst glauben könne und freilich auch, damit andere ihm glauben. 1927

Die Demagogie führt mit Notwendigkeit zu irgendeiner Form von Gewalt. Denn wenn
man nicht überzeugen will, dann muss man vergewaltigen. Die Demagogie aber kann nicht überzeugen wollen, da es ihr nicht auf den Einzelnen ankommt, sondern auf die Masse. Überzeugen kann man nur den Einzelnen, auch den Einzelnen in der Masse, —
die Masse als solche kann man nur hinreissen, man kann sie nur betrügen. 1927

Wir beobachten mit tiefstem Seelenschmerz die Verwandlung des Volkes in Pöbel. 1913

Zum Pöbel wird das Volk in dem Masse, als es unselbständig, wurzellos wird. Unfrei in der Arbeit und im Besitz, verliert es auch die geistige Freiheit. An Stelle des Denkens tritt das Mitschwingen im Rhythmus der Massenleidenschaften; an Stelle einer Lebensfreude, die aus der Gesundheit des Lebens von selber quillt, die Genussucht; an Stelle der sittlichen Zucht eine nihilistische Zügellosigkeit. Das alles macht zur Knechtschaft reif. 1913

Volk – Menschen, die in Arbeit, Geist und Zucht frei sind – kann man nicht mit Gewalt
regieren; Pöbel aber ist immer für die Diktatur reif. 1913

Die Massen fallen – ihrer Seele beraubt – dem Manne zu, der stark scheint.
Er gibt ihnen eine Seele. Zermürbt von der Angst, an ihren höheren Rechten verzweifelnd, lassen sie sich mit Brot und Spielen beruhigen. 1913

Die Masse ist nicht Gott und nicht Teufel; sie besteht aus möglichen Teufeln
und möglichen Kindern Gottes. 1937

Nicht hat Gott dem Volk zu dienen, sondern das Volk muss Gott dienen. 1910

Ein Volk lebt, wenn es sich treu bleibt, wenn es nicht von sich selbst abfällt,
wenn es den Sinn, aus dem es geboren ist, immer weiter entfaltet. 1938

Nicht in irgend einer abstrakten Region, sondern auf dem konkreten Boden des
eigenen Volkes und in ihm wieder der Gemeinde und der Landschaft dienen wir den Gedanken Gottes in der Völkerwelt.Je fester wir in unserm Volkstum wurzeln, desto lebensvoller wird unsere Beziehung zu andern Völkern und zur Völkergemeinschaft. Wir verstehen von hier aus das Recht und den Sinn, die Not und die Hoffnung der andern Völker, sind imstande, ihnen ihr Recht zu geben, ja sogar sie zu lieben wie das eigene, und wir
verstehen zugleich, wie Sinn, Leben und Wert des eigenen Volkes von diesem grossen
Zusammenhang getragen und genährt werden. 1933

Wie alles Irdische und Weltliche, so bezieht auch das Volkstum sein Recht aus dem, was grösser ist als es. Nur durch den Gehorsam gegen dieses Grössere, gegen den Willen Gottes, der über allem ist, und gegen seinen besonderen Willen mit einem Volke, wird es, was es werden soll. Jede Versteifung in Eigenliebe und Selbstverherrlichung aber führt zum Gericht. 1933

Der Nationalismus ist Selbstvergottung des eigenen Volkstums und Staatswesens und muss zu Falle kommen, wie jede andere Selbstvergottung. Ihm im Namen Gottes widerstehen bedeutet heute den grössten und schwersten Dienst auch am eigenen Volke. 1933

Der Nationalismus ist eine Ersatzreligion im schlimmsten Sinn des Wortes. Weil man
keinen Gott hat, macht man das Volk zum Gott und die Fahne zum Fetisch. 1933

Der Nationalismus täuscht durch Selbstbetrug, der zur Selbstvergottung anwächst, über die Mängel und Gefahren, wie über die echten Möglichkeiten des eigenen Volkes hinweg und führt so zur Katastrophe. Er ist der Untergang der Nation; er zerstört sie, wie ein böses Fieber den Leib verzehrt, in dem es wütet. 1933

Das Gesetz, das auch über den Völkern waltet, sagt, dass Selbstsucht
nicht rettet, sondern verderbt. 1938

Ein Volk lebt, wenn Gott seine Hand über ibm hält. Er hält aber seine Hand über die Völker, welche nicht bloss sich selbst dienen, sondern die Arbeit und den Kampf für die grossen Dinge der Menschheit mitmachen wollen. 1938

Ein Volk lebt – wie der einzelne Mensch – nicht davon, dass es bloss für sich selbst da ist, nur an sich selbst denkt und für sich selbst sorgt, sondern es lebt von dem Dienst an den Andern. 1938

Es gibt einen Patriotismus des Kreuzes – zu ihm bekennt sich der Jünger Jesu. 1910

Es gibt Entscheidungszeiten im Leben der Menschheit so gut wie in dem des einzelnen Menschen oder Volkes; es gibt Entscheidungsstunden auch in der Geschichte des Reiches Gottes. Es ist etwas reif geworden, es ist eine Möglichkeit geboten, die vorher nicht da war, – dann gilt es, die Frucht zu ernten, dann gilt es, diese Möglichkeit mit festem Griff zu erfassen. Geschieht dies, dann ist ein grosser Sieg errungen, dann ist eine weite neue Bahn freigemacht, dann ist ein Durchbruch geschehen, der neues Wesen aufquellen lässt, das schon lange auf Befreiung harrte. Solcher Art scheint mir die jetzige Stunde zu sein, eine Stunde Gottes und des Menschen, wie wenige in der Geschichte dagewesen sind. Darum gilt es, mit leidenschaftlicher Entschlossenheit das e i n e Ziel zu ergreifen: Friede! Wir wollen den Krieg besiegen, – er soll nicht mehr sein. 1914

REVOLUTION

http://familiadei.org/jesu-gleichnisse/die-grosse-kluft/
Nichts liegt der Bibel, liegt Moses, liegt den Propheten, liegt Jesus ferner als eine patriarchalische Denkweise, welche bestehendes Unrecht mit einer göttlichen Ordnung rechtfertigte. Die Bibel ist auf Revolution gerichtet, nicht auf Reaktion, sie ist Dynamit, nicht Opium.

A: Es ist ein Gleichnis, nicht eine Darstellung, ein Gleichnis für einen Vorgang auf Erden.
F. Welchen Vorgang?
A. Die völlige Umkehrung jenes Verhältnisses nicht durch den Tod, sondern durch die Revolution. Es wird zu einer solchen Umkehrung kommen, welche die Gesellschaft, die jetzt obenauf ist, stürzen und das „Volk, das in Finsternis sitzt“, ans Licht bringen wird; es wird zu einer solchen Revolution kommen.
Es ist durchaus biblisch gedacht. Die Bibel blickt auf eine solche Revolution, auf eine solche Umkehrung aus (Revolution heißt ja wörtlich „Umkehrung“), welchen einen Tag der Gerechtigkeit und des Gerichtes für die Armen und Gedrückten und den Sturz der Großen und Gewaltigen herbeiführt. Denken Sie bloß an den Lobgesang der Hanna im Alten Testament und an das Magnifikat der Maria im Weihnachtsevangelium. Der Marxismus ist bloß ein verweltlichter Reflex dieses großen Lichtes der Völker.

http://familiadei.org/jesu-gleichnisse/der-naechste/
Das Soziale (das Politische inbegriffen) gehört zum Religiösen, beide bilden ein Herrschaftsgebiet Gottes. Das sieht anders aus als die übliche Auslegung, nicht wahr? Ich betone nochmals: Wir dürfen Jesus nicht zum erbaulichen Prediger harmloser Wahrheiten machen. Die Gleichnisse sind ungeheuer viel paradoxer und geistvoller (im höchsten Sinne des Wortes), ungeheuer viel revolutionärer, als man meint.

Es wird ein grosses Feuer den wirren Haufen des blossen Materials, der uns jetzt belastet, verzehren. Zu dem politischen und sozialen wird ein wissenschaftlicher Weltbrand kommen. 1919

Es gibt für uns Grenzen, aber keinen Kompromiss. Kompromiss ist da, wo man sich von seinem Prinzip etwas abmarkten lässt, nicht da, wo man kämpft, im Vordringen aber zeitweilig Halt machen muss. 1915

Die Unruhe, die Christus erregt, bändigt allein die Stürme der Welt; das Schwert, das er auf die Erde wirft, schafft einzig den Frieden. In dem Masse aber, als diese wahre Revolution nicht stattfindet, kommt die falsche. 1919

Christus ist der grosse Aufwiegler, und alle seine wahren Jünger sind es mit ihm. Als Salz der Erde sind sie deren Unruhe. 1919

Das Christentum ist durch seine religiöse Botschaft von Anfang an die stärkste Kraft sozialer Umgestaltung gewesen. Es hat der Welt eine völlig neue Orientierung gegeben und ist ihre ewige Revolution geworden. Es hat vor allem jenen Fatalismus zerbrochen, der auf der antiken Welt lag und alle ihre Ordnungen zu göttlichen machte. Es hat den Ausblick auf ein kommendes Reich der Gerechtigkeit eröffnet und in seinem Namen dem Weltreich Cäsars den Kampf angesagt. Es hat den unendlichen Wert jeder Seele in den Mittelpunkt aller sittlichen Empfindung gerückt und damit ein geistiges Dynamit in die Welt gelegt, das all ihre Ordnungen nach und nach zersprengen musste. 1929

GLAUBE

Glauben heisst: Ergriffen sein. 1922

Nicht die „Reichen“, die materiell und „geistlich“ Reichen, in ihrem Hochmut, ihrer Sicherheit, ihrer Herzverfettung verstehen Gott, sondern bloss die Armen. 1945

Das Beste, was von Menschen getan worden ist, ist in hoffnungslosen Lagen geschehen, und die Not ist oft genug die Mutter guter Dinge gewesen. 1918

Der Glaube ist ein Werk Gottes und auch eine Tat des Menschen. 1907

Die Glaubensmenschen verstehen Gottes Absichten, darum verkündigen sie die Zukunft, darum wagen sie Wege zu gehen, vor denen andere zurückbeben. 1907

Nur Glaubende können dem Reiche des Lebendigen dienen. 1936

Der Glaube ist eine Flamme, die durch Arbeit wächst und am Widerstand in die Höhe schlägt. 1907

Es gibt eine Wirklichkeit, die erst durch den Glauben wird oder durch den Nichtglauben nicht wird. So wartet eine ganze Welt nur auf den Glauben, um sichtbare Wirklichkeit zu werden. Eine ganze Welt wartet umsonst, weil wir nicht Glauben haben. 1936

Es gibt kein Fatum – auch kein fromm angestrichenes. Wenn irgend etwas, so gehört dies zum Wesenskern des Glaubens an den lebendigen Gott, der den Sinn der Bibel bildet. Die Geschichte ist nicht der Ablauf eines fertiggestellten Apparates. 1932

Von alters her hat man die Treue mit dem Glauben in Zusammenhang gebracht: Treu und Glauben! Der Zusammenhang ist tiefer, als viele ahnen. 1926

LIEBE

Wo wir gegen die Liebe gefehlt, müssen wir durch vermehrte Liebe sühnen; wo wir dem Reich des Bösen gedient, müssen wir desto eifriger für das Reich des Guten kämpfen; wo wir uns gegen nun Verstorbene verschuldet, müssen wir’s den Lebenden bezahlen. 1908

Die Ehe wird in dem Maße gesund und dauernd sein, als sie jenen Kultus rein privaten Glückes vermeidet, der so oft gerade die sogenannte glückliche Ehe zu einer Gefahr macht. 1930

Gott führt die Liebe zu ihrem tiefsten Wesen: dieses aber ist Verbundenheit, Verantwortung, Rücksicht. 1930

Die Lösung des Problems der modernen Ehe und die Überwindung ihrer Schwierigkeiten ist gegeben, wenn zwei Menschen sich in Gott und vor Gott begegnen, wenn sie dies in Wirklichkeit tun und vor dem wirklichen Gott. Das ist die tiefste Quelle jener Ehrfurcht, die besonders in der Ehe nicht fehlen darf, – wehe, wenn sie nicht vorhanden ist, oder wenn man sie im Alltag oder in der Gewohnheit verloren gehen lässt! 1930

Nur auf dem Hintergrunde einer stärker empfundenen Heiligkeit der Ehe kann deren grössere Freiheit, auch die Freiheit ihrer Auflösung, gefordert und verwirklicht werden. 1930

Die Welt lebt, mehr als sie ahnt, von der in der Frau wohnenden Erlöserkraft. 1911

Eva ist die Frau als Natur, Maria die Frau als Geist. Eva und Maria sind im Grunde die gleiche Frau. In der Eva lebt schon die Maria, und in der Maria lebt noch die Eva. Die Frau kann nicht Frau sein, ohne dass beide in ihr vorhanden sind. Die Frage ist nur, welche von beiden die Herrschaft hat. Eva muss aus dem Naturparadies heraus, in dem die Schlange lauert und sie verderbt und selbst zum Verderben macht und muss in Mühsalen und Schmerzen zur Maria erlöst werden, um dann andere erlösen, um ein reines Heil werden zu können. 1911

Es ist heilsam, wenn die Frauen nicht vergessen, welch eine Unsumme von Enttäuschung, Qual, Fluch und Verderben ausgeht vom Weibe. 1911

Ein Kommen Gottes in neuer Liebe und neuer Gemeinschaft der Liebe – das ist das Eine, das not ist. 1917

WAHRHEIT

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»GOTT ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist
und in der Wahrheit anbeten!« Joh.4,24
«Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch
in die ganze Wahrheit führen» Joh 16,13
Der Geist wird euch in die ganze Wahrheit führen
«Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.» Joh. 6,68

»lch wage auch von Heiden Entlehntes göttlich zu nennen. Die Wahrheit stammt immer vom heiligen Geist, einerlei, wo und durch wen sie beigebracht wlrd!« Huldrych Zwingli

Die Einsamkeit gehört zum Los des Propheten und sie ist nicht dessen leichtester Teil.
Die Wahrheit ist einsam und macht den, der ihr dient, einsam.

Die Wahrheit hat immer wieder zu leiden. Aber das ist eben das Zeichen,
dass sie Wahrheit ist.1935

Die Wahrheit muss von Zeit zu Zeit sterben, um sich zu verwandeln und höher zu steigen. 1907

Alle Wahrheit wird von ihrem Schatten, dem Missverständnis, begleitet.1907

Gedanken, Wahrheiten sind stets genug vorhanden; es kommt wesentlich immer darauf an, dass sie zur Tat werden, dass das Wort Fleisch wird. 1924

Wo die Liebe der Schärfe der Wahrheitsäusserung ermangelt, da ist sie keine echte Liebe. Der Dienst mit der Wahrheit ist der notwendigste Dienst der Liebe, weil die Lüge die
stärkste Verderbnis der Seelen ist. 1935

Nach Wahrheit und Liebe lechzt die Welt – echte Liebe aber ist d i e Wahrheit.1935

Wahrheitschaffen und Wahrheitsagen ist ein Dienst. Wehe allen menschlichen Verhältnissen und Gemeinschaften, wo dieser Dienst nicht waltet! Sie müssen verfaulen und verderben. 1933

Die wahre Revolution ist die der unbesieglichen und unwiderruflichen Wahrheit, die zwar das Alte zerstört, aber auch das Neue schafft. 1919

Was ist Wahrheit? – Gott ist die Wahrheit. Von ihm strömt alle Wahrheit aus. Lösche diese Wahrheit aus – die Welt versinkt sofort in Sinnlosigkeit. Geht der objektive, an sich und unbedingt gültige Massstab verloren, dann kann man Massstäbe selber machen – aus seinen Einfällen, aus seines Herzens Lust und Begierde: den Willen zur Macht, das Volk, den Staat, das Blut, das Geschlecht, alles nach Belieben und Reklame. Wo Gott nicht herrscht, da herrscht die Lüge. 1935

Unser Geschlecht muss wieder von einer Macht der Wahrheit erfasst werden, die aus dem Unbedingten stammt und ihm die Sicherheit und Freudigkeit des Unbedingten verleiht. Aus dem Relativen kann man nicht leben und sterben, nur aus dem Unbedingten, – aus der Welt nicht, nur aus dem Reiche Gottes. 1935

Du musst Dich für Gott entscheiden – und du wirst seine Kraft und Wirklichkeit erfahren. Du musst dich für Christus entscheiden – und du wirst erfahren, ob er die Wahrheit ist. 1938

Die Entscheidung ist der Schlüssel zur Wahrheit; sie ist der Engpass, der in das Land Gottes führt, nicht das blosse «Lernen». 1938

Nicht in einer abgezogenen religiösen Vertiefung, die sich von der Weltbewegung innerlich trennt, werden wir die Wahrheit empfangen, die wir brauchen, sondern in dem Ringen mit der groben, zum Teil sehr materiellen Welt werden wir der Welt Gottes aufs neue innewerden und Offenbarung auf Offenbarung ihrer Wahrheit empfangen. 1927

Die Wahrheit wird nicht erlernt, sondern erlebt. 1938

Es gibt keine andere Wahrheit, als die, die mit der ganzen Existenz des Menschen
zusammenhängt. 1917

Wir brauchen keine grossen Geister zu sein, um die Wahrheit zu erkennen, die unser Herz fest macht. Sie wird denen gegeben, die sie «reinen Herzens» suchen. 1940

Echter Glaube ist aufs tiefste mit der Wahrheit verbunden, er zielt auf die Wahrheit, die letzte, wahrste Wahrheit. Das zeigt die höchste Verkörperung des Glaubens, der Prophet: er ist immer ein Kämpfer für die Wahrheit. 1943

Einer Menschheit, welche so sehr nicht nur von der Wahrheit selbst, sondern auch von dem Glauben an eine Wahrheit, dem Suchen einer Wahrheit abgekommen ist, wie die unsrige, muss zuerst nicht Friede verkündigt werden, sondern Kampf: Kampf um die Wahrheit, Kampf für die Wahrheit – in alle Tiefen und alle Höhen reichender Kampf um die Wahrheit, für die Wahrheit. Nur dieser Kampf kann die Welt retten, nur er Friede schaffen.
Darum auch keine sich pazifistisch oder neutralistisch bemäntelnde Entschuldigung der Mächte des Bösen und ihrer Träger: nur die Wahrheit ist Friede. 1941

Du sollst der Wahrheit gehorchen im Reden und im Tun ohne Rücksicht auf die Folgen. Wenn du das nicht tust, bist du nicht wahr – lügst du. Dieses Lügen führt vom blossen Schweigen und Zusehen über die Verleugnung durch Wort und Tat bis zum Verrat. 1945

Darum sind wir selig zu preisen, wenn es uns um der Wahrheit willen schlecht geht.
Gott bewahre uns davor, einmal Besitzende und Geltende zu werden! Er zerschlage sofort Besitz und Geltung, falls sie uns einen Augenblick zuteil werden sollten. Wir wollen stets Arme der Wahrheit sein – es ist doch das seligste Los. 1917

Die Wahrheit ist nicht unser Monopol, sondern ist Gottes Sache. 1942

Wir dürfen, wenn wir Gottes Wahrheit verstehen wollen, niemals starr bloss auf eine Linie seines Waltens blicken, sondern müssen stets die Mannigfaltigkeit seiner Ordnungen
(die doch nur einen Sinn haben) im Auge behalten. 1943

Der Abfall von Gott erfolgte aus dem Machtdrang, der den Wahrheitsdrang ersetzte. 1918

Verhehler und Unterdrücker der Wahrheit sind die wahren Zerstörer des inneren Friedens. Sie sind die schlimmste Form von Revolutionären. 1942

Durch die Wahrheit wird die Welt gerettet, nur durch sie. Die Wahrheit ist allmächtig.
Es kommt nur darauf an, dass sie erkannt, gesagt und getan wird. 1940

Die Leute, die uns sagen, dass alle gleich recht hätten, sind die Verderber der Völker. 1934

Die Wahrheit wird nicht von den Starken und Gewaltigen erobert – die Wahrheit begegnet dir, die Wahrheit wird dir geschenkt. Du musst nur den Mut haben, sie anzunehmen. 1938

Es gibt Wahrheit. Lass dich durch sie finden! Lass dich durch sie tragen! 1938

FREIHEIT

Heilige Gebundenheit an die Gemeinschaft ist eine tiefe Quelle der Freiheit. Keiner ist so unfrei wie der Egoist. 1925

Nur ein in sittlicher Zucht gesammeltes, seelenernstes Volk ist der Freiheit fähig. 1923

Die Freiheit bedarf der Autorität. Sie ist gebunden an eine an sich gültige, aller Subjektivität überlegene Welt sittlicher Werte. 1925

Frei sein kann nur, wer – geistig verstanden – einem Herrn dient. 1925

Freiheit ist Verpflichtung. Je strenger ein Mensch an eine Wahrheit gebunden ist, desto unbedingter wird er sie im Zusammenstoss mit der knechtenden Welt vertreten, desto grösser wird sein Freiheitsernst, seine Freiheitsleidenschaft sein. 1925

GESETZ

Jesus will nicht aus seinen Worten und Taten ein neues gesetzliches Joch machen. Es ist Aufgabe derer, die ihn verstanden haben, aus der Grundwahrheit des Gottesreiches sich selbst ihr „Gesetz“ für ihr Handeln zu schaffen, sowohl im allgemeinen als von Fall zu Fall. 1910

Es ist falsch, wenn man vom Evangelium erwartet, dass es alle möglichen Detailanweisungen gebe. Als ob wir dazu nicht selbst Verstand und Einsicht erhalten hätten! Aus Jesu Botschaft strömt uns die Erkenntnis der Wahrheit Gottes und des Menschen, hier öffnet sich uns die grosse Hoffnungsperspektive, aber in diesem Lichte sollen wir nun selbst an der Fortbildung der sittlichen Erkenntnis arbeiten. 1910

Gott will nicht eine heilige Institution, sondern ein lebendiges Volk, das Träger seines Willens ist, und dieser Wille soll mitten im Weltwesen geschehen. 1930

Die in Christus erschienene Wahrheit muß die Ordnung der Welt werden. 1929

Es kommt nicht auf den Haufen von Tugenden und Fehlern an, die ein Mensch hat, sondern auf den Geist, der ihn regiert. 1918

Die Bergpredigt muss mit Geist verstanden werden. 1927

Es ist falsch, Feindesliebe einfach von jedem Menschen ohne weiteres zu fordern. Wo die Voraussetzung dazu fehlt, entsteht daraus nur Lüge. 1908

Die Bergpredigt ist nicht eine moralische Forderung von unerhörter und fast unmöglicher Schwere, sondern sie ist eine Gabe, eine Erlaubnis, eine Freiheit, die Erlösung von der Welt mit ihrem furchtbaren Druck. Sie ist uns nur echt, wenn sie eine Freude ist; nicht ein Müssen, sondern ein Dürfen (Können, Wollen), nicht ein Gesetz, sondern eine Erlösung. 1927

Nur der Gott, der richtet, kann auch aufrichten. 1908

TOD

Überall ist dem Trank des Lebens der Tod als stärkste Würze beigemischt. Warum ist jede Stunde so wichtig? Weil sie nur einmal kommt und so nie wieder. Warum sind die Aufgaben, die uns gestellt werden, so bedeutungsvoll? Weil sie Entscheidungen fordern, die nicht wiederholt werden können. Warum ist das Leben überhaupt so ernst? Weil wir eilen müssen. So gibt der Hintergrund des Todes dem Leben seine Tiefe. 1908

Das Jenseits ist nicht ein anderer Ort, sondern eine andere Art der Existenz. Unsere jetzige Art, zu leben und zu sein, ist nicht die einzig mögliche; es ist nicht abzusehen, weshalb es nicht noch andere geben sollte. Und das ist nun eben die Bedeutung des Sterbens: es streift uns diese Art ab und führt uns in eine andere ein. Der Tod ist also nicht eigentlich eine Wanderung, sondern eine Verwandlung. 1908

Wie wir den Tag nicht ertragen ohne die Nacht, so könnten wir das Leben nicht ertragen ohne den Tod. 1908

Der Tod ist eine heisse Flamme, die Heu und Stoppeln der Eitelkeit verbrennt und nur das echte Lebensgold geläutert übriglässt. 1908

Wir haben alle Ursache zu der Annahme, dass der Tod für uns zusammenfalle mit einer gewaltigen, reinigenden Krise, einem Gericht von einer solchen Wucht, dass alle bisher von uns erlebten irdischen Gerichtstage davor verblassen. Worin aber wird dieses Gericht bestehen? Doch wohl darin, dass wir in einer blendenden, vernichtenden Klarheit wie nie zuvor die Folgen unserer Taten durchschauen, uns selbst sehen, wie wir sind. 1908

Was ist das Leben? Ohne Gott eine Kette von Hoffnungen und Enttäuschungen, an deren Ende meistens die Schwermut steht – mit ihm ein Aufstieg zu einer unendlichen Bestimmung und ewiger Freude. Was ist das Leid? Ohne Gott ein finsteres Schicksal – mit ihm ein Liebesgedanke des Vaters, der alles zum Guten lenkt.

BILDUNG

Bildung ist Menschwerdung des Menschen. 1919

Wo uns reines und reifes Menschentum begegnet, da ist Bildung. 1917

Gebildet sein, heisst zu sich selbst kommen. 1917

Jeder wäre ein Genie, wenn er sich ganz so gäbe, wie er ist. 1903

Echte Bildung gibt es nur in Verbindung mit echter Arbeit. 1925

Nicht in den Dingen ist unsere Freude, sondern in der Seele. Die Unendlichkeit der Menschenseele genügt für jeden Hunger und Durst nach vollem Leben. Die Seele ist unser Reichtum. 1904

Gottes Werk mit der Welt und mit uns ist nicht fertig. Er hat erst angefangen; er ist mitten im Schaffen. Alles ist im Werden, auch wir. 1908

Eine Wissenschaft an sich, wie sie viele träumen, ist ein Moloch, dem der Mensch geopfert wird, eine abstrakte, fremde, willkürliche Macht. Wissenschaft muss, um den Menschen menschlich zu machen, selbst menschlich sein; sie muss den Menschen bei seinen menschlichen Fragen, menschlichen Bedürfnissen, menschlichen Nöten fassen und damit zu dem Licht des Geistes und der Wahrheit führen, um ihn frei, stark und gut zu machen. 1919

Es wird ein grosses Feuer den wirren Haufen des blossen Materials, der uns jetzt belastet, verzehren. Zu dem politischen und sozialen wird ein wissenschaftlicher Weltbrand kommen. 1919

Der Genius ist immer ein Vereinfacher. 1919

Wir müssen unsere soziale Ordnung ändern, damit wir unsere Jugend recht erziehen können, und wir müssen unsere Jugend recht erziehen, damit eine neue soziale Ordnung möglich sei. 1919

Gedanken, Wahrheiten sind stets genug vorhanden; es kommt wesentlich immer darauf an, dass sie zur Tat werden, dass das Wort Fleisch wird. 1924

GEMEINSCHAFT

Es bleibt eine große Sache um wahre Menschengemeinschaft. Vieles vom Edelstein, was in der Menschenwelt heranreifen soll, kann nur im Garten der Gemeinschaft wachsen. 1917

Ohne starke Seelen keine rechte Gemeinschaft unter den Menschen. Starke Seelen haben wir nötig. Sie allein können das Gute tragen. Denn ein rechtes Gutsein gibt es nicht ohne Kraft. Starke Menschen, an Herz und Charakter starke Menschen müssen Mittelpunkte werden, an die andere sich angliedern, Kraftzentren, um die die Schwächeren sich sammeln können. 1907

VERRAT

Von alters her hat man die Treue mit dem Glauben in Zusammenhang gebracht: Treu und Glauben! Der Zusammenhang ist tiefer, als viele ahnen. 1926

Verrat ist Selbstmord. Jeder Abgrund der Niederlage und Not ist wohnlicher als der Palast der Treulosigkeit. 1936

Überall, wo Christus ist, stellt sich Judas ein, wenn auch vielleicht bloss als Versuchung. 1936

DAS BÖSE

Wenn das Gute irgendwo vorstösst, so erhebt sich mächtig dagegen das bedrohte entsprechende Böse. Nach der grossen Pädagogik Gottes tritt das Böse erst dann in seiner vollen Offenbarung hervor, wenn auch das Gute schon da ist, durch das es überwunden werden kann. 1936

Je grösser Macht und Herrlichkeit des Bösen ist, desto sicherer sei euer Glaube an seine Nichtigkeit und Katastrophe! 1934

In der Wehrlosigkeit besteht die Gewalt des Göttlichen, in der Ohmacht seine Macht. 1926

Alles Böse ist, trotzdem es Freiheit bleibt, doch Besessenheit. 1936

Alles Böse lebt von unserer Feigheit. 1933

Nichts ist verächtlicher als Menschen, die dem Guten und Bösen gegenüber neutral sind. 1938

Das Böse ist nicht dazu da, um e r k l ä r t, sondern um b e s i e g t zu werden. 1921

Das Gute verlangt den ganzen Menschen und die ganze Hingabe. Wer im Guten lau ist, der ist gar nicht gut. 1938

DIE ANGST

Die Angst ist die mächtigste Dienerin des Bösen. 1933

Es ist ein lähmender Reiz in der Angst, der uns die Maske des Schicksals schauen lässt, bis es unser Herr wird, statt wir seiner. Es ist ein Bann, der sich auf uns legt und bewirkt, dass wir tun, was uns verdirbt. 1933

Wo Gott nicht ist, da regiert die Angst, und das ist das Element, mit dem der Teufel arbeitet. 1936

Mit Klugheit und Angst hat man noch nie grosse Dinge getan. 1917

Das Beste, was von Menschen getan worden ist, ist in hoffnungslosen Lagen geschehen, und die Not ist oft genug die Mutter guter Dinge gewesen. 1918

Alle Angst ruht im letzten Grunde auf Unglauben. Das Mass unserer Angst ist auch das Mass unseres Glaubens an Gott. Wenn wir uns zu ihm hielten und ihn allein fürchteten, was könnten uns Menschen und Mächte anhaben? 1935

Man hat nie etwas Grosses haben können ohne Kampf und Wagnis. 1936

Es ist bis jetzt in der Welt noch nie ein grosser Sieg des Guten errungen worden anders als durch das Kreuz. 1914

Die Sache Gottes steht oft im A u g e n b l i c k. Im Augenblick muss die Entscheidung fallen. Im Augenblick muss der Entschluss gefasst werden. J e t z t öffnet sich ein neuer Weg. J e t z t kann er betreten werden. Wenn man aber jetzt zaudert, wenn man jetzt zuwarten will, dann geht dieser entscheidende Augenblick vorüber. Das ist die ungeheure Bedeutung der Zeit und Stunde im Reiche Gottes. Zweifler und Zauderer haben noch nie das Reich Gottes vorwärts gebracht. 1935

GEMISCHTES

Wir müssen um die Stille kämpfen. Das ist eine der grossen Aufgaben der Zeit, die nur von wenigen recht erkannt wird. 1929

Die Freude ist im gesunden Leben enthalten, wie der Saft in der Pflanze, die Wärme im Blute. So viel echte Freude wir haben, so viel Leben, und so viel echtes Leben, so viel Freude.1914

Nicht in den Dingen ist unsere Freude, sondern in der Seele. Die Unendlichkeit der Menschenseele genügt für jeden Hunger und Durst nach vollem Leben. Die Seele ist unser Reichtum. 1904

Wer sich nicht grundlos freuen kann, der weiss nicht was Lebensfreude ist. 1924

Einfachheit und Herbigkeit des Lebens sind eine Hauptbedingung geistiger Kraft und Fruchtbarkeit. 1914

Die Genussucht entsteht aus der Leere, und ihre Wirkung ist Leere. 1914

Der Sinn aller Kultur ist der Mensch, und zwar der persönliche Mensch, der Mensch in seiner Geistigkeit und Freiheit, der sich und andern heilig gewordene Mensch. 1919

Es gibt eine Heiligkeit des Ich, deren Verletzung die sittliche Weltordnung straft. 1903

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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