Socialismus aeternus

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Der christliche Sozialauftrag im Neuen Testament
Hausgemeinden und die Stellung der Frauen im frühchristlichen Gottesdienst
Gemeinschaft und Kollektiv im Sozialismus
Die VWL „erklärt“, wozu Geld alles gut ist
Sozialismus bedeutet genossenschaftliche Ordnung
Bill Gates: Nur der Sozialismus kann den Planeten retten
Der „Sozialismus chinesischer Prägung“ #1 Interview mit Wolfram Elsner
Der „Sozialismus chinesischer Prägung“ #2 Interview mit Wolfram Elsner
Der Kapitalismus 1/6 – Adam Smith und der freie Markt
Der Kapitalismus 2/6 – Adam Smith und der Wohlstand der Nationen
Der Kapitalismus 3/6 – David Ricardo und Thomas Malthus
Der Kapitalismus 4/6 – Und wenn Karl Marx doch Recht gehabt hätte
Der Kapitalismus 5/6 – Keynes versus Hayek, ein Scheingefecht
Der Kapitalismus 6/6 – Keynes versus Hayek, ein Scheingefecht?
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Rammstein – Haifisch (Official Video)
Rammstein – Haifisch
Zeitgeist Addendum 2011 Deutsch in voller Länge
Communism vs. Fascism
Chaplin Modern Times-Factory Scene (late afternoon)
Kapitalismuskritik | Das Erste | Olaf macht Mut
Wie der Kapitalismus funktioniert – ein Beispiel an Mann und Frau
Die seelischen und geistigen Probleme der Überflussgesellschaft
Über das Wesen des „Trotzkismus“
Eine wahrhaft liberale Marktwirtschaft
Richard David Precht zu Kapitalismus im digitalen Zeitalter
GENIAL!!! Volker Pispers USA im Endstadium
Albert Einstein Warum Sozialismus 1949
Thomas Mann: Der Antikommunismus ist die Grundtorheit unserer Epoche
Zum Tod von Fidel Castro
Rudi Dutschke Sozialismus
Rudi Dutschke zum Revolutionsbegriff
Rudi Dutschke über den Faschismus in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft
Rudi Dutschke – Deutsche Lebensläufe
Ragaz Gedanken: Sozialismus
Gustav Landauer: Sozialismus
CHE GUEVARA & FIDEL CASTRO
– Lungo la Strada (Milva)

Das erste Bundesland hat sich heute befreit 😉
Seid’s klassenlos – jawoi✊
Seid’s herrschaftslos hob I g’sogt – jawoi✊
Seid’s freindlich zu einand hob I g’sogt – jawoi✊
Mir kannst no a Joint bringa!
Anarchistische Bayern, des samma mir!

„Ohne radikale Selbstkritik gibt es keine radikale Kritik der Verhältnisse“
(Rudi Dutschke)

„Eine zukünftige Gesellschaft muss die Idee des Entlohnens der Arbeit aufgeben.“
(Peter Kropotkin 09.12.1842 – 08.02.1921)

Die höchste Vollkommenheit der Gesellschaft findet sich in der Vereinigung von Ordnung und Anarchie. (Pierre Joseph Proudhon)

Sozialismus ist Verantwortlichkeit des Menschen gegen den Menschen
und Dienst des Menschen am Menschen mit allem, was er ist und hat. 1929

Putin defends Christianity and condemns anti-Christian West and political correctness
Nichts ist unsicherer als wissenschaftliche Theorien, nichts gewisser, als die ewigen Tatsachen der sittlichen Welt. Der Glaube an sie ist der Fels, auf dem der Sozialismus bauen darf und muss. 1919

Christa Wolf am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Berlin „Ja: Die Sprache springt aus dem Ämter- und Zeitungsdeutsch heraus, in das sie eingewickelt war, und erinnert sich ihrer Gefühlswörter. Eines davon ist ·“Traum“. Also träumen wir mit hellwacher Vernunft: Stell dir vor, es ist Sozialismus, und keiner geht weg! Sehen aber die Bilder der immer noch Weggehenden, fragen uns: Was tun? Und hören als Echo die Antwort:
Was tun!“

Rudi Dutschke: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert;
es kommt aber darauf an  s i c h  zu verändern.“ – Lesefehler v. Rudi nach dem Attentat

Günter Gaus im Gespräch mit Rudi Dutschke
Dutschke: Grundsätzlicher Unterschied, daß wir begonnen haben, Organisationen aufzubauen, die sich von den Parteistrukturen unterscheiden dadurch, daß in unseren Organisationen keine Berufspolitiker tätig sind, daß bei uns kein Apparat entsteht, daß bei uns die Interessen und die Bedürfnisse der an der Institution Beteiligten repräsentiert sind, während in den Parteien ein Apparat vorhanden ist, der die Interessen der Bevölkerung manipuliert, aber nicht Ausdruck dieser Interessen ist.
Gaus: Wenn Ihre revolutionäre Bewegung groß wird und sich selbst jenem Apparat angliedert, der von einer bestimmten Größe an zu jedem Organismus gehört, wie wollen Sie das verhindern?
Dutschke: Das ist eine Behauptung von Ihnen – ich meine, das ist kein ewiges Naturgesetz, daß sich entwickelnde Bewegungen Apparate haben müssen. Es hängt von der Bewegung ab, ob sie in der Lage ist, die verschiedenen Stufen ihrer Entfaltung mit den verschiedenen Bewußtseinsstufen ihrer Bewegung zu verbinden. Genauer: Wenn wir es schaffen, den Transformationsprozeß – einen langwierigen Prozeß – als Prozeß der Bewußtwerdung der an der Bewegung Beteiligten zu strukturieren, werden die bewußtseinsmäßigen Voraussetzungen geschaffen, die es verunmöglichen, daß die Eliten uns manipulieren. Daß es eine neue Klasse gibt …
Gaus: Sie gehen davon aus, daß der Mensch absolut bildungsfähig ist, daß der Mensch besser werden kann.
Dutschke: Ich gehe davon aus, daß der Mensch nicht dazu verurteilt ist, dem blinden Spiel der Zufälle in der Geschichte unterworfen zu bleiben.
Gaus: Er kann die Geschichte selbst in die Hand nehmen?
Dutschke: Er hat sie schon immer gemacht. Er hat sie bloß noch nicht bewußt gemacht. Und jetzt muß er sie endlich bewußt machen – unter Kontrolle nehmen.
Gaus: Wie regiert sich dieser Mensch, wer führt ihn, wie bestimmt er, wer ihn führt, wie wählt er diesen Mann ab?
Dutschke: Er führt sich – und dieses Problem der Selbstorganisation ist nicht, daß ich jetzt wieder Fremde für mich entscheiden lasse. Wenn ich sage, die Menschen haben ihre Geschichte schon immer gemacht, aber noch nicht bewußt gemacht, dann soll das bedeuten, wenn sie sie bewußt machen, dann stellt sich das Problem der verselbständigten Eliten, der verselbständigten Apparate nicht mehr. Denn das Problem besteht darin, gewählte Repräsentanten wieder abzuwählen – sie jederzeit abwählen zu können – und das Bewußtsein der Notwendigkeit der Abwahl zu haben.
Gaus: Welche Eigenschaften müssen aus den Menschen herausoperiert werden, damit sie das leisten, was Sie von Ihnen erwarten?
Dutschke: Nicht eine einzige. Es müßten die unterdrückten endlich frei werden können. Die unterdrückten Fähigkeiten der gegenseitigen Hilfe, der Fähigkeit des Menschen, seinen Verstand in Vernunft zu transformieren und die Gesellschaft, in der er lebt, zu begreifen und sich nicht von ihr manipulieren zu lassen …
Gaus: Warum treten Sie aus der Politik nicht aus? Wäre das nicht ein größeres Mitleid mit den armen Teufeln, mit den Menschen, für die Sie so schreckliche Zeiten heraufkommen sehen? Warum sagen Sie nicht: Wir können es nicht ändern, laß es doch laufen!
Dutschke: Wir können es ändern. Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte, die unfähig sind, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Das haben sie uns jahrhundertelang eingeredet. Viele geschichtliche Zeichen deuten darauf hin, daß die Geschichte einfach nicht ein ewiger Kreisel ist, wo nur immer das Negative triumphieren muß. Warum sollen wir vor dieser geschichtlichen Möglichkeit Halt machen und sagen: Steigen wir aus, wir schaffen es doch nicht. Irgendwann geht es mit dieser Welt zu Ende. Ganz im Gegenteil. Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat, eine Welt, die sich auszeichnet, keinen Krieg mehr zu kennen, keinen Hunger mehr zu haben, und zwar in der ganzen Welt. Das ist unsere geschichtliche Möglichkeit – und da aussteigen? Ich bin kein Berufspolitiker, aber wir sind Menschen, die nicht wollen, daß diese Welt diesen Weg geht, darum werden wir kämpfen und haben wir angefangen zu kämpfen …
Gaus: Das stimmt. Was hat Sie von der christlichen, von der evangelischen Basis Ihres ersten gesellschaftspolitischen Engagements, der Zugehörigkeit zur Jungen Gemeinde, weggeführt?
Dutschke: Die Religion, die für mich in der Tat eine große Rolle spielte, ist vielleicht ’ne phantastische Erklärung des Wesens des Menschen und seiner Möglichkeiten. Aber diese phantastische Erklärung muß ja nun realgeschichtlich verwirklicht werden. Und so geht also das, was ich in der Vergangenheit als Christ begriffen habe, ein in meine politische Arbeit auf dem Wege zur Realisierung vielleicht doch des Friedens auf Erden. Wenn Sie so wollen.
Gaus: Sie sind nach wie vor ein Christ?
Dutschke: Was heißt Christ? Heute sind Christen und Marxisten in diesen entscheidenden Grundfragen, in diesen geradezu emanzipatorischen Interessen – Friede, und es gibt noch andere –, da sind wir uns einig. Wir kämpfen für gemeinsame Ziele. Der Pater in Kolumbien, der an der Spitze der Guerillas steht und mit der Waffe in der Hand kämpft, ist ein Christ! Und der revolutionäre Marxist anderswo ist auch ein …
Gaus: Welche Rolle spielt aber für Sie das Transzendente?
Dutschke: Ja, für mich war die Gottesfrage nie eine Frage. Für mich war immer die entscheidende, schon realgeschichtliche Frage: Was hatte Jesus da eigentlich getrieben? Wie wollte er seine Gesellschaft verändern und welche Mittel benutzte er? Das war für mich immer schon die entscheidende Frage. Die Frage der Transzendenz ist für mich auch ’ne realgeschichtliche Frage, wie ist die bestehende Gesellschaft zu transzendieren, einen neuen Entwurf zu machen einer zukünftigen Gesellschaft, das ist vielleicht materialistische Transzendenz …
Gaus: Glauben Sie, daß Mitleid die herrschende Triebfeder Ihres politischen Handelns ist?
Dutschke: Ich denke, daß Mitleid nicht die entscheidende ist, ich meine, es gibt nicht nur ein geschichtliches Gesetz des gegenseitigen Kampfes, sondern vielleicht auch ein geschichtliches Gesetz der gegenseitigen Hilfe und Solidarität. Und dieses Gesetz zur realen Wirklichkeit zu machen, daß die Menschen als Brüder wirklich miteinander leben, scheint mir eine wichtige Triebkraft meines Handelns zu sein.

Gretchen Dutschke: ″Die antiautoritäre Bewegung der 68er ist nicht gescheitert!″
Gretchen Dutschke: Chaoten in der Rigaer machen mich sauer
Das blaue Sofa – G. Dutschke, W. Kraushaar, J. Herres: Von Karl Marx bis 1968
Gretchen Dutschke: „Das Land brauchte große Veränderungen“
Dutschke Zweiteilige Dokumentation
The Who See Me Feel Me Woodstock 1969
Vor 50 Jahren – Attentat auf Rudi Dutschke
Gedenken zum 50. Jahrestag des Attentats auf Rudi Dutschke

Gretchen Klotz-Dutschke

Michael Schneider, Schriftsteller
Hajo Funke, Poltikwissenschaftler
Milan Horacek (emigrierte 1968 aus der Tschechoslowakei, Gründungsmitglied der Grünen)

Wilhelm Weitling
Warum lügt der Zeitungsschreiber, warum stiehlt der Dieb, warum betrügt der Kaufmann und warum verteidigt der Advokat eine schlechte Sache? – Alles des Geldes wegen… Warum verfälscht der Wirt das Getränk, der Bauer die Milch und Butter, warum bäckt der Bäcker das Brot zu klein? – Alles des Geldes wegen … Warum gibt es Leute, die gegen ihre Pflicht, ihr Gewissen und ihre Überzeugung lehren, schreiben und handeln? – Des Geldes wegen. Wenigstens die Hälfte unserer heutigen Ehen sind Geldspekulationen, worin Mitgift, Erbschaft, Hoffnung auf Ämter und frühen Todesfall eine Hauptrolle spielen. Die Liebe ist ein Nusskern, die Ehe sind die Schalen. Das Geldsystem ist der Wurm, welcher sich in den Kern frißt und ihn verdirbt. Schafft den Eheleuten in der gesellschaftlichen Ordnung eine freie, unabhängige, sorgenlose Stellung …dann wird der widrige Skandal aufhören, der heute euren Gerichten alle Hände voll zu tun gibt. Jede gesellschaftliche Verbesserung, die man durch Kapitalienverteilung bezweckt und worin das Geld die Hauptrolle spielt, kann keine vollkommene sein. Je ärmer der Arbeiter ist, für desto mehr Händler und Krämer muß er arbeiten, welche sich alle auf seine Unkosten zu bereichern suchen; nicht immer aus eigenem bösen Willen, sondern weil die ganze Gesellschaft nach dem Wuchersystem organisiert ist. Um die Grausamkeiten der Todesstrafen zu mildern, bedienten sich die Alten des Giftes, die Neuen der Guillotine; um uns nicht fühlbar zu machen, dass wir für andere arbeiten müssen, dazu bediente man sich des Geldes. So war denn mit dem Eigentum auch der Diebstahl und der Raubmord erfunden worden. Beide Erfindungen
waren voneinander unzertrennlich. Das Eigentum war die Mutter des Diebstahls und des Raubmordes! Die Kühnsten und Stärksten griffen zu den Waffen und machten aus der Kunst, sie zu führen, ein Handwerk. Der Raub wurde jetzt im Großen getrieben, wie der Handel. Von der Zeit an nannte man alles gestohlene Gut Eigentum, und den Austausch
der gestohlenen Güter Handel. Früher machte man den Menschen mit Gewalt zum Sklaven; jetzt verkauft er sich selber, seine Gesundheit, seine Jugend und sein Blut für das,
was man ihm Vaterland zu nennen gelehrt hat …

Bedingungsloses Grundeinkommen: Die Erlösung?
Tragik der Allmende
In Agrargesellschaften, in denen die allermeisten Menschen Selbstversorger sind, steht ihnen ein Grundeinkommen in Form von Grund und Boden zur Verfügung. Nicht unbedingt in Form von privatem Eigentum an Grund und Boden. Aber in Form von Besitz; das heißt: dem Recht, über Ackerland, Wald oder Weiden zu verfügen. Keine Frage, die Menschen mussten hart arbeiten, um diesem Boden ein Naturaleinkommen abzugewinnen. Aber sie mussten nicht auch noch arbeiten, um überhaupt über Grund und Boden
verfügen zu dürfen.

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Hasta Siempre, Comandante!
Ich weise auch darauf hin, dass wir in der Lage sind, mit den Anstrengungen und der Intelligenz unseres Volkes die Nahrung und den materiellen Reichtum zu produzieren, die wir brauchen. Wir haben keine Geschenke des Imperiums nötig. Unsere Bemühungen werden rechtmäßig und friedlich sein, denn sie entsprechen unsere Verpflichtung gegenüber dem Frieden und der Brüderlichkeit aller Menschen, die auf diesem Planeten
leben. Fidel Castro Ruz, 27. März 2016

Im Kapitalismus bekommt man alles für Geld und im Sozialismus bekommt man alles, was man für Geld nicht bekommt.

Die Erneuerung der Schweiz
«Der Sozialismus wird r e l i g i ö s sein, oder er wird  n i c h t  sein.» (Hendrik de Man.)

„Das Buch der Wahrheit“ – Botschaften
Ich wählte zwölf einfache Männer, ungebildet
und unkundig der Heiligen Schrift, arme Fischer.









Dittmar Rostig: Bergpredigt und Politik
Die sozialistische Wirtschaftsordnung
Der Sozialismus als geistig-wirtschaftliches Prinzip
Ragaz bejaht eine sozialistisch-strukturierte Gesellschaft, als sie „G e m e i n s c h a f t
verwirklicht und sich am Sinn und Wert der Gemeinschaft“ orientiert. Der Sinn des Sozialismus zeigt sich für Ragaz gerade in „einer neuen Gemeinschaftlichkeit des Lebens“. Diese läßt den Schwachen und Benachteiligten Hilfe zuteil werden. Den Wert der Gemeinschaft beurteilt Ragaz danach, inwiefern sich in ihr ein „Geist der F a m i l i e n h a f t i g k e i t“
verwirklicht. “Ein krankes Kind, eine alte Großmutter, sie werden die Heiligtümer der Familie. So muß auch eine Gesellschaft sein, die einmal eine wirkliche Gemeinschaft geworden ist. Die heute in das Dunkel Gestoßenen, die Schwachen, Verkümmerten, Hilflosen werden ihr Heiligtum sein …“ Für Ragaz ist der Sozialismus eine „g e i s t i g e Macht“, „ein s i t t l i –
c h e s  I d e a l“, denn Ragaz’ Sozialismus „fließt aus der G e s i n n u n g“. Dennoch löst er den Sozialismus als sittliches Ideal nicht von seiner wirtschaftlichen Gestalt ab, denn sie ist „elementare Voraussetzung“, aber auch „notwendige Konsequenz“ desselben. Die sozialistische Weltanschauung verneint Ragaz, als in ihr das messianische Element, das in Ragaz’ Denken für die geistig-religiösen Antriebskräfte geschichtlicher Entwicklung steht, durch die wissenschaftliche Theorie ersetzt wird. Als einen weiteren Grundzug der sozialistischen Weltanschauung streicht Ragaz – gleichsam den Nerv dieser Weltanschauung treffend – deren Materialismus heraus, wobei er zwischen historischem und metaphysischem Materialismus unterscheidet. Dem „Geschichtsmaterialismus“ eines im Grunde mechanistisch ausgerichteten Materialismus ordnet Ragaz eine naturalistische Weltanschauung zu, die ihre Eigenart darin entfaltet, die Macht des Geistes zu leugnen. Wo die „Entwicklung“ zur „allmächtigen Gottheit“ aufsteigt, wirtschaftliche Faktoren an die Stelle der geistigen treten, übt Ragaz Kritik in der Weise, daß er in der sozialistischen Weltanschauung Elemente kapitalistischer Weltanschauung wahrnimmt, und schlußfolgert, dass zunächst die Weltanschauung des Kapitalismus zu stürzen sei, ehe der Kapitalismus fällt.

Der Sozialismus des Gottesreiches: „Socialismus aeternus“
Die Botschaft vom Reich Gottes ist mehr als „b l o ß  S o z i a l i s m u s“, da sie nicht „von dieser Welt“ ist und da in ihr der Sieg auch über Schuld und Tod, Sünde und Krankheit verheißen ist. Andererseits nimmt Ragaz im Sozialismus Elemente wahr, die als „H i n w e i s“, „G e r i c h t“ und „Verheißung“ des in die Welt einbrechenden Reiches Gottes zu verstehen sind, wenn auch nicht als „Erfüllung“ desselben.. Für die Fragen der sozialen Gestaltung entdeckt Ragaz in den „großen Prinzipien“ der Bibel eine richtungsweisende „Orientierung“. Unterscheidet Ragaz einerseits streng zwischen Reich Gottes und Sozialismus, besonders in der Weise, als das Reich Gottes erst in seiner eschatologischen Gestalt zur Erfüllung kommt, also alle geschichtlichen Verkörperungen, in denen das Reich Gottes aufbricht, transzendiert, so ordnet er andererseits Reich Gottes und Sozialismus einander zu, da im Reich Gottes des ganze Sozialismus enthalten ist, und zwar in seinen wesentlichen Prinzipien. Ragaz untersucht das ganze Evangelium auf seinen sozialen Sinn. Sozialismus und Evangelium rückt er insofern eng aneinander, als das Evangelium die Botschaft vom Reich Gottes vertritt und der Sozialismus „mehr als ein bloßes Parteiprogramm“ verkörpert. Die Prinzipien der Bibel, die für die soziale Gestaltung der Welt heranzuziehen sind, versteht Ragaz als Verheißungen, nicht als politische Programmatik.

Jesu Reich-Gottes-Verkündigung stiftet Hoffnung, die die Welt verändert. Sie richtet sich auf die Befreiung des Menschen aus „aller Not des Leibes und der Seele“ und auf die „Umgestaltung der Erde“ nach Gottes Willen. Diese Beschreibungen stehen gegen ein rein jenseitig orientiertes Reich-Gottes-Verständnis, das den Weltbezug des Reiches Gottes
negiert, während Ragaz den dynamischen und revolutionären Reich-Gottes-Charakter herausarbeitet. Die Reich-Gottes-Botschaft erweist sich darin revolutionär, als sie auf die Umgestaltung und Erneuerung der Erde aus ist. Sie tritt nicht als „Hüterin der bestehenden Ordnungen“ auf und ist nicht auf die „Erhaltung des Bestehenden“ fixiert. Die Reich-Gottes-Botschaft Jesu, die auf die Befreiung des Menschen von Schuld, Sorge und Mammonsdienerei aus ist, verheißt eine „neue menschliche G e m e i n s c h a f t“, in der sich die Gedanken der „G l e i c h h e i t der Menschen“ sowie die „Achtung vor der eigenen und fremden P e r s ö n l i c h k e i t“ real verkörpern. Zu den unabdingbaren Grundprinzipien, die Ragaz dem Sozialismus der Bibel zuordnet, gehören die Heiligkeit des Menschen, also die Gotteskindschaft; die Bruderschaft, also die gegenseitige Verbundenheit und Verantwortlichkeit der Menschen vor Gott; das gegenseitige Dienen; Gottes und des Menschen Herrschaft über Mammon und andere Gewalten; Glaube, Liebe, Hoffnung; die Erwartung eines neuen Himmels und einer neuen Erde.

Kein Händler wird an jenem Tag mehr im Haus des Herrn der Heere sein (Sach 14,21)
Kein Händler wird an jenem Tag mehr im Haus des Herrn der Heere sein (Sach 14,21)

Die Genossenschaft als die soziologische Grundgestalt des Reiches Gottes
Eine Gemeinschaft, die dem Sinne Christi entspricht und in der Liebe und Brüderlichkeit vorherrschen, weist eben nicht zufällig diejenigen Elemente auf, die auf genossenschaftliche Strukturen drängen. Als geschichtliche Beispiele verweist Ragaz auf die apostolische Gemeinde, besonders auf die Mahl- und Gütergemeinschaft der urchristlichen Gemeinde, auf die Mönchsorden, die Zünfte des Mittelalters wie auf die Genossenschaftsbestrebungen der christlichen Sozialisten Englands.. Gesamtgesellschaftlich ordnet Ragaz die Errichtung von Genossenschaften in die gesellschaftliche Bewegung ein, die vom Kapitalismus zum Sozialismus führt. Von ihrer wirtschaftlichen Zielsetzung her baut die Genossenschaft eine „neue Organisation und Produktion des Konsums“ auf und führt an Stelle des Prinzips der Konkurrenz das der „Solidarität in den Konsumptions- und Produktionsprozess ein“. Eine wirtschaftliche Ordnung, in der sich der „Gedanke der Genossenschaftlichkeit“ verkörpert, verändert auch den Charakter der Arbeit, als in ihr Elemente eines „gegenseitigen Dienen/s/“ anzutreffen sind.. Diesen neuen Charakter der Arbeit führt Ragaz darauf zurück, daß der Arbeitsertrag „ein Gewinn für alle“ sein wird, weil der Profit, also die privatkapitalistische Aneignung der Arbeitsergebnisse hinwegfällt. Die Arbeit wird „Gottesdienst und Menschendienst“, weil sie als eine vom „Joche des Mammonismus und des Räubertums befreite Arbeit“ praktiziert wird. Die Genossenschaft erweist sich als „ideale Form des wirtschaftlichen S o z i a l i s m u s “ ‚ weil an Stelle der „gegenseitigen Ausbeutung“ die „Arbeit für einander“ tritt. Eine wirtschaftliche Ordnung im Sinne der Genossenschaft entspricht insofern dem Evangelium, als sie an Stelle des „Gelderwerb/s/ um seiner selbst willen“ die „gegenseitige Hilfe“ setzt, statt der „egoistische/n/ Selbsterhaltung“ die „Überwindung der materiellen Not“ praktiziert. Diese wirtschaftlichen Zielstellungen entsprechen dem Gedanken der Bruderschaft, so daß das Genossenschaftswesen oft von ethisch- religiösen Zielstellungen getragen wird. Die Genossenschaft, die auf dem Prinzip der Freiheit, Liebe und Gemeinschaft beruht, grenzt Ragaz streng von allen Formen der Herrschaft ab. Da die wirtschaftlichen Strukturen der Genossenschaft auch das geistige Klima und das Zusammenleben der Menschen prägen, mißt Ragaz ihnen einen hohen Stellenwert bei. Gerade die Einsicht, daß eine wirtschaftliche Ordnung in einem genossenschaftlichen Sinn dazu beiträgt, menschlichen Egoismus zurückzudrängen, weil er a u c h strukturell- gesellschaftlich bedingt ist, bewertet Ragaz hoch. Mit der Zielvorstellung „Genossenschaft“ verknüpft er die Erwartung einer „völlige/n/ L e b e n s g e m e i n s c h a f t „‚ da nicht nur im wirtschaftlichen Leben an Stelle der „selbstischen Konkurrenz … /die/ gegenseitige Hilfe“ tritt. Er sieht allerdings dieses Ideal solange als gefährdet an, als die Genossenschaft in einer kapitalistischen Umwelt existiert.. Im Denken von Ragaz transzendiert das genossenschaftliche Prinzip den Bereich der Wirtschaft, da er es für den Staat, aber auch für das Zusammenleben der Völker in Ansatz bringt. Der Staat wird von dem „genossenschaftlichen Prinzip aufgesogen“, als er lediglich noch für eine „gewisse Regulierung des Zusammenlebens einer durch Freiheit und Liebe aufgebauten Gesellschaft“ in Anspruch genommen wird. Die Genossenschaft als regulierendes Prinzip nimmt daher im Denken von Ragaz eine staatskritische, ja staatsauflösende Funktion wahr. Im Leben der Völker hebt das genossenschaftliche Prinzip die Politik auf, da Ragaz den Föderalismus als die „Zukunftsform der Völkerorganisation“ beschreibt. Das theologische Grundsatzproblem, das sich bei der Vermittlung von Glaube und Politik im Ragazschen Denkhorizont stellt, konzentriert sich auf die Fragestellung, ob Ragaz die Verheißungen der Reich-Gottes-Botschaft als Gesetz mißversteht. Diese Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, und wenn Ragaz formuliert, daß die Genossenschaft der „soziologische Urtypus des Reiches Gottes“, die „einzig entsprechende … soziologische Gemeinschaftsform der Sache Christi“ ist, so verwandelt sich in der Tat die Verheißung ins Gesetz, wird die Bibel zum unmittelbaren politischen Programm. Diese Aussagen, die direkt vom Evangelium aus in den sozialen Bereich hineinregieren, relativiert Ragaz allerdings selbst. Er verweist darauf, daß vom Evangelium aus zu den wirtschaftlichen Gestaltungsfragen lediglich „allgemeine Leitlinien“ hinüberführen, keinesfalls aber „Postulate“ zu gewinnen sind, die unmittelbar in ein „praktisches Programm“ einmünden. Lassen sich nach Ragaz vom Evangelium aus Demokratie, Genossenschaft und Sozialismus begründen, so präzisiert er diese Aussagen nicht unwesentlich, indem er diese gesellschaftlichen Größen im Evangelium eben nicht als „politisches Programm“, sondern „bloß als Möglichkeit und als allgemeine Verheißung enthalten“ sieht. Die Genossenschaft, die auf dem Prinzip der „f r e i e n  V e r e i n i g u n g“ beruht und in der sich „Gotteskindschaft und Bruderschaft“ verkörpern, versteht Ragaz als letztes Ideal und regulierende Idee, so daß er für die Bewegung des religiösen Sozialismus die Genossenschaft als die „Grundform des ganzen Sozialismus“ herausstellt. Die Genossenschaft als Grundtypus entfaltet sich in unterschiedlichen Formen, so daß sie Zugang zur Gewerkschaft, Kommune und Bodenreform ermöglicht, sofern sich in ihnen die Grundform „Genossenschaft“ verwirklicht. Weiß Ragaz, daß es sich vom Christentum aus verbietet, ein „ausgearbeitetes Einzelprogramm politischer und sozialer Art“ zu konzipieren, da das Reich Gottes nicht in der Verfügbarkeit des Menschen steht, so hält er zu Recht an den einfachen Prinzipien der Bibel, z.B. an den Begriffen der „Gottessohnschaft“ und „Bruderschaft“ fest.

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