Thomas Müntzer






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Die Deutschen II 5v10 – Thomas Müntzer und der Krieg der Bauern
Thomas Müntzer – Teil 1/3
Thomas Müntzer – Teil 2/3
Thomas Müntzer – Teil 3/3

Thomas Müntzer
Weil sie den bitteren Christus nicht will, frißt sie sich am Honig ihrer süßlichen Frömmigkeit tot. Ihr fehlt der ganze Christus, weil ihr das bittere Kreuz abhanden gekommen ist. Die Lehre vom bitteren Christus, das Zeugnis von dem alles umwälzenden Ernst des Kreuzes Christi steht im schärfsten Gegensatz zu dem erdichteten Glauben der allgemeinen Frömmigkeit.

Die Universitäten sind die größte Verwirrung des Bibelwortes und werden es bleiben bis ans Ende der Tage. Sie machen aus den äußeren Dingen allerlei Wesens, aber das Wesen erkennen sie nicht. Sie können zu keinem Glauben kommen, weil sie noch in sich selbst geistreich sind. Sie sind noch nicht in die tiefste Dunkelheit eingehüllt, deshalb singt ihnen die Nachtigall des Heiligen Geistes auch nicht. Es fehlt ihnen das innerliche Wort in dem Abgrund ihrer Seele, weil sie sich einbilden, schon genug große Bücher zu haben.
Sie denken, sie können den Glauben mit menschlicher Theologie lehren, und sie haben noch nicht erkannt, daß der Glaube nur in dem Kreuz der äußersten Armut des Geistes gegeben werden kann. Ihnen kann die Morgenröte nicht aufgehen, weil sie die Nacht verleugnen. Der Tag kann nicht anbrechen in ihren Herzen, weil sie sich mitten in der Nacht einbilden, schon am Tage zu sein.

J. S. Bach – Kantate „Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir“, BWV 131

Die Schriftgelehrten sagen, das aufgeschriebene Wort sei die Stimme Christi. Sie halten das Gehäuse des Vogels für den Vogel. Der Vogel ist aber nicht mehr drin. Sie setzen in das Gehäuse des Vogels ein Uhrwerk, das die Töne des Vogels hervorbringt, aber damit ist der lebendige Vogel nicht da. Sie setzen den Buchstaben zu einer Posaune, sie können aber nicht blasen, denn der rechte Hall ist nicht darin. Der rechte Hall muß zu der Posaune hinzukommen, sonst muß man sie wegwerfen.

Die bisher waren, merkt, sie plappern kalt daher. Sie stehlen das Wort aus dem Munde ihres Nächsten, welches sie selber nie vernommen haben. Ich habe wohl gehört von ihnen die bloße Schrift, die sie gestohlen haben aus der Bibel als behende Diebe und Räuber … Und dürfen danach wohl herrlich schwatzen, daß Gott nicht mehr mit den Leuten rede, gleichwie er nun stumm wäre geworden; sie meinen, es sei genug, daß es in Büchern sei geschrieben, und sie es so roh mögen herausspeien wie der Storch die Frösche den Jungen ins Nest; sie sind nicht wie die Henne, die um ihre Kinder hergeht und sie warm macht, teilen auch nicht Gottes Wort, das da lebt in allen auserwählten Menschen, in die Herzen, wie eine Mutter gibt Milch ihrem Kinde. Sondern sie machen in den Leuten Balams Weise, die den armen Buchstaben im Maul haben, und das Herz ist wohl über hunderttausend Meilen davon.

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