Socialismus aeternus

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Karl Marx – Der deutsche Prophet
Karl Marx und seine Erben
Tagesdosis 07.05.2018 – Die heute über Marx reden…
Der christliche Sozialauftrag im Neuen Testament
Hausgemeinden und die Stellung der Frauen im frühchristlichen Gottesdienst
Gemeinschaft und Kollektiv im Sozialismus
Die VWL „erklärt“, wozu Geld alles gut ist
Sozialismus bedeutet genossenschaftliche Ordnung
Wie ernähren wir das Volk? – Russlands Hunger unter Stalin
Venezuela: Fünf Jahre politische und humanitäre Krise
Venezuela: Hauptsache überleben – ARTE Reportage
Venezuela zeigt: Sozialismus produziert Armut
Bill Gates: Nur der Sozialismus kann den Planeten retten
Der „Sozialismus chinesischer Prägung“ #1 Interview mit Wolfram Elsner
Der „Sozialismus chinesischer Prägung“ #2 Interview mit Wolfram Elsner
Der Kapitalismus 1/6 – Adam Smith und der freie Markt
Der Kapitalismus 2/6 – Adam Smith und der Wohlstand der Nationen
Der Kapitalismus 3/6 – David Ricardo und Thomas Malthus
Der Kapitalismus 4/6 – Und wenn Karl Marx doch Recht gehabt hätte
Der Kapitalismus 5/6 – Keynes versus Hayek, ein Scheingefecht
Der Kapitalismus 6/6 – Keynes versus Hayek, ein Scheingefecht?
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Rammstein – Haifisch (Official Video)
Rammstein – Haifisch
Zeitgeist Addendum 2011 Deutsch in voller Länge
Communism vs. Fascism
Chaplin Modern Times-Factory Scene (late afternoon)
Kapitalismuskritik | Das Erste | Olaf macht Mut
Wie der Kapitalismus funktioniert – ein Beispiel an Mann und Frau
Die seelischen und geistigen Probleme der Überflussgesellschaft
Über das Wesen des „Trotzkismus“
Eine wahrhaft liberale Marktwirtschaft
Richard David Precht zu Kapitalismus im digitalen Zeitalter
GENIAL!!! Volker Pispers USA im Endstadium
Albert Einstein Warum Sozialismus 1949
Thomas Mann: Der Antikommunismus ist die Grundtorheit unserer Epoche
Zum Tod von Fidel Castro
Rudi Dutschke Sozialismus
Rudi Dutschke zum Revolutionsbegriff
Rudi Dutschke über den Faschismus in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft
Rudi Dutschke – Deutsche Lebensläufe
Ragaz Gedanken: Sozialismus
Leonhard Ragaz
Peter Kropotkin: Sozialisierung von Produktion und Konsum
CHE GUEVARA & FIDEL CASTRO
– Lungo la Strada (Milva)

Definition of SOCIALISM

schade eigentlich. denn NUR der SOZIALISMUS würde dieses „gesundheitssystem“ retten, du quadratschädel. Markus Gelau FB

Das erste Bundesland hat sich heute befreit 😉
Seid’s klassenlos – jawoi✊
Seid’s herrschaftslos hob I g’sogt – jawoi✊
Seid’s freindlich zu einand hob I g’sogt – jawoi✊
Mir kannst no a Joint bringa!
Anarchistische Bayern, des samma mir!

„Ohne radikale Selbstkritik gibt es keine radikale Kritik der Verhältnisse“
(Rudi Dutschke)

„Eine zukünftige Gesellschaft muss die Idee des Entlohnens der Arbeit aufgeben.“
(Peter Kropotkin 09.12.1842 – 08.02.1921)

Die höchste Vollkommenheit der Gesellschaft findet sich in der Vereinigung von Ordnung und Anarchie. (Pierre Joseph Proudhon)

Sozialismus ist Verantwortlichkeit des Menschen gegen den Menschen
und Dienst des Menschen am Menschen mit allem, was er ist und hat. 1929

Putin defends Christianity and condemns anti-Christian West and political correctness
Nichts ist unsicherer als wissenschaftliche Theorien, nichts gewisser, als die ewigen Tatsachen der sittlichen Welt. Der Glaube an sie ist der Fels, auf dem der Sozialismus bauen darf und muss. 1919

„Kommunist kann einer nur dann werden, wenn er sein Gedächtnis um all die Schätze
bereichert, die von der Menschheit gehoben worden sind.“
(W.I. Lenin, 1920 in einer Rede an den Kommunistischen Jugendverband)

Christa Wolf am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Berlin „Ja: Die Sprache springt aus dem Ämter- und Zeitungsdeutsch heraus, in das sie eingewickelt war, und erinnert sich ihrer Gefühlswörter. Eines davon ist ·“Traum“. Also träumen wir mit hellwacher Vernunft: Stell dir vor, es ist Sozialismus, und keiner geht weg! Sehen aber die Bilder der immer noch Weggehenden, fragen uns: Was tun? Und hören als Echo die Antwort:
Was tun!“

Gustav Landauer: Sozialismus
Gustav Landauer: Wir beginnen mit dem Sozialismus, indem wir aufhören, Knechte des Kapitals zu sein. Wir beginnen mit dem Sozialismus, indem wir nicht mehr als Lohnarbeiter für den Warenmarkt produzieren. Die eigene Arbeit um des schönen Lebens und der inneren Seligkeit willen zusammen mit arbeitenden und helfenden Menschenbrüdern und Schwestern in den Dienst des eigenen Verbrauchs stellen – das ist der Beginn des Sozialismus … Wir wollen Siedlungen gründen; wir wollen, daß die Arbeiter Landarbeit, auf dem Feld und in den Gärten, und Industriearbeit, in Werkstätten und Fabriken, vereinigen; wir wollen recht viele, nach Möglichkeit alle unsere Bedürfnisse selbst herstellen.

Dorothee Sölle ist mal gefragt worden: Ja, wenn ich gefragt werde, sind Sie eigentlich
Sozialist, dann sag ich: Ja natürlich, was denn sonst. Und das war nicht allen Menschen
so recht.

Anstatt Gott ist tot, sollte man vielleicht sagen: Gott ist rot.

Dorothee Sölle vertrat die Auffassung, daß zwischen christlicher Lebensführung, politischem Engagement und Theologie nicht zu trennen sei. Zitat: „Theologisches Nachdenken ohne politische Konsequenzen kommt einer Heuchelei gleich. Jeder theologische Satz muss auch ein politischer sein.“







Unser Sozialismus ist ganz und gar ein Sozialismus der Freiwilligkeit. 1917

Mahatma Gandhi – Revolution ohne Gewalt
Gandhi: It is complete independence that we want. Vollständige Unabhängigkeit
Dieser Mann wollte das Unmögliche. Er hatte den größten Erfolg. Ist also das Unmögliche möglich geworden? … fragte der Philosoph Karl Jaspers. Ghandi: Ich betrachte mich als einen Soldaten … allerdings als einen Soldaten des Friedens. Sein persönliches Dulden, in der Wirkungskraft unermesslich gesteigert durch das Echo im Dulden des indischen Volkes, wurde zur „Gewalt“, die schließlich die Engländer aus Indien vertrieb.
Gandhi: Der sicherste Weg ist es, an die Überlegenheit der Moral in der Welt zu glauben, an das Recht der Wahrheit und der Liebe. Ohne einen einzigen Schuss abzufeuern, zertrümmerte er ein Weltreich – und führte Indien in die Freiheit: Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma – „große Seele“. Gandhi: Ein „Heiliger“, der ein imaginäres Utopia ausmalte! Obwohl Gandhi visionäre Ideale vertrat, sollte er nicht als weltfremder Träumer abgestempelt werden, vielmehr ist es angemessener, ihn als einen bodenständigen Mann zu begreifen, der in der realen Welt mit all ihren Spannungen und Widersprüchen eine möglichst große Übereinstimmung zwischen Theorie und Praxis anstrebte. Dass er dabei auch ganz offen seine Schwächen einräumte, lässt ihn heutzutage noch eindrucksvoller erscheinen … Gandhi: Ein Platz in einem Wagen erster Klasse war für mich bestellt worden. Aber dann kam ein Reisender. Er sah, dass ich ein „Farbiger“ war – das störte seinen Frieden. Also schoss er hinaus und kam gleich darauf mit einem oder zwei Beamten zurück. Kommen Sie mit, Sie müssen ins Gepäckwagen-Abteil! Gandhi: Aber ich habe eine Fahrkarte erster Klasse. Ich bestehe darauf, weiter hier sitzen zu bleiben. Nein, das werden Sie nicht! Gandhi: Der Polizist kam, ergriff meine Hand und zerrte mich hinaus. Die Demütigung wird zur Initialzündung für Gandhis Entwicklung. Gandhi: Die Belästigungen, die ich persönlich hier zu dulden hatte, waren nur oberflächlicher Art. Sie waren nur Symptom der tiefer liegenden Krankheit des Rassenvorurteils. Ich musste, wenn möglich, versuchen, diese Krankheit auszurotten und die Leiden auf mich nehmen, die dadurch entstehen würden. Gandhi beschließt die ganze Macht eines tyrannischen Reiches herauszufordern. Als Mann der Tat stellte Gandhi einen der erfolgreichsten Politiker des 20. Jahrhunderts dar. Und er gilt allgemein als Leitfigur gleich dreier bedeutender Revolten des 20. Jahrhunderts: nämlich des Aufbegehrens gegen den Rassismus, der Erhebung gegen den Kolonialismus und der Ablehnung politischer Gewalt. Gandhi beginnt sich für die Rechte der indischen Minderheit in Südafrika einzusetzen. Etwa 60.000 Menschen: Muslime, Hindus und Parsen. Er reicht eine Petition beim Parlament ein, um die Verabschiedung des Gesetzes, das seinen Landsleuten das Wahlrecht entziehen soll, zu verhindern. Er gründet eine Interessensvertretung für zugewanderte Inder. Als erstem indischen Anwalt gelingt es ihm, in Südafrika zugelassen zu werden. In seinem sogenannten „Green Pamphlet“ schreibt er über die unerträgliche Lage der Inder in Südafrika. Mehrere Tageszeitungen drucken Auszüge aus diesen Schriften ab. Die Antwort: Vor seinem Haus in Durban lauert ihm ein weißer Lynchmob auf… Gandhi kommt knapp mit dem Leben davon. Trotzdem verfolgt er seine Ideale unnachgiebig weiter. Egal wie weit Gandhi der britischen Kolonialmacht auch entgegen kommt – während des Krieges zwischen den Briten und den Burenrepubliken gründet er zum Beispiel eine 1.100 Mann starke indische Sanitätereinheit – an der Rassendiskriminierung ändert sich nichts – im Gegenteil. Das asiatische Krebsgeschwür, das sich schon so tief in Südafrikas lebenswichtige Organe eingefressen hat, muss nun entschlossen ausgerottet werden. Gandhi antwortet auf die immer herabwürdigendere Gesetzgebung mit der Organisation passiven Widerstands und gewaltloser Kampfmethoden. Gandhi: Gewaltfreiheit ist die größte Macht, die der Menschheit zur Verfügung steht. Sie ist machtvoller als die schlimmste Zerstörungswaffe. 
Mehrmals wird Gandhi von den Briten zu Gefängnisstrafen verurteilt. 1906 will die britische Herrschaft die „Asiatic Law Amendment Ordinance“ einführen, ein neues Meldegesetz für Inder. Eine der Vorschriften: Die Abnahme der Fingerabdrücke aller zehn Finger…  Gandhi: …vom Gesetz bisher nur von Kriminellen verlangt… Gandhi beruft eine Versammlung ein: 3.000 Inder schwören, dieses Gesetz zu brechen. Diesen bürgerlichen Ungehorsam gegen ungerechte Gesetze, diesen gewaltlosen Widerstand nennt Gandhi: Satyagraha! Man könnte sagen, dass das ein Leitbegriff von Gandhi ist, und Satyagraha bedeutet so viel wie aktives, gewaltfreies Streben nach der Wahrheit. Gandhi: Der Verbrecher bricht das Gesetz heimlich, nicht dagegen der zivile Widerständler. Er gehorcht stets dem Gesetz des Staates. Es gibt jedoch Gelegenheiten, bei denen er die Gesetze für so ungerecht hält, dass es unehrenhaft wäre, ihnen zu gehorchen. Dann bricht er sie offen und höflich und erduldet still die Strafe für ihre Übertretung.  Der Geburtstag des Satyagraha, der Widerstand von 1906 gegen das Registrierungsgesetz fällt auf den 11. September. Ein Datum, das für uns seit 2001 untrennbar mit Gewalt und Terror im Namen des Islam verbunden ist. Gandhi: Ich betrachte den Islam als eine Religion des Friedens. Die besondere spirituelle Dimension der ersten massenhaften GewaltfreiheitsKampagne wurde durch einen angesehenen Muslimen, Sheth Haji Habib, initiiert. Und durch ihn erfuhr Gandhi die hervorstechende innere Bedeutung von Jihad als inneren Kampf mit dem eigenen Gewissen bzw. als Streben mit seinem Gewissen ins Reine zu kommen. Dieser Jihad des Inneren inspirierte Gandhis begriffliche Erfassung von Satyagraha als aktives Streben nach Wahrheit. Und daher würde ich sagen, kann der 9/11 1906 als die Geburtsstunde eines gewaltfreien jihadistischen Satyagraha mit Gandhi als gewaltfreier Jihadist gegen das Frankensteinmonster von 9/11 2001 kontrastiert werden. Mit den Mitteln des Satyagraha schart Gandhi immer wieder er so viele Inder um sich, dass Massenverhaftungen die Gefängnisse völlig überlasten. Die Briten sind mit der Situation zunehmend überfordert. Schließlich verabschieden sie Anfang 1914 den „Indian Relief Act“: das Meldegesetz wird aufgehoben, eine Kopfsteuer für „Asiaten“ abgeschafft, ebenso wie ein Ehegesetz, das jede Ehe von Nicht-Christen für null und nichtig erklärt hatte. Er ist der Eine, Erleuchtete, der Schöpfer des Ganzen, der Mahatma… 9. Januar 1915: Gandhi kehrt nach Indien zurück. Dort wird er als Volksheld empfangen. Und innerhalb von nur vier Jahren hatte Gandhi, 46 Jahre alt, das gesamte Land mobilisiert. Und wurde zur Führungsgestalt der Freiheitsbewegung ausgerufen. Ein über dreißig Jahre dauernder Kampf um Indiens Unabhängigkeit beginnt. Entsprechend seiner Idee von Selbstbefreiung durch Selbstdisziplinierung baut Gandhi einen Ashram auf. Hier soll im Kleinen das entstehen, das Gandhi sich für sein ganzes Land erhofft. Gandhi formuliert elf Selbstverpflichtungen für das Leben im Ashram, unter anderem: Gandhi: Liebe zur Wahrheit, Gewaltlosigkeit, Enthaltsamkeit, Furchtlosigkeit, vegetarische Ernährung, körperliche Arbeit, Gleichheit der Religionen, Einsatz für die „Unberührbaren“ und ausschließliche Verwendung inländischer Produkte… Ihre Grundnahrung sollen die Bauern auf dem Feld selbst erwirtschaften – Schätzungen gehen von bis zu 29 Millionen Hungertoten zwischen 1876 und 1900 im britisch regierten Indien aus. Gandhi: Der Hunger der Welt rührt daher, dass viele von uns sich sehr viel mehr nehmen, als sie brauchen. Auch ihre Kleidung sollen die Inder selbst herstellen. Ihr Wissen um die Herstellung und Verarbeitung von Textilien war unter der Kolonialherrschaft so gut wie verloren gegangen. Gandhis Landsleute kauften damals aus England importiertes Tuch – industriell hergestellt – aus indischer Baumwolle. Gandhi selbst beginnt in seinem Ashram Baumwollgarn zu spinnen. Und er wählt als Kleidung für sich ein weiteres Symbol: Er trägt fortan den Dhoti, das lendentuchähnliche Beinkleid der Armen. Ein aufrührerischen Fakir, der es halb nackt und von gleich zu gleich wagt, mit dem Vertreter der englischen Krone zu verhandeln… wetterte der britische Premierminister Winston Churchill. Gandhis Kampf beginnt damit, die moralische Autorität der englischen Kolonialherrschaft in Frage zu stellen. 1919 kommt es zu einem Generalstreik als Protest gegen die sogenannte Rowlatt Bill, ein Gesetz, das den im Ersten Weltkrieg verhängten Ausnahmezustand auf unbestimmte Zeit verlängert und die Inhaftierung indischer Politiker ohne Berufungsrecht und in geheimen Strafprozessen ermöglicht. Auch in Amritsar, in der nördlichen Provinz Punjab, versammeln sich tausende Inder. General Reginald Dyer lässt in die unbewaffnete Menge feuern. Zehn Minuten lang. Immer dorthin, wo die Menschen am dichtesten stehen. 1.200 Schwerverletzte, 379 Tote. So die offiziellen Angaben, die tatsächliche Zahl … ist bis heute ungeklärt…  Gandhi: Eine Nation von 350 Millionen Menschen braucht nicht den Dolch des Attentäters, sie braucht nicht die Giftbüchse, sie braucht nicht das Schwert, den Speer oder die Kugel. Sie braucht lediglich einen eigenen Willen, die Fähigkeit, „nein“ zu sagen, und diese Nation lernt heute, „nein“ zu sagen. „Nein!“ Gandhi gibt den Gedanken auf, dass eine Kooperation mit dem Empire die Situation Indiens verbessern könnte: „Non-Cooperation“. Boykott politischer Wahlen, Boykott britischer Einrichtungen wie Schulen und Gerichtshöfe, Boykott britischer Waren. Gandhi wird wegen Aufwiegelung ins Gefängnis gesteckt. Nach seiner Entlassung 1924 tritt er für die Versöhnung zwischen Muslimen und Hindus ein.  In der Tat haben die Briten im Interesse der Befestigung ihrer Kolonialherrschaft dem relativ einträchtigen Modus Vivendi zwischen Hindus und Muslimen durch ihre polarisierende Strategie ein Ende gesetzt bzw. die relative interreligiöse Harmonie größtenteils destabilisiert. Und anschließend, ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurde das Bild des mittelalterlichen Indien unter muslimischen Herrschern als ein brutales, barbarisches, finsteres Zeitalter von der britischen Kolonialhistoriographie beharrlich aufgebaut, und diese negative Darstellung der muslimischen Herrschaft fungierte als eine ideologische Stütze zur Legitimierung der Kolonialherrschaft in Indien, welche so dargestellt wurde, dass sie zur Befreiung bzw. Beschützung und Zivilisierung der Hindus gedacht sei. Am 12. März 1930 belagert die Weltpresse Gandhis Ashram: Mit 78 Gefährten bricht Gandhi zum legendären Salzmarsch auf. Ein symbolischer Akt gegen das Salzmonopol des Empire. Tausende schließen sich dem Marsch an. Als sie die Küste erreichen, hebt Gandhi etwas Salz auf: die demonstrative Missachtung des von den Briten verhängten Verbots zur Salzgewinnung. Hundertausende folgen seinem Beispiel. 60.000 gehen für dieses „Verbrechen“ freiwillig ins Gefängnis. Doch die Engländer müssen unter dem Druck der Weltöffentlichkeit schließlich einlenken und gestatten die Salzherstellung zum Eigenbedarf. Gandhi darf 1932 zur zweiten Round Table Conference nach London reisen, wird aber sofort nach seiner Rückkehr erneut inhaftiert, um die Wiederbelebung seiner Satyagraha-Kampagne zu vereiteln. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stellt Hitlers Blitzkriegsmaschinerie das Empire in Europa vor große Probleme. Bis zum Ende der Luftschlacht um England 1941 war die Kolonialmacht aus der Sicht Gandhis unmittelbar durch eine mögliche Okkupation durch die Nationalsozialisten bedroht, und so verbot sich eine Ausnutzung der Situation sowohl aus moralischen wie aus antifaschistischen Gründen. Als sich der Krieg jedoch auf anscheinend unbestimmte Zeit hinzog und England nicht mehr unmittelbar bedroht war, erhöhten sich aus Sicht Gandhis auch die ideologischen und praktischen Freiräume für Aktivitäten der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Nichts sollte jedoch im Geheimen geschehen. Dies ist eine offene Rebellion. „Quit India!“ – Gebt Indien auf, fordert Gandhi von den Briten. Am nächsten Tag werden er und zahlreiche Kongressmitglieder festgenommen. Ein Massenaufstand bricht aus: 1000 Tote, 90.000 politische Gefangene. Doch die britische Regierung muss schließlich einsehen, dass Indien langfristig nicht zu halten ist. Nach Gandhis Entlassung aus dem Gefängnis, ist der Weg endlich frei für Indiens Unabhängigkeit. Gleichzeitig ist das Land jedoch zutiefst gespalten. Der Zwist zwischen Hindus und Muslimen eskaliert. Die muslimische Minderheit verlangt politische Macht. Und das war eine Zielsetzung, die von Muhammad Ali Jinnah, Führer der Muslimischen Liga, hartnäckig vertreten wurde und er meinte, dies sei nur möglich in einem separaten muslimischen Staat, und daher seine Forderung nach Pakistan. D.h. die Abtrennung von den mehrheitlich muslimischen Provinzen im Nordwesten und Nordosten des Subkontinents. So sehr sich Gandhi diesem Teilungsplan auch widersetzt, am 3. Juni 1947 verkündet der indische Vizekönig Lord Mountbatten die Unabhängigkeit und zugleich die Teilung Indiens in zwei Staaten. Gandhis Anwesenheit in Kalkutta ist es zu verdanken, dass die bürgerkriegsähnlichen Unruhen, die daraufhin ausbrechen, relativ rasch eingedämmt werden. Aber für seine versöhnliche Politik Muslimen gegenüber, auch Pakistan gegenüber, musste Gandhi mit seinem Leben bezahlen. Er wurde von einem Hindu-Fanatiker am 30. Januar 1948 erschossen. Das Lächeln, mit dem er die Versammlung begrüßt hatte, erstarb auf seinen Lippen, seine Hände sanken herab, er murmelte: „He Rama!“ (O Gott!) und starb auf der Stelle. „Das Licht ist erloschen in unserem Leben“, mit diesen Worten sprach Pandit Jawaharlal Nehru aus, was Indien fühlte. Nehru, einst Gandhis Privatsekretär und mit ihm Führer der Unabhängigkeitsbewegung, war nach Gandhis Tod bis 1964 Ministerpräsident Indiens. Wenn man von Gandhis Erbe sprechen will, dann sind das in erster Linie seine Vorstellungen von einem „guten Leben“: Friedliches Miteinander, Achtung des Lebens, Geduld, Verständnis, soziale Gleichheit, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Abkehr von der Konsumgesellschaft… Eine moralisch verantwortungsvolle Politik, untrennbar mit ethischen Werten verbunden. Leider erinnert man sich an ihn eher als an einen Heiligen, der sich in die Politik verirrt hat, als an einen Politiker, dessen Ideen zukunftsweisend waren und sind. Gandhi: Die Welt von morgen wird, nein muss eine auf Gewaltfreiheit gegründete Gesellschaft sein. Das ist das erste Gesetz; aus ihm werden sich alle anderen Segnungen ergeben. Das mag als ein fernes Ziel, ein unpraktikables Utopia erscheinen. Es ist aber durchaus erreichbar, denn dafür kann hier und jetzt gearbeitet werden. Gandhis Botschaft… Mein Leben ist meine Botschaft. Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. 

Gandhis Nichtkooperation
Nach dem Massaker und der darauffolgenden Gewalt, konzentrierte sich Mahatma Gandhi darauf, vollkommene Selbstbeherrschung zu erlangen und alle indischen Regierungsbezirke zu kontrollieren. In dieser Zeit behauptete Mahatma Gandhi, dass er ein „sehr orthodoxer Hindu“ sei und im Januar 1921 sprach Mahatma Gandhi in einer Rede im Tempel von Vadtal über die Bedeutung der Nichtkooperation mit dem hinduistischen Begriff „Dharma“: „An diesem heiligen Ort, sage ich euch, wenn ihr euer hinduistisches Dharma beschützen wollt, dann ist Nichtkooperation die erste und die letzte Lektion, die ihr lernen müsst.“
Mahatma Gandhi weitete seine Plattform der Gewaltlosigkeit auf die Swadeshi–Strategie aus, den Boykott fremdländischer Produkte, insbesondere der britischer Güter. Damit geht auch seine Befürwortung des Khadi, des hausgewebten Stoffes, der von allen Indern getragen werden sollte, anstatt britische Stoffe anzuziehen. Mahatma Gandhi forderte indische Männer und Frauen, Arme und Reiche auf, jeden Tag an einem Khadi zu spinnen und damit die Unabhängigkeitsbewegung zu unterstützen. Mahatma Gandhi erfand sogar ein kleines, tragbares Spinnrad, das man zu der Größe einer kleinen Schreibmaschine zusammenfalten kann. Das war eine Strategie, Disziplin und Hingabe einzufordern, um die Unwilligen von den Willigen zu trennen und um Frauen in die Bewegung mit aufzunehmen, zu einer Zeit als viele dachten, dass derartige Betätigungen Frauenarbeit wären. Mahatma Gandhi ermutigte die Menschen nicht nur dazu britische Produkte zu boykottieren, Mahatma Gandhi brachte sie auch dazu, das britische Schulsystem und Gerichtswesen zu meiden, nicht mehr für die Regierung zu arbeiten und britische Titel und Auszeichnungen aufzugeben.

Mit Jesus auf die Barrikaden
Dorothee Sölle
Helmut Gollwitzer
Christentum – Demokratie – Sozialismus : zum Buch von Helmut Gollwitzer
Predigt von Prof. Dr. Helmut Gollwitzer am 20. Juli 1963 in der St. Annen-Kirche, Berlin
Erich Kästner „Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag“
Konstantin Wecker – Empört Euch – Songs an einem Sommerabend 2015 –

Rudi Dutschke: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert;
es kommt aber darauf an  s i c h  zu verändern.“ – Lesefehler v. Rudi nach dem Attentat

Günter Gaus im Gespräch mit Rudi Dutschke
Dutschke: Grundsätzlicher Unterschied, daß wir begonnen haben, Organisationen aufzubauen, die sich von den Parteistrukturen unterscheiden dadurch, daß in unseren Organisationen keine Berufspolitiker tätig sind, daß bei uns kein Apparat entsteht, daß bei uns die Interessen und die Bedürfnisse der an der Institution Beteiligten repräsentiert sind, während in den Parteien ein Apparat vorhanden ist, der die Interessen der Bevölkerung manipuliert, aber nicht Ausdruck dieser Interessen ist.
Gaus: Wenn Ihre revolutionäre Bewegung groß wird und sich selbst jenem Apparat angliedert, der von einer bestimmten Größe an zu jedem Organismus gehört, wie wollen Sie das verhindern?
Dutschke: Das ist eine Behauptung von Ihnen – ich meine, das ist kein ewiges Naturgesetz, daß sich entwickelnde Bewegungen Apparate haben müssen. Es hängt von der Bewegung ab, ob sie in der Lage ist, die verschiedenen Stufen ihrer Entfaltung mit den verschiedenen Bewußtseinsstufen ihrer Bewegung zu verbinden. Genauer: Wenn wir es schaffen, den Transformationsprozeß – einen langwierigen Prozeß – als Prozeß der Bewußtwerdung der an der Bewegung Beteiligten zu strukturieren, werden die bewußtseinsmäßigen Voraussetzungen geschaffen, die es verunmöglichen, daß die Eliten uns manipulieren. Daß es eine neue Klasse gibt …
Gaus: Sie gehen davon aus, daß der Mensch absolut bildungsfähig ist, daß der Mensch besser werden kann.
Dutschke: Ich gehe davon aus, daß der Mensch nicht dazu verurteilt ist, dem blinden Spiel der Zufälle in der Geschichte unterworfen zu bleiben.
Gaus: Er kann die Geschichte selbst in die Hand nehmen?
Dutschke: Er hat sie schon immer gemacht. Er hat sie bloß noch nicht bewußt gemacht. Und jetzt muß er sie endlich bewußt machen – unter Kontrolle nehmen.
Gaus: Wie regiert sich dieser Mensch, wer führt ihn, wie bestimmt er, wer ihn führt, wie wählt er diesen Mann ab?
Dutschke: Er führt sich – und dieses Problem der Selbstorganisation ist nicht, daß ich jetzt wieder Fremde für mich entscheiden lasse. Wenn ich sage, die Menschen haben ihre Geschichte schon immer gemacht, aber noch nicht bewußt gemacht, dann soll das bedeuten, wenn sie sie bewußt machen, dann stellt sich das Problem der verselbständigten Eliten, der verselbständigten Apparate nicht mehr. Denn das Problem besteht darin, gewählte Repräsentanten wieder abzuwählen – sie jederzeit abwählen zu können – und das Bewußtsein der Notwendigkeit der Abwahl zu haben.
Gaus: Welche Eigenschaften müssen aus den Menschen herausoperiert werden, damit sie das leisten, was Sie von Ihnen erwarten?
Dutschke: Nicht eine einzige. Es müßten die unterdrückten endlich frei werden können. Die unterdrückten Fähigkeiten der gegenseitigen Hilfe, der Fähigkeit des Menschen, seinen Verstand in Vernunft zu transformieren und die Gesellschaft, in der er lebt, zu begreifen und sich nicht von ihr manipulieren zu lassen …
Gaus: Warum treten Sie aus der Politik nicht aus? Wäre das nicht ein größeres Mitleid mit den armen Teufeln, mit den Menschen, für die Sie so schreckliche Zeiten heraufkommen sehen? Warum sagen Sie nicht: Wir können es nicht ändern, laß es doch laufen!
Dutschke: Wir können es ändern. Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte, die unfähig sind, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Das haben sie uns jahrhundertelang eingeredet. Viele geschichtliche Zeichen deuten darauf hin, daß die Geschichte einfach nicht ein ewiger Kreisel ist, wo nur immer das Negative triumphieren muß.
Warum sollen wir vor dieser geschichtlichen Möglichkeit Halt machen und sagen:
Steigen wir aus, wir schaffen es doch nicht. Irgendwann geht es mit dieser Welt zu Ende. Ganz im Gegenteil. Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat, eine Welt, die sich auszeichnet, keinen Krieg mehr zu kennen, keinen Hunger mehr zu haben, und zwar in der ganzen Welt. Das ist unsere geschichtliche Möglichkeit – und da aussteigen? Ich bin kein Berufspolitiker, aber wir sind Menschen, die nicht wollen, daß diese Welt diesen Weg geht, darum werden wir kämpfen und haben wir angefangen zu kämpfen …
Gaus: Das stimmt. Was hat Sie von der christlichen, von der evangelischen Basis Ihres ersten gesellschaftspolitischen Engagements, der Zugehörigkeit zur Jungen Gemeinde, weggeführt?
Dutschke: Die Religion, die für mich in der Tat eine große Rolle spielte, ist vielleicht ’ne phantastische Erklärung des Wesens des Menschen und seiner Möglichkeiten. Aber diese phantastische Erklärung muß ja nun realgeschichtlich verwirklicht werden. Und so geht also das, was ich in der Vergangenheit als Christ begriffen habe, ein in meine politische Arbeit auf dem Wege zur Realisierung vielleicht doch des Friedens auf Erden. Wenn Sie so wollen.
Gaus: Sie sind nach wie vor ein Christ?
Dutschke: Was heißt Christ? Heute sind Christen und Marxisten in diesen entscheidenden Grundfragen, in diesen geradezu emanzipatorischen Interessen – Friede, und es gibt noch andere –, da sind wir uns einig. Wir kämpfen für gemeinsame Ziele. Der Pater in Kolumbien, der an der Spitze der Guerillas steht und mit der Waffe in der Hand kämpft, ist ein Christ! Und der revolutionäre Marxist anderswo ist auch ein …
Gaus: Welche Rolle spielt aber für Sie das Transzendente?
Dutschke: Ja, für mich war die Gottesfrage nie eine Frage. Für mich war immer die entscheidende, schon realgeschichtliche Frage: Was hatte Jesus da eigentlich getrieben? Wie wollte er seine Gesellschaft verändern und welche Mittel benutzte er? Das war für mich immer schon die entscheidende Frage. Die Frage der Transzendenz ist für mich auch ’ne realgeschichtliche Frage, wie ist die bestehende Gesellschaft zu transzendieren, einen neuen Entwurf zu machen einer zukünftigen Gesellschaft, das ist vielleicht materialistische Transzendenz …
Gaus: Glauben Sie, daß Mitleid die herrschende Triebfeder Ihres politischen Handelns ist?
Dutschke: Ich denke, daß Mitleid nicht die entscheidende ist, ich meine, es gibt nicht nur ein geschichtliches Gesetz des gegenseitigen Kampfes, sondern vielleicht auch ein geschichtliches Gesetz der gegenseitigen Hilfe und Solidarität. Und dieses Gesetz zur realen Wirklichkeit zu machen, daß die Menschen als Brüder wirklich miteinander leben, scheint mir eine wichtige Triebkraft meines Handelns zu sein.

Gretchen Dutschke: ″Die antiautoritäre Bewegung der 68er ist nicht gescheitert!″
Gretchen Dutschke: Chaoten in der Rigaer machen mich sauer
Das blaue Sofa – G. Dutschke, W. Kraushaar, J. Herres: Von Karl Marx bis 1968
Gretchen Dutschke: „Das Land brauchte große Veränderungen“
Dutschke Zweiteilige Dokumentation
The Who See Me Feel Me Woodstock 1969
Vor 50 Jahren – Attentat auf Rudi Dutschke
Gedenken zum 50. Jahrestag des Attentats auf Rudi Dutschke

Gretchen Klotz-Dutschke

Michael Schneider, Schriftsteller
Hajo Funke, Poltikwissenschaftler
Milan Horacek (emigrierte 1968 aus der Tschechoslowakei, Gründungsmitglied der Grünen)

Wilhelm Weitling
Warum lügt der Zeitungsschreiber, warum stiehlt der Dieb, warum betrügt der Kaufmann und warum verteidigt der Advokat eine schlechte Sache? – Alles des Geldes wegen… Warum verfälscht der Wirt das Getränk, der Bauer die Milch und Butter, warum bäckt der Bäcker das Brot zu klein? – Alles des Geldes wegen … Warum gibt es Leute, die gegen ihre Pflicht, ihr Gewissen und ihre Überzeugung lehren, schreiben und handeln? – Des Geldes wegen. Wenigstens die Hälfte unserer heutigen Ehen sind Geldspekulationen, worin Mitgift, Erbschaft, Hoffnung auf Ämter und frühen Todesfall eine Hauptrolle spielen. Die Liebe ist ein Nusskern, die Ehe sind die Schalen. Das Geldsystem ist der Wurm, welcher sich in den Kern frißt und ihn verdirbt. Schafft den Eheleuten in der gesellschaftlichen Ordnung eine freie, unabhängige, sorgenlose Stellung …dann wird der widrige Skandal aufhören, der heute euren Gerichten alle Hände voll zu tun gibt. Jede gesellschaftliche Verbesserung, die man durch Kapitalienverteilung bezweckt und worin das Geld die Hauptrolle spielt, kann keine vollkommene sein. Je ärmer der Arbeiter ist, für desto mehr Händler und Krämer muß er arbeiten, welche sich alle auf seine Unkosten zu bereichern suchen; nicht immer aus eigenem bösen Willen, sondern weil die ganze Gesellschaft nach dem Wuchersystem organisiert ist. Um die Grausamkeiten der Todesstrafen zu mildern, bedienten sich die Alten des Giftes, die Neuen der Guillotine; um uns nicht fühlbar zu machen, dass wir für andere arbeiten müssen, dazu bediente man sich des Geldes. So war denn mit dem Eigentum auch der Diebstahl und der Raubmord erfunden worden. Beide Erfindungen
waren voneinander unzertrennlich. Das Eigentum war die Mutter des Diebstahls und des Raubmordes! Die Kühnsten und Stärksten griffen zu den Waffen und machten aus der Kunst, sie zu führen, ein Handwerk. Der Raub wurde jetzt im Großen getrieben, wie der Handel. Von der Zeit an nannte man alles gestohlene Gut Eigentum, und den Austausch
der gestohlenen Güter Handel. Früher machte man den Menschen mit Gewalt zum Sklaven; jetzt verkauft er sich selber, seine Gesundheit, seine Jugend und sein Blut für das,
was man ihm Vaterland zu nennen gelehrt hat …

Thomas Mann, aufgenommen in den USA 1947

„Den russischen Kommunismus mit dem Nazifaschismus auf die gleiche moralische Stufe zu stellen, weil beide totalitär seien, ist bestenfalls Oberflächlichkeit, im schlimmeren Falle ist es – Faschismus. Wer auf diese Gleichstellung beharrt, mag sich als Demokrat vorkommen, in Wahrheit und im Herzensgrund ist er damit bereits Faschist und wird mit Sicherheit den Faschismus nur unaufrichtig und zum Schein, mit vollem Haß aber allein den Kommunismus bekämpfen.“ Thomas Mann am 15.11.1945 an David McCoy – In: „Essays”, hg. v. Hermann Kurzke, Frankfurt (M.) 1986, Bd.2, S.311 (Gesammelte Werke: Bd.XIII, S.774-783, Frankfurt (M.) 1974). – Vgl. Ders.:

„Ich glaube, ich bin vor dem Verdacht geschützt, ein Vorkämpfer des Kommunismus zu sein. Trotzdem kann ich nicht umhin, in dem Schrecken der bürgerlichen Welt vor dem Kommunismus, diesem Schrecken, von dem der Faschismus so lange gelebt hat, etwas Abergläubisches und Kindisches zu sehen, die Grundtorheit unserer Epoche. Der Kommunismus ist als Vision viel älter als der Marxismus und enthält auch wieder Elemente, die erst einer Zukunftswelt angehören. Älter ist er, weil schon die religiösen Volksbewegungen des ausgehenden Mittelalters einen eschatologisch-kommunistischen Charakter hatten: schon damals sollten Erde, Wasser, Luft, das Wild, die Fische und Vögel allen gemeinsam gehören, auch die Herren sollten um das tägliche Brot arbeiten, und alle Lasten und Steuern sollten aufgehoben sein. So ist der Kommunismus älter als Marx und das 19. Jahrhundert. Der Zukunft aber gehört er insofern an, als die Welt die nach uns kommt, in der unsere Kinder und Enkel leben werden, und die langsam ihre Umrisse zu enthüllen beginnt, schwerlich ohne kommunistische Züge vorzustellen ist, das heißt, ohne die Grundidee des gemeinsamen Besitz- und Genußrechts an den Gütern der Erde, ohne fortschreitende Einebnung der Klassenunterschiede, ohne des Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit für alle.“ – Aus: „Der Antibolschewismus – Die Grundtorheit unserer Epoche“ (1946), in: Thomas Mann, Eine Materialsammlung für Festveranstaltungen zum 80. Geburtstag des Dichters, hrsg. vom Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands (sic!), Berlin 1955, S.103.

„Wir unterschreiben nicht. Es wird jedoch der Tag kommen, da wir Kommunisten dieses Grundgesetz gegen DIE verteidigen werden, die es angenommen haben!“  … sagte 1949 der Kommunist Max Reimann (Vorsitzender der wenig später in Westdeutschland verbotenen KPD) in weiser Vorahnung unserer Tage zum Grundgesetz der Bundesrepublik, das er und alle Kommunisten ablehnten, weil es weder demokratisch legitimiert war, noch die Spaltung Deutschlands verneinte. Der Werftarbeiter, Bergmann, Politiker, antifaschistische Widerstandskämpfer, im KZ Sachsenhausen von den Nazis eingekerkerte Reimann erlebte recht schnell, was die neue, imperialistische „Freiheit“ wirklich bedeutete.
Schon 1948, 3 Jahre nachdem er einem Nazi-KZ lebend entkommen war, wurde er wieder eingesperrt: Diesmal von den westlichen Besatzern.

Die KPD ist dieses Jahr seit 62 Jahren in der BRD verboten. Ab 1956 wurden gegen Kommunisten 125.000 Gerichtsverfahren durchgeführt, 10.000ende Mitglieder der KPD oder nur „Mitläufer“ wurden damals in Gefängnisse eingesperrt, viele sind darin gestorben wegen mangelnder ärztlicher Betreuung. Es ist ein Riesen-Skandal, dass die KPD bis heute immer noch verboten ist, dass in keinem einzigen Fall irgend eine Wiedergutmachung oder Entschädigung bezahlt wurde, denn durch diese Gerichtsverfahren wurden tausende Existenzen zerstört. Wir müssen das in diesem Jahr, dem 62. Jahr nach dem Verbot, wieder an die Öffentlichkeit bringen. Das KPD-Verbot haben Richter im Auftrag der CDU-Adenauer-Regierung gegen Widerstandskämpfer gegen die NAZI-Diktatur verkündet, die kurz zuvor knapp dem Tod im KZ entronnen waren. Diese Richter haben während der Nazi-Diktatur noch das Hakenkreuz an der Robe getragen.

Bedingungsloses Grundeinkommen: Die Erlösung?
Tragik der Allmende
In Agrargesellschaften, in denen die allermeisten Menschen Selbstversorger sind, steht ihnen ein Grundeinkommen in Form von Grund und Boden zur Verfügung. Nicht unbedingt in Form von privatem Eigentum an Grund und Boden. Aber in Form von Besitz; das heißt: dem Recht, über Ackerland, Wald oder Weiden zu verfügen. Keine Frage, die Menschen mussten hart arbeiten, um diesem Boden ein Naturaleinkommen abzugewinnen. Aber sie mussten nicht auch noch arbeiten, um überhaupt über Grund und Boden
verfügen zu dürfen.

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Hasta Siempre, Comandante!
Ich weise auch darauf hin, dass wir in der Lage sind, mit den Anstrengungen und der Intelligenz unseres Volkes die Nahrung und den materiellen Reichtum zu produzieren, die wir brauchen. Wir haben keine Geschenke des Imperiums nötig. Unsere Bemühungen werden rechtmäßig und friedlich sein, denn sie entsprechen unsere Verpflichtung gegenüber dem Frieden und der Brüderlichkeit aller Menschen, die auf diesem Planeten
leben. Fidel Castro Ruz, 27. März 2016

Im Kapitalismus bekommt man alles für Geld und im Sozialismus bekommt man alles, was man für Geld nicht bekommt.

«Der Sozialismus wird r e l i g i ö s sein, oder er wird  n i c h t  sein.» (Hendrik de Man.)
Die Erneuerung der Schweiz

„Das Buch der Wahrheit“ – Botschaften
Ich wählte zwölf einfache Männer, ungebildet
und unkundig der Heiligen Schrift, arme Fischer.


Venezuela wählt in der Katastrophe

Homesteading Principles Could Stop
A Fatal Food Crisis In Venezuela









Ernst Busch – Dank euch ihr Sowjetsoldaten

Dittmar Rostig: Bergpredigt und Politik
Die sozialistische Wirtschaftsordnung
Der Sozialismus als geistig-wirtschaftliches Prinzip
Ragaz bejaht eine sozialistisch-strukturierte Gesellschaft, als sie „G e m e i n s c h a f t
verwirklicht und sich am Sinn und Wert der Gemeinschaft“ orientiert. Der Sinn des Sozialismus zeigt sich für Ragaz gerade in „einer neuen Gemeinschaftlichkeit des Lebens“. Diese läßt den Schwachen und Benachteiligten Hilfe zuteil werden. Den Wert der Gemeinschaft beurteilt Ragaz danach, inwiefern sich in ihr ein „Geist der F a m i l i e n h a f t i g k e i t“
verwirklicht. “Ein krankes Kind, eine alte Großmutter, sie werden die Heiligtümer der Familie. So muß auch eine Gesellschaft sein, die einmal eine wirkliche Gemeinschaft geworden ist. Die heute in das Dunkel Gestoßenen, die Schwachen, Verkümmerten, Hilflosen werden ihr Heiligtum sein …“ Für Ragaz ist der Sozialismus eine „g e i s t i g e Macht“, „ein s i t t l i –
c h e s  I d e a l“, denn Ragaz’ Sozialismus „fließt aus der G e s i n n u n g“. Dennoch löst er den Sozialismus als sittliches Ideal nicht von seiner wirtschaftlichen Gestalt ab, denn sie ist „elementare Voraussetzung“, aber auch „notwendige Konsequenz“ desselben. Die sozialistische Weltanschauung verneint Ragaz, als in ihr das messianische Element, das in Ragaz’ Denken für die geistig-religiösen Antriebskräfte geschichtlicher Entwicklung steht, durch die wissenschaftliche Theorie ersetzt wird. Als einen weiteren Grundzug der sozialistischen Weltanschauung streicht Ragaz – gleichsam den Nerv dieser Weltanschauung treffend – deren Materialismus heraus, wobei er zwischen historischem und metaphysischem Materialismus unterscheidet. Dem „Geschichtsmaterialismus“ eines im Grunde mechanistisch ausgerichteten Materialismus ordnet Ragaz eine naturalistische Weltanschauung zu, die ihre Eigenart darin entfaltet, die Macht des Geistes zu leugnen. Wo die „Entwicklung“ zur „allmächtigen Gottheit“ aufsteigt, wirtschaftliche Faktoren an die Stelle der geistigen treten, übt Ragaz Kritik in der Weise, daß er in der sozialistischen Weltanschauung Elemente kapitalistischer Weltanschauung wahrnimmt, und schlußfolgert, dass zunächst die Weltanschauung des Kapitalismus zu stürzen sei, ehe der Kapitalismus fällt.

Der Sozialismus des Gottesreiches: „Socialismus aeternus“
Die Botschaft vom Reich Gottes ist mehr als „b l o ß  S o z i a l i s m u s“, da sie nicht „von dieser Welt“ ist und da in ihr der Sieg auch über Schuld und Tod, Sünde und Krankheit verheißen ist. Andererseits nimmt Ragaz im Sozialismus Elemente wahr, die als „H i n w e i s“, „G e r i c h t“ und „Verheißung“ des in die Welt einbrechenden Reiches Gottes zu verstehen sind, wenn auch nicht als „Erfüllung“ desselben.. Für die Fragen der sozialen Gestaltung entdeckt Ragaz in den „großen Prinzipien“ der Bibel eine richtungsweisende „Orientierung“. Unterscheidet Ragaz einerseits streng zwischen Reich Gottes und Sozialismus, besonders in der Weise, als das Reich Gottes erst in seiner eschatologischen Gestalt zur Erfüllung kommt, also alle geschichtlichen Verkörperungen, in denen das Reich Gottes aufbricht, transzendiert, so ordnet er andererseits Reich Gottes und Sozialismus einander zu, da im Reich Gottes des ganze Sozialismus enthalten ist, und zwar in seinen wesentlichen Prinzipien. Ragaz untersucht das ganze Evangelium auf seinen sozialen Sinn. Sozialismus und Evangelium rückt er insofern eng aneinander, als das Evangelium die Botschaft vom Reich Gottes vertritt und der Sozialismus „mehr als ein bloßes Parteiprogramm“ verkörpert. Die Prinzipien der Bibel, die für die soziale Gestaltung der Welt heranzuziehen sind, versteht Ragaz als Verheißungen, nicht als politische Programmatik.

Jesu Reich-Gottes-Verkündigung stiftet Hoffnung, die die Welt verändert. Sie richtet sich auf die Befreiung des Menschen aus „aller Not des Leibes und der Seele“ und auf die „Umgestaltung der Erde“ nach Gottes Willen. Diese Beschreibungen stehen gegen ein rein jenseitig orientiertes Reich-Gottes-Verständnis, das den Weltbezug des Reiches Gottes
negiert, während Ragaz den dynamischen und revolutionären Reich-Gottes-Charakter herausarbeitet. Die Reich-Gottes-Botschaft erweist sich darin revolutionär, als sie auf die Umgestaltung und Erneuerung der Erde aus ist. Sie tritt nicht als „Hüterin der bestehenden Ordnungen“ auf und ist nicht auf die „Erhaltung des Bestehenden“ fixiert. Die Reich-Gottes-Botschaft Jesu, die auf die Befreiung des Menschen von Schuld, Sorge und Mammonsdienerei aus ist, verheißt eine „neue menschliche G e m e i n s c h a f t“, in der sich die Gedanken der „G l e i c h h e i t der Menschen“ sowie die „Achtung vor der eigenen und fremden P e r s ö n l i c h k e i t“ real verkörpern. Zu den unabdingbaren Grundprinzipien, die Ragaz dem Sozialismus der Bibel zuordnet, gehören die Heiligkeit des Menschen, also die Gotteskindschaft; die Bruderschaft, also die gegenseitige Verbundenheit und Verantwortlichkeit der Menschen vor Gott; das gegenseitige Dienen; Gottes und des Menschen Herrschaft über Mammon und andere Gewalten; Glaube, Liebe, Hoffnung; die Erwartung eines neuen Himmels und einer neuen Erde.

Kein Händler wird an jenem Tag mehr im Haus des Herrn der Heere sein (Sach 14,21)
Kein Händler wird an jenem Tag mehr im Haus des Herrn der Heere sein (Sach 14,21)

Die Genossenschaft als die soziologische Grundgestalt des Reiches Gottes
Eine Gemeinschaft, die dem Sinne Christi entspricht und in der Liebe und Brüderlichkeit vorherrschen, weist eben nicht zufällig diejenigen Elemente auf, die auf genossenschaftliche Strukturen drängen. Als geschichtliche Beispiele verweist Ragaz auf die apostolische Gemeinde, besonders auf die Mahl- und Gütergemeinschaft der urchristlichen Gemeinde, auf die Mönchsorden, die Zünfte des Mittelalters wie auf die Genossenschaftsbestrebungen der christlichen Sozialisten Englands.. Gesamtgesellschaftlich ordnet Ragaz die Errichtung von Genossenschaften in die gesellschaftliche Bewegung ein, die vom Kapitalismus zum Sozialismus führt. Von ihrer wirtschaftlichen Zielsetzung her baut die Genossenschaft eine „neue Organisation und Produktion des Konsums“ auf und führt an Stelle des Prinzips der Konkurrenz das der „Solidarität in den Konsumptions- und Produktionsprozess ein“. Eine wirtschaftliche Ordnung, in der sich der „Gedanke der Genossenschaftlichkeit“ verkörpert, verändert auch den Charakter der Arbeit, als in ihr Elemente eines „gegenseitigen Dienen/s/“ anzutreffen sind.. Diesen neuen Charakter der Arbeit führt Ragaz darauf zurück, daß der Arbeitsertrag „ein Gewinn für alle“ sein wird, weil der Profit, also die privatkapitalistische Aneignung der Arbeitsergebnisse hinwegfällt. Die Arbeit wird „Gottesdienst und Menschendienst“, weil sie als eine vom „Joche des Mammonismus und des Räubertums befreite Arbeit“ praktiziert wird. Die Genossenschaft erweist sich als „ideale Form des wirtschaftlichen S o z i a l i s m u s “ ‚ weil an Stelle der „gegenseitigen Ausbeutung“ die „Arbeit für einander“ tritt. Eine wirtschaftliche Ordnung im Sinne der Genossenschaft entspricht insofern dem Evangelium, als sie an Stelle des „Gelderwerb/s/ um seiner selbst willen“ die „gegenseitige Hilfe“ setzt, statt der „egoistische/n/ Selbsterhaltung“ die „Überwindung der materiellen Not“ praktiziert. Diese wirtschaftlichen Zielstellungen entsprechen dem Gedanken der Bruderschaft, so daß das Genossenschaftswesen oft von ethisch- religiösen Zielstellungen getragen wird. Die Genossenschaft, die auf dem Prinzip der Freiheit, Liebe und Gemeinschaft beruht, grenzt Ragaz streng von allen Formen der Herrschaft ab. Da die wirtschaftlichen Strukturen der Genossenschaft auch das geistige Klima und das Zusammenleben der Menschen prägen, mißt Ragaz ihnen einen hohen Stellenwert bei. Gerade die Einsicht, daß eine wirtschaftliche Ordnung in einem genossenschaftlichen Sinn dazu beiträgt, menschlichen Egoismus zurückzudrängen, weil er a u c h strukturell- gesellschaftlich bedingt ist, bewertet Ragaz hoch. Mit der Zielvorstellung „Genossenschaft“ verknüpft er die Erwartung einer „völlige/n/ L e b e n s g e m e i n s c h a f t „‚ da nicht nur im wirtschaftlichen Leben an Stelle der „selbstischen Konkurrenz … /die/ gegenseitige Hilfe“ tritt. Er sieht allerdings dieses Ideal solange als gefährdet an, als die Genossenschaft in einer kapitalistischen Umwelt existiert.. Im Denken von Ragaz transzendiert das genossenschaftliche Prinzip den Bereich der Wirtschaft, da er es für den Staat, aber auch für das Zusammenleben der Völker in Ansatz bringt. Der Staat wird von dem „genossenschaftlichen Prinzip aufgesogen“, als er lediglich noch für eine „gewisse Regulierung des Zusammenlebens einer durch Freiheit und Liebe aufgebauten Gesellschaft“ in Anspruch genommen wird. Die Genossenschaft als regulierendes Prinzip nimmt daher im Denken von Ragaz eine staatskritische, ja staatsauflösende Funktion wahr. Im Leben der Völker hebt das genossenschaftliche Prinzip die Politik auf, da Ragaz den Föderalismus als die „Zukunftsform der Völkerorganisation“ beschreibt. Das theologische Grundsatzproblem, das sich bei der Vermittlung von Glaube und Politik im Ragazschen Denkhorizont stellt, konzentriert sich auf die Fragestellung, ob Ragaz die Verheißungen der Reich-Gottes-Botschaft als Gesetz mißversteht. Diese Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, und wenn Ragaz formuliert, daß die Genossenschaft der „soziologische Urtypus des Reiches Gottes“, die „einzig entsprechende … soziologische Gemeinschaftsform der Sache Christi“ ist, so verwandelt sich in der Tat die Verheißung ins Gesetz, wird die Bibel zum unmittelbaren politischen Programm. Diese Aussagen, die direkt vom Evangelium aus in den sozialen Bereich hineinregieren, relativiert Ragaz allerdings selbst. Er verweist darauf, daß vom Evangelium aus zu den wirtschaftlichen Gestaltungsfragen lediglich „allgemeine Leitlinien“ hinüberführen, keinesfalls aber „Postulate“ zu gewinnen sind, die unmittelbar in ein „praktisches Programm“ einmünden. Lassen sich nach Ragaz vom Evangelium aus Demokratie, Genossenschaft und Sozialismus begründen, so präzisiert er diese Aussagen nicht unwesentlich, indem er diese gesellschaftlichen Größen im Evangelium eben nicht als „politisches Programm“, sondern „bloß als Möglichkeit und als allgemeine Verheißung enthalten“ sieht. Die Genossenschaft, die auf dem Prinzip der „f r e i e n  V e r e i n i g u n g“ beruht und in der sich „Gotteskindschaft und Bruderschaft“ verkörpern, versteht Ragaz als letztes Ideal und regulierende Idee, so daß er für die Bewegung des religiösen Sozialismus die Genossenschaft als die „Grundform des ganzen Sozialismus“ herausstellt. Die Genossenschaft als Grundtypus entfaltet sich in unterschiedlichen Formen, so daß sie Zugang zur Gewerkschaft, Kommune und Bodenreform ermöglicht, sofern sich in ihnen die Grundform „Genossenschaft“ verwirklicht. Weiß Ragaz, daß es sich vom Christentum aus verbietet, ein „ausgearbeitetes Einzelprogramm politischer und sozialer Art“ zu konzipieren, da das Reich Gottes nicht in der Verfügbarkeit des Menschen steht, so hält er zu Recht an den einfachen Prinzipien der Bibel, z.B. an den Begriffen der „Gottessohnschaft“ und „Bruderschaft“ fest.

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Religiöser Sozialismus nach Ragaz
Sozialismus und Kommunismus
Der Sozialismus nach Marx
-setze eine gewaltsame Revolution voraus,
o um die Produktionsmittel, die zur Produktion von Waren nötig sind,
zu verstaatlichen,
-habe zum Ziel: eine Gesellschaft, die
o jeden unabhängig von seinem Leistungsvermögen und seiner Leistung
versorge und arbeiten lasse und
o jeden Bürger so bilden wolle, dass
 er von der Religion Abstand nehme, da sie aufgrund ihrer Jenseitsvertröstung die
Proletarier von der Revolution gegen ihr eigenes Interesse abhalte („Opium des Volkes“),
 und dass im den Sozialismus ablösenden

Kommunismus
-keine staatliche Gewalt mehr nötig sei,
-sondern jeder von sich aus seinen angemessenen Beitrag zum Gemeinwohl freiwillig
leiste.

Anm.: „Sozialismus“ wurde aber schon vor Marx als Begriff geprägt und nicht zwangsläufig (wie schon von G. Babeuf, 1760-1797) mit Revolution, sondern auch mit Demokratie in Verbindung gebracht (E. Cabet, 1788-1856). Marx und Engels qualifizierten diese frühen Formen von Sozialismus als „utopisch“ ab und begründeten ihren „wissenschaftlichen“ Sozialismus. Diesen revolutionären Weg ging und geht aber wiederum nicht die Sozialdemokratie, seit die dogmatischen Anhänger Marx‘ sich von ihr trennten.

Religiöser Sozialismus nach L. Ragaz
-nimmt die soziale Grundidee des Sozialismus auf, lehnt aber als
Antimilitarist Gewalt ab und
-behält den religiösen Überbau des Christentums in Form einer Verheißung von Gottes Reich in der Zukunft als Motivation
-zur Gestaltung des Sozialismus durch Menschenhand bei:
-Doch sieht Ragaz, dass in keinem Teil der Welt das Reich Gottes verwirklicht sei, und bete nicht, dass der Mensch in das Reich Gottes komme, sondern umgekehrt, dass das Reich Gottes zum Menschen komme.
-Unter dem neuen Himmel des Christentums
o kritisiere die Bibel die Weltordnungen als widergöttlichen Abfall von Gott, was das
reaktionäre, konservative Christentum nicht im Blick gehabt habe,
o und deute das Leid des sozialen Bürgerkriegs als Gericht Gottes.
-Es entstehe Gerechtigkeit mit der neuen Erde des Sozialismus
o von dessen Grundprinzip her, nicht von Parteien und ihren Programmen,
o durch Umgestaltung des wirtschaftlichen Lebens:
 Arbeit als Menschen-, nicht als Lohn- und Profitdienst,
kein Kampf aller gegen alle, sondern für alle,
 Verteilung des Arbeitsertrages sowie der Güter der Erde,
 Gemein-, nicht Privatwirtschaft,
 Menschenwürde und –glück, statt Geld und Maschine,
 Fürsorge für alle Schwachen: Arme, Kranke, Kinder, Alte.
© Bernd Voigt, Hildesheim, 20.05.2011 // http://solus-christus.portacaeli.de/


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Richard David Precht im Gespräch mit Gregor Gysi, Die Linke 06.05.2018 –
Wie aktuell ist Karl Marx?

Über den aktuell gebotenen Bewusstseinswandel
Richard David Precht – Jung & Naiv

#Gysi bei #Precht, Kommentar v. Sabeth Faber (FB)
Danke für dieses großartige Gespräch – in dem es endlich um das ging, das aktuell geboten ist: ein #Bewusstseinswandel. Besonders gefreut habe ich mich über das Thematisieren des (leider nach wie vor auch linken) #Arbeitsbegriffs, der beklagenswerterweise Arbeit grundsätzlich mit Erwerbstätigkeit noch immer gleichsetzt. Nein, im Zeitalter der #Digitalisierung ist es gerade nicht mit bloßer Arbeitszeitverkürzung getan. Erfreulicherweise geht es im Verlauf des Gesprächs um nicht nur die üblichen bekannten Phrasen über entfremdende Arbeit, sondern R.D. Precht fragt Gregor Gysi, was dieser mit schöpferischer Arbeit meine. Und ja: Es geht um mehr Muße, um Zeit, Möglichkeit für „Selbstfindung, Selbstverwirklichung“, Selbsterkenntnis, Reife(n), Reflexionsfähigkeit und Kooperation – um bedürfnisorientiertes (also gerade nicht irgendwie ideologisch oktroyiertes) #Gemeinwohl und nicht zuletzt um auch Zeit und Möglichkeiten für (häusliche) Sorge-Arbeit – wie gehen wir mit Kindern, Alten, Kranken um und wie könnten wir das mit mehr Zeit, entsprechenden Möglichkeiten und Infrastruktur so ändern, dass auch das tatsächlich bedürfnisorientierter, menschenwürdiger Umgang (wieder oder überhaupt endlich) wird. Denn genau das ist – neben Kreativität, neben „Schaffenskraft“, schöpferischem (phyischem und/oder geistigen) Tun, Tätigsein genau das, das wir nicht durch Roboter, Maschinen ersetzen sollten: die soziale Interaktion, die soziale, fürsorgliche Arbeit, den entsprechenden prosozialen, mitfühlenden, respektvollen, würdevollen Umgang miteinander. Kämen wir dorthin, hätten wir dann tatsächlich eine Menge Probleme nicht mehr (siehe eben, wie wichtig gerade bspw. die frühkindliche Prägung, der angmessene, bedürfnisorientierte Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist, wie wirksam dies lebenslang ist, bleibt – mit welchen Folgen: je nach dem, das erlebt, auch indoktriniert, auch erlitten wurde). Gregor Gysi hat zweifelsohne Recht damit, wenn er sagt, man müsse in längeren Zeiträumen denken (auch hinsichtlich des augenblicklich wahrnehmbaren Rechtsrucks, rollbacks, backlashs), es geht vieles nicht im Hauruckverfahren, vor allem kein (erforderlicher, gebotener) Bewusstseinswandel – hin zu einem anderen, zeitgemäßen, vor allem zuträglichen, gemeinwohl-, bedürfnisorientierten, aufgeklärten, humanistisch geprägten #Menschenbild – das diametral zum rechtskonservativen steht, in welchem der Mensch als qua Natur „schlecht, böse, egoistisch“, als zu dressieren erforderlich gesehen wird – siehe Schwarze Pädagogik: Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Strenge, emotionale Kälte, #Strafe, Dressur – absichtsvolles Schmerzzufügen also (Sadismus), zu Gehorsam zwingen, unterwerfen, ausbeuten können – auf eben dieser Basis, in welchem außerdem Biologismen, Sozialdarwinismus als vermeintliche „Rechtfertigung“ herangezogen werden, um seine jeweils ureigene Bequemlichkeit, seinen selbstschonenden Selbstbetrug, seine eigenen charakterlichen Defizite, Unzulänglichkeiten, seine eigenen Beschädigungen nicht einsehen und zugeben oder gar bewältigen zu müssen, sondern sie behaglich und selbstschonend auf andere zu projizieren und dann zu meinen, alle Menschen könnten, müssten so sein, nur weil man von sich selbst nichts anderes kennt). Was mich an dieser „Geduld“ nur doch ziemlich stört, ist, dass diese „entspannte“ Sichtweise eine gewisse Ignoranz und einen Mangel an Mitgefühl leider offenbart, denn sie übergeht, dass IN DER ZWISCHENZEIT, d.h. täglich rings um den Globus über Jahre, Jahrzehnte und so nach wie vor also unzählige Menschen l e i d e n und häufig auch qualvoll und „zu früh“ sterben – aufgrund der bestehenden „Missstände“, an ihren Folgen und das zumeist nicht selbst verschuldet habend (diese Missstände, die Ursachen für deren Leid, ihr Elend, ihre Not). Aus dieser Perspektive betrachtet ist jeder einzelne Tag des Status quo ein Tag zu viel. Ja, der Bewusstseinswandel ist vor allem auch dahingehend erforderlich, dass wir nicht nur anders arbeiten (werden, müssen), sondern auch entsprechend anders wohnen, miteinander (!) leben – nämlich so, dass die oben erwähnten sozialen Kontakte, die soziale und schöpferische Arbeit, jedenfalls das Tätigsein, der zwischenmenschliche Umgang überhaupt erst möglich werden – das bedeutet, wir brauchen eine entsprechende Architektur, Städteplanung, Infrastruktur, Politik und Ökonomie. Insbesondere weg von Kleinfamilie, sozialer Isolation (nicht nur, aber auch im Alter), weg von immer früherer immer längerer Fremdbetreuung, die gerade nicht zum Wohle der Kinder und/oder der Mütter/Familien ist, die gerade nicht zu deren (der Frauen, der Familien) erhöhter Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, Entscheidungsfreiheit führt, sondern einzig dem Primat der Wirtschaft unterstellt ist, unterworfen wird, dienlich ist, woran auch das Herunterbeten von vorgeblich erforderlicher „Frühförderung“ faktisch nichts ändert, das auch nur zu manipulativen Zwecken eingesetzt wird. Der Bewusstseinswandel ist überdies dahingehend erforderlich, zu erkennen, was alles aus welchen Gründen Arbeit ist, was aus welchen Gründen auf welche Weise tatsächlich dem Gemeinwohl zuträglich ist und was nicht und dass es letztlich in einer eng vernetzten, verflochtenen (globalisierten) Welt nur um das globale Gemeinwohl gehen kann und muss, dass die globalen Probleme nur durch Kooperation zu bewältigen sind, nicht durch Konkurrenz, Kampf, Ausbeutung, Destruktivität. Unabdingbar ist für all das allerdings nicht nur die Vernunft, sondern vor allem auch das jedem Menschen (wie auch anderen Primaten) angeborene #Mitgefühl, das die Urbasis jeglicher (intrinsischer) Moral und (verstandgeformter) Ethik ist. Ohne dieses Mitgefühl wären Moralsysteme hohl, außerdem gefährlich, schädlich, könnten sie missbraucht werden (siehe nicht nur, aber auch religiöse Ideologien). Und um dieses Mitgefühl wiederum stärken zu können, ist es wichtig, bei den Kindern anzusetzen – bei also dem oben erwähnten bedürfnisorientierten (!) Umgang mit ihnen und der Erwachsenen miteinander, die nur dann nicht schädigend Eltern sein können und die das nicht alleine sein sollten, sondern im Verbund – siehe möglich durch entsprechendes Wohnen, Leben in familiären Strukturen, generationen- und geschlechterübergreifenden Wahlverwandtschaften (mit selbstverständlich ausreichender Privatsphäre) – so hätten Kinder die benötigten mehreren Bezugspersonen (verschiedenen Alters und Geschlechts, verlässlich über Jahre, statt wechselnden Betreuungspersonals), sie würden völlig anders aufwachsen und lernen können, entsprechend verändert werden müsste auch (Schul-) Bildung (siehe Reformpädagogik, demokratische Bildung nach bspw. dem Konzept von Summerhill und Sudbury Valley – nein, hat beides nichts mit Waldorfpädagogik und nichts mit Esoterik zu tun). Möglich wäre, i s t all das, Ideen, Konzepte gibt es bereits – siehe eben Gemeinwohlökonomie, demokratische Bildung/Schule, Alternatives Handelsmandat (attac), Mehrgenerationenhäuser (müsste dann ausgeweitet werden auf nicht nur einzelne Häuser) … .
Aber es fängt bekanntermaßen immer in den Köpfen der Menschen an – siehe eben Bewusstseinswandel. Häufig entwickelt sich der Mensch wohl erst durch Leid, durch
je persönliche schlechte, belastende Erfahrungen bzw. daraus resultierende Einsichten weiter (wenn diese denn auch erfolgen), aber eben nicht nur und oft kann das Leid so/zu intensiv sein (siehe „Schmerzgrenze – Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt“, hervorragendes Buch von Joachim Bauer), so dass überhaupt keine zuträgliche, wünschenswerte, prosoziale Entwicklung mehr möglich ist, sondern stattdessen das Beschädigtwerden zu Abwehr, Verweigerung, natürlicher Aggression (als Selbstschutz, als „Kommunikationsmittel“, Warnung, Grenzsignal), auch zu Trotz und eben auch zu Gewalt führt, nicht, weil „der“ Mensch „von Natur aus schlecht/böse, verdorben …“ ist, sondern weil er beschädigt ist und eine (je individuelle) Schmerzgrenze hat. Und die Schmerzgrenze vieler Menschen rings um den Globus wird noch immer Tag für Tag intensiv – wissentlich! – überschritten – nicht nur, aber auch durch bspw. entfremdende Erwerbstätigkeit und kompensatorischen Konsum, katastrophale Lebensverhältnisse, materielle Armut, Gewalt, Vernichtung der Existenzgrundlage … . Wie der Weg hin zu diesem Bewusstseinswandel zu gehen sein könnte, ist eine Frage für sich, eine Aufgabe, eine Herausforderung – ich denke wie Gregor Gysi, dass er eher mittels Transformation als Revolution zu gehen sein wird, sein kann. Ein #Generalstreik bspw. könnte aber durchaus hilfreich sein, die Dinge vielleicht doch etwas zu beschleunigen ;). Dafür jedoch ist Vorbedingung, dass eine Mehrheit von Menschen (nicht nur in Deutschland, sondern mindestens europaweit) sich über die zu erwirkenden, gewünschten Verhältnisse n a c h dem Streik(en) einig sein müsste, was wiederum ein gewisses Bewusstsein, Erkenntnis, Reflexion, auch Besonnenheit, Weitsicht, Umsicht und vor allem das #Solidarisieren und Kooperieren (statt Konkurrieren) voraussetzt. Nicht im Klein-Klein verlieren, nicht nur permanent bloße Symptombehandlung an einzelnen Stellen betreiben – ohne Visionen, Ideale, Ideen, Konzepte, gedankliches Überschreiten eigener, auf Prägung, Sozialisation, Indoktrination basierender Grenzen, ohne Zweifeln, Hinterfragen, Selbstkritik, Reflexion, Offensein/Sich-Öffnen, Vernetzung, Neugier und Courage: kann und wird sich nichts wandeln können – hin zu besseren Verhältnissen, zum Gemeinwohl. Eine gute, tatsächliche Fehlerkultur gehört übrigens auch unabdingbar dazu.

Ein europäischer Generalstreik, eine mindestens europaweite SOLIDARISIERUNG von Menschen mit Menschen möglich? Eine Neue Internationale? Global?
Revolution und Graswurzelbewegung.
Damit ein Strukturwandel endlich möglich, d.h. realisiert wird. – Anders arbeiten,
anders wirtschaften, anders wohnen.

Was mir spontan vorschwebt, sind Aktivitäten, Aktionen und Institutionen, die bereits da sind: attac, Occupy, DiEM25 und aktuell die nuit debout. Also demonstrieren bspw. und Initiativen unterstützen, sich zusammenschließen nicht nur gegen, sondern f ü r etwas.
Zum Teil findet das wie gesagt ja bereits statt (im Internet und auf der Straße, auch in D-Land 🙂 ). Nun braucht es noch ein wenig Druck – keine Gewalt, aber Druck – auf die „Eliten“ (in Politik und Wirtschaft), so dass sie empfindlich getroffen werden – daher spreche ich immer wieder vom GENERALSTREIK. Der allerdings sehr gut vorbereitet und organisiert werden müsste (damit nicht „die Allgemeinbevölkerung“, vor allem Schwächere (Kinder, Kranke, Alte …) geschädigt werden). Boykott und (digitale) Sabotage wäre auch eine Möglichkeit – aber leider hängen viele Menschen noch zu sehr an ihrer je eigenen Bequemlichkeit, Behaglichkeit. Wenn man etwas erreichen will, wird man um Opfer und Verzichte allerdings nicht vollständig herumkommen. Es geht also darum, erst einmal die Leute zu informieren, zu mobilisieren und zu einen (Solidarisieren ist unabdingbar), sie zu enthusiasmieren – denn die Geschichte lehrt uns, dass es mit kühlem Verstand alleine nicht zu machen ist, sondern auch und gerade das Gefühl angesprochen, einbezogen werden muss. Es braucht folglich gemeinsame Ziele und Ideale, für die Menschen sich einzusetzen (d.h. also auch auf etwas zu verzichten) bereit sind – und das auch und gerade längerfristig. Es ist daher vor allem auch Ausdauer, Beharrlichkeit, Überzeugtsein von der Sache erforderlich. Ich denke, es müsste so etwas geben wie gerade in Frankreich: dass Menschen sich zeitgleich an vielen verschiedenen Orten im Land versammeln, zusammenfinden und sie bestimmte Dinge, Wünsche, Ziele einen, die allerdings durchaus vielfältig und weitläufig sind! Dass es nicht um ein Einzelthema geht. Und es würde die Hürde für viele erleichtert, so denke ich, wenn solche Versammlungen nicht so zentralisiert in nur wenigen (Groß-) Städten stattfänden, sondern die Menschen sich überall in ihrem jeweiligen (Wohn-) Ort, auch Dorf, versammelten – nur eben zur selben Zeit (landesweit).
Geschrieben von Sabeth und von Overblog

„Einsamkeit ist das neue Rauchen“
Über Aggression, Gewalt, Angst und Schmerz -Grenze
Das ist allerdings keine neue Erkenntnis von Manfred Spitzer, siehe auch Joachim Bauers hervorragendes Buch „Schmerzgrenze – Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt“, in welchem er (Hirnforscher, Arzt und Psychotherapeut) bereits darlegt, dass und wie sich Schmerz auswirkt – sowohl physischer als auch psychischer und dass insbesondere #Ausgrenzung (siehe #Mobbing, siehe materielle #Armut, soziale Isolation) eine intensive #Schmerzerfahrung ist – eine existenzielle.
„[…] Besonders prekär – und für die Zukunft unseres Globus von Bedeutung – ist der Zusammenhang zwischen der Ungleichverteilung von Lebenschancen und Aggression, insbesondere zwischen Armut und Gewalt: Armut bedeutet – vor allem für diejenigen, die ihr nicht durch eigenes Verschulden ausgeliefert sind – nicht nur existenzielle Not, sondern ist vor allem eine Ausgrenzungserfahrung. Aus diesem Grunde ist sie auch ein besonders ergiebiger Nährboden für Gewalt. […] Eine Situation jedoch, in der die einen Not erleiden, während sich andere reichhaltiger Lebenschancen und guter materieller Ressourcen erfreuen, bedeutet Ausgrenzung und tangiert die Schmerzgrenze. Hier ist über kurz oder lang zwingend mit Gewalt zu rechen. […] Aber auch in Demokratien kann es, z.B. wenn sie ausschließlich repräsentativ funktionieren wie in Deutschland, zu einem Mangel an Partizipation kommen. Besonderes starke Ausgrenzungserfahrungen ergeben sich in einem Land jedoch aus der konkreten Ungleichverteilung von Chancen. Insbesondere Armut im Angesicht von Wohlstand anderer ist eine Ausgrenzungserfahrung ersten Ranges. […]
Aggression ist ein evolutionär entstandenes, neurobiologisch verankertes Verhaltensprogramm, welches den Menschen in die Lage versetzen soll, seine körperliche Unversehrtheit zu bewahren und Schmerz abzuwehren. Die neurobiologischen Schmerzzentren des menschlichen Gehirns reagieren jedoch nicht nur auf körperlichen Schmerz, sondern werden auch dann aktiv, wenn Menschen ausgegrenzt oder gedemütigt werden. Nach dem Gesetz der Schmerzgrenze wird Aggression nicht nur durch willkürlich zugefügten Schmerz, sondern auch durch soziale Ausgrenzung hervorgerufen. Nicht ausgegrenzt zu sein, sondern befriedigende Beziehungen zu anderen zu pflegen, zählt zu den menschlichen Grundmotivationen. Wer Menschen von Beziehungen abschneidet, indem er sie ausgrenzt und demütigt, tangiert die physische und psychische Schmerzgrenze und wird Aggression ernten. Der Aggressionsapparat erweist sich damit als Hilfssystem des neurobiologischen Motivationssystems, welches auf soziale Akzeptanz ausgerichtet ist. Aggression wird erzeugt, wenn wichtige zwischenmenschliche Bindungen fehlen oder bedroht sind. […]“ Quelle: Prof. Dr. med. Joachim Bauer (Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut) – „SCHMERZGRENZE – Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt“
unbedingt lesenswert.

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