Die Gemeinde des Reiches

In Gemeinschaft leben: Warum eigentlich? von Merrill Mow
Der Geist Gottes ist ein Geist der Einheit und nicht der Uneinigkeit. Deswegen müssen wir mit Entschiedenheit alles überwinden das zur Zwietracht zwischen Menschen und Gruppen führt. Was trennt Menschen voneinander? Wenn man irgendetwas mehr liebt als Gott. Wenn ich meine Aufgabe, meinen Job, mein künstlerisches Talent, mein Studium, meinen Besitz oder meine Position zu einer Barriere zwischen mir und meinen Mitmenschen werden lasse und damit auch zur Barriere zwischen Gott und mir. Jesu Worte rufen in aller Klarheit immer wieder dazu auf alles abzubrechen und aufzugeben was uns von Gott trennt. Genau aus diesem Grund lebte die Urgemeinde in Jerusalem in völliger Lebensgemeinschaft.

Ein Leben in Gütergemeinschaft kann in sich selbst weder ein christliches Leben noch ein Leben in Einheit hervorbringen. Es ist einfach nur das Ergebnis wenn Menschen sich dem Willen Gottes unterordnen, dann ist es ein Geschenk Gottes. Es gibt in der Geschichte der Völker unzählige Gemeinschaftsversuche, die bald auseinanderbrachen oder hart und gesetzlich wurden, ganz einfach weil ihnen der Glaube fehlte oder weil sie dachten, dass Gütergemeinschaft ihnen ein gutes Leben garantiert. Gütergemeinschaft ist nur eine Frucht, aber eine notwendige Frucht. Man kann fragen, was denn eigentlich Einheit ist? Geht Einheit noch weiter als das völlige Teilen aller Dinge? Die Antwort ist: JA.
Die Gemeinde tut etwas höchst unpraktisches: sie wartet ganz einfach mit anstehenden Entscheidung bis sie sich sicher ist, was Gottes Wille in einem solchen Fall ist. Und Gottes Wille kann in jeder Situation nur klar werden, wenn die verbindlichen Mitglieder einer Gemeinschaft darin übereinstimmen.

In einer Gemeinde sollte es niemals eine unglückliche Minderheit geben. Zu oft überrollt der demokratische Prozess der Mehrheitsfindung die prophetische Stimme Gottes. Diejenigen, denen es um Macht und Einfluss geht, schaffen es normalerweise eine Mehrheit auf ihre Seite zu bekommen, egal ob es um etwas Gutes oder Schlechtes geht, und damit die Minderheit zu überstimmen. Das einzige Hilfsmittel dagegen ist ein Leben der Einheit im Geist Jesu. Wenn eine Gruppe von Christen wirklich in Christi Namen zusammen ist, dann müssen sie glauben, dass Christus ihnen auch ein einiges klares Verständnis darüber schenken wird, wie sie in einer besonderen Situation handeln sollen.

Was ist die Gemeinde? von J. Heinrich Arnold
Die Menschheit ist gequält und zerrissen; das ist uns bewusst. Zum Teil ist es die Einsamkeit der Menschen, die nur durch die Erfahrung lebendiger Gemeinde überwunden werden kann. Gemeinde ist nicht identisch mit irgendeiner bestimmten Gruppe oder Organisation. Aber sie ist da: Sie lebt, und sie kommt dort herab, wo Menschen sie gemeinsam in Demut suchen. Wenn Gott in das Innerste unseres Herzens spricht, und Einsamkeit und Entzweiung überwunden werden, dann erleben wir innere Gemeinschaft mit Brüdern und Schwestern.

Peter Riedemann, ein Täufer aus dem 16. Jahrhundert, vergleicht die Versammlung der Gläubigen in der Gemeinde mit einer Laterne. Eine Laterne ist unbrauchbar, wenn kein Licht darin ist. Das gilt auch für eine Glaubensgemeinschaft. Sie kann alle Güter gemeinsam halten und ohne jegliches Privateigentum die gegenseitige Liebe und völlige Gemeinschaft praktizieren — das ist noch keine Garantie, dass sie lebendig ist. Die Gemeinde ist ein Geschenk Gottes. Sie kommt zu den geistlich Armen und wird vom Heiligen Geist vereinigt und belebt.

Eine wahre Gemeinschaft kann nicht einen einzigen Tag bestehen ohne die Gabe dieses Geistes. Deswegen erwarten wir immer wieder – in jedem Beisammensein, im gemeinsamen Schweigen oder im gemeinsamen Singen – diese Gabe, die Gott uns angeboten hat.

Je älter ich werde, desto unwichtiger erscheint mir der Bruderhof. Wesentlich ist, dass es die betende Gemeinde Gottes auf dieser Erde gibt. Dazu wollen wir unser Leben hergeben, dafür wollen wir leben. Die Menschen von heute brauchen keine langen Predigten. Der Weg der Nachfolge muss ihnen praktisch vorgelebt werden. Unsere Zeit braucht ein greifbares Beispiel dafür, dass Gott stärker ist als Hass, Not, Sünde und Uneinigkeit. In dieser Weltstunde der Not und Verzweiflung ist also nichts wichtiger als in brüderlicher Einheit und Liebe zu leben.

Gemeinschaft als Antwort auf soziale und politische Probleme von Eberhard Arnold
Wir können nicht ohne Weiteres mit den politischen Verbänden, die mit uns für den Frieden, für die Beseitigung des Privateigentums und für die Gemeinschaft aller Güter eintreten, ihren Kampf führen, so wie er der Wesensart dieser großen Verbände entspricht. Diese politischen Bestrebungen, die sich auf die Verantwortung der großen Öffentlichkeit gegenüber beziehen, sind in ihrer Kampfart ungemeinschaftliche Bemühungen und können nicht zur Gemeinschaft aller Menschen und zum öffentlichen Wohl aller führen. Ihnen fehlt bei allem guten Willen die Kraft und die Möglichkeit, statt einer zerrütteten Gesellschaft eine organische, lebendige Gemeinschaft aufzubauen. Sie können den Besitztrieb des begehrlichen Willens nicht überwinden, wie die Geschichte aller dieser Bewegungen zeigt.

Der eine Herr und die Einigkeit unter Christen von Christoph Friedrich Blumhardt
Es ist so schwer, Einigkeit herzustellen unter den Menschen, auch in der Christenheit. Das Volk Jesu Christi soll ein einiges Volk unter dem einigen König sein. Aber es ist so selten möglich, dass Menschen miteinander Gott dienen. Einer allein würde schon seinem Herrn dienen, und der andere allein auch; sobald es aber mehrere sind, schauen sie aufeinander, und in Neid und Eifersucht drehen sich ihre Gedanken um sich selbst und um ihre Brüder, und von dem Herrn schauen sie weg. Auch in den Kirchen ist es leider so; sie beschäftigen sich zuviel mit sich und mit ihren Besonderheiten; es bilden sich verschiedene Traditionen, und schließlich rechnet man die Traditionen zur Religion und trennt sich noch mehr und vergisst den gemeinsamen Herrn. Wieviel Eifersüchtelei erschwert auch in christlichen Anstalten das Leben! Man muss so viele Rücksichten nehmen und Verbeugungen machen, um nur hier und da nicht anzustoßen.

Demgegenüber ist es eine wahre Wohltat, wenn Gott wieder den Heiland in den Vordergrund schiebt als den einigen König. Da soll jeder einzelne lernen und sagen: Ich diene dem König, und von dem anderen denken: Er dient auch dem König. Da werden alle Unterschiede in unseren religiösen Traditionen Nebensache; jeder kann bei seinen Traditionen bleiben, wenn er nur ein Herz hat für den König und bereit ist, ihm zu dienen. Gott will, dass wir Christen heute untereinander Frieden haben, auch konfessionellen Frieden. Löst eure Gitter auf, reißt eure Zäune ein; habt Frieden und dienet dem einen Gott und dem einen Herrn!

Kirche als Gemeinschaft
Gemeinschaft in Christus ist eine Gabe des Heiligen Geistes. Jeder Versuch, sie aus eigener Anstrengung zu erzwingen, erzeugt nur eine enttäuschende Karikatur. Ohne Hilfe von oben bleiben wir Menschen selbstsüchtig und zerstritten, unfähig zu einem gemeinsamen Leben. So erweisen sich selbst unsere besten Vorsätze und Bemühungen als unnütz, wie Jesus uns sagt: „Denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“
Wir bleiben Sünder, gänzlich der Gnade bedürftig.

Eberhard Arnold: Die Revolution Gottes
Die Welt fällt überall auseinander. Sie zerbröckelt, sie verwest. Ihr Prozess ist das Auseinanderlaufen. Das ist ihr Tod. Und mitten in dieser furchtbaren Zeit stellt nun Christus durch seinen Heiligen Geist seine Stadtgemeinde mit ihrer bedingungslosen Einheit in die Welt hinein (Joh.17,11 u. 23; Matth.15,14). Das ist die einzige Hilfe, die der Welt gegeben werden kann: dass hier eine Sammlungsstelle, ein Wille des Zusammenbringens und Zusammenkommens, der Vereinigung zu finden ist, der absolut ist und keinerlei Bedenken mehr kennt. 1932

Paulus sagt, dass alle Völker der Welt zusammengefasst werden sollten in dieser Gemeinde, dass alle Zäune und Mauern niedergebrochen werden sollten, die zwischen den Völkern, Nationen, Klassen, Ständen und Schichten der Menschen aufgerichtet sind (Kol.3,11). Nicht nur die ganze Welt sei für Gott zu erobern, sondern mitten in der Welt soll die Gemeinde das Leben in der vollen Einheit offenbaren. 1934

So ist es in der jetzigen Weltstunde äußerster Not hohe Zeit der Entscheidung, dass wir das Leben der Gemeinde und ihrer Einheit als von Gott verliehene Gabe ergreifen. 1933

Es handelt sich nicht einfach darum, dass wir eine Kolonisationsgesellschaft sind, die eine neue Dorfkolonie anlegt, (als wenn es nicht schon genügend Dörfer gäbe), in welchem die Menschen einander ebenso nah und ebenso fern gegenüberstehen wie in allen anderen Dörfern. Wir stehen nicht auf dem Standpunkt, dass wir eine allgemeine Menschheitsgemeinschaft suchen, dass wir die Menschen, so wie sie sind, in Gemeinschaft zusammenfassen wollen. Dann hätte jeder an seinem Platze bleiben können, wenn uns daran läge, diese Gemeinschaft gleichsam auf Gegenseitigkeit zu gewinnen. Und wir finden auch hier nicht bessere Menschen als woanders, auch nicht schlechtere Menschen. Wenn wir nur die Gegenseitigkeit der Beziehungen unter den Menschen als Gemeinschaft suchten, dann hätten wir nicht auf den Bruderhof zu gehen brauchen. Wir hätten das überall finden können. Es wäre uns aber auch überall missglückt. Denn alle diese Versuche, die auf dem augenblicklichen Zustand des Menschen beruhen, müssen scheitern; sie sind von vornherein bankrott. 1933

Die Bildung der Urgemeinde konnte von niemandem gemacht werden. Keine noch so große rednerische Leistung, keine noch so flammende Begeisterung hätte das Aufwecken der damals ergriffenen Scharen für Christus bewirken und die Lebenseinheit der Urgemeinde hervorbringen können. Die Freunde Jesu waren sich dessen klar bewusst, hatte ihnen doch der Auferstandene befohlen, in Jerusalem auf die Erfüllung des großen Versprechens zu warten (Luk.24, 49). Johannes hatte alle, die auf ihn hörten, ins Wasser untergetaucht. Die Urgemeinde sollte in den heiligen Wind des Christusgeistes hineingetaucht werden, von ihm umweht, durchdrungen und erfüllt sein (Apg. 2, 1-2). 1920

Das Leben soll eine solche Stadtgemeinde werden, dass das Licht aus den Fenstern der Stadt hinausleuchtet in das Land, so dass an diesem Licht das Land erkennt: Es gibt eine einige Stadtgemeinde! (Matth.5,14) Und das ist der Auftrag Jesu in unserer Zeit, dass solche Stadtgemeinden entstehen, die dieses Licht der völligen Einheit in Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist der Welt offenbaren. 1935

Wir stehen so, dass in der Arbeitsgemeinschaft (ob nun ein Haus gebaut wird, oder was es auch sein mag) die ungebrochene Einstimmigkeit der ganzen Gemeinschaft Voraussetzung zu jeder Handlung ist. Diese Einstimmigkeit kann nur auf dem religiösen Weg zustande kommen, nämlich dadurch, dass Gott durch seinen Geist zu jedem einzelnen dasselbe sagt, was er zu den anderen sagt. Diese Einstimmigkeit kommt nicht durch Überreden zustande. Anstelle der gegenseitigen Überredung muss der
Zuspruch Gottes durch den Heiligen Geist kommen.
Dieser Geist versichert uns nicht nur des Heils, – dass er uns angenommen hat –, sondern dieser Zuspruch versichert uns auch der sogenannten „Kleinigkeiten“. Er gibt uns auch gemeinsame Beschlüsse ein, über den Kauf einer Wiese, oder was es sonst sei. Die Einstimmigkeit ist das erste Zeichen.
Das zweite Zeichen ist die Arbeit selbst. Im allgemeinen wird im Wirtschaftszusammenhang Arbeit getrieben um der Existenzerhaltung der Familie willen, aus dem gesunden Lebensbedürfnis des Menschen heraus. Die Menschen haben oft nur die eine Beziehung zu ihrem Beruf, dass sie sich so ihr Brot verdienen können. Im übrigen ist ihr Leben unabhängig von ihrem Beruf. Wir bekämpfen das. Ebenso wie Einstimmigkeit zwischen Menschen sein muss und gegeben wird, so auch Einstimmigkeit zwischen Arbeit und Berufung: es muss eine solche Arbeit geleistet werden, dass sie dieser Berufung entspricht (Kol.3,17 u.23). Der Mensch muss seine Gaben und seine Kräfte einsetzen, diese Arbeit zu tun. Er tut sie aus dem Geist der Gemeinschaft
heraus. 1929

EINHEIT, NICHT EINFÖRMIGKEIT
Wir glauben daran, dass nur auf dem Boden der Freiwilligkeit, der Freimütigkeit und Offenherzigkeit, eine Überzeugung in Einmütigkeit entstehen kann. Uns ist es niemals unangenehm gewesen, wenn in unserer Mitte ausgesprochen entgegengesetzte Überzeugungen vertreten wurden. Im Gegenteil, wir halten das für sehr viel fruchtbarer, als wenn wir nicht die Gelegenheit hätten, die entgegengesetzte Meinung zu hören. Wir glauben, dass der freie Austausch der Meinungen zum Ziel führen kann, dass ein überlegener Geist der Wahrheit, der nicht von uns Menschen herrührt, die letzte Überzeugung schenkt. Dann möge die Verschiedenheit der Meinungen noch so entgegengesetzt gewesen sein; durch die letzte, tiefste Wahrheit werden alle einig werden, und ein jeder wird aus der Vorratskammer seiner früheren Überzeugung alle Wahrheitselemente mitbringen und wiederfinden. Und gerade dann, wenn der Kreis sich aus Menschen recht verschiedener geistiger Herkunft zusammensetzt, wird die verschiedenartigste Betonung um so reicher zur Geltung kommen. Nicht von der mit Gewalt erzwungenen Unterwerfung aus kommt man zu gemeinsamer Überzeugung; sondern von der Freiheit der Meinungen kommt man durch die innerlich überzeugende Kraft des Heiligen Geistes zur völligen Überzeugungseinheit und wahrhaften Gemeinschaft. 1933

Es ist etwas Merkwürdiges, wenn Menschen zur Einstimmigkeit kommen. Sie ist das Gegenteil von Majoritätsbeschlüssen. Sie bedeutet, dass niemand, auch nicht im Geheimen, mehr einen Widerspruch, ein Dagegensein in sich hat (1.Kor.1,10). 1929

Die unsichtbare Kirche muss sichtbar werden. Dazu ist die Gemeinsamkeit der Güter und die Tisch – und Arbeitsgemeinschaft nötig. Die Kirche Christi ist überall unsichtbar wirksam – überall, wo Menschen vom Geist Jesu Christi ergriffen und bewegt sind.
Das Leben in völliger Gemeinschaft aber ist eine sichtbare Darstellung dieser unsichtbaren Einheit im Geist. Sie ist es im ganzen Leben, nicht nur in kultischer Verkörperung. 1935

Nichts verbindet und vereinigt Menschen so tief wie die gleiche Hoffnung, der gleiche Glaube, die gleiche Freude und Erwartung. Wo wahre Erwartung lebendig ist, da werden Menschen zueinander hingezogen. Der sie verbindende Glaube führt zu Gemeinschaft, so dass sie einander stärken und ermutigen können. Für Gott einzustehen hat immer eine vereinigende Kraft. Mögen wir mit allen denen, die Gottes Reich erwarten, zusammengeführt werden. J. Heinrich Arnold

Das Geheimnis des Mönchs von Chris Zimmerman
Katastrophen und Tragödien – Was folgt daraus?