Der Glaube

Was ist Glauben? „Es ist aber auch der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1). Diese Zuversicht, dieses Vertrauen ist nichts anderes als unsere Option für das Leben. Es gibt ein großes Ja zum
Leben, auch wenn das Leben selber in der objektiven zynischen Situation verneint wird. Sind wir aber optionsfähig, so wird auch unsere Kraft zu kämpfen vorausgesetzt.

Man kann in dieser Welt, wie sie ist, nur dann weiterleben, wenn man zutiefst glaubt,
dass sie nicht so bleibt, sondern werden wird, wie sie sein soll.
Carl Friedrich von Weizsäcker, Physiker und Friedensforscher

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Wenn Kinder leiden von Johann Christoph Arnold

Glauben heisst: Ergriffen sein. 1922

Nicht die „Reichen“, die materiell und „geistlich“ Reichen, in ihrem Hochmut, ihrer Sicherheit, ihrer Herzverfettung verstehen Gott, sondern bloss die Armen. 1945

Das Beste, was von Menschen getan worden ist, ist in hoffnungslosen Lagen geschehen, und die Not ist oft genug die Mutter guter Dinge gewesen. 1918

Der Glaube ist ein Werk Gottes und auch eine Tat des Menschen. 1907

Die Glaubensmenschen verstehen Gottes Absichten, darum verkündigen sie die Zukunft, darum wagen sie Wege zu gehen, vor denen andere zurückbeben. 1907

Nur Glaubende können dem Reiche des Lebendigen dienen. 1936

Der Glaube ist eine Flamme, die durch Arbeit wächst und am Widerstand in die Höhe schlägt. 1907

Es gibt eine Wirklichkeit, die erst durch den Glauben wird oder durch den Nichtglauben nicht wird. So wartet eine ganze Welt nur auf den Glauben, um sichtbare Wirklichkeit zu werden. Eine ganze Welt wartet umsonst, weil wir nicht Glauben haben. 1936

Es gibt kein Fatum – auch kein fromm angestrichenes. Wenn irgend etwas, so gehört dies zum Wesenskern des Glaubens an den lebendigen Gott, der den Sinn der Bibel bildet.
Die Geschichte ist nicht der Ablauf eines fertiggestellten Apparates. 1932

Von alters her hat man die Treue mit dem Glauben in Zusammenhang gebracht:
Treu und Glauben! Der Zusammenhang ist tiefer, als viele ahnen. 1926

Dietrich Bonhoeffer

Heiliger Geist, gib mir den Glauben, der mich vor Verzweiflung und Laster rettet.

Christentum bedeutet Entscheidung.

 

Wo noch Hoffnung ist, da ist kein Unterliegen.

Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.
Schiller: Wallensteins Lager 7. (Wachtmeister)

Ein zweischneidiges Schwert von Henri J.M. Nouwen

Das Evangelium verlangt eine Entscheidung, eine radikale Entscheidung, eine Entscheidung, die nicht überall auf Lob, Unterstützung und Anerkennung stößt.

Ein Ruf zur selbstlosen Liebe von Meister Eckhart

Lernen Gottes Willen zu wollen
Nichts macht einen Menschen mehr zu einem wahren Menschen, als wenn er seinen eigenen Willen aufgeben kann. Der einzige vollkommene und wahre Wille entsteht, wenn wir in Gottes Willen eingehen und ohne Selbstwillen sind. Die Vollkommenheit des menschlichen Willens besteht darin, in Harmonie mit dem göttlichen Willen zu sein, indem wir nur wollen, was Gott will und den Weg, den er dafür wählt, annehmen.

Als der Engel Maria erschien, gab es nichts was sie je hätte tun können um die Mutter Gottes zu werden; aber im gleichen Moment als sie ihren eigenen Willen aufgab, wurde sie die Mutter des ewigen Wortes und empfing Gott in dieser Stunde.

Gott hat sich noch nie einem fremden Willen gegeben, und er wird das auch nie tun.
Nur wo er seinen eigenen Willen findet, wird er sich selbst mitteilen und bleiben, mit allem was er ist.

Gott wird taub wenn wir Tag und Nacht rufen “Herr, dein Wille geschehe.” Und dann, wenn Gottes Wille geschieht, sind wir entrüstet und mögen es überhaupt nicht. Wenn unser Wille Gottes Wille wird ist das gewiss gut; aber wieviel besser wäre es, wenn Gottes Wille zu unserem Willen wird …

Jeder der durch die Gnade Gottes seinen Willen völlig und ganz mit Gottes Willen vereint, braucht in seinem inbrünstigen Verlangen nur zu sagen: „Herr, zeige mir was dein innigster Wille ist und gib mir die Kraft ihn zu erfüllen!“ Und Gott wird das tun, so wahr er lebt, und zwar vollkommen und überfließend.

Niemand muss denken, dass dies unmöglich zu erreichen ist, denn es ist Gott, der dies tut. Manche sagen vielleicht, dass sie das nicht haben. Ihnen kann ich nur sagen, dass sie mir leid tun. Wenn du allerdings noch nicht einmal danach verlangst, dann tust du mir noch mehr leid. Wenn du es nicht hast, dann verlange wenigstens danach! Und wenn du selbst das Verlangen nicht hast, dann sehne dich doch wenigstens nach diesem Verlangen!


Das Flehen des Aussätzigen von Gerhard Lohfink



Đại Kỷ Nguyên – Quà tặng tâm hồn

Zur Freude geschaffen von Alice von Hildebrand

„Im Zweiten Weltkrieg war ich auf einem der letzten amerikanischen Schiffe, die Frankreich verließen. Unser Schiff wurde von einem deutschen Unterseeboot aufgebracht, und wir bekamen eine Stunde Zeit, um das Schiff zu verlassen. Ich war fest davon überzeugt, dass wir sterben sollten. Absolut! Und ich hatte ein überwältigendes Erlebnis. Im Bruchteil von Sekunden sah ich mein ganzes Leben vor mir in den ausführlichsten Einzelheiten,
die man sich denken kann. Es war unglaublich. Was sah ich?

Gott hat jeden Menschen für eine bestimmte Aufgabe geschaffen. Das geschieht aus Liebe zu dir, zu mir, zu jedem. Das Problem ist, dass wir unsere eigene Pläne machen. Wir wollen sie auf bestimmte Art und zu einer bestimmten Zeit verwirklicht sehen. Und dann werden wir ärgerlich, wenn unsere Pläne sich nicht so konkretisieren, wie wir uns das vorgestellt haben. Und doch kommen wir in unserem Leben an einen Punkt wo wir sagen:
„Du, o Gott, musst mich führen.“

Die heilige Theresa von Lisieux sagte einmal etwas, das mir großen Eindruck machte:
„Ich mag das am liebsten, was Gott für mich ausgewählt hat.“ Du lieber Gott, was will man wirklich noch mehr? Wenn Gott es für mich wählt, ledig zu bleiben, soll ich dann sagen: Das ist mir das liebste?

Ich weiß, was wir uns wünschen ist manchmal sehr töricht, doch was Gott für uns wählt, ist immer das Beste. Ich meine, er hat mir mein Gesicht ausgewählt. Ich habe mein Gesicht nicht selbst gewählt. Ich könnte zu ihm sagen, wir haben nicht den gleichen Geschmack. Denn es gibt Menschen, die sind so schön, dass ich nicht anders kann als mir zu sagen, dass ich wünschte ich wäre wie sie. Aber Gott weiß was ich gemacht hätte, wenn ich ein schönes Gesicht bekommen hätte. Jeder würde es sehen und ich würde in schreckliche Versuchungen gestürzt – ich hätte mich für eine Königin gehalten und geglaubt, dass ich auf alles Anspruch habe.

Mit leiblicher Schönheit passiert es leicht, dass man sich in sich selbst verliebt, wie der griechische Hirte Narcissus, als er sein Gesicht entdeckte. Hier auf Erden haben wir das Gesicht, das Gott für uns ausgewählt hat, aber ich glaube, dass wir in der Ewigkeit das Gesicht haben werden, das wir verdienen. Jede Tat der Liebe, jedes anständige und geduldige Verhalten und jede Selbstlosigkeit hinterlassen für die Ewigkeit Spuren in deinem
Gesicht.

Glauben zu haben ist ein unendlicher Segen; zu glauben, dass es einen Gott gibt, der dich geschaffen hat und der dich liebt und weiß, dass du eine unsterbliche Seele hast. Achte auf deine Seele. Um das geht es. Was immer dir geschieht, sage dir „Mein Gott, ich hätte es vielleicht anders gewählt, aber es ist deine Wahl. Und deshalb liebe ich es.“
Ich glaube, das ist der Schlüssel zum Sinn des Lebens.

Wir müssen unser Dasein so weit, als es irgend geht, annehmen; alles, auch das Unerhörte, muss darin möglich sein. Das ist im Grunde der einzige Mut, den man von uns verlangt: mutig zu sein zu dem Seltsamsten, Wunderlichsten und Unaufklärbarsten, das uns begegnen kann. Dass die Menschen in diesem Sinne feige waren, hat dem Leben unendlichen Schaden getan. Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Wer es von sich weiß, dass er Leiden und Trübsal in seinem Leben nur als etwas feindliches, Böses ansieht, der kann daran erkennen, dass er den Frieden mit Gott noch gar nicht gefunden hat. Dietrich Bonhoeffer

Martin Luther formulierte in der 14. seiner 95 Thesen:
„Ist die Liebe (zu Gott) unvollkommen, so bringt…das notwendig große Furcht”.
Und in seinem Kommentar zu dieser These spitzte er zu, dass letztlich die Furcht auf einen Mangel an Gottesglauben zurückzuführen sei, auf ein defectum fidei.
Befreit von Furcht – ermutigt zur Gewaltfreiheit

Jesusnachfolge Im Dunkeln sehen (Teil 1)

Glaub mir: Es lebt mehr Glauben in einem ehrlichen Zweifel
als in den meisten Glaubensbekenntnissen.

—Alfred Lord Tennyson

Glaube ist eine treibende Kraft der menschlichen Existenz selbst. Paul Tillich hat darauf hingewiesen, dass wir alle ein äußerstes Anliegen haben – einen Gegenstand höchster Bindung, von dem und für den wir leben. Oder, wie G.K. Chesterton gesagt hat, wenn Leute behaupten, nicht an Gott zu glauben, „fangen sie nicht an, an nichts zu glauben; sie glauben an irgendetwas.“ Wir alle sind Gläubige. Glaube ist nicht eine menschliche Möglichkeit.
Bewusst oder unbewusst lebt jeder von uns durch gewisse Glaubens-Bindungen.

Wir setzen nicht nur bestimmte Dinge über das Leben voraus, sondern haben Überzeugungen, die, wenn wir ehrlich sind, unser Faktenwissen überschreiten. Ohne diese Überzeugungen wären wir nicht im Stande, Dinge zu verknüpfen und unsere Welt zu einem Uni-
versum zu machen. Die Frage ist dann also nicht, ob wir glauben, sondern was und wie wir glauben. Auch ein reiner Rationalist glaubt. Sein Glaube an die Vernunft ist mehr, als die Vernunft an sich erfüllen kann.

Wir sind was wir glauben, aber was sollen wir glauben? Ein Teil der Antwort liegt paradoxerweise in der Rolle des Zweifels. Ein wahrer Glaubender ist ein guter Zweifler. In der Tat, wie gut oder tief eine Person glaubt, hängt davon ab, wie gut er oder sie zweifelt.
Wenn Glaube sieht, sieht er in der Dunkelheit. Auf eigenartige Weise kann der Funke des Zweifels das Feuer des Glaubens entfachen. Solch ein Funke bedeutet Konflikt und Reibung und manchmal Krise, aber wenn wir das bejahen, kann es uns ermöglichen, uns inmitten der Unsicherheiten des Lebens zu bewegen.

William James hat einmal gesagt: „Bei einigen Leuten ist der Glaube eine dumpfe Gewohnheit, bei anderen ein akutes Fieber.” Echter Glaube ist nie ereignislos oder automatisch;
er ist so fest und tief, wie er erprobt und geprüft worden ist. Obwohl zu glauben eine bewusste Handlung ist, die auf einem verbindlichen Entschluss beruht, ist ein lebendiger Glaube gewöhnlich die Frucht schwerer Kämpfe und tiefen Suchens und dementsprechend voller Narben. Das ist so, weil das Ziel des Glaubens die Wahrheit ist:
die Wirklichkeit, so wie sie ist, selbst wenn sie nur undeutlich zu erkennen ist.

Ob es gerechtfertigt ist oder nicht, wir glauben, dass unsere tiefsten Überzeugungen, jener Glaube, den wir nicht beweisen können, auf den wir uns dennoch völlig verlassen, gut und richtig ist. (Röm 12,9) Instinktiv flieht der Glaube vor der Falschheit, so sicher wie er den Unglauben meidet. Deshalb sind Zweifel und Glaube miteinander verwandt in dem Streben nach Wahrheit. Anders ausgedrückt: echter Zweifel ist die Leidenschaft des Glaubens für die Wahrheit. In des Glaubens Kern gibt es ein Zweifeln, das die Sehnsucht des Herzens, das Bedürfnis des Verstandes und die Forderung des Willens ernst nimmt, dass das, was wir glauben, tatsächlich vertrauenswürdig ist.

Einen Glauben zu schmieden, der den Dingen widersteht, die ihn untergraben wollen, schließt Infragestellung und Kampf ein. Nur dann gewinnt man die Gewissheit des Friedens. Und selbst wenn man diese Gewissheit besitzt, wird der Glaube selbst nach weiterer Verfeinerung streben; er wird immer wieder geprüft und gereinigt werden. Und das bedeutet: Zweifel. Mit Worten von George McDonald:

Zweifel sind die Boten des lebendigen Gottes, um das ehrliche Herz wach zu rütteln.
Sie sind das erste Klopfen an unsere Tür von Dingen, die wir noch nicht verstanden haben, aber verstehen sollen. Ihnen widerfährt normalerweise dieselbe ungastliche Aufnahme wie Engeln, die nicht in ihrer eigenen Gestalt kommen. Zweifel müssen jeder tiefer gehenden Gewissheit vorangehen. Denn was wir zuerst sehen, wenn wir in unbekannte, unerforschte,
unerschlossene Gebiete blicken, sind Unsicherheiten.

Der Apostel Johannes schreibt: „Glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, um
zu sehen, ob sie von Gott sind.“ (1. Joh 4,1)
. Ernest Hemingway hat einmal gesagt, dass wir, um ein Leben gut und frei von Täuschung zu leben, einen eingebauten Mist-Detektor brauchen. Nur auf diese Weise können wir eine eingebaute Liebe zu dem besitzen, was kein Mist ist. Echter Glaube, wie die Liebe, verabscheut das Böse und hält fest am Guten (Röm 12,9). Der Glaubende weiß, dass er das Gute und Wahre nur dann erfasst werden kann, wenn das Schlechte und Falsche erkannt wird. Der Unterschied zwischen Glaube und Vernunft ist daher nicht ein Unterschied zwischen Herz und Kopf, sondern liegt in der Bereitschaft des Glaubens, sich anzuvertrauen über das hinaus, was unsere Sinne berühren, sehen, fühlen, tasten und hören können, oder was unser Verstand begreifen kann.
Glaube ist nie eine Selbstverständlichkeit. Paul Tournier bemerkte einmal: „Wenn es keine Möglichkeit des Zweifelns mehr gibt, gibt es auch keine Möglichkeit mehr zu glauben.
Gesunde Zweifel bringen uns voran, sie werfen uns nicht zurück – wenn, aber auch nur wenn – wir aus Liebe zur Wahrheit zweifeln.

Jesusnachfolge Im Dunkeln sehen (Teil 2)

„In der Lüge begeht der Geist Verrat an sich selbst.“

  • Martin Buber, Gut und Böse

Keiner will je an eine Lüge glauben. Wenn wir an etwas glauben, glauben wir, dass es wahr ist – etwas, worauf wir uns verlassen können, das uns nicht enttäuscht.
„Das Herz kann nicht etwas anbeten womit der Verstand nicht übereinstimmt“,

schreibt Robert Thomas Fertig. Ebenso wenig kann der Verstand in etwas ruhen,
was das Herz nicht umfassen kann.

Genau so war es mit dem Glauben von Johannes dem Täufer – den Jesus rechtschaffen und heilig nennt, den größten aller Propheten vor ihm (Mk 6,20; Mt 11,11). Als Johannes im Gefängnis war, sandte er seine Jünger zu Jesus, um ihn zu fragen: „Bist du der Eine, der kommen soll, oder sollen wir auf jemand anderen warten?“ (Mt 11, 2-3). Jesus antwortete: „Geht zurück und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen,
Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird die Frohe Botschaft verkündet.“
(Mt 11,4-5). Jesus verstand Johannes‘ Frage. Seine Anfrage erschien ihm sinnvoll, denn das Gegenteil von Glaube ist nicht Zweifel sondern Unglaube. Johannes‘ Frage entsprang nicht einem Mangel an Glauben, sondern kam aus der Tiefe des Glaubens. Anstatt Johannes also zu tadeln, hat Jesus dessen Schüler angewiesen, ihm die Beweise seiner Messianität zu berichten. Jesus hat vollkommen verstanden, dass hinter dem Fragen von Johannes ein ernstes und leidenschaftliches Verlangen, ja eine Bereitschaft stand,
zu glauben.

Johannes’ Glaube schloss das Überprüfen nicht aus. Glauben hat seine eigenen Gründe, wie Pascal es einmal ausdrückte, aber es hat Gründe. Wenn Abraham also bereit war, Isaak als Opfer zu geben, so tat er das, weil er „Grund zur Annahme hatte, dass Gott den Tod überwinden konnte“ (Heb. 11,19). Sein Glaube war kein leichtsinniger, blinder Sprung. Er war auf das Versprechen des Einen gegründet, der, durch Sarah, seine Vertrauenswürdigkeit bewiesen hatte.

Und was ist mit dem „zweifelnden Thomas“? Hat Jesus nicht gesagt, „Hör auf zu zweifeln und glaube“? Hat er nicht erklärt, „selig sind die, die nicht sehen und doch glauben“?
Ja, gesegnet sind die, die glauben, ohne die Hände und die Seite von Jesus berührt zu haben. Nichts desto weniger erscheint Jesus dem Thomas genauso, wie er dem Rest der Jünger erschienen ist, um ihnen genau seine Hände und seine Seite zu zeigen. Er kam, wie der Apostel Johannes später schrieb, „damit sie glauben mögen, dass er der Christus war“ (Joh. 20,31). Jesus hielt Thomas seine durchbohrten Hände nicht als Zurechtweisung hin, sondern als Gnade. Wie die anderen Jünger, die Jesus verlassen hatten, musste auch Thomas den auferstandenen Herrn selbst erleben. Als das geschehen war, konnte er seinen
gekreuzigten Herrn anzubeten.

Echter Glaube ist so sehr ein Feind von Fanatismus und Intoleranz wie die größte Skepsis. Aus dem Grund eignet sich ein Glaubender nicht nur das an, was überweltlich gegeben ist, sondern alles, was zum menschlichen Wesen gehört, einschließlich der rationalen, intuitiven und moralischen Dimensionen der Existenz. Die Gewissheit des Glaubens steht jedem Stolz fern, sei er intellektuell oder nicht. Elton Trueblood spricht vom Glauben als einer Art „geheiligtem Skeptizismus“. Es ist offen für kritisches Hinterfragen, bedenkt gegenteilige Perspektiven, heißt wahre Einsichten willkommen und – das ist wohl das Wichtigste – stellt sich aufrichtig seinen eigenen Fragen. Wie G. K. Chesterton es einmal ausdrückte, “Nur einen offenen Geist zu haben ist nichts; der Zweck ist, seinen Geist zu öffnen, so wie man seinen Mund öffnet, um ihn wieder zu schließen und auf etwas Festes zu beißen.“

Der Glaube sucht das Verstehen: er ist offen, weil er wahrhaftig sein will. Als der Apostel Paulus nach Athen kam, hat er sich alle Götzen sehr genau angeschaut. Als er einen Altar bemerkte, der dem „unbekannten Gott“ geweiht war, nutzte er die Philosophie der Stoa und der Epikureer, um einen Anknüpfungspunkt zu finden und dann seine Zuhörer anzusprechen. Ein Glaube, der retten kann, ist offen für ein weites Spektrum der Wahrheit, obwohl er nie offen für das Unechte und Falsche ist. Er wird die Gegenansprüche von verschiedenen Standpunkten aufgreifen und sogar untersuchen, aber nicht, weil er alles als eins oder gleich ansieht, sondern weil er weiß, dass Gott unter allen Menschen und in
allen Dingen am Werk ist
(Apg, 14,14-18).

Es ist ein Fehler zu denken, dass Glauben sich vor Kritik oder Fragen schützen sollte.
Gegensätzlichkeit, ja selbst Widerspruch kann ein Instrument der Reifung sein, und wenn das so verstanden wird, kann der Glaube die Herausforderung annehmen.
Ein Narr ist nicht wer zweifelt, sondern wer etwas glaubt, was er oder sie nie infrage gestellt hat
. Letzten Endes ist es nicht Glaube, der Intoleranz hervorbringt, sondern Angst. Im Gegensatz zu der Sicherheit des Glaubens, kommt die Gewissheit der Engstirnigen nicht aus dem freien Vertrauen, zu wissen und tun, was recht ist, sondern aus Angst vor
der Demütigung, nicht mehr als unfehlbar dazustehen.

Zu glauben erfordert Mut. Aber das ist nicht auf den Glauben beschränkt. In den Screwtape Letters weist C.S. Lewis darauf hin, dass Mut „die Form einer jeden Tugend an ihrem Erprobungspunkt ist, also an dem Punkt ihrer höchsten Wirklichkeit. Keuschheit, Ehrlichkeit oder Barmherzigkeit, die unter Belastung nachgibt, wird nur bedingt keusch oder ehrlich oder barmherzig sein. Pilatus war so lange barmherzig, bis es riskant wurde.“ Wenn wir es schwierig finden zu glauben, kann es sein, dass wir eigentlich davor zurückschrecken, zu zweifeln – die Dinge einer Überprüfung zu unterziehen, die fälschlicherweise Anspruch auf unser Leben erheben. Diese Angst, unter dem Deckmäntelchen des Glaubens, begegnete mir das erste Mal, als ich über die Kriegsfrage nachzudenken begann. Als studierter Philosoph, ebenso als typischer Amerikaner, habe ich geglaubt, dass Töten, wenn auch bedauerlich, manchmal  notwendig und gerechtfertigt sei. Wenn ich allerdings meinen Glauben ernst nehmen und mich an die Heilige Schrift halten wollte, so empfand ich, müsse ich mindestens meine Überzeugungen im Licht dessen nachprüfen, was Jesus lehrt.
Vielleicht müsste ich meine moralische Einstellung in Bezug auf das Töten ändern –
wie viele andere meiner Ideen.

Nach einem Jahr ernsthaften Nachforschens begann ich einige Schlussfolgerungen zu ziehen. Es war genauso, wie ich gedacht hatte, dass es manchmal richtig ist, zur Waffe zu greifen – besonders wenn es um die Verteidigung von Unschuldigen ging. Aber dann begegnete mir John Howard Yoders Buch Die Politik Jesu. Als ich halb durch war, schwirrte mir der Kopf. Ich war so überrumpelt von Yoders Argumenten gegen die Anwendung von Gewalt, dass ich einfach unfähig war zu verarbeiten, was er sagte. Es war, als ob ich niemals zuvor über die Kriegsfrage  nachgedacht hätte. Ich musste entweder ganz von vorne beginnen, sorgfältig jedes von Yoders Argumenten analysieren und dabei meine eigenen überdenken, oder darauf vertrauen, dass ich dieses Thema ausreichend abgehandelt hatte – und Yoder beiseitelegen. Ich entschied mich für Letzteres. Diese Entscheidung basierte nicht auf dem Wunsch, die Wahrheit herauszufinden, sondern auf der Angst, falsch zu liegen und mich ändern zu müssen. Tief in meinem Innern spürte ich, dass meine Argumente wackelig waren.

Wenn Sokrates richtig lag mit dem ungeprüften Leben und dass ein solches Leben nicht lebenswert ist, dann gilt das mit Sicherheit auch für einen Glauben, der nie geprüft wurde. Wer sich allem Zweifel verweigert, wer es also ablehnt, in dieser Spannung der Unsicherheit zu leben, der „glaubt“ nur aus Gewohnheit. So ein Glaube ist nicht nur ungeprüft sondern eine Flucht; er ist leblos und unecht. So etwas ist, wie Sartre es ausdrücken würde, „schlechter Glaube“.

Jesusnachfolge Im Dunkeln sehen (Teil 3)

„Gott ist nicht das Resultat logischer Schlussfolgerungen, ebenso wenig wie sich am Ende einer Diskussion der Seelenfrieden einstellt.“

-Warren Wiersbe

Von meiner Ausbildung her bin ich Philosoph. Das heißt, dass auf der Suche nach Wahrheit eine Überprüfung durch die Vernunft stattfinden muss. Etwas zu wissen bedeutet auf jeden Fall, dass der eigene Glaube nicht einfach wahr ist, sondern dass es eine vernünftige Rechtfertigung dafür gibt, an seine Wahrheit zu glauben. Das Herz mag damit zufrieden sein, etwas zu glauben und anzubeten, was es nicht vollständig begreift, aber nicht der Verstand. Glaube übersteigt zwar Wissen, aber wenn er irgendeinen Wert für uns haben soll, dann darf er nicht dem widersprechen, was wir als wahr begreifen. Eberhard Arnold beobachtete, dass „ein ungeteiltes Herz kein geteiltes Leben dulden kann.“ Kurz gesagt, wir sollen den Herrn, unseren Gott, lieben mit ganzem Herzen, Seele, Verstand und Kraft. Aber was passiert, wenn unser Denken und unser Glauben nicht zusammenpassen?
Trotzdem glauben? Zunächst mal nicht mehr glauben? Den Glauben ganz und gar über Bord werfen? Pascal schrieb:  „Wir müssen wissen, wann es Zeit ist zu Zweifeln, wann an Gesichertem festzuhalten und wann zu Gehorchen.“ Die Dynamik des Glaubens existiert in dieser Spannung – der Spannung zwischen dem, was er weiß, und dem, was er nicht versteht – und wie er mit beidem umgeht. In seinen Gedanken beschreibt Pascal, „es gibt immer genug Licht, um die Erwählten zu erleuchten und genug Dunkelheit, um sie zu demütigen.“ Kurz gesagt: Glauben bedeutet nicht Sehen, aber der Glaube ist auch nicht blind.
Er erkennt, dass die Wahrheit, die er besitzt, immer noch besser verstanden und noch verbindlicher gelebt werden kann. Einem lebendigen Glauben und einer gesunden Überzeugung wohnt eine Demut inne, die von Sicherheit zeugt. Die Ungewissheiten des Glaubens brauchen uns  nicht in Angst und Verzweiflung zu stürzen. In der Tat können die Gefahren des Zweifelns, wenn sie in Demut angenommen werden, unseren Glauben reinigen. Einer meiner Studenten schrieb einmal:

Diejenigen, die glauben, dass sie an Gott glauben,
aber ohne Leidenschaft im Herzen,
ohne Ringen mit dem Verstand,
ohne Zweifel,
ohne Verzweiflung,
die glauben nur an die Idee von Gott,
nicht an Gott selber.

Das ist mir klar geworden, als meine Frau selber in eine ernsthafte Glaubenskrise geriet.
Sie war mehr als zehn Jahre lang eine ernsthafte, engagierte Christin gewesen – sehr leidenschaftlich in ihrem Glauben. Als aber einige ihrer besten Freunde versuchten, sich umzubringen, einige unserer engsten Freunde, unter ihnen auch Pfarrer, sich scheiden ließen, und dann auch noch ihre eigenen Eltern sich trennten, begann ihr Glaube, Risse zu bekommen. Warum unternahm Gott nicht irgendetwas? Warum greift er nicht ein und ändert die Dinge? Was bedeutet Gott, wenn die Leben der Menschen, die du liebst, einfach im Zerbruch enden? Warum noch glauben, warum sich bemühen zu lieben und Zeugnis zu geben über die Güte Gottes, wenn sich sowieso nie wirklich etwas ändert? Für mehrere Jahre kam meine Frau ins Trudeln. Aber trotz aller Nöte dieser Zeit benutzte Gott die Energie des Zweifels und der Enttäuschung, um all das wegzubrennen, was sich in den Glauben meiner Frau eingeschlichen hatte. Gott wollte in ihr einen reineren Glauben hervorbringen; ein kindliches, grenzenloses und bedingungsloses Vertrauen.

Aus seiner Güte, aus seiner „strengen Barmherzigkeit“ hatte Gott den Glauben meiner Frau niedergerissen, um Raum für das Eigentliche zu schaffen. In ihrer Sehnsucht, zu sehen, wie sich das Leben von Menschen ändert, hatte sie die Reinheit ihrer ersten Liebe unabsichtlich untergraben. Sie hatte das, was Gott tun konnte, mit dem verwechselt, was er tun würde. Gott wollte, dass sie ihn nach seinem Willen kennen lernt; dass sie ihn erkennt, wie er wirklich ist, und nicht, wie sie ihn sich vorgestellt hatte. Gott wollte ihren Glauben von Fremdkörpern befreien, von Vorstellungen, die ihren Blick auf den trüben mussten, der er wirklich war. Sie musste erkennen, dass ihr Glaube nicht mehr auf Gott und seinen Willen ausgerichtet gewesen war, sondern auf ihren Willen und ihre Ideen. So arbeitete Gott durch diese quälenden Zweifel in ihr, um sie zu einem reineren, weniger irreführenden Glauben zu führen. Als sie am Rande des Unglaubens war, nahm Gott das Stutzmesser des Zweifels und benutzte es, um alles Trennende zwischen ihr und ihm wegzuschneiden. Gott musste meiner Frau zeigen, dass es für sie wichtiger war, sich um ihn zu kümmern als um ihren Glauben.

Kierkegaard behauptet, dass die Reinheit des Herzens darin besteht, eine Sache zu wollen. Hierin liegt die Bedeutung des zweifelnden Glaubens. Weil Glauben selbst schon kontingent ist, muss er ständig seinen eigenen Untergang erleben. Kierkegaard erinnert uns daran, dass unsere höchste Perfektion nicht darin liegt, zu glauben, sondern Gott zu brauchen. Unser Glaube kann sich nicht mit Gottes Liebe vergleichen. Wenn wir das vergessen, ersetzen wir zu leicht die Dinge, die unseren Glauben stützen mit dem Einen, der allein unseres Vertrauens wert ist. Mag es Gründe geben oder Erfahrungen oder Erlebnisse aus der Vergangenheit oder Versprechungen für die Zukunft, wir sind in steter Gefahr,
das Geschaffene für den Schöpfer einzutauschen.

C.S. Lewis bemerkte einmal: „Mein Gottesbild ist kein göttliches Bild. Es muss wieder und wieder zerbrechen. Er ist der große Bilderstürmer.“ Der Schlüssel zum Glauben liegt darin, Gott Gott sein zu lassen. Echter Glaube erkennt seine Schwäche an, das ist etwas, woran uns unser Zweifel erinnert. Wenn die Quellen der Zuversicht lediglich aus uns selbst heraus sprudeln, dann wird Gott uns zeigen, wie leer wir in Wirklichkeit sind, indem er die Götzen zerschmettert, die wir in unseren Glauben hineingeschmuggelt haben.

Glaube ist nie so echt oder so lebendig, wie wenn er durch die Prüfung seiner eigenen Schwäche geht. Das Feuer des Glaubens brennt am stärksten im Ofen der Unsicherheit. Deswegen sucht der Glaube immer wieder Neuland. „In solchem Vertrauen gehorchte Abraham, als Gott ihn rief. Er brach auf in das Land, das er als Erbbesitz bekommen sollte, und verließ seine Heimat, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.“ (Hebr. 11,8) Abrahams Mut zu Glauben und zu Vertrauen stand in direktem Zusammenhang mit seiner Bereitschaft, die Vorherrschaft und die Sicherheit seines eigenen Zuhauses aufzugeben.

Der Gläubige ist nicht derjenige, der sich hinter einer Wand versteckt – einem Dogma oder Glauben. Lebendiger Glaube lässt zu, dass Zweifel alles aus dem Weg räumt, was verwässert, vermüllt oder verheddert. Der eigene Glaube gehört einem nicht. Er ist aus dem Geist geboren, ein Geschenk. (Eph 2,8) Ihm ist nichts eigen, außer vielleicht seine eigene Zerbrechlichkeit. Glaube ist uns von dem Gegeben, der uns besitzt. Je mehr wir das erleben, das Ergriffenwerden von dem, was Thomas Francis die „himmlische Meute“ nennt („the hound of heaven“), desto mehr werden wir frei werden von dem Drang, zu begreifen, was wir ohnehin nicht verstehen können. Und ein Gott, der begriffen werden kann, wäre meiner Ansicht nach ohnehin nicht wert, verehrt zu werden.

Eremiten in einer Felshöhle, Unbekannter Künstler, 19. Jh

Die drei Greise von Leo Tolstoi
Mutter Teresa (1910-1997), Ordensgründerin
Der einfache Weg!
Die Frucht der Stille ist das Gebet.
Die Frucht des Gebetes ist der Glaube.
Die Frucht des Glaubens ist die Liebe.
Die Frucht der Liebe ist das Dienen.
Die Frucht des Dienens ist der Friede!

Der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart wider alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Röm.1,18… denn Jesus sagt ❤: Wenn die ersten von vielen Züchtigungen über euch hereinbrechen, werden viele sagen, dass sie Naturkatastrophen seien. Aber wenn sie so schnell auf euch herabregnen und wenn ihr nirgendwohin weglaufen könnt, dann erst werdet ihr wissen, dass es die Hand Gottes ist, die euch heimsucht. Mein Vater wird die ganze Welt schütteln.

Porträts gegen das Vergessen – Sie überlebten den Holocaust
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„Vom Holocaust haben wir nichts gewusst“. Die Nachkriegs-Ausrede vieler Deutscher
Sie kannte Anne Frank und hat Auschwitz überlebt.
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für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag

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