Zwei Brüder

zwei söhne

Zwei Brüder, Mt 21.28-31
Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sprach: „Gehe heute zur Arbeit in den Weinberg!“ Der antwortete: “Ich will nicht!“ Später aber bereute er es und ging hin. Er ging aber auch zum andern und redete zu ihm ebenso. Der antwortete und sprach: „Ja Herr, gewiß!“ und ging nicht hin. Welcher von den zweien hat den Willen des Vaters getan? Sie (die Priester und die Ältesten, vgl. Mt 23) sagen: „Der Zweite“. Da sagt Jesus zu ihnen: „Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren kommen vor euch in das Reich Gottes.“

Gehen wir von dem Bilde des Weinberges aus, in welchen der Vater den Sohn schickt. Einen solchen Weinberg hat Gott in der Welt. Es ist das Reich Gottes für die Erde. Das Reich Gottes bedeutet das Reich der Gerechtigkeit und Gerechtigkeit des Reiches Gottes bedeutet das, was vor Gott recht ist. Vor Gott gilt aber das Recht des Menschen, besonders des Armen und Geringen. Aber nun ereignet sich das mit dem zweiten Sohne…Die Eingeladenen, Berufenen, Gerufenen gehen nicht in den Weinberg. Sie erklären zwar aufs bereitwilligste, ganz automatisch sogar, dass sie es tun wollten, aber sie tun es nicht.
Sie haben Worte und Gebärden des Gehorsams in Hülle und Fülle. In ihrer Bibel haben sie ja die Losung vom Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit. Sie geht durch ihre ganze heilige Schrift vom Anfang bis zum Ende. In ihren Predigten und Gebeten und noch mehr in ihren Liedern haben sie die Worte der Kindschaft und Bruderschaft, der Gerechtigkeit, Wahrheit und Freiheit und alles denkbare Große und Herrliche, aber sobald sie einen Schritt aus der Sphäre der Religion heraus tun, hört das alles auf. Die ganze Gerechtigkeit des Reiches Gottes wird zum Kultus, im weitesten Sinne des Wortes, das Credo eingeschlossen… Dort lesen sie vom Kampfe Gottes mit dem Mammon, hier stützen sie, bewusst oder unbewusst, dessen Reich. Diese Willigkeit ist ein Charakteristikum unseres üblichen Christentums. Es nimmt jede höchste Zumutung ohne weiteres hin: das Reich Gottes, die Nachfolge, den Glauben, die Liebe, die Hoffnung und was alles. Aber es hat nicht im geringsten im Sinne, damit Ernst zu machen. Diese Willigkeit bei voller Abwesenheit des Willens ist vielleicht das Allerärgste an unserem christlichen Wesen oder besser Unwesen. So die „Gläubigen“ es nicht tun wollen, so tun es die „Ungläubigen“. Auch hier wollen wir die Pointe nicht vergessen. Was mag wohl den ersten Sohn veranlassen, so schroff zu erklären: „Ich will nicht!“? Dieser Sohn sagt Nein, gerade weil der Bruder so leicht Ja sagt. Diese Heuchelei ist ihm zuwider. Er selbst ist eine eigenwillige Natur. Er nimmt nicht gern einen bloßen Befehl an, er will zuerst prüfen. Aber wenn er sich entschlossen hat, dann macht er ganzen Ernst. Ist nicht an der Ablehnung der „Ungläubigen“, im Namen Gottes, oder besser: im Namen der „Religion“, in den Weinberg Gottes zu gehen, auch die Erfahrung jener heuchlerischen Willigkeit der „Gläubigen“ schuld? Ist nicht darin auch eine Abneigung gegen das, was nur von außen kommt, als Tradition, als Autorität? Ist nicht darin auch eine Sehnsucht nach freiem Gehorsam? Sollte das von unserem „Christentum“ nicht sehr überlegt werden? Sollten wir im Geiste des Reiches Gottes nicht anders zu den Menschen kommen, als wir es gewöhnlich tun? Damit ist die andere große Tatsache verbunden, dass die Pharisäer und Sadduzäer Jesus verwerfen und die Zöllner ihn annehmen… Ganz besonders paradox tritt diese Tatsache aber namentlich in bezug auf die soziale Gerechtigkeit hervor. Weil diese, obwohl sie gewaltig aus der Bibel leuchtet, von den christlichen Pharisäern und Sadduzäern nicht vertreten worden ist, mussten Bakunin und Proudhon, Marx und Lenin sie vertreten. Kurz: Weil Gottes Wille von den Frommen nicht getan wird, so müssen die Nicht-Frommen, ja „Gottlosen“ ihn tun. So ist diese ungeheure Kluft entstanden. Auf der einen Seite stehen die, welche Gott wollen, aber nicht sein Reich, auf der anderen Seite die, welche das Reich wollen, aber ohne Gott… Weil die einen sich zu Gott halten, oder doch zu halten vorgeben, aber sein Reich nicht wollen, lehnen die andern, die das Reich wollen, Gott ab. Dann aber wieder lehnen die andern das Reich ab, weil diese das Reich wollen, aber ohne Gott. Und doch können sie einander nie ganz lassen; denn sie sind doch Brüder!
Gott ist, wo sein Wille geschieht. Sein Wille ist die Gerechtigkeit – die Gerechtigkeit seines Reiches. Wo sie ist, da ist Gott, wo sie nicht ist, da ist Gott nicht. Darum kann Gott nicht sein, wo viel Religion ist, und er ist mit Vorliebe dort nicht, und er kann sein, wo keine Religion ist und er ist mit Vorliebe dort. Denn es waltet in diesem Sachverhalt Gottes Ironie. Er straft den selbstgefälligen Hochmut der „Gläubigen“ dadurch, dass er die „Ungläubigen“ mit der Erfüllung seines Willens beauftragt. Er beschämt und richtet die „Gläubigen“ durch die „Ungläubigen“. Aber damit will er die „Gläubigen“ zur Wahrheit aufwecken. So erinnert er heute durch den Kommunismus Lenins die Christen an den Kommunismus Christi… So spricht ja Christus in der Bergpredigt: „Wahrlich, ich sage euch: Nicht die, welche zu mir ´Herr, Herr` sagen, werden in das Reich Gottes kommen, sondern die, welche den Willen meines himmlischen Vaters tun.“ Gott ist unabhängig von der Religion. Er ist über der Religion. Er ist immer wieder anderswo, als wir meinen. Es müssen die, welche an Gott glauben, auch an das Reich glauben, dann werden die, welche an das Reich glauben, auch an Gott glauben. Denn das wollen wir wohl beachten: Die größere Schuld tragen nicht die „Ungläubigen“, sondern die „Gläubigen“. Sie müssen darum zuerst umkehren.

Christentum und Sozialismus sind ursprünglich e i n e Wahrheit. Diese ist in zwei Hälften zerbrochen worden, von denen jede sich für das Ganze hält und mit der anderen streitet. Die ganze Wahrheit wäre die Rettung der Welt, die Teilung wird ihr zum Verderben. 1929

Die Zukunft des Menschen wird nicht gegen die Gläubigen, ja nicht einmal ohne sie erbaut werden können; die Zukunft des Menschen wird nicht gegen die Kommunisten, ja nicht einmal ohne sie erbaut werden können. Roger Garaudy, Kommunistische Partei Frankreichs

Jesus war ein Sozialist
familia Dei Manfred Böhm
Why is Religion so Often a Source of Conflict?
Heinz Rudolf Kunze – Jeder bete für sich allein
Peter Janssens – Kirche Wofür (1970)
Peter Backhausen & Peter Janssens Band 1971 in Nicaragua
Chris Doerk – Die Rose von Chile (Weltspiele der Jugend 1973)
Chris Doerk – Die Rose Von Chile
Pope suggests it’s better to be an atheist than a bad Christian
Erklärung des Welttreffens sozialer Bewegungen und Rede von Franziskus
3. Welttreffen der sozialen Bewegungen
Land, Arbeit, Wohnung – der Schrei der Unterdrückten
Die Pariser Kommune – 72 Tage Revolution
Pariser Kommune

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¿Qué le dijo el Papa a Evo Morales tras recibir un Cristo sobre la hoz y el martillo com?
Zwar ist die Sache mit dem Kommunisten-Kreuz komplizierter, es ist eine Replik, doch das weiß der 78-Jährige zunächst nicht. Ursprünglich stammt das Kreuz von dem 1980 in Bolivien mit 17 Schüssen ermordeten Jesuiten Luis Espinal, der damit eine Brücke zu den linksorientierten Arbeitern und Bauern schlagen wollte. Und an den Franziskus, ebenfalls Jesuit, in La Paz erinnerte. Doch zugleich wirft das Geschenk ein Schlaglicht darauf, wie der Argentinier auf seinem Kontinent gesehen wird. Als linker Papst. Quelle: n-tv.de
Nicht einmal der Papst bleibt vom Medienkrieg verschont

Als Fidel Castro 1971 nach Chile reiste, um dort den frei gewählten Präsidenten Salvador Allende zu besuchen, bot er anläßlich einer Rede vor Studierenden den Christen eine strategische Allianz an: Ich sage es, ohne zu zögern. Wir sehen die revolutionären Christen als strategische Alliierte der Revolution, nicht einfach nur als Mitreisende. Wenn man nach Ähnlichkeiten in den Zielen des Marxismus und den besten Geboten des Christentums sucht, wird man so viele Übereinstimmungen finden und man würde sehen, warum eine einfache Gemeinde, die den Hunger kennt – weil sie ihn von Nahem sieht -, die die Krankheit und den Tod, die den menschlichen Schmerz kennt … oder diese Priester, die in den Kupferminen arbeiten oder mit einfachen Bauernfamilien arbeiten und sich mit ihnen identifizieren, warum sie gemeinsam mit ihnen kämpfen.

Aufruf zum Streik! Ausschnitt aus „Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse“

»lch wage auch von Heiden Entlehntes göttlich zu nennen. Die Wahrheit stammt immer vom heiligen Geist, einerlei, wo und durch wen sie beigebracht wlrd!« Huldrych Zwingli

Christiane Geisthardt: Die Lebenswelt der ‚neuen christlichen Kultur‘
Sölle bekennt: „Ich werde oft ungeduldig, wenn mich Gläubige fragen: ‚Bist du Marxistin?‘ Das Beste, was mir dazu einfällt, ist eine Gegenfrage: ‚Putzt du dir die Zähne? Ich meine, nachdem man die Zahnbürste erfunden hat?‘ – Wie kann man Amos und Jesaja lesen und nicht Marx und Engels? Das wäre absolut undankbar gegenüber einem Gott, der uns Propheten mit der Botschaft sendet, daß Jahve kennen, Gerechtigkeit üben heißt.“
Nach D. Sölle ist aus dem christlich-marxistischen Dialog ein Bündnis geworden. Die ’neue christliche Kultur‘ ist eine „Kultur sozialistischer Christen“. Als Devise dieser Überzeugung gilt: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Kapitalismus.“ Die Glaubensinhalte dieses den Kirchen, den Konfessionen und der Theologie distanziert gegenüberstehenden Christentums wird im ersten Kapitel exemplarisch als ‚Christsein nach Dorothee Sölle‘ dokumentiert. Da die ‚bedingungslose Liebe zum Menschen‘ das Glaubenszentrum bildet, verlieren religiöse Gottesvorstellungen und theologische Argumentationen an Bedeutung. Die Liebe zum Menschen wird nicht an religiöse Bedingungen geknüpft.
Für D. Sölle sind religiöse Bindungen historisch und biographisch zu erklärende persönliche Überzeugungen, die in der Privatsphäre beheimatet sind und in ihr verbleiben sollen.
Im Mittelpunkt steht das menschliche Beispiel Jesu. Der biblische Hoheitstitel ‚Christus‘ wird beibehalten, um die herausragende Menschlichkeit Jesu zu verdeutlichen.

Diese Menschlichkeit gilt es, unabhängig von religiösen Traditionen, zu leben.

Die entsprechende Formel lautet: „Theismus und Atheismus sind vom Glauben gleich weit entfernt.“

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