Manfred Böhm

ragaz

Manfred Böhm: Gottes Reich und Gesellschaftsveränderung. Traditionen einer befreienden Theologie im Spätwerk von Leonhard Ragaz
In der Genossenschaft verbinden sich die Elemente der Freiheit und der Gemeinschaft zu einer Sozialform. Ragaz spricht von der „Freiheit in der Gebundenheit“. Die Genossenschaft ist für Ragaz nicht nur eine gemeinschaftliche Form bloßen Zusammenlebens, sondern will auch eine solidarische Produktions– und Konsumtionsgemeinschaft sein.
Mit diesem anarchistisch orientierten Gesellschaftsverständnis wendet sich Ragaz gegen jede Form von Staatssozialismus…
Die neue Gemeinde: Die dem Reich Gottes adäquate Sozialform ist nicht die Institution der Kirche, sondern die Gemeinde, die sich als ganzheitliche Lebensgemeinschaft inmitten der Welt versteht und nicht bloß als sakraler Zusammenschluß um die beiden Elemente Kultus und Dogma. Reformiertes Erbe und anarchistischer Einfluß wirken hier zusammen.
Die Kirche verkam zu einer Trägerin von Religion, d.h. zu Orthodoxie, Dogma, Kultus, Institution, Priesterschaft etc. Das verwaiste Reich Gottes findet nun in der Gemeinde eine neue, angemessenere Trägerin. Die Kirchentür muß aufgestoßen werden, denn Gott will in die Welt. Die Operationsbasis dieses umfassenden Verweltlichungsprogramms ist die Gemeinde. Hier versammeln sich Menschen, die die Nachfolge existentiell leben und gemeinschaftlich praktizieren wollen. Die Gemeinde ist nach Ragaz Vorstellungen der Brückenkopf Gottes in der Welt. Sie ist die „Stellvertreterin Gottes auf Erden“.
Die Gemeinde im engen Verständnis wird gebildet von Menschen, die sich freiwillig zu einer personalen Gemeinschaft zusammenfinden, um gemeinsame Lebens -und Nachfolgestrukturen aufzubauen. In diesem Sinne kann man nicht nur von einer Gemeinde sprechen, sondern von vielen kleinen, lokalen Gemeinden. Es geht in ihnen um die kreative, nachahmungsfreie Verwirklichung des biblischen Kommunismus auf der Basis der Gütergemeinschaft. Die Unterscheidung von Klerus und Laien oder von Theologen und Laien ist aufgehoben. Es existiert somit auch keine Hierarchie, überhaupt kein Amt als solches; die familiäre Überschaubarkeit der Gruppe ermöglicht indes die Entfaltung der vielfältigen Charismen. Die Gemeinde darf sich nicht nach außen abschließen, darf ihre Erfahrungen nicht exklusiv auf ihren Binnenraum beschränken. Sie darf nicht zur Sekte werden; ihr Arbeitsfeld ist die Welt. Damit gelangt man zum Gemeindeverständnis im weiten Sinne. Darunter versteht Ragaz alle Menschen, die über alle Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen hinweg dem Reich Gottes nachfolgen und damit an dessen Verwirklichung arbeiten. Ihre Verbindung besteht in der gemeinsamen Überzeugung und Lebenshaltung.

Die Gemeinschaft ist mit einem Brot zu vergleichen: die Saatkörner werden ausgestreut über viele Äcker und Ländereien. Dann kommt die Zeit der Ernte. Und dann ist es nicht immer so, dass das Getreide nur von einem Acker zusammengebracht wird in der Kornkammer, sondern es ist oft so, dass das Getreide von vielen Äckern und Ländereien zu einem Brot zusammengebacken wird. So wird die Gemeinde aus vielen Völkern und Nationen,
aus vielen Standesschichten, Volksklassen und Weltanschauungen zusammengeführt und zusammengebacken zu einem Brot. EBERHARD ARNOLD Mehr zum Thema: Leben im Licht

Alle, die Gott gemeinsam anbeten, sollten die gleichen Glaubensansichten haben
1. Korinther 1 : 10-17
Spaltungen in der Gemeinde: 10 Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle mit einer Stimme redet; und lasst keine Spaltungen unter euch sein, sondern haltet aneinander fest in einem Sinn und in einer Meinung. 1Denn es ist mir bekannt geworden über euch, meine Brüder und Schwestern, durch die Leute der Chloë, dass Streit unter euch ist. 1Ich meine aber dies, dass unter euch der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere: Ich zu Apollos, der Dritte: Ich zu Kephas, der Vierte: Ich zu Christus. 1Wie? Ist Christus etwa zerteilt? Wurde denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft? 1Ich danke Gott, dass ich niemanden unter euch getauft habe außer Krispus und Gaius, 1damit nicht jemand sagen kann, ihr wäret auf meinen Namen getauft. 1Ich habe aber auch Stephanas und sein Haus getauft; sonst weiß ich nicht, ob ich noch jemanden getauft habe. 1Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen – nicht mit weiser Rede, auf dass nicht das Kreuz Christi zunichtewerde.

Gläubige der wahren Religion bilden eine weltweite Familie.

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